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Jahrestagung 2006
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„Rechtliche Rahmenbedingungen für die Milcherzeugung
unter besonderer Berücksichtigung der:
Biozid Richtlinie 98 / 8 / EG


Workshops – Seite 6
Workshop 3: Zitzengummis und Melkzeugpositionierung
Dr. Hans-Jürgen. Rudovsky und Prof. Dr. agr. habil. Reiner Brunsch
Im Rahmen des Workshops werden folgende Themenbereiche angesprochen und stellen die
Diskussionsgrundlage dar.
Formenspezifik
• Monoblock / konventionell (Vor-, Nachteile)
• Eigenschaften zylindrischer / konischer, runder / unrunder Schäfte (Einfaltrichtungen und
Faltverhalten, Zitzenmassage / Zitzenspitzenbelastung)
• Kopfformen
Unterschiedliche Zitzengummimaterialien und ihre Einsatzbedingungen
• Material- und lebensmittelhygienische Eigenschaften (NR, NBR/SBR, Silicon, Weichmacher,
Alterungsschutzmittel u.a.)
• Melkhygienische Eigenschaften verschiedener Materialien
• Einsatzbegrenzungen (Oberflächen-, Formstabilität) als Grundlage für die Festlegung der
max. Einsatzdauer von 800 h bei konventionellen und 3000 h bei Siliconzitzengummis
Pulsationskurve und ihre Wirkung auf die ZG-Bewegung
• ISO-Vorgaben (Phasenlänge b=>30%, d=>15% und >150ms ; Balance <5%; Abweichung
aller Pulsatoren der Anlage in Phase e=<5%)
• Bewegungsverhalten bei unterschiedlichen ED-Werten, Vakuumhöhen und Abflussrichtungen
Wirkung von ZG-Schaft und ZG-Kopf auf Melkeigenschaften und Zitzengewebe
• weiche Massage schont das Gewebe (Kompromiss mit technischer Stimulation)
• großvolumiger Kopf bringt bessere Ausmelkeigenschaften, aber kurze Zitzen kommen bei
großvolumigem Kopf nicht in das optimale Massagebereich
• elastische Lippen korrigieren Heterogenität der Zitzenmaße beim Vakuumverschluss, aber
oberer Schaftdurchmesser meist zu groß (>2mm)
• zu großer Schaftdurchmesser führt zur Überdehnung des Zitzengewebes, zu ungünstigem
Massageverhalten für die Zitze in der Phase c und zu vollem Melkvakuum im Kopf
• sehr elastische Köpfe verringern bei hohem Kopfvakuum das Kopfvolumen, damit
verschlechtert sich das Haftvermögen des Melkzeuges (schwere / leichte Melkzeuge)

Workshops – Seite 7
• Vakuumhöhe beeinflusst das Melkverhalten (höheres Vakuum führt stets zu Gewebebelastungen
und –anschwellungen im Zitzenspitzenbereich. Die Durchflusseigenschaften
verschlechtern sich)
• Unterdruckverhältnisse unter der Zitze beim Melken (stabiles Vakuum durch große
Zentralen und kurze Milchschläuche – wird es gebraucht? Ursache und Wirkungen von
zyklische und azyklische Schwankungen)
• besser ein leichtes Melkzeug mit Ausmelkvorrichtung als ein schweres, das ständig das
Gewebe belastet.
• Die gleichmäßigen Masseverteilung der Melkbecher an den verschiedenen Euterformen
erfordert das Aus- und ggf. Nachrichten der langen Milchschläuche (manuell, Servicearm,
Schlauchklemmen). An den Vordervierteln werden längere kurze Milchschläuche
empfohlen.
• Verlangt das „Irisches Melkverfahren“ spezielle Zitzengummis?
Wie suche ich den optimalen ZG für die Herde?
• Ermittlung der Zitzengröße für die Herde (wie groß muss die Stichprobe für die Mittelwertbestimmung
sein?)
• Optimum der ZG-Nennweite liegt 2 mm unter und über dem Mittelwert der Zitzen
• Zitzenformeneignung aus technischer Sicht – Forderungen an die Zuchtarbeit
• Kurze Zitzen erfordern kleinköpfige Zitzengummis
• Schwere, leichte Melkzeuge und ihre Wirkung auf Zitzengewebe und Melkeigenschaften
• Was ist beim Swing-Over zu beachten (hohes Melkvakuum, hohes Kopfvakuum, schwere
Melkzeuge). Sind hohe Vakuumschwankungen stimulationsfördernd?
Optimale Melkbedingungen sind nicht allein ein technisches Problem. Eutermaße dürfen technische
Grenzwerte nicht unter bzw. überschreiten. Das Maschinenmelken unterliegt physikalischen
Gesetzen in relativ engen Grenzen. Die Zuchtarbeit muss auch diesen Gesetzen Rechnung
tragen!
Vererbung der Zitzen- und Eutermaße im Bullenkatalog ist stärker zu beachten!
eigene Notizen:


