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Jahrestagung 2005
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Workshop: Zitzengummiauswahl
Dr. H. J. Rudovsky
Im Rahmen des Workshops werden folgende Themenbereiche angesprochen und stellen die
Diskussionsgrundlage dar.
Formenspezifik
• Monoblock / konventionell (Vor-, Nachteile)
• Eigenschaften zylindrischer / konischer, runder / unrunder Schäfte (Einfaltrichtungen und -
verhalten, Zitzenmassage / Zitzenspitzenbelastung)
• Kopfformen
Unterschiedliche Zitzengummimaterialien und ihre Einsatzbedingungen
Material- und lebensmittelhygienische Eigenschaften (NR, NBR/SBR, Silicon, Weichmacher u.a.)
• Melkhygienische Eigenschaften verschiedener Materialien (Einsatzzeitproblematik)
• Einsatzbegrenzungen (Oberflächen-, Formstabilität)
• Unterdruckverhältnisse
Meßmethoden am Produkt zur Ermittlung der Zitzengummiparameter
• Materialhärte (ShA)
• Schaft- und Kopfparameter (ED, ET, LAW)
• Formparameter (NW, Schaftdurchmesser)
Pulsationskurve und ihre Wirkung auf die ZG-Bewegung
• ISO-Vorgaben (Phasenlänge b, d)
• Bewegungsverhalten bei unterschiedlichen ED-Werten, Vakuumhöhen und Abflussrichtungen
• Gestaltung der Übergangsphasen möglichst lang (Massagewirkung)
Wirkung von ZG-Schaft und ZG-Kopf auf Melkeigenschaften und Zitzengewebe
• weiche Massage schont das Gewebe (Kompromiss mit technischer Stimulation)
• großvolumiger Kopf bringt bessere Ausmelkeigenschaften, aber kurze Zitzen kommen bei
großvolumigem Kopf nicht in das optimale Massagebereich
• elastische Lippen korrigieren Heterogenität der Zitzenmaße beim Vakuumverschluss, aber
oberer Schaftdurchmesser meist zu groß (>2mm)

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• zu großer Schaftdurchmesser führt zur Überdehnung des Zitzengewebes, zu schlagartiger
Quetschung der Zitze in der Phase c und zu vollem Melkvakuum im Kopf
• sehr elastische Köpfe verringern bei hohem Kopfvakuum das Kopfvolumen, damit
verschlechtert sich das Haftvermögen des Melkzeuges (schwere / leichte Melkzeuge)
• Vakuumhöhe beeinflusst das Melkverhalten (höheres Vakuum führt stets zu Gewebebelastungen
und –anschwellungen im Zitzenspitzenbereich. Die Durchflusseigenschaften
verschlechtern sich)
• Unterdruckverhältnisse unter der Zitze beim Melken (stabiles Vakuum durch große Zentralen
und kurze Milchschläuche, zyklische und azyklische Schwankungen)
• besser ein leichtes Melkzeug mit Ausmelkvorrichtung als ein schweres, das ständig das
Gewebe belastet.
• Verlangt das „Irisches Melkverfahren“ spezielle Zitzengummis ?
Wie suche ich den optimalen ZG für die Herde?
• Ermittlung der Zitzengröße für die Herde (Mittelwertbestimmung)
• Optimum der ZG-Nennweite liegt 2 mm unter und über dem Mittelwert
• Zitzenformeneignung aus technischer Sicht
• kurze Zitzen erfordern kleinköpfige Zitzengummis
• schwere, leichte Melkzeuge
• Was ist beim Swing-Over zu beachten (hohes Melkvakuum, hohes Kopfvakuum, schwere
Melkzeuge). Sind hohe Vakuumschwankungen stimulationsfördernd ?
Optimale Melkbedingungen sind nicht allein ein technisches Problem. Eutermaße dürfen
technische Grenzwerte nicht unter, bzw. überschreiten. Das Maschinenmelken unterliegt
physikalischen Gesetzen. Die Zuchtarbeit muss auch diesen Gesetzen Rechnung tragen!
Vererbung der Zitzen- und Eutermaße im Bullenkatalog stärker beachten!


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Wege zur Senkung der Reproduktionsrate
Praktische Erfahrungen des Herdenmanagements und Versuchsergebnisse aus der
Milchviehherde in Iden
Thomas Engelhard, Hilmar Zarwel
Landesanstalt für Landwirtschaft und Gartenbau Sachsen-Anhalt, Iden
Aktuelle Situation
Die Milchviehherde der LLG Sachsen-Anhalt in Iden wird genutzt, um Aufgaben der Ausbildungsund
Versuchsdurchführungen sowie als Produktionsherde mit wirtschaftlichen Zielstellungen zu
erfüllen. Die 400 Milchkühe werden dreimal täglich gemolken. Die Herdenleistung lag in den
letzten Jahren über 11.000 kg je Kuh und Jahr (MLP, A+B-Kühe), die Reproduktionsrate konnte in
dieser Zeit auf weniger als 30 % reduziert werden. Weniger Tiere wurden gemerzt, mehr Zuchtund
Nutzvieh verkauft sowie nach Quotenzukauf der Kuhbestand aufgestockt. Die Lebensleistung
der Herde (28.500 kg) und der abgegangenen Kühe (33.500 kg) liegt über dem regionalen
Durchschnitts. Die Fruchtbarkeit der Herde ist nicht zufriedenstellend (ZKZ: 392 Tage, BI: 2,4;
30 % der Merzungen). Reserven zur weiteren Verbesserung insbesondere von Tiergesundheit und
Fruchtbarkeit sind vorhanden. Ausgewählte Ansätze des Herdenmanagements zur Sicherung und
Verbesserung bisher erreichter Ergebnisse sollen nachfolgend dargestellt werden.
Fütterung, Stoffwechselgesundheit
Die Ursachen von Stoffwechselstörungen liegen insbesondere in der ausgeprägt negativen
Energiebilanz der betroffenen Kühe aufgrund schnell ansteigender Milchleistung und nicht ausreichender
Anpassung des Futteraufnahmevermögens. Daraus können ketogene Stoffwechsellagen
und nachfolgend weitere Gesundheits- und Fruchtbarkeitsstörungen resultieren. Um die
höchst mögliche Deckung des Energiebedarfs zu erreichen, müssen die Tiere in der Hochleistungsphase
im Grenzbereich der wiederkäuergerechten Fütterung versorgt werden, was zum
Risiko des Auftretens von Azidosen führt.
Besondere Bedeutung für die Vermeidung von Stoffwechselstörungen wird dem Fütterungsmanagement
im geburtsnahen Zeitraum zugemessen (Trockenstellen bis 60. Laktationstag).
Neben der Berücksichtigung bekannter Normen (DLG) wird die Fütterung unter Nutzung der
Ergebnisse eines intensiven Controllings durchgeführt (Tabelle). Anhand der ermittelten Kontrollergebnisse
werden Maßnahmen für die Versorgung der Herde, von Fütterungsgruppen und von
Einzeltieren abgeleitet oder grundsätzliche Entscheidungen für das Management getroffen. Für die
Entscheidungsfindung erfolgt die Bewertung der Kontrollergebnisse im Komplex. Der Körperkondition
der Kühe (BCS, body condition scoring) kommt dabei eine hohe Bedeutung zu.