Workshops – Seite 8
Workshop 4: Schwachstellenanalyse Fütterung
Dr. Wolfram Richardt
Landeskontrollverband Sachsen e.V.,
folgende Themengebiete werden im Workshop behandelt:
Fütterung und Futtermittel
• Silo (Sauberkeit, Anschnittsfläche, Deck- und Randschichten, Aufdecken, Schichten im
Silostock, Schimmelbefall)
• Silage (Geruch, Farbe, Trockensubstanz durch drücken oder Mikrowelle, Häckselqualität,
Siebanalyse, pH-Wert)
• Krippenbonitur (Leer-Voll, Selektion, Sensorische Auffälligkeiten, Nass, Schimmel, ...)
• Futtermittel (Rohprotein-Sojaschrot, Lagerung, Sensorische Auffälligkeiten)
Fütterungsüberwachung am Tier
• Körperkondition (BCS)
• Pansenfüllung
• Laufindex
• Wiederkauverhalten
• Kotkonsistenz
• Labmagen operierte Tiere
• pH-Harn
Analysewerte – chemisch und physikalische Analyse
• Milchleistungsprüfung (MLP) / Milchgüteprüfung
• Persistenz
• Fett, Eiweiß, Fett-Eiweiß-Quotient, Harnstoff, Laktose, Zellzahl, Azeton
• Futtermittelatteste
• Grobfutter, Einzel- und Mischfuttermittel, TMR
• Vollanalyse, Mineralstoffe, Siebanalyse
• Stoffwechselanalyse
• Harn, Blut, Haar

Workshops – Seite 9
fütterungsbedingte Erkrankungen (Kennzahlenanalyse)
• Ketose
• Azidose
• Alkalose
• Labmagen
• Festliegen (Milchfieber)
• Nachgeburtsverhaltungen
• Endometritis
• Klauen
• Mastitis
• Futteraufnahme
eigene Notizen:


Vorträge – Seite 2
Rechtliche Rahmenbedingungen für die Milcherzeugung unter besonderer
Berücksichtigung der Biozid-Richtlinie 98/8/EG
Siegfried Bragulla
Ecolab GmbH & Co. OHG; Food & Beverage Europe + AMET; D - 40554 Düsseldorf
Zusammenfassung
Die Biozid-Richtlinie 98/8/EG ist eine von der Europäischen Kommission erarbeitete Richtlinie, die
das Ziel hat, Desinfektionswirkstoffe und die aus diesen Wirkstoffen formulierten Biozid-Produkte
(Desinfektionsmittel, Holzschutzmittel, Insektizide, etc.) unter gleichen europäischen Bedingungen
zu prüfen und zuzulassen.
Das Ziel der Richtlinie ist, mit dem Prüfungs- und Zulassungsprozess einen deutlich erhöhten
Verbraucher- und Umweltschutz zu erreichen. Nach der Zulassung der Biozid-Wirkstoffe werden
diese auf dem Anhang I der Biozid-Richtlinie 98/8/EG aufgeführt. Erwartet wird der Abschluss
dieser Zulassungsarbeiten im Jahr 2008.
Biozid-Produkte (Desinfektionsmittel, Insektizide, Zitzendippmittel, etc.) dürfen nur Wirkstoffe
enthalten, die auf dem Annex I der Richtlinie stehen. Für die Prüfung und Zulassung der Biozid-
Wirkstoffe werden umfangreiche Daten zur Toxikologie, Ökologie sowie Risikoanalyse beim
Umgang mit den Wirkstoffen / Produkten gefordert. Die Erstellung dieser Daten ist mit erheblichen
Kosten verbunden, die bis zu 5 Mio. € pro Wirkstoff betragen können.
Für die aus den Wirkstoffen formulierten Biozid-Produkte ist eine nationale Zulassung in jedem
Land der europäischen Gemeinschaft erforderlich. Für diese Zulassung werden wiederum Risiko
und Qualitätsdaten zum Produkt gefordert. Sowohl die Erstellung dieser Daten wie auch die
nationalen Zulassungen in der EG sind - ergänzend zu den schon zugelassenen Wirkstoffen – mit
Kosten verbunden, die mehrere 100.000 € betragen können.
Für die Umsetzung der Biozid-Richtlinie 98/8/EG sind verschiedene Zeitpunkte wichtig: Ab
September 2006 dürfen keine Biozid-Produkte mehr verkauft werden, die nicht notifizierte
Wirkstoffe enthalten.