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In allen Haltungs- und Fütterungsabschnitten werden die Kuhgruppen mit TMR versorgt. Zur
Sicherung hoher bzw. angepasster Futteraufnahmen werden verschiedene Maßnahmen für die
Bewirtschaftung von Futterlagern, -silos und Futtertischen vorgegeben und umgesetzt.
Trockensteherfütterung, 1. Phase:
Die Kühe werden zum 220. Trächtigkeitstag trocken gestellt. Bei Kühen mit geringer Milchleistung
und zu starkem Fettansatz erfolgt dies früher (3 - 5 % der Tiere). Die Energie- und Nährstoffversorgung
deckt den Erhaltungsbedarf und das Wachstum der Frucht und wird gegebenenfalls
zur Steuerung der Körperkondition variiert. Der Energiegehalt der Ration ist so einzustellen, dass
das Verfetten der Kühe vermieden, aber notwendige Körperfettreserven gesichert werden (5,5 und
5,8 MJ NEL/kg TM). Ein deutlicher Verlust an Körpersubstanz (Unterversorgung) darf nicht auftreten.
Insbesondere die Korrektur zu fetter Kühe durch „abhungern“ würde das Risiko von Stoffwechselstörungen
erhöhen. Magere Einzeltiere werden dagegen vorzeitig in die Vorbereitungsgruppe
gestellt und intensiver versorgt, um gewünschte Zunahmen zu fördern. Zielstellung sind
möglichst hohe Futteraufnahmen als Ausdruck für eine optimale Körperkondition und für die
Stabilität der Kühe . Der Verdauungstrakt soll gut gefüllt sein (Trainingseffekt für Frühlaktation). Bei
zu hohen Zunahmen der Trockensteher erfolgt keine Restriktion der Futtermenge, sondern die
Reduzierung des Energiegehalts der Ration. Die Ration besteht zum größten Teil aus Grassilage
aus Folgeschnitten. Durch einen begrenzten Anteil Maissilage (2 bis 2,5 kg TM) soll eine positive
Wirkung auf die Mikroorganismen im Pansen erreicht werden. Mit der Höhe des Strohanteils wird
der Energiegehalt des Futters in Abhängigkeit von der Körperkondition reguliert. Energie- und
stärkereichere Rationen ( 6,0 MJ NEL) können zwar die Futteraufnahme weiter steigern, führen
aber zur Verfettung und zu vermehrten Schwergeburten. Die Protein- und Mineralversorgung ist
nach den DLG-Bedarfsnormen für trockenstehende Kühe ausgerichtet.
Vorbereitungsfütterung (Trockensteherfütterung, 2. Phase):
Dieser Haltungs- und Versorgungsabschnitt beginnt drei bis zwei Wochen vor der voraussichtlichen
Kalbung (magere Tiere früher, s. o.). Wesentliche Zielstellung bleibt das Vermeiden
oder Minimieren des Rückgangs der Futteraufnahme und der Mobilisation von Körperfett. Dazu
wird der Energiegehalt des Futters gegenüber der 1. Trockenstehphase angehoben (6,4 - 6,8 MJ
NEL bei 130 bis 150 g nXP/kg TM). Die Ration enthält mehr Stärke und die Mehrzahl der Futtermittel
die in der Frühlaktation gefüttert werden (einschließlich Sonderfuttermittel zur Stoffwechselprophylaxe),
um den Pansen (Zotten, Schleimhäute, Mikroorganismen) auf die Umsetzungsprozesse
nach der Kalbung vorzubereiten.
Die Maßnahmen zur Gebärpareseprophylaxe sind konsequent umzusetzen. Voraussetzung dafür
ist eine bedarfsgerechte Energie- und Proteinversorgung in der Spätlaktation und Trocken6.
Jahrestagung – Berlin, 14./15.09.2005
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stehphase unter Einbeziehung der Körperkondition. Bei fetten Kühen tritt häufiger Gebärparese
auf. Die Mineralversorgung ist so zu wählen, dass insbesondere ältere Kühe in die Lage versetzt
werden, ausreichend Ca aus dem Skelettsystem zu mobilisieren. Das kann mit einer möglichst
geringen Ca-Versorgung erfolgen (< 50 g/Tier/Tag, Ca : P-Verhältnis 1:1, wenig/kein Ca im
Mineralfutter). Ist dies nicht möglich oder stören hohe Kationengehalte im Futter (insbesondere K)
die Ca-Mobilisation, sollte die Veränderung des Kationen-Anionen-Verhältnises (DCAB) der Ration
erfolgen. Es ist zu prüfen ob ein Verzicht auf K-reiche Futtermittel oder ein reduzierter Einsatz
möglich ist. Angestrebte Veränderungen der DCAB werden auch durch die Gabe von Futtermittel
mit hohem Anionengehalt erreicht (insbesondere hoher S-Gehalt, z.B. Rapsextraktionsschrot). Die
nachhaltigste Veränderung der DCAB bewirkt der Einsatz spezieller Mineralfutter („Saure Salze“ =
Sulfide, Chloride + 100 g Ca/Tier/Tag). Diese provozieren eine verstärkte Ca-Ausschwemmung
und somit ein Training der Mobilisation der körpereigenen Ca-Reserven. Die Auswahl des Verfahrens
der Mineralversorgung richtet sich an den Gehaltswerten der zur Verfügung stehenden Futtermittel
und der Ration (K, Ca, S) aus. Messungen des pH-Wertes im Harn der Kühe vor der
Kalbung können weitere Informationen zur DCAB des Futters geben. Als besonders wirksame und
gezielt einzusetzende Gebärpareseprophylaxe bewähren sich Vitamin D3-Injektionen für Kühe ab
der 3. Laktation (i. m., 10 Mio. IE, 5 Tage vor erwarteter Kalbung, ggf. Wiederholung bei späterer
Kalbung). „Risikotiere“ (Gebärparese zur letzten Kalbung, fette Kühe) erhalten zusätzlich eine
subkutane Ca-Injektion zur Kalbung.
Frühlaktation:
Die Trennung von Kuh und neugeborenem Kalb erfolgt unmittelbar nach der Kalbung. Danach wird
den Kühen 20 bis 40 l warmes Wasser mit einem Zusatz von Mineralen und glukoplastischen
Substanzen zur freiwilligen Aufnahme angeboten. Fast alle Tiere nehmen die Menge auf (> 95 %).
Danach kommen die Tiere in die „Repro-Gruppe“ (min. bis 6. Laktationstag) mit hohem Haltungskomfort
(Tiefstreu). Die geringe Gruppengröße (5 - 10 Tiere) ermöglicht eine verbesserte Tierbeobachtung
und -kontrolle. Aus den täglichen Kontrollen (Tabelle) wird abgeleitet, ob die Behandlung
eines Tieres notwendig ist und/oder ob es länger in dieser Gruppe verbleibt.
In der nachfolgenden Frischmelker-Gruppe im Liegeboxenlaufstall stehen die Kühe mindestens bis
zum 60. Laktationstag . Dieser Zeitraum wurde gewählt, weil sich die Futteraufnahme so lange
nicht oder nur in ungenügendem Maße an die Milchleistung und an den daraus resultierenden
Bedarf anpasst. Es wirkt kein „physiologischer Nährstoffsog, was insbesondere die Versorgung
von Hochleistungskühen erschwert. Wird dem mit sehr kraftfutterreichen Rationen entgegengewirkt,
kann es zur Übersäuerung des Pansens kommen. Zielstellung für die Fütterung in der
Frühlaktation ist zuerst die Ketose- und Azidoseprophylaxe, als Voraussetzung für hohe Milchleistungen.
Diese Frischmelkerration (identisch für „Repro“-Gruppe) unterscheidet sich von der

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nachfolgenden Hochleistungsrationsphase durch geringere Stärke- und Zuckergehalte (20 – 24 %
i. d. TM). Die Energieversorgung wird mit dem Einsatz von Sonderfutter oder Futterzusätzen (z. B.
Propylenglykol) verbessert, ohne dadurch die Strukturwirksamkeit der TMR zu beeinträchtigen. Mit
der Begrenzung des Einsatzes solcher Sonderfuttermittel auf die Frischmelkergruppe kann Luxuskonsum
durch Kühe ohne entsprechenden Bedarf weitestgehend vermieden werden. Zum
60. Laktationstag wird der Zustand der Kuh anhand verschiedener Kontrollkriterien bewertet
(Tabelle 1) und entschieden, ob eine Umstellung in die Hochleistungsgruppe erfolgt oder ob
Problemtiere noch in der Frischmelkergruppe bleiben. Erfolgt die Umstellung endet die freiwillige
Wartezeit für besamungstaugliche Tiere.
Hochleistungsphase, Spätlaktation:
In der Hochleistungsgruppe soll das hohe Milchleistungspotenzial der Kühe mit einer preiswerteren
Ration soweit wie möglich ausgeschöpft werden. Der Anteil an Getreide und Maissilage als
Energieträger nimmt zu. Dabei ist die Strukturwirksamkeit der Ration zu sichern. Der Stärke- und
Zuckergehalt im Futter wird auf 22 – 26 % i. d. TM begrenzt. Dem wird für die Azidoseprophylaxe
eine größere Bedeutung beigemessen als der Länge der Futterpartikel. Die Kontrolle der
Strukturwirkung erfolgt in einem Komplex aus Kontrollmaßnahmen (Tabelle 1).
Problematisch ist es, eine neue Trächtigkeit der Tiere zu erreichen. Bei Verbesserungen der
Versorgungslage der Kühe sind zuerst steigende Milchleistungen ohne deutliche Verbesserung der
Fruchtbarkeitsergebnisse festzustellen. Konsequenzen für das betriebliche Zuchtziel sollten abgeleitet
werden. Kontinuierlich wird ein „Fruchtbarkeits“ - Programm definierter Maßnahmen für die
Herde und für Problemtiere durchgeführt (Pueperalkontrollen, Spülungen, Hormonbehandlungen).
Bei nachlassender Milchleistung und abnehmendem Energie- und Nährstoffbedarf werden die
Kühe in eine Altmelkergruppe umgestellt. Dort erhalten sie mehr Grob- und weniger Kraftfutter. Die
Einordnung in die Fütterungsgruppen erfolgt zuerst nach den Kriterien Milchleistung und -inhalte
sowie nach der Körperkondition (BCS-Note). Magere Tiere bleiben auch bei fallender Laktationskurve
im intensiveren Ernährungsniveau, zu überhöhtem Fettansatz neigende Kühe werden
schneller umgestellt.

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Tabelle 1: Fütterungscontrolling in der Milchviehherde
Kontrollobjekt Kontrollzeitpunkt Kontrollkriterium Maßnahme
Herde täglich Tankmilchmenge, Milchinhalte
(Stichproben)
Rationszusammensetzung,
Futtermenge
Gruppen Futteraufnahme (Futtervorlage,
Futterrest,
Fressverhalten)
Einzeltiere,
(Gruppenmittel)
Wiederkauverhalten,
Kotkonsistenz
monatlich MLP-Daten (Harnstoffbericht),
Körperkondition
(BCS)
Gruppenzuordnung,
Rationszusammensetzung
Futterwechsel,
Stichproben
Harn-pH-Wert (z. T.
erweiterte Analyse)
Stichproben,
Problemabklärung
Stoffwechselanalytik
bis 6. Lakt.tag
(„Repro“)
täglich Körpertemperatur
bis 60. Lakt.tag
(Frischmelker)
zum 60. Lakt.tag,
wöchentlich
Allgemeinzustand (Haarkleid,
Augen, Bewegung),
Futteraufnahme
(Fressverhalten, Hungergrube),
Körperkondition
(BCS)
Rationszusammensetzung,
Umstellung oder Verbleib in
der Gruppe, Maßnahmen und
Behandlungen am Einzeltier
Trockenstehund
Vorbereitungsphase
14-tägig Probleme zur letzten
Kalbung
Futtermittel täglich Trockenmassegehalt
(Grobfutter)
Rationszusammensetzung
Stichproben, Futtermittelwechsel
(insbesondere
Grobfutter)
Futtermittelanalyse
Problemabklärung erweiterte
Futtermittelanalyse
Restriktionen oder Ausschluss
von Fütterung
täglich sensorische Qualität
Kalbeverlauf
Ein zu hoher Anteil Schwer- und Totgeburten mit nachteiligen Folgen auf Tiergesundheit und
Nutzungsdauer von Jungkühen stellte sich als Problem dar. Bei Färsenkalbungen waren 2003 18
% Totgeburten zu verzeichnen ( Kälber: 25 %,  Kälber: 11 %). Eine gezielte Beeinflussung des
Anteils / Kälber durch den Einsatz von gesextem Sperma stellte sich nicht als erfolgversprechender
Ansatz dar (unzureichender Besamungserfolg). Ab 2004 wurde die Totgeburtenrate
bei Färsen auf 5 bis 10 % gesenkt werden (1. Halbjahr 2005: 1 %). Die Basis für ein
problemloses Abkalben soll mit einer bedarfsgerechten Fütterung und Energieversorgung in der
Aufzuchtphase gelegt werden, bei Kühen in der Spätlaktation und Trockenstehphase. Maisbetonte
Rationen sind nicht einzusetzen. Bei dem geringen EKA von 25 Monaten müssen die Jungrinder

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eine ausreichende Körpermasse zur Erstbesamung aufweisen (400 kg). Um negative Vater-Effekte
auf den Geburtsverlauf auszuschließen (Vater Kalb, Vater Färse) ist eine gezielte Bullenauswahl
und Anpaarung notwendig. (Beim Deckbulleneinsatz nicht oder nur mit geringer Sicherheit
möglich.) Zur Kalbung soll eine möglichst intensive Tierbeobachtung und bei Bedarf eine korrekte
Geburtshilfe gewährleistet werden. Wesentlich gesenkt wurde die Totgeburtenrate, als auf das
kurzfristige Separieren der Färsen aus der Gruppenbox (Wartegruppe) in die Einzelkalbebox
unmittelbar zur Kalbung verzichtet wurde. Das Separieren der Mehrkalbskühe in Einzelkalbeboxen
erfolgt weiterhin auch im Rahmen der Maßnahmen zur Para-Tb-Prophylaxe.
Eutergesundheit
Probleme der Eutergesundheit zeigen sich in geringerem Umfang im Mastitisgeschehen (Abgänge
Mastitis 2004: 5 % der Merzungen) und mehrfach im deutlichen Anstieg des Gehaltes an somatischen
Zellen in der Milch. Im untersuchten Keimspektrum dominieren Umweltkeime.
Unterschiedliche Prophylaxemaßnahmen werden durchgeführt und die Ursachen für auftretende
Problemsituationen sind zu beseitigen oder in ihrer Wirkung zu reduzieren.
In der Spätlaktation wird eine bakteriologische Untersuchung und ein Schalmtest sowie
gegebenenfalls eine Behandlung nach ermitteltem Erregerbefund durchgeführt, damit die Tiere mit
gesunden Eutern in die Trockenstehphase kommen. Das Trockenstellen erfolgt unter Verwendung
eines antibiotischen Präparates. Die Trockensteher werden wöchentlich mit einem Mittel gedippt,
das einen länger wirkenden Zitzenverschluss herstellt. Dabei erfolgt die Kontrolle des Euters. Nach
der Kalbung wird erneut eine bakteriologische Untersuchung der Milch durchgeführt, um
gegebenenfalls Hinweise auf erforderliche Maßnahmen zu erhalten. Die Kühe werden sachgerecht
gemolken. Dabei erfolgt eine Kombination maschineller und manueller Stimulation. Es kommen
Mehrwegtücher zur Euterreinigung zum Einsatz, die nach einmaliger Benutzung zwischen den
Melkzeiten mit desinfizierendem Waschmittel gereinigt werden.
Das schnelle Abliegen der Kühe in die Liegeboxen nach dem Melken wird durch die TMRVorratsfütterung
gefördert und stellt sich als Problem dar. Die Gefahr des Keimeintritts erhöht sich.
Verlängerte Strichöffnungszeiten bei dreimaligem Melken tragen zusätzlich dazu bei. Die höhere
Melkfrequenz führt zu einer intensiveren Beanspruchung der Zitzen. Als Reaktion darauf wurden
die Melkzeuge mit Silikon-Zitzengummis ausgestattet, was zur Beseitigung des Auftretens von
Hyperkeratosen im Bestand führte. Zur Reduzierung des Keimeintritts erfolgt die Auswahl und der
Einsatz des Dippmittels gezielt nach dem ermittelten Erregerspektrums (Umweltkeime 
organische Säuren) und nach der Qualität des Zitzenverschlusses. Wichtig ist eine ausreichende
Stallhygiene (Einstreu, Boxenpflege). Zum Teil wurde die Überbelegung des Stalls akzeptiert, um
die Milchablieferung zu erhöhen. Der daraus resultierende Stress führte zum Anstieg der Zellzahl
der Milch.

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Klauengesundheit
Die Probleme der Klauengesundheit werden im Auftreten von Klauenrehe als Folge von
Stoffwechselstress und intensiver Fütterung offensichtlich (30 – 40 % der Kühe bis 200. LT mit
Bluteinschlüssen im Klauenhorn). Zeitversetzt nach Hitzeperioden ist dies verstärkt festzustellen.
Das Stehen und Laufen der Tiere auf harten Böden bei ganzjähriger Stallhaltung führt zum
Auftreten von Stallrehe. Die Ursache dafür und für zu dünne Sohlen liegt insbesondere im hohen
Abrieb der Klaue (Tragerand) auf den sehr rauen Gussasphaltböden. Als Sekundärerkrankungen
sind eitrig hohle Wände, doppelte Sohlen und Sohlengeschwüre zu verzeichnen.
Dem hohen Klauenabrieb muss mit einer sehr intensiven Klauenpflege (insbesondere Ausschneiden
der Hohlkehle) begegnet werden (Trockenstellen, 30., 100., 180., 250. Laktationstag).
Damit wird eine hohe Kontrollfrequenz gesichert und bei Bedarf rechtzeitige Behandlungen durchgeführt.
Die Voraussetzungen für die Verbesserung und Sicherung der Klauengesundheit sind mit
bedarfs- und wiederkäuergerechter Fütterung zu schaffen. Guter Kuhkomfort führt zu ausreichender
Liegezeit und somit zur Entlastung der Gliedmaßen. Die Phasen der Überbelegung des Stalles
(s.o.) führten vermehrt zu Schädigungen von Klauen und Gelenken und sind zu vermeiden.
Besondere Bedeutung ist der Sicherung der Stallhygiene, insbesondere der Sauberkeit der
Laufgänge beizumessen (Beräumung mit Klappschieber aller 1,5 h). Ein erhöhter Fressstand
sichert, dass es durch die Klappschieberentmistung nicht zur verstärkten Verschmutzung der
Klauen während der Fresszeit kommt. Positive Effekte auf die Klauengesundheit wurden durch die
Teilausstattung mit Gummimatten im Laufbereich erreicht (Minderung Abrieb und Druck).
Fazit
Um die Reproduktionsrate zu senken sowie die Tiergesundheit und die Fruchtbarkeit zu
verbessern werden in der Hochleistungsherde der LLG Sachsen-Anhalt vielfältige Maßnahmen
durchgeführt. Der dafür notwendige Aufwand im Herdenmanagement rechtfertigt sich mit einer
Stabilisierung der Milchleistung auf hohem Niveau, verringerten Merzungsraten sowie
zunehmendem Zucht- und Nutztierverkauf. Bei erhöhtem Arbeitszeitaufwand für Kontrollen und
Prophylaxe wurde die Produktivität der Milchproduktion gesteigert. Noch vorhandene Reserven
sind zu erschließen.


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Workshop: Reinigungsverfahren von Melkanlagen aus technischer Sicht und Kontrollmöglichkeiten
Uwe Osthues
WestfaliaSurge GmbH
Einpfropfensystem als Reinigungsphilosophie für größere Melkleitungen (Uwe Osthues)
Durch den massiven Strukturwandel in der Milchviehhaltung werden in den nächsten Jahren die
eingesetzten Melksysteme immer größer werden. Melkstände mit mehr als 20 Melkplätzen sind
keine Ausnahme mehr. Dementsprechend sind die Anlagendimensionen für einen raschen
Milchtransport und gesicherter Vakuumversorgung ausgelegt. Dies bedingt eine Weiterentwicklung
der Reinigungstechnik, damit hygienisch einwandfreie Milchleitungen gewährleistet werden. Ein
Weg ist das Einpfropfensystem, das in verschiedenen Reinigungsphasen eine exakt dosierte
Menge an Wassersäulen mit entsprechender Geschwindigkeit Zyklusweise durch die zu
reinigenden Anlagenteile schickt.
Pfropfenbildung:
Was während der Melkphase verhindert werden muss, muss bei der Reinigung sichergestellt sein.
Während des Melkens verursachen Milchpfropfen unerwünschte Vakuumschwankungen im
Melksystem, die für das Melken schädlich sind.
In der Reinigungsphase allerdings gilt es eine perfekte Reinigung und Desinfektion aller milchführenden
Teile für eine saubere, keimarme Rohmilch zu erzielen. Dazu müssen alle milchführenden
Anlagenteile vollständig benetzt werden. Nur durch gezielt eingesetzte Wasserpfropfen
kann die Wandung rundherum einwandfrei gereinigt werden. Ziel ist es, neben der Keimabtötung
auch ein belagfreies Reinigungsergebnis zu erzielen. Erst wenn sichergestellt ist, dass im
Reinigungsvorgang jeweils nur ein Wasserpfropfen das Leitungssystem durchströmt, kann sich die
volle Wirksamkeit der Mechanik entfalten.
Das Einpfropfensystem setzt auf eine gezielte Durchströmung des Melkleitungssystems mit nur
einem Wasserpfropfen pro Zyklus. Die Geschwindigkeit beträgt 7-10 m/s. Im Hauptspülgang
werden bei einer Phasenlaufzeit von 8 – 10 Minuten 25-30 Wassersäulen erzeugt. Die periodische
Steuerung dieses Vorganges übernimmt ein elektronisch geregelter Luftinjektor.
Erst die gezielte Steuerung dieser Vorgaben ergibt ein Reinigungsergebnis auf hohem Niveau.
Damit der Prozess abgesichert funktioniert, sind die Vorgaben des Einpfropfenkonzeptes zu
überprüfen. Es gelten bei diesem Verfahren die gleichen Grundregeln wie bei jedem anderen
Spülverfahren auch. Es ist Sicherzustellen, dass Temperatur, Zeit und Chemie im richtigen
Verhältnis eingesetzt werden, um ihre volle Wirksamkeit im Reinigungsprozess zu gewährleisten.

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Neben den vorher genannten Kenndaten lässt sich beim Einpfropfenprinzip auch die mechanische
Wirksamkeit überprüfen. Dies geschieht durch den Einsatz eines Vakuummessgerätes mit zwei
möglichen Messpunkten. Die mechanische Wirksamkeit in einem Reinigungsprozess ist ebenfalls
von fundamentaler Bedeutung für das Reinigungsergebnis.
Vorgehensweise beim Überprüfen des Einpfropfensystems:
Die beiden Messpunkte werden jeweils links und rechts vom Milchabscheider abgegriffen. Somit
lassen sich die Vakuumverhältnisse am Leitungsanfang und dem Start des Pfropfens und am
Leitungsende, sprich am Ziel des Pfropfens messen.
Aus den Messergebnissen lassen sich verschiedene Informationen ablesen:
Vakuumverlauf an zwei
Messpunkten gemessen!
Ein Feld ist gleich
1 Sekunde in der
Breite und 7 kpa
in der Höhe
24 Meters (Leitungslänge) geteilt durch 2,75
Sekunden ergibt 8,8 Meter/ Sek.!
2.75 sec
Der erste Pfeil steht für den Anfang der
Wassersäule und der zweite für das Ende!
Vakuumdifferenz
Compass Plus
Das Einpfropfensystem ermöglicht es, dass der Prozess des Reinigungsvorganges noch besser
kontrolliert werden kann. Somit ist es ein kleiner Baustein die wirtschaftliche Seite eines Milchviehbetriebes
mit abzusichern.