Vorträge – Seite 3
In Deutschland deutlich zu erkennen an der Registriernummer der BauA, die mit „I“ bzw. „N“
beginnt.
I bedeutet, der Wirkstoff ist nur identifiziert; kein Verkauf mehr ab September 2006.
N bedeutet, der Wirkstoff ist notifiziert; das Produkt darf weiter verkauft werden bis zur EGRegistrierung
in 2008 – 2010.
Aufgrund der extrem hohen Kosten für die Registrierung der Wirkstoffe und Produkte ist mit einem
deutlichen Rückgang der Vielfalt von Desinfektionsmitteln (Biozid-Produkten) im Markt zu rechnen.
Eine Kostenerhöhung der verbleibenden Biozid-Produkte (Desinfektionsmittel, Zitzendippmittel,
etc.) scheint somit unvermeidbar.
Beim Kauf von Biozid-Produkten sollte man in Deutschland unbedingt darauf achten, dass die vom
Gesetzgeber geforderten Mindestangaben auf dem Etikett Auskunft über die Qualität des Biozid-
Produktes geben. Folgende Angaben müssen vorhanden sein:
• Nennung der Art und Menge der Aktivsubstanz im Produkt
• Angabe der BauA-Nummer
• Chargencode
• Haltbarkeitsdatum (z.B. Tag/Monat/Jahr)
• Hinweis zur sicheren Entsorgung der Leergebinde
Literatur-/Quellenangaben:
Europäische Zulassungsbehörde der Wirkstoffe 
Deutsche Zulassungsbehörde der Produkte 
Industrieverband Hygiene und Oberflächenschutz (IHO) 


Workshops – Seite 10
Workshop 5: Messen und Prüfen von frequenzgesteuerten Pumpen-
Problemdiskussion
Lutz Daßler
Landeskontrollverband Sachsen, Lichtenwalde
Wolfgang Spörer
Landeskontrollverband Sachsen Anhalt, Halle
Thema:
• Installation der Pumpen, Sensoren sowie Vakuumventile
• Vorstellung von Prüfungsanleitungen und Messprotokollen durch die verschiedene
Melkanlagenhersteller (angefragt)
Frequenzgesteuerte Vakuumpumpen kommen seit etwa drei vier Jahren in der Landwirtschaft zum
Einsatz. Vornehmlich handelt es sich dabei um sogenannte Drehkolbenpumpen in der Ausführung
mit zwei oder drei Flügeln. Ausgehend von der Beschreibung gegenwärtig eingesetzter Aggregate
(Ölschieberpumpen, Wasserringpumpen mit den entsprechenden kombinierten Regelventilen)
sollen die eingesetzten Drehkolbenpumpen als auch die Seitenkanalverdichter sowie die
frequenzgesteuerten Ölschieberpumpen zu Beginn kurz beschrieben werden. Dabei wird auf den
Aufbau sowie das Funktionsprinzip eingegangen. Es wird auf den DIN ISO gerechten Einbau aber
auch auf Besonderheiten (wie Filter und Sicherheitsventile) hingewiesen.
Im weiteren werden gewisse Bedingungen in Bezug zur Motordrehzahl, Stromstärke, Temperatur
u.a. hervorgehoben. Die in der Praxis gegenwärtigen praktizierten Lösungen zum Einbau von
Steuerung und Pumpen sowie die Gewährleistung der notwendigen Bedingungen sollen
angesprochen und diskutiert werden.
Zum Vergleich für die Diskussion werden herkömmliche Regelventile und ihrer Regelcharakteristik
vorgestellt. In diesem Zusammenhang wird auf Einbaufehler sowie Wartungszustand der Regelventile
in der Praxis eingegangen.
Dem gegenüber stehen die Sensoren zum Registrieren der Vakuumhöhe und der Weiterleitung
der Information zu den dazugehörigen Frequenzumrichter, die wiederum die Vakuumpumpen
ansteuern. Auch hier wird auf den richtigen Einsatz sowie der Montage eingegangen.
Nach den grundlegenden Hinweisen wird auf die Probleme bei der Messung nach DIN ISO
eingegangen, sowie Lösungsvorschläge dargelegt bzw. angeboten.
Im weiteren wird eine Prüfungsvorschrift vorgestellt, mit der man die Empfindlichkeit der
Aussteuerung des Vakuum durch frequenzgesteuerter Vakuumpumpen messen, aufzeichnen und
darstellen kann. Zur Beurteilung der Ergebnisse werden die Normen der DIN ISO sowie das