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Workshop: Reinigungsverfahren von Melkanlagen aus technischer Sicht und Kontrollmöglichkeiten
Antje Wald
Sächsischer Landeskontrollverband e.V.
Arbeitshinweise
Die mikrobiologische Beschaffenheit der Rohmilch wird von einer Vielzahl von Faktoren
beeinflusst.
Ursachen für eine erhöhte Keimzahl in der Rohmilch können sein:
Mängel bei der: • Euterreinigung
• Reinigung und Desinfektion der Melkanlage
• Reinigung und Desinfektion des Kühltanks bzw. Kühlung der Rohmilch
folgende Schwerpunkte sollten bei der Kontrolle der genannten Ursachen gesetzt werden:
Euterreinigung
Euterreinigungsverfahren stets im Zusammenhang mit der Euterverschmutzung beurteilen
unter Beachtung melkhygienischer Gesichtspunkte
Reinigung und Desinfektion der Melkanlage
Vorspülgang
= Grundvoraussetzung für einen guten Reinigungs- und Desinfektionserfolg
Hauptspülgang
Einfluss der Chemie:
Anwenderkonzentration der Reinigungslösung entsprechend den Herstellerangaben
(Beurteilung des Verfahrens der Dosierung)
Temperatur- Zeitverhältnis:
Zirkulationsreinigung: Minimum 10 min über 40°C bei sauer/ alkalischer Wechselreinigung
Kochendwasserreinigung: Temperaturmessstreifen zur Überprüfung der Mindesttemperatur
Mechanik / Turbulenzen:
Prüfen der Vakuumdifferenzen und Vakuumhöhen
Prüfen Wassermenge

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Kühltank
Kontrollpunkte
Temperaturverlauf bei der Kühlung und Reinigung und Desinfektion
beachte den Kühlungsverlauf in der ersten Melkzeit nach der Tankreinigung
Auswahl des R+D – Mittels in Abhängigkeit von der Reinigungstechnik
Zur Abklärung von erhöhten Keimzahlen müssen die genannten Ursachen in ihrer Gesamtheit
abgeklärt werden.
Eine Überprüfung des Reinigungsstatus der Melkanlage und des Kühltanks kann im Anschluss mit
der Biolumineszenzmethode erfolgen.
Zur Überprüfung des Temperaturverlaufes im Milchtank sowohl bei der Kühlung als auch bei der
Reinigung empfiehlt sich der Einsatz eines automatischen Temperaturmessgerätes. Für eine
exakte Aussage sollte der Aufzeichnungszeitraum mindestens 3 Tage betragen. Hat die Abklärung
dieser Grundsätze zu keiner Ursachenfindung geführt, muss die Melkarbeit abgeklärt werden.
Dazu empfiehlt sich die Durchführung einer Stufenkontrolle über eine gesamte Melkzeit in
Abhängigkeit von den Kuhgruppen. Die Entnahme der Milchproben muss über den gesamten
Zeitraum an festgelegten Probenahmestellen erfolgen, z.B. Milchschleuse, Tankeinlauf, Tank.


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Workshop: Qualitätsbeurteilung Silagen
Dr. Hansjörg Nußbaum
Lehr- und Versuchsanstalt Aulendorf
Die Silagequalität beinhaltet den Futterwert, aber auch die sogenannte Gärqualität. Die Merkmale
des Futterwertes, also Protein-, Rohfaser-, Rohasche- und Energiegehalt spielen bei der Rationsgestaltung
eine tragende Rolle. Ob die Ration aber auch von den Kühen aufgenommen wird, hängt
maßgeblich von der Gärqualität ab, die neben pH-Wert und den Gehalten an Gärsäuren auch
Parameter wie Alkohol- und Ammoniakkonzentration beinhaltet.
Hohe Grundfutterleistungen lassen sich nur mit bester Silagequalität erreichen. Die Futteraufnahme
selbst wird maßgeblich von der Gärqualität beeinflusst. Fehlgärungen und demzufolge
Fehlgerüche schlagen sich sofort in unbefriedigende Fressleistungen nieder. Wie kann nun die
Gärqualität ermittelt werden?
Ermittlung der Gärqualität
Bei der Laboranalyse können neben dem Futterwert auch die Parameter der Gärqualität ermittelt
werden. Für die so analysierten Gehalte an Gärsäuren, pH-Wert und Ammoniakanteile (als Maß
für den Eiweißabbau) existiert ein Schema der DLG, das diese chemischen Parameter bewertet
und in einer Note ausdrückt. Darüber hinaus gibt es den DLG-Sinnenschlüssel, der maßgeblich
von Aulendorf aus weiterentwickelt wurde. Relativ rasch kann die Gärqualität auch über pH-Wert
und TS-Gehalt in sechs Gruppen eingestuft werden. Die Bestimmung dieser Merkmale wurde im
vorstehenden Artikel dargestellt.
Einteilung in sechs Gruppen
Der sogenannte „kritische“ pH-Wert teilt alle Silagen zunächst in solche ohne und solche mit
Buttersäure ein (Abbildung 3). Liegt der pH-Wert unterhalb der kritischen Linie, dann reicht die
Ansäuerung aus, um die anaeroben Buttersäurebakterien zu unterdrücken. Je feuchter die Silage
ist, desto tiefer muss der pH-Wert sein. Der senkrechte Strich bei 30 % TS stellt die TS-Grenze
dar, ab der nach rechts (zunehmender Anwelkgrad) kein Gärsaft mehr auftritt. Gärsaft bedeutet
Nährstoffverluste und stellt eine Umweltgefährdung dar. Ab 40 % TS lässt sich das Erntegut immer
schwieriger verdichten. Damit steigt das Risiko von Nacherwärmung und Schimmelbildung an.

40
Abbildung 3: Einteilung der Gärqualität über pH-Wert und TS-Gehalt in sechs Gruppen
zunehmendes Problem:
Nacherwärmung, Schimmel
3,8
3,9
4,0
4,1
4,2
4,3
4,4
4,5
4,6
4,7
4,8
4,9
5,0
5,1
5,2
20 25 30 35 40 45 50
TS-Gehalt [%]
Problem:
Gärsaft
Optimalbereich
pH-Wert
1 2 3
4 5 6
Tabelle 2: Ausgangssituation, mögliche Ursachen, Maßnahmen und denkbare Siliermittel,
um Futterwert und Gärqualität bei Grassilage zu verbessern
Bereic
h Nr.
Situation /
Probleme
Ursachen Maßnahmen mögliche Siliermittel
1 sehr viel Buttersäure,
Gärsaft,
pH-Wert zu hoch
schwierige Anwelkbedingungen,
hoher
Schmutzgehalt,
Zuckermangel
Lange Feldperiode
(verregnet)
Anwelken, falls
möglich,
Schnittzeitpunkt
optimieren,
Verschmutzung
vermeiden
zwingend Siliermittel
Gütezeichen 1a einsetzen;
ab 28 % TS Melasse
möglich (25-30 kg/t
FM), evtl. in Komb.
mit MSB
2 TS-Gehalt in
Ordnung,
Buttersäure,
pH-Wert zu hoch
Zuckermangel,
evtl. zu hoher
Schmutzgehalt,
lange Feldperiode
(verregnet),
Anwelken jedoch
möglich
Schnittzeitpunkt
optimieren,
Verschmutzung
vermeiden
Pflanzenbestand
kontrollieren
Siliermittel mit
Gütezeichen 1b,
zuckerhaltige Mittel
wie Melasse bis 35 %
TS, evtl. in Komb. mit
homoferment.
Milchsäurebakterien
3 TS-Gehalt zu
hoch, Gefahr der
Nacherwärmung,
(selten) Buttersäure
sehr später Schnitt,
hoher Schmutzgehalt,
zu stark
angewelkt
Schnittzeitpunkt optimieren,
Verschmutzung
vermeiden,
Erntekette optimieren
Pflanzenbestand
kontrollieren
Mittel mit Gütezeichen
2, vorwiegend Mittel
mit Propion-, Benzoeoder
Sorbinsäure

41
4 ohne Buttersäure,
Gärsaft
geringe
Verschmutzung
Trotz schwieriger
Anwelkbedingungen
Schnittzeitpunkt und
Erntemanagement
im Griff,
kurze Feldphase
Anwelken, falls
möglich, ansonsten
alles in Ordnung;
Mähwerk mit Aufbereiter
oder Breitverteilhaube
sinnvoll;
Verschmutzung weiterhin
gering halten
(Grünlandpflege)
Siliermittel nicht
zwingend notwendig,
zur Absicherung evtl.
Mittel mit Gütezeichen
1b, insbesondere bei
Verschmutzungsgefahr;
Melasse
(25 kg/t FM) plus MSB
ab 28 % TS möglich
5 TS-Gehalt und pHWert
im Optimalbereich,
Futterwert
hoch, geringe
Verschmutzung
Schnittzeitpunkt und
Erntemanagement
bestens im Griff
Eintagessilage oder
max. eine Nacht
dichte Grasnarbe,
guter Pflanzenbestand
Grünlandbewirtschaft
ung und Silagebereitung
in Ordnung:
weiter so !
nicht zwingend
notwendig, im
Hochleistungsbereich
Mittel mit Gütezeichen
4 c „Milch“ sinnvoll,
falls Mindestvorschub
erreicht, dann
Melasse als
Energieergänzung
(25 kg/t FM) denkbar
6 pH-Wert in
Ordnung,
zu trockene
Silagen
Schnittzeitpunkt in
Ordnung, zu stark
angewelkt
Erntekette besser
aufeinander
abstimmen (Mäh- und
Bergeleistung),
Vorschub erhöhen
Mittel mit Gütezeichen
2, Propion/ -Sorbinsäure
oder heterofermentative
Milchsäurebakterien
(MSB)
Mit diesem Aulendorfer Schema lassen sich Silagen in sechs Gruppen einteilen, die für ganz
bestimmte Situationen beim Einsilieren typisch sind. Ursachen und mögliche siliertechnische
Maßnahmen sowie die dabei in Frage kommenden Siliermittel werden nachfolgend beschrieben
und sind in Tabelle 2 zusammenfassend aufgelistet.
Buttersäurehaltig....
.... sind Grassilagen mit niedrigen TS- (unter 30 %) und hohen Rohaschegehalten (über 8 % i. TS).
Wenn witterungsbedingt im Mai beim optimalen Schnittzeitpunkt nur wenig oder gar nicht
angewelkt werden kann oder das Erntegut tagelang im Regen liegt, fehlt den Milchsäurebakterien
der notwendige Zucker, um den pH-Wert sicher abzusenken. Die Nasssilagen weisen dann hohe
pH-Werte und aufgrund starker Verschmutzung Buttersäure auf. Im Beurteilungsschema
(Abbildung 1) sind diese Silagen im Bereich 1 wiederzufinden. Siliertechnische Maßnahmen zur
Vermeidung von buttersäurehaltigen Silagen sind neben dem rechtzeitigen Schnitt und dem
Anwelken gutgepflegte Grasnarben und schmutzfreie Ernte. Zeichnen sich dieses Jahr Anwelkprobleme
ab, dann ist es besser, dieses Erntegut termingerecht und lieber feucht, aber dafür mit
Hilfe von Zusätzen, die das DLG-Gütezeichen der Gruppe 1a („für schwer silierbare Futtermittel“)
aufweisen, einzusilieren. Ab etwa 28 % TS kann Melasse (25 - 30 kg/t FM) in Kombination mit
Milchsäurebakterien eingesetzt werden. Dazu ist aber eine spezielle Dosiertechnik notwendig.
Wird Melasse bei Feuchtsilage (< 28 % TS) zudosiert, sind Zuckerverluste über Gärsaft vorpro6.
Jahrestagung – Berlin, 14./15.09.2005
42
grammiert. Zudem besteht die Gefahr, dass Gärschädlinge vom zusätzlichen Substrat profitieren.
Milchsäurebakterien alleine, egal ob homo- oder heterofermentative Stämme, bringen bei Nasssilagen
wenig Effekte, weil Zuckermangel vorherrscht.
TS in Ordnung, pH-Wert zu hoch
Wenn beim optimalen Wuchsstadium gemäht und das Erntegut nach einer regenbedingten,
mehrtägigen Feldperiode normal angewelkt wird, tritt ebenfalls Substratmangel auf. Diese
Grassilagen finden sich im Schema im Bereich 2 zwischen 30 und 40 % TS wieder. Aufgrund von
Zuckermangel liegt der pH-Wert zu hoch, Buttersäurebildung ist die Folge. Ähnliche Silagen
kommen aus dem Silo, wenn unter normalen Witterungsbedingungen zu spät geschnitten wird.
Neben Optimierung des Pflanzenbestandes und Erntezeitpunktes sowie Vermeidung von Schmutz
(zu häufig bei ungünstigen Bedingungen gewendet) können Siliermittel der Gruppe 1b („mittelschwer
silierbar“) helfen, den pH-Wert in den sicheren, grünen Bereich abzusenken. Zuckerhaltige
Zusätze wie Melasse in Kombination mit Milchsäurebakterien sind bis etwa 35 % TS ebenfalls
denkbar, sofern die Logistik und die Verteiltechnik stimmen. Bei höheren TS-Gehalten und zu
geringem Entnahmevorschub besteht nach einem Melasseeinsatz aufgrund von höheren
Restzuckergehalten in der Silage ein zunehmendes Risiko der Nacherwärmung.
Sehr trocken, schimmelig und oft warm
Silagen aus dem im Schema mit Nummer 3 bezeichneten Bereich sind seltener anzutreffen.
Außer einem zu hohen pH-Wert weisen solche Grassilagen ein zunehmendes Risiko hinsichtlich
Nacherwärmung oder Schimmelbildung auf. Spätschnitt und schlecht aufeinander abgestimmte
Ernteketten sind Ursachen dafür. Siliermittel der Gruppe 2 („Verhinderung der Nacherwärmung“)
auf der Basis von Propionsäure sind zwar denkbar und wirksam, aber aufgrund der Mittelkosten
bei physiologisch altem und deshalb energiearmem Futter häufig unrentabel. Heterofermentative
Milchsäurebakterien mit dem Gütezeichen der Gruppe 2 sind nicht geeignet, weil für deren
Entwicklung und Wirksamkeit ebenfalls zu wenig Zucker vorhanden ist. Muss nun physiologisch
spät geschnittenes und stark angewelktes Erntegut einsiliert werden, dann ist kurzes Häckseln und
sorgfältiges Verdichten angesagt. Rundballensilage mit 6 statt 4 Lagen Stretchfolie wären
ebenfalls eine denkbare Lösung, insbesondere bei der Gewinnung von Pferdesilage, die häufig
spät geschnitten und (zu) hoch angewelkt wird.

43
Nass und sauer..
... sind häufig Grassilagen, die Ende April oder Anfang Mai trotz schwieriger Anwelkbedingungen
zum optimalen Schnittzeitpunkt von weidelgras- und folglich zuckerreichen Wiesenaufwüchsen
schmutzarm (unter 10 % i.TS Rohasche) einsiliert werden. Als einziges Problem tritt Gärsaftbildung
auf. Unter diesen Bedingungen sind die Silagen im Bereich 4 des Schemas zu finden.
Schnittzeitpunkt und Erntemanagement sowie die Grünlandbewirtschaftung sind in Ordnung,
Siliermittel brauchen nicht zwingend eingesetzt werden. Falls es die Witterung erlaubt, sollte auf
über 30 % TS angewelkt werden. Hilfreich sind hierbei Mähwerke mit Aufbereiter oder Breitverteilhauben.
Zusätze der Gruppe 1b können als Sicherung gegenüber Buttersäurebildung zum
Einsatz kommen, insbesondere bei drohender Verschmutzungsgefahr. Allein die hohen Kosten
sprechen gegen den routinemäßigen Einsatz. Ab 28 % TS kann Melasse (25 kg/t FM) zur Energieanreicherung
in Kombination mit homofermentativen Milchsäurebakterien eingesetzt werden.
Optimalsilagen...
..... liegen zwischen 35 und 40 % TS und weisen einen niedrigen pH-Wert auf. Der Futterwert ist in
der Regel sehr hoch (über 6,2 MJ NEL/kg TS). Top-Silagen sind im Bereich 5 zu finden.
Erntezeitpunkt und -management sind voll im Griff, das Grünland befindet sich in einem guten
Zustand. Das Futter wurde nach längstens einer Nachtphase seit dem Mähen kurz geschnitten
eingebracht und sehr gut verdichtet. Pauschaler Siliermitteleinsatz ist nicht zwingend notwendig,
wie Futterwert und pH-Wert zeigen. In Betrieben mit hoher Milchleistung können allerdings
Zusätze der Gruppe 4 (Leistungsverbesserung) über zusätzliche Effekte wie verbesserte
Futteraufnahme, Verdaulichkeit und insbesondere höhere Mast- bzw. Milchleistung (Gruppe 4c
„Milch“) wirtschaftlich interessant sein. Beim Einsatz dieser Mittel ist aber in Hinblick auf eine dann
verstärkte Neigung zur Nacherwärmung auf einen ausreichend hohen Entnahmevorschub zu
achten. Gleiches gilt, wenn Melasse (20 - 25 kg/t FM) zur Energieanreicherung zudosiert wird.
Jung geschnitten, aber zu trocken....
... so lassen sich Grassilagen beschreiben, die hinsichtlich Gärqualität im Bereich 6 zu finden sind.
Zwar wurde rechtzeitig gemäht, aber die Bergung macht noch einige Schwierigkeiten. Mäh- und
Bergeleistung sind nicht aufeinander abgestimmt und die Arbeitswirtschaft stellt ein betrieblicher
Engpass dar. Unter günstigen Witterungsbedingungen und dem Einsatz eines Mähaufbereiters ist
der optimale TS-Gehalt häufig bereits nach wenigen Stunden erreicht. Ab einer Erntefläche von
über 15-18 ha (beim ersten Aufwuchs) muss dann parallel zum Mähen mit der (überbetrieblich
organisierten) Bergung begonnen werden. Treten häufig trockene und bei der Entnahme warme
Silagen auf, dann sollte die Erntekette überprüft und auf die Einhaltung des Mindestvorschubes bei
der Entnahme geachtet werden. Im Winter bedeutet das mindestens ein, im Sommer über zwei

44
Meter pro Woche. Zusätze der Gruppe 2 (DLG) können insbesondere bei Sommer-Silagefütterung
Abhilfe schaffen. Propionsäurehaltige Zusätze sind sicher wirksam, aber für die pauschale
Empfehlung und Komplettbehandlung in der Regel zu teuer. Günstiger sind Zusätze, die
heterofermentative Milchsäurebakterien enthalten. Diese Silagen weisen aufgrund höherer
Essigsäuregehalte eine bessere aerobe Stabilität auf.
DLG-Gütezeichen
Bei der eigentlichen Auswahl eines Zusatzes leistet das DLG-Gütezeichen wertvolle Hilfestellung.
Siliermittel mit Gütezeichen sind bei neutralen Versuchsanstellern mehrfach getestet worden. Man
unterscheidet dabei Wirkungsgruppen und Anwendungsbereiche (Tabelle 3).
Inzwischen gibt es eine große Zahl positiv geprüfter Mittel auf dem Markt. Eine Übersicht über die
DLG-geprüften Siliermittel, die bei einer Mittelauswahl vorrangig in Frage kommen, kann bei der
DLG in Frankfurt über das Internet (www.guetezeichen.de) oder bei der Landwirtschaftskammer
Schleswig-Holstein (www.lwksh.de) abgerufen werden. Die zweite Adresse gibt auch Hinweise zu
den Mittelkosten.
Tabelle 3: Wirkungsrichtungen und Anwendungbereiche bei der Prüfung von Siliermitteln
zur Erlangung des DLG-Gütezeichens
Wirkungsrichtung Anwendungsbereich
1 Verbesserung des Gärverlaufes bei: a) schwer silierbarem Futter
b) mittelschwer silierbarem Futter
c) leicht silierbarem Futter
d) sonstige Futtermittel
2 Verbesserung der aeroben Stabilität
3 Reduzierung von Gärsaft
4 Verbesserung von Futterwert u. Leistung durch: a) verbesserte Verdaulichkeit
b) erhöhte Futteraufnahme
c) tierische Leistung (Mast, Milch)
5 zusätzliche Leistungen z.B. Verhinderung der Vermehrung von
Clostridien

45
Zusammenfassung
Die Gärqualität hat maßgeblichen Einfluss auf die Futteraufnahme von Silagen. Sie kann
analytisch über pH-Wert und das Gärsäuremuster bestimmt werden. Eine rasche Ermittlung ist
aber auch über pH-Wert mittels Indikatorpapier und TS-Gehalt mittels Wringprobe vor Ort möglich
und lässt eine Einstufung nach dem Aulendorfer Schema in sechs Bereiche zu. Diesen sechs
Qualitäten können bestimmte Situationen beim Einsilieren zugeordnet und siliertechnische
Maßnahmen sowie der mögliche Einsatz von Silierzusätzen abgeleitet werden. Bei der Auswahl
von Zusätzen stellt das DLG-Gütezeichen eine wertvolle Hilfe dar. Aktuelle Auflistungen sind im
Internet unter www.guetezeichen.de zu finden.
Literatur
Nussbaum, H. (2001): Sechs Klassen geben Auskunft. Schwäbischer Bauer 16/2001, S.20-23.