Workshops – Seite 11
Regelverhalten von Regelventilen herangezogen. Es wird im weiteren aufgezeigt, welche negative
Auswirkung auf die Vakuumstabilität in Melkanlagen schlecht eingestellte Frequenzumrichter
haben können. Dabei wird auch auf Besonderheiten dieser Messung in Bezug zur jeweiligen
installierten Melkanlage hingewiesen.
Im folgenden wird die Schaltung des Frequenzumrichters kurz beschrieben und welche
Auswirkung bestimmte Einstellungen auf die Vakuumstabilität haben. Dazu soll auch auf die
Kombination eines Frequenzumrichters mit einem herkömmlichen Regelventil eingegangen
werden.
Nach der Diskussion wird am Ende ein Fazit formuliert, sowie zu lösende Probleme zusammen
gefasst.
Im Einzelnen sind das:
• Empfehlung zum Sitz der Sensoren für frequenzgesteuerte Vakuumpumpen
• Empfehlung zum Einbau notwendiger Sicherheitsabscheider (Vakuumtank)
• Empfehlung Standort Vakuumpumpe
• Klärung Einhaltung einer Mindesfrequenz für Umrichter
• Klärung Grenzwert Luftabfall Milchabscheider Regeleinheit
• Klärung, ob DIN ISO für frequenzgesteuerte Vakuumpumpen modifiziert werden darf
(Absenken Prüfvakuum um 2 kPa ab Punkt „Luftdurchfluss mit und ohne Melksystem“)
• Empfehlung einer Messroutine zur Prüfung der Aussteuerung
• Empfehlung in welchen Grenzen soll/muss das Vakuum ausgeregelt sein
• Empfehlung in welcher Zeit soll Vakuum ausgeregelt sein


Vorträge – Seite 4
Melkzeugpositionierung und -konstruktion
Dr. Sandra Rose und Prof. Dr. agr. habil. Reiner Brunsch
Leibniz-Institut für Agrartechnik Potsdam-Bornim e. V. (ATB), Max-Eyth-Allee 100,
D – 14469 Potsdam
Einleitung
Aufgrund negativer Auswirkungen auf Eutergesundheit und Melkleistung kommt der
Melkzeugpositionierung besondere Bedeutung zu. Unsachgemäß angesetzte Melkzeuge
verdrehen die Zitzen und verursachen so ungenügendes Ausmelken dieser Viertel. Das wiederum
begünstigt das Entstehen von akuten Mastitiszuständen (TRÖGER, 2003). Ein wichtiger Baustein
für erfolgreiches Melken ist daher die optimale Positionierung des Melkzeuges.
Beim korrekten Melken muss das Melkzeug gerade und frei unter der Kuh am Euter hängen. Das
Melkzeug muss rhythmisch pulsieren (ZSCHÖCKE et al. 1998; LINCKE 2000).
TRÖGER (2003), CIELEJEWSKI (2004) und SCHEIBEL (2004a, b) empfehlen, dass der lange
Milchschlauch so bemessen sein sollte, dass das Gewicht des Melkzeuges möglichst gleichmäßig
auf die Zitzen verteilt wird. Zur optimalen Positionierung der Melkzeuge werden von
unterschiedlichen Herstellern verschiedenste Systeme angeboten. Diese werden unterteilt in
einfache Positionierungshilfen (z.B. Gummimuffen an der Grubenkante) und hoch entwickelte
Servicearme. Diese sind in der Lage, neben der optimalen Positionierung das manuelle Ansetzen
des Melkzeuges zu erleichtern sowie bei Bedarf das Nachmelken vor der automatischen Abnahme
zu übernehmen (PELZER und ALBERS, 2004).
Trotzdem kann die Positionierung der Melkzeuge in den meisten Betrieben nicht als optimal
angesehen werden (LKV Brandenburg, 2002). Anzeichen wie unterschiedlicher Ausmelkgrad,
schlechter Milchfluss und "Dauermelker" können Folgen von schlecht positionierten Melkzeugen
sein. Damit ist eine hohe Gewebsbelastung verbunden, die das Euter für Mastitiden prädisponiert.
Weiterhin werden Hebelkräfte des langen Milchschlauches über das Sammelstück an die
Melkbecher weitergegeben. Dadurch kann es zum Abknicken der Zitzen und einem gestörten
Milchfluss kommen. Besonders problematisch ist das Ansetzen der Melkzeuge bei stufiger
Euterform. An den vorderen Melkbechern kommt es häufig zu Lufteinbrüchen und Haftproblemen.
Die Melkbecher an den hinteren Vierteln klettern zu früh, der "Fürstenberg'sche Venenring" schwillt
an, die Melkgeschwindigkeit lässt nach. An den schneller leer werdenden Vordervierteln wird sehr
lange blind gemolken. Der Strichkanal und Schließmuskel sind dabei hohen mechanischen
Belastungen ausgesetzt. Die Infektionsabwehr der Zitze wird beeinträchtigt und die Gesamtmelkzeit
verlängert (WORSTORFF und GÖFT 1989; LINCKE 2000).