29
Workshop: Planung / Dimensionierung von Melkständen im Hinblick auf die Arbeitswirtschaft
Dr. H. Grimm, Prof. Dr. D. Ordolff
Bei der Durchführung der Arbeiten vor, während und nach dem Melken treten sehr
unterschiedliche Arbeitsabläufe, Arbeitspositionen oder auch psychische Belastungen auf. Im
Rahmen des Workshops werden am Beispiel der Auswahl von Melkständen Möglichkeiten zu
deren Optimierung angesprochen. Dabei werden zuerst mögliche Probleme mit den eigentlichen
Arbeiten beim Melken, danach die Vor- bzw. Nacharbeiten (Reinigen usw.) erläutert. Der
Schwerpunkt liegt auf Problemen bei der Durchführung der Arbeitsschritte, nicht auf den
Arbeitsschritten selbst. Anstatt umfassender Tabellen mit Maßen und Leistungen der einzelnen
Melkstandausführungen werden anhand von Faustzahlen gezielt einige Zusammenhänge
aufgezeigt und wichtige Gesichtspunkte bei der Planung erläutert.
Die Belegung des einzelnen Melkplatzes [Kühe / Platz / h] ist definiert als die Zahl Kühe, die auf
diesem Melkplatz im laufenden Melkbetrieb gemolken werden kann:
Melkstandtyp
Belegungsrate
[Kühe/Platz/h]
Einzelmelkstand 1:
60 / (tZU + tRA + tMHG + tAB)
 7
Gruppenmelkstand – mit automatischer Abnahme:
60 / (tW + tWARTE + m * tRA + tMHG*)
(tMHG* = längste tMHG der Gruppe)
 5 (4 - 6)
Karussellmelkstand 1:
60 / (tZU + tWARTE + tRA + tMHG** + tAB)
(tMHG** = längste tMHG der Herde)
 4 (3,5 - 5)
Swingover (Melkstand mit Wechselmelkzeugen):
60 / (tW + tWARTE* + m * tRA + tMHG*)
hier werden die Wartezeiten teilweise extrem lang, da die
Kuh zusätzlich auf das Ende des Milchentzugs auf der
anderen Seite warten muss!!!
 3,2 (3 - 4)
1) anstatt anteiliger "Gruppenwechselzeiten" werden die Zeiten für Zu- und Abgang einer Kuh verwendet!
tW = Gruppenwechselzeit;
tMHG = Zeit für Maschinenhauptgemelk; tRA = Zeit für Routinearbeiten je Kuh;
m = Anzahl Melkzeuge je Seite
Zwei Annahmen bzw. "Faustzahlen" nach ORDOLFF haben sich seit langem für die Planung von
Melkverfahren bewährt:
• ein Melker kann je Stunde 60 Kühe melken
• die Rüstzeiten dauern ungefähr 5 min je Tag und Melkplatz!

30
Die Obergrenze der Melkstandgröße für eine Melkperson (2x10) wird theoretisch aus
m = (tMHG - tW) / tRAv abgeleitet. Außer Vormelken und Anhängen der Melkzeuge ist dabei jedoch
nichts mehr an zusätzlichen Arbeiten zu erledigen. Sollen mehr Kühe als die errechneten
90 Kühe/h gemolken werden, können entweder zwei (oder mehr) Melkstände mit je einer
Melkperson eingerichtet werden oder es werden größere Melkstände vorgesehen, in denen zwei
(oder mehr) Melker ausgelastet sind. Dann ist aber zu berücksichtigen, dass die Belegungen je
Platz und h sinken, da mehr Routinearbeiten je Melkstandseite anfallen. Insgesamt sind also die
Plätze in einem großen Melkstand schlechter ausgenutzt als in zwei kleineren! In der folgenden
Tabelle wird deutlich, wie sich die Belegungsraten bei größeren Gruppen verringern.
Typ/Größe
Min./
Belegung
Max./
Belegung
Mittelwert/
Belegung
FGM / 2x4 36 / 4,5 52 / 6,5 43 / 5,4
FGM / 2x6 39 / 3,3 73 / 6,1 59 / 4,9
FGM / 2x8 70 / 4,4 88 / 5,5 75 / 4,7
FGM / 2x10 (2 P) 83 / 4,2 105 / 5,3 93 / 4,7
FGM / 2x12 (2 P) 110 / 4,6 128 / 5,3 116 / 4,8
SbS / 2x10 (2 P) 85 / 4,3 110 / 5,5 92 / 4,6
SbS / 2x12 (2 P) 90 / 3,8 120 / 5 99 / 4,2
(2 P) = 2 Personen beim Melken
In Karussellmelkständen (Rotolaktoren) bestimmen Zu- und Abgang der Kühe die Taktzeit des
Karussells. Sie sind die beschränkenden Faktoren für die Anzahl Kühe, die in einer Stunde
gemolken werden können! Die Umdrehungsdauer der Anlage ist bei fest eingestellter
Geschwindigkeit von der Kuh mit der längsten Melkdauer abhängig. Bei mittleren Milchflüssen sind
24 Melkzeuge für ein Melkkarussell als untere Grenze anzusehen - kleinere Karussells sind kritisch
zu betrachten, da sie zu oft angehalten werden müssen.
Vor- und Nacharbeiten zur Vorbereitung bzw. nach Abschluss der Melkarbeit bleiben oft
unberücksichtigt. Diese Arbeitsgänge sind sehr viel stärker vom Melkverfahren oder vom
Stallsystem abhängig als von z.B. der Herdengröße. Sie umfassen:
*1 Treiben der Kühe zum Sammelraum
*2 Vorbereitungsarbeiten, wie Anschließen aller Leitungen, Prüfen auf Dichtheit
*3 Waschen der Melkzeuge, Umrüsten der Anlage auf Reinigen, Klarspülen
*4 Reinigung des Melkstandes
*5 Reinigung der Gesamtanlage einschließlich der Kühlanlage

31
und dauern [min]:
Arbeitsgang Melkkarussell FGM Rohrmelkanlage
*1 10 4 -
*2 2 – 30 3 – 5 5
*3 12 – 18 8 – 16 13+
*4 9 – 30 5 – 11 -
*5 6 – 25 6 – 16 12
Gesamtrüstzeit [min] 40 – 100 30 – 50 30
+ Reinigung von Hand
Die Spannweiten gelten für kleine bis große Anlagen.


32
Workshop: Planung / Dimensionierung von Melkständen im Hinblick auf die Arbeitswirtschaft
Gudrun Wingeyer – Methauer AGRO AG
In unserem Betrieb werden 1.840 Kühe (davon ca. 1.550 melkende) und 1.900 Stück Jungvieh aus
ausschließlich eigener Nachzucht gehalten. Die Herde kennzeichnet sich durch eine Milchleistung
(verkaufte Milch mit 4% Fett) von aktuell 8.764 kg. Laut Milchleistungsprüfung liegt die
fettkorrigierte Milchleistung bei 9.126 kg / Kuh.
Die Aufstallung der Kühe erfolgt im Laufstall (Typ 1930er Anlage) auf Spaltenboden mit neu
gestalteten Liegeplätzen in einer Gruppengröße von 100 Kühen. Jungkühe werden in separaten
Gruppen ohne Kontakt mit älteren Kühen gehalten und ordnen sich im Melkablauf vor den Kühen
ein.
Entwicklung der Melktechnik im Betrieb
In den Jahren von 1990 – 1997 wurde mehrfach in Melktechnik investiert. Es erfolgte ein
kontinuierlicher Abbau von Arbeitskräften von 28 auf 16 notwendige AK pro Tag (ohne Treiber).
Gleichzeitig reduzierte sich der Tierbestand von 4.000 Kühen auf 1.850 Kühe.
In genannten Zeitraum erfolgte eine Steigerung der Gemelke / AK um 32 %.
- bis 1990 2 Melkkarusselle (Impulsa, je 40 Plätze) 243 Gemelke / AK
manuelles Nachmelken und Abnehmen, 6 Melker / Karusell
- Dez. 1991 1. Karussell durch Technik von AlfaLaval umgerüstet 229 Gemelke / AK
Abnahmeautomatik, kein Nachmelken, keine MZZD, 5 Melker / Karusell
- Nov. 1992 2. Karussell durch Technik von Impulsa modernisiert 181 Gemelke / AK
MZZD (dreiteilige Durchzugwanne)
- Dez. 1993 1. Karussell (AlfaLaval) mit Servicearm zum Nachmelken 201 Gemelke / AK
und Airwash nachgerüstet, 200 Kühe 3x gemolken, 4 Melker
- Juni 1994 Impulsatechnik komplett gegen AlfaLAval ausgetauscht 234 Gemelke / AK
400 Kühe 3x gemolken, 4 Melker
- Dez. 1994 Nachrüstung mit automatischen Treibern
- Nov. 1997 in jedem Karussell werden 650 Kühe 3x gemolken 320 Gemelke / AK
Durchsatzprobleme sind Melkbarkeit (ca. 120 min / Tag und Karussell), Euterform und Zutritt der
Tiere aufs Karussell (ca. 20 min / Tag und Karussell).

33
Im Jahr 2000 erfolgte eine grundlegende Neugestaltung innerhalb der Milchviehanlage mit dem
Ziel der deutlichen Senkung der Lohnkosten und der Verbesserung des Kuhkomforts. Die
Hauptmaßnahmen bestanden in der Zusammenführung der 2 Herden und der Melkung des
Gesamtbestandes über 1 Melkkarussell.
Anforderungen an neue Melktechnik:
- 4.200 Gemelke am Tag durch 3x melken von Teil der Herde
- mögliche Melkzeit beträgt max. 19,75 Stunden (Spülung, Reinigung, Pausen, Leerfahren)
® 213 Gemelke / Stunde notwendig
- Reduktion unter 16 Melker
- Nutzung der vorhandenen Bauhülle
- gewissenhafte und stressfreie Melkarbeit
- Wohlbefinden der Tiere
Überlegungen zum Durchsatz und Melkdauer:
- Erfassung der Dauer des Gesamtgemelks der Herde durch Milchflusskurven ® Bewertung
der Streuung (2,8 min bis 16,2 min)
- Betrachtung der Taktzeit, Umlaufzeit des Karussells und der Maschinenhaftzeit je Kuh ®
Realisierbarkeit des Durchsatzes
 Melkkarussel mit 48 Plätzen (side by side) von DeLaval
Nachteile der gewählten Technik und Maßnahmen:
- Euter schlechter erreichbar und schlechter zu sehen
- Nachmelkarm kann nicht mehr genutzt werden
- Kuh muss Karussell rückwärts verlassen
- Melker sieht angesetzte Kühe nach 3 Plätzen nicht mehr ® zusätzliche Kontrolllampen im
Nachmelkbereich zeigen an, wenn MZ bei Milchmindermenge abgenommen hat
(Abgetreten, technisches Problem)
- Steuerung des Melkablaufes (Halt) durch Sensoren (Kuh fehlt am Eingang, Kuh melkt vor
Ausgang, Kuh geht nicht raus, Stopp bei letzter Kuh der Gruppe)

34
Ein durchschnittlicher Durchsatz von 210 Tieren / Stunde (Minimalforderung) wurde mit der
Technikumstellung nicht erreicht. Das Hauptproblem bestand im zu langsamen Betreten des
Melkkarussells (236 x Stopp von > 60 sec.), wodurch auf ein unzureichendes Wohlbefinden der
Kühe im Melkstand geschlossen wurde. Darauf hin wurden folgende Fragestellungen untersucht:
- Umgang mit den Tieren?
- Trittsicherheit im Eintrieb, Abtrieb und auf dem MK schlecht?
- Tiere mit Klauen- und Gelenksproblemen zu langsam?
- Futterzeiten liegen falsch?
- Airwashdüsen zu laut?
- Metallplattform macht Bewegen und eventuelles Ausrutschen anderer Kühe relativ
laut?
- Vibrationen, Kriechströme u. ä.
Als Maßnahmen wurden auf dem Karussell und im Eingangsbereich Gummimatten verlegt und die
Steuerung am Eingang verbessert, so dass das Karussell bei Eintritt der Kuh automatisch wieder
anfährt.
Im Mai 2004 erfolgte die Umstellung von dreimal auf zweimal Melken. Der aktuelle Durchsatz je
Stunde liegt nach aktuellen Messungen (Juli 2005) zwischen 180 – 190 Tieren. Die Zeitverluste in
24 Stunden ergeben wie folgt:
- 20:50 min Zutritt der Kühe
- 63:00 min Langmelker
- 26:00 min sonstiges
Außerdem führen arbeitsorganisatorische Mängel in jeder Schicht zu erheblichen Zeitverlusten von
zusätzlich durchschnittlich 55 min (Leerfahren zu Pausen, Gruppenwechsel).
Um mit der vorhandenen Melktechnik die theoretisch möglichen 240 Kühe je Stunde zu melken ist
dringend eine Verbesserung der Arbeitsorganisation und eine bessere Selektion von Langmelkern
erforderlich.
Theoretisch ist sogar die Einsparung einer Arbeitskraft möglich, wenn eine technisch zuverlässige
Lösung für das Dippen und das exakte Ausrichten der Melkzeuge für die Melkzeugzwischendesinfektion
bestehen würde.


25

48
Workshop: Paratuberkulose des Rindes und mögliche Bekämpfungsmaßnahmen aus der
Erfahrung des Thüringer Tiergesundheitsdienstes
Dr. Steffen Horner
Thüringer Tierseuchenkasse - Tiergesundheitsdienst
In Deutschland besitzt die Paratuberkulose vor allem beim Rind eine zunehmende wirtschaftliche
Bedeutung. Sie kommt regional unterschiedlich vor und ist besonders in der konzentrierten
Rinderhaltung für nicht unerhebliche direkte und indirekte Verluste verantwortlich.
Direkte Tierverluste, verkürzte Nutzungsdauer, Milchminderleistung und verringertes Schlachtgewicht
führten zu erheblichen wirtschaftlichen Schäden in den betroffenen Betrieben.
Im Jahr 2000 begann in den ersten Betrieben in Thüringen die systematische Untersuchung auf
Map Antikörper und die Entwicklung von Sanierungsmaßnahmen gegen Paratuberkulose durch
den TGD Thüringen. Anfang 2003 wurde das Landesprogramm zur Bekämpfung der Paratuberkulose
in den Rinderbeständen Thüringens vorgestellt.
Derzeit befinden sich 122 Thüringer Betriebe mit einem Tierbestand von ca. 96.000 Tieren (davon
ca. 46.000 Milchkühe) im freiwilligen Bekämpfungsverfahren. Für die ersten vier Betriebe werden
wir Ende diesen Jahres bei den entsprechenden Veterinärämtern die Anerkennung als
Paratuberkulose unverdächtig empfehlen.
Die Strategie der Bekämpfung besteht in der Verhinderung der Infektion von Jungtieren
(Hygienemanagement) und der Identifizierung (AG und AK Tests) und Entfernung von infizierten
Tieren aus dem Bestand.
Betriebsindividuelle Hygienemaßnahmen stehen in Verbindung mit einem entsprechenden
Herdenmanagement zur Unterbrechung der Infektionskette in den am Landesprogramm
teilnehmenden Beständen im Mittelpunkt der betrieblichen Bekämpfungsmaßnahmen.
Dazu gehören insbesondere :
• Kälber sind sofort nach der Geburt von den Muttertieren zu trennen und in eine hygienisch
unbedenkliche, gereinigte und desinfizierte Umgebung zu bringen.
• Kolostrum von nachweislich mit MAP infizierten und serologisch positiven (verdächtigen)
Kühen darf nicht an Kälber verabreicht werden.
• Kälber und Jungtiere sind räumlich getrennt von der übrigen Herde zu halten und dürfen
keinen Kontakt mit dem Kot älterer Tiere haben.

49
• Mischmilch ist nur nach ausreichender Erhitzung (z.B. 75°C über 30 Minuten im
Batchverfahren) zu vertränken, vorzugsweise sollten Milchaustauscher eingesetzt werden.
• Im Kälber- und Jungrinderbereich dürfen nur separate Geräte, Arbeitsmaterial, Arbeitsbekleidung
und Schuhwerk benutzt werden (kuhsaubere Arbeitsmittel und Kleidung).
• Weide und Futtermittelmanagement (Gülle- und Mistverwendung)
Die praktischen Erfahrungen des TGD aus nunmehr fast fünf Jahren Paratuberkulosesanierung in
Thüringen haben aus der beschriebenen Theorie heraus einige interessante Erkenntnisse zum
Gelingen bzw. Scheitern solcher Sanierungsbemühungen hervorgebracht.
In Thüringen konnten wir drei Kategorien von Sanierungsbetrieben erkennen, Betriebe mit
klinischen Problemen durch Paratuberkulose, Betriebe ohne Probleme mit Paratuberkulose und
Mitläuferbetriebe. Kennzeichnend für die Mitläuferbetriebe ist die unregelmäßige Beprobung und /
oder die unvollständige Durchführung der festgelegten betrieblichen Maßnahmen. Beides führt zu
unbefriedigenden Sanierungsergebnissen bei hohen Kosten.
Es ist deshalb vor und während der Teilnahme des jeweiligen Landwirtes / Betriebes am
Sanierungsprogramm notwendig, eine ausführliche Beratung zur Durchführung der Sanierungsmaßnahmen
durchzuführen. Dazu gehört auch eine regelmäßige Überprüfung und Anpassung der
betrieblichen Hygienemaßnahmen vor Ort.
Hauptgrund für den entsprechenden Misserfolg bei regelmäßigen Untersuchungen ist unter
Thüringer Haltungsbedingungen die fehlende oder ungenügende Unterbrechung der Erregerübertragung
von ausscheidenden Kühen auf Saugkälber. Hauptübertragungsmedium sind Kolostrum
und Tränkmilch als primär erregerhaltiges Medium bzw. sekundär über Kotpartikel kontaminiert
sowie verunreinigte Abkalbeboxen.
Unsere Empfehlung ist hier, möglichst ab 2. Lebenstag hochwertigen Milchaustauscher zu
verwenden und (wahrscheinlich MAP negatives) Kolostrum nur von mehrmals Antikörper
negativen Kühen sauber zu gewinnen und zu nutzen. Abkalbeboxen sollten nur als Einzelboxen
genutzt und vor jeder Belegung gereinigt werden.
Als besonders problematisch erweist sich nach unseren Erfahrungen die Aussagefähigkeit
verfügbarer Diagnostika und damit das Kolostrummanagement. Denn bei den derzeit verfügbaren
Diagnostika ist eine hundertprozentig sichere Identifizierung von nicht Erreger ausscheidenden
Tieren und damit die Gewinnung von sicher erregerfreiem Kolostrum nicht möglich.
Es wurden daher verschiedene Möglichkeiten der Dekontamination von Kolostrum unter Erhaltung
funktionsfähiger Immunglobuline geprüft. Technisch durchführbar ist nach unserer Meinung nur die
Behandlung mit Gammastrahlen.
Die praktische Umsetzbarkeit für betriebseigenes Kolostrum ist derzeit in Deutschland fraglich.

50
Nach unserer Ansicht bietet derzeit nur die betriebsindividuelle Kombination von Antikörper- und
Antigendiagnostik die Möglichkeit, die Bekämpfung der Paratuberkulose diagnostisch zu begleiten.
Dabei ist der Anteil der Diagnostik am Erfolg der Gesamtmaßnahme Paratuberkulosebekämpfung
aber nur mit maximal 33 % anzusetzen. Den weitaus größeren Anteil am Sanierungserfolg haben
die begleitenden Hygiene- und Managementmaßnahmen im Sanierungsbetrieb. Es ist allerdings
auch festzustellen, dass auch in Zukunft bei besseren Diagnostika nur ein Zusammenspiel von
Diagnostik und betrieblichen Hygienemaßnahmen zum Sanierungserfolg führen, Hygiene oder
Diagnostik allein reichen nicht aus.
Auf Grund der gesammelten Erfahrungen wird ab diesem Jahr für jeden am Sanierungsverfahren
teilnehmenden Betrieb ein individuelles, den betrieblichen Gegebenheiten und den Ergebnissen
bereits vorliegender Untersuchungen angepasstes Untersuchungs- und Hygienekonzept durch den
Tiergesundheitsdienst erstellt und in der Folgezeit jährlich angepasst.
Zusammenfassend können wir sagen, dass es mit dem von uns durchgeführten Programm
möglich ist, zumindest eine starke Erregerverdünnung zu erzielen und die Neuinfektionsrate stark
zu verringern. Für weitergehende Aussagen muss der Fortgang der Sanierungsbemühungen in
den Betrieben mindestens für 7 (bisher 4) Jahre weiterverfolgt werden. Denn frühestens 7 Jahre
nach Sanierungsbeginn besteht der durchschnittliche Thüringer Bestand nur noch aus nach
Sanierungsbeginn geborenen Tieren im Alter von 3 - 5 Jahren (bester Zeitraum für Antigen- /
Antikörpernachweis) und es ist eine sicherere Aussage über den Paratuberkulosestatus dieser
Tiere möglich.