Vorträge – Seite 5
Methodik
Im Rahmen einer Untersuchung zum Auftreten von Kräften am Euter beim Einsatz verschiedener
Melkzeuge und Positionierungshilfen wurden in der Baulehrschau der ITH Grub (LfL) an den
verschiedenen Melkständen die Kräfte mittels des DLG-Prüfstandes erfasst. Es erfolgt eine
gleichzeitige Messung der Vertikal-, Dreh-, Längs- und Querkräfte.
Die Funktionsweise der Messaufnehmer beruht auf dem Prinzip der DMS-Kraftmessung über
Verformungskörper in Brückenschaltung. Die Zitzen sind aus Silikon gefertigt (nach DIN ISO
6690). Die Messungen erfolgten mit einem euterbezogenen Durchfluss von 5 kg/min, da die
Durchflusshöhe nur einen geringen Einfluss hat (HUSCHKE, 2003). Die Messzeit je Durchlauf
betrug 30 s, die daraus resultierenden 30 Einzelwerte bilden die Grundlage für die anschließenden
Mittelwertberechnungen. Es wurden an allen vorhandenen Melkstandformen die Kräfte bei den
Euterformen normal, stufig und weitstehend mit je 5 Wiederholungen erfasst:
• SbS (DeLaval mit Positionierhilfe),
• 3 × FGM 50° (Fullwood mit Schlauchklemme),
• 3 × FGM 33° (Happel mit Nachmelkautomatik, Positionierhilfe) und
• 2 × Tandem (Westfalia mit Schlauchklemme)
Kräfte am Euter bei verschiedenen Melkständen
Abbildung 1: Vertikalkräfte am Euter bei stufiger Euterform und verschiedenen
Melkstandformen

Vorträge – Seite 6
In Abbildung 1 ist deutlich zu erkennen, dass es bei stufiger Euterform (hinteres Viertel 50 mm
tiefer) nicht möglich ist, eine gleichmäßige Verteilung der Kräfte auf alle Viertel zu erreichen. Der
korrekte Einsatz von Positionierungshilfen trägt jedoch zu ausgeglichenen Kräften zwischen den
einzelnen Vierteln bei.
Des Weiteren wurden verschiedene Varianten der Positionierung des langen Milchschlaues
untersucht:
• langer Milchschlauch nach vorne, nach hinten, nach links bzw. rechts
• Positionierung mit / ohne Schlauchführungshilfe
Abbildung 2: Vertikalkräfte am FGM 50° mit verschiedenen Positionierungsvarianten
In Abbildung 2 zeigt sich deutlich, dass ein nicht mittig ausgerichteter Schlauch erhebliche
Ungleichverteilungen zwischen den einzelnen Zitzen hervorruft. Jedoch auch bei der vermeidlich
korrekt ausgerichteten Variante sowie bei dem nach vorne geschobenen Melkzeug ist keine
gleichmäßige Verteilung der Kräfte auf die einzelnen Zitzen möglich. Als problematisch ist hierbei
immer das Sammelstück und die Elastizität der kurzen Milchschläuche zu bewerten. Durch die
dadurch relativ starre Konstruktion des Melkzeuges ist eine individuelle Anpassung an die
einzelnen Euterviertel nicht möglich.