16
Lärm und Vibrationen als Stressfaktoren in Melkständen-
Stress für Kühe
Dr. Dusan Nosal
Agroscope FAT Tänikon, Eidgenössische Forschungsanstalt für Agrarwirtschaft und
Landtechnik, CH-8356 Ettenhausen,
Erwin Bilgery
BITEC-Engineering, Rütistrasse 15, CH-8590 Romanshorn
Nur in einem Umfeld, in dem die Kuh sich wohl fühlt, kann sie ihr Leistungspotenzial voll
ausschöpfen. Der Melkstand ist ein Teil dieses Umfeldes. Der Betreiber eines neuen Melkstandes
stellt oftmals nicht nur Vorteile fest, sondern macht Beobachtungen, die auf ungünstige
Verhältnisse hinweisen:
- Kühe gehen nicht freiwillig in den Melkstand.
- Sie koten vor dem Betreten des Melkstandes bzw. während des Melkens.
- Sie sind während des Melkens unruhig und schlagen die Melkeinheiten (ME) ab.
- Das Melkverhalten der Kühe verändert sich auffällig (rückläufige Melkleistung, verlängerte
Melkzeiten, lassen sich nicht ausmelken)
- Der Melker fühlt sich während und nach dem Melken unwohl und gestresst.
Messungen und Untersuchungen zeigen, dass ein bisher wenig beachtetes Phänomen – Luftschall
(Lärm) und Körperschall (Vibrationen) – Ursache für dieses veränderte Verhalten sein kann (Nosal
et al. 2004).
Diese Phänomene können für Mensch und Tier unangenehm sein, die Vakuumstabilität der
Melkanlage, die Leistungen und das Wohlbefinden negativ beeinflussen.
Untersuchte Betriebe
Bei der Auswahl der zu untersuchenden Betriebe wurde versucht, möglichst alle auf dem
Schweizer Markt vorhandenen Marken und die verschiedenen Melkstand-Typen (Side by Side,
Fischgräten, Tandem) zu berücksichtigen. Die 50 untersuchten Betriebe teilten sich in zwölf
sanierte und 38 nicht sanierte auf.

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Verursacher von Lärm, Vibrationen und Rauschen im Vakuumsystem
Verursacher von Lärm, Vibrationen und Rauschen sind:
- Montage der Vakuumpumpe und Verbindungen mit dem Vakuumsystem,
- Installation/Montage des Leitungssystems,
- Montage des Regelventils,
- Bauart und Befestigung der Pulsatoren,
- Einsaugöffnung der zentralen Luftzufuhr in der Nähe der Melkbucht.
Die Untersuchungen in mehr als 50 Betrieben bringen zum Ausdruck, dass die in der Praxis
anzutreffenden Ursachen markenunabhängig sind.
Resultate
Die statistische Auswertung aller Betriebe bringt zum Ausdruck, dass die Vibrationen zwölfmal
größeren Einfluss auf die Zellzahl als der Lärm haben. Der größte Teil der Betriebe mit weniger als
200.000 Zellen/ml weist Vibrationen bis 0,3 m/s2 und Lärm bis 72 dB (A) aus. Es gab aber auch
Betriebe mit weniger als 200 000 Zellen/ml, in denen Werte von 0,6 m/s2 bzw. 78 dB (A) gemessen
wurden (Nosal et al. 2004). Diese Feststellung gehört zu den zahlreichen Phänomenen im Bereich
der Milchgewinnung, die man nur damit erklären kann, dass der Melker den entscheidenden
Einfluss ausübt und durch seine Arbeit und sein Verhalten technische Fehler kompensieren kann.
In Zusammenarbeit mit dem Landwirt und der Melkmaschinenfirma konnten wir in zwölf Betrieben
Installationsänderungen durchführen und die Melkanlage sanieren. Die Installationsänderungen
bezogen sich auf die unter "Verursacher von Lärm, Vibrationen und Rauschen im Vakuumsystem"
beschriebenen Situationen und waren in jedem Betrieb sehr unterschiedlich. Durch die Sanierung
liessen sich die Werte von Lärm und Vibrationen erheblich reduzieren. Die Auswirkung dieser
Reduktionen auf die Zellzahl (Eutergesundheit) ist bei Vibrationen in Abbildung 1 und beim Lärm in
Abbildung 2 dargestellt. Nach statistischen Auswertungen ist in Bezug auf die Reduktion der
Zellzahlen pro ml die Vibration dreimal wichtiger als Lärm. Es besteht eine positive Korrelation
zwischen dem Rückgang der Vibration und der Zellzahl (Nosal et al. 2004).
Abbildung 1: Vibration und Zellzahl

18
0
0.2
0.4
0.6
0.8
1
1.2
6 5 11 7 49 50 46 20 31 30 4 33
Betriebe
Vibrationen m/s2
0
100'000
200'000
300'000
400'000
500'000
600'000
Zellzahl pro ml
Vibrationen vor Sanierung Vibrationen nach Sanierung
Zellzahl vor Sanierung Zellzahl nach Sanierung
Abbildung 2: Lärm und Zellzahl
50
55
60
65
70
75
80
85
20 49 31 7 11 4 6 30 50 5 33 46
Betriebe
Lärm dB (A)
0
100'000
200'000
300'000
400'000
500'000
600'000
Zellzahl pro ml
Lärm vor Sanierung dB (A) Lärm nach
Sanierung dB (A)
Zellzahl
vor
Sanierung
Zellzahl
nach
Sanierung

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Schlussfolgerungen
Die Melkmaschinenfirmen investieren beträchtliche Summen Geld in die Entwicklung von neuen
Produkten und bringen fast jedes Jahr einige Neuerungen auf den Markt. Wie unsere
Untersuchungen zum Ausdruck bringen, kommen in der Praxis Konstruktions- und Installationsfehler
vor, die nicht nur die Vorteile der Neuentwicklungen zunichte machen, sondern die Eutergesundheit,
das Wohlbefinden und die Leistung der Kühe und des Melkers negativ beeinflussen. Wir
schlagen vor, dass die Melkmaschinenfirmen unsere „Empfehlungen für Installation und Montage
von vibrations- und lärmarmen Melkanlagen“ in ihre internen Richtlinien einbauen. Dies würde
keine zusätzliche Kosten verursachen, aber einer Menge von Problemen vorbeugen. Zudem
lassen sich damit die Eutergesundheit, das Wohlbefinden und die Leistung der Kühe und des
Melkers verbessern und einen wirtschaftlichen Erfolg erreichen.
Es ist notwendig, dass der Bauherr eines Melkstandes und sein Architekt schon in der
Planungsphase Kontakt mit der Melkmaschinenfirma aufnehmen. Damit können viele Installationsund
Montagefehler bei der Melkanlage vermieden und Kosten bei der Montage und dem jährlichen
Service der Melkanlage eingespart werden. Die gewünschten Werte von < 0,3 m/s2 bei den
Vibrationen und < 70 dB (A) beim Lärm sind erreichbar und der Landwirt sollte sie im Kaufvertrag
der Melkanlage festhalten.
Literatur
Nosal D. et al., 2004. Lärm und Vibrationen als Stressfaktoren beim Melken. FAT-Bericht nr. 625.

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Workshop: Klauenhygiene
Dr. Peter Heimberg
Tiergesundheitsdienst der Landwirtschaftskammer NRW
Klauengesundheit und Eutergesundheit?
Die Eutergesundheit steht in 2 engen Verknüpfungen mit der Klauengesundheit: Einerseits können
stark verschmutzte Klauen direkt den Keimdruck im Melkumfeld erhöhen, andererseits führen
Klauenerkrankungen allgemein zu einer Belastung und somit Schwächung des Immunsystems der
Kuh, wodurch sie für jedwede Mastitis-Erreger natürlich anfälliger wird. Ziel muss deshalb sein, die
Klauen sauber und gesund zu halten.
Klauenhygiene / Sauberhalten des Unterfußes
Beim Stichwort Klauenhygiene wird meistens vor allem an Klauenbäder gedacht. Diese können
zwar ein wichtiger Baustein eines Hygienekonzeptes sein, wenn sie fachgerecht angewendet
werden, bieten aber als Einzelmaßnahme nur selten befriedigende Lösungen. Sie werden nur
dann eine Prophylaxe bieten, wenn die Zielorgane, Horn und vor allem Haut am Unterfuß,
entsprechend so sauber sind, dass sie von den pflegenden oder desinfizierenden Wirkstoffen auch
erreicht werden können. Dazu bedarf es einerseits einer sinnvollen Gestaltung und Betreuung der
Laufflächen wie auch der Liegeflächen, andererseits ist auch die Form der Klaue, maßgeblich die
des Zwischenklauenspaltes, von großer Bedeutung für die Verschmutzung des Unterfußes.
Klauenpflege und Selbstreinigung
Größter „Schmutzfänger“ am Unterfuß ist der Zwischenklauenspalt. Zu enge Zwischenklauenbereiche
oder nicht ausreichend geglättete Wände in dieser Region führen dazu, dass
eingetretener Schmutz den Zwischenklauenspalt nicht wieder verlassen kann. Unter den
Schmutzschichten (aus Erde, Kot und Streu) bilden sich semianaerobe Milieus aus, in denen
diverse pathogene Keime hervorragend gedeihen. Das Anlegen der Hohlkehlung als steiler,
glattwandiger Trichter bis in die Tiefe des Zwischenklauenspaltes hinein verhindert, dass sich
Schmutz dort festsetzt und ist als wichtiger Faktor der Selbstreinigung anzusehen.
Klauenpflege und allgemeiner Gesundheitsstatus
Als häufigste Klauenerkrankungen sind heute die meistens chronisch ausgebildeten verschiedenen
Reheerscheinungen anzusehen. Ursächlich kommen neben mechanischen Insulten
Stoffwechselstörungen in Frage (Pansenacidose), die massiv das Immunsystem einer Kuh be-.

lasten. Auch anderweitige schwerwiegende Entzündungen kommen als Auslöser in Frage. Im
Verlauf stellt die Klauenrehe dann die Weichen für das Auftreten diverser anderer Klauenerkrankungen.
Rehegeschehen müssen deshalb bei der Klauenpflege und auch in der Zeit
zwischendurch erkannt werden, um sie als Hinweis auf Immunitätsdepressionen werten zu
können.

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