Vorträge – Seite 7
Bei einem korrekt ausgerichteten Melkzeug treten kaum horizontale Längs- bzw. Querkräfte auf.
Die Ausrichtung des langen Milchschlauches (LM) nach links, rechts und hinten zeigt sich deutlich
in der Abweichung von der Normalstellung der Zitzen.
Abbildung 3: Resultierende Horizontalkräfte bei verschiedenen Positionierungsvarianten im
FGM 50°
Zusammenfassung und Schlussfolgerungen / Empfehlungen
Die in den meisten Melkständen notwendige Ableitung des langen Milchschlauches Richtung
Melkflurkante darf nicht zum Verdrehen einzelner Zitzenbecher oder des ganzen Melkzeuges
führen.
Generell kann festgestellt werden, dass sich Melkzeuge um so schlechter an Euterformen
anpassen können, je kürzer und härter die kurzen Milchschläuche sind. Dabei spielt das Gewicht
eine untergeordnete Rolle. Oftmals weisen leichte Melkzeuge harte Schläuche auf (ROSE, 2004).
Besonders bei stufigen Eutern wird empfohlen, an den vorderen Melkbechern kurze Milchschläuche
mit einer Länge von 1600 bis 1800 mm einzusetzen.
Silikonschläuche sind leichter und biegsamer und somit besser für eine optimale Positionierung
geeignet als Gummischläuche. Gleichfalls ist es notwendig, die Melker regelmäßig zu schulen
-150

Vorträge – Seite 8
sowie mit dem Einsatz von Neuentwicklungen vertraut zu machen und den regelmäßigen und
korrekten Einsatz von Positionierungshilfen zu prüfen.
Grundsätzlich sollten in allen Melkstandtypen Schlauchführungshilfen (mindestens Schlauchklemmen)
Verwendung finden.
Weiterer Forschungsbedarf
Die vorliegenden Ergebnisse zeigen, dass noch Forschungsbedarf in Bezug auf die Melktechnik
besteht, um die bestehenden Probleme der Eutergesundheit zu reduzieren. Die Melkzeuge und
Positionierungshilfen müssen verbessert werden, um auch bei einer zunehmenden Anzahl von
"Problemeutern" eine optimale Positionierung und Anpassung der Melkzeuge an die Euter zu
gewährleisten. Bei züchterischen Anstrengungen zur Verbesserung des maschinentauglichen
Euters sollte zukünftig die Eutermorphologie stärker beachtet werden.
Des Weiteren sollte über die grundlegende Veränderung des konventionellen Melkzeuges
nachgedacht werden. Das konventionelle Melksystem ist dem automatischen Melken zurzeit
wirtschaftlich überlegen. Dennoch haben einige automatische Melksysteme schon jetzt einen
deutlichen Vorteil gegenüber den konventionellen Melkständen: das viertelindividuelle Melken. Das
Ansetzen und Positionieren der Melkbecher ist exakter. Kräfte, welche vom Melkzeug auf das
Euter übertragen werden, können auch bei Problemeutern nahezu verhindert werden. Eine
getrennte Ableitung der Euterviertelgemelke wäre daher hinsichtlich der korrekten Positionierung
als positiv zu bewerten.
Das viertelindividuelle Melken im konventionellen Melkstand bietet Vorteile. Der Melker wird von
Routinearbeiten entlastet und kann sich intensiver der Kontrolle/Überwachung des Melkens
widmen. Insbesondere die Gewebebelastung des Euters würde durch eine bessere Positionierung
erheblich gemindert und so eine Ursache für Eutergesundheitsprobleme eliminiert. Die hohen
Investitionskosten durch den automatisierten Ansetzvorgang und die Melkstandfütterung können
eingespart werden. Das neue System würde sich insbesondere für Betriebe mit großen Herden
eignen. Hier besteht ein großer Forschungsbedarf für die nächsten Jahre. Wenn eine exaktere
Positionierung der Melkzeuge realisiert wird, können in den nächsten Jahren im "euterschonenden
Milchentzug" große Fortschritte erreicht werden.
Literaturverzeichnis
Cielejewski, H. (2004): Technikausstattung im Melkstand. Landwirtschaftskammer
Westfalen/Lippe, Url: www.landwirtschaftskammer.com/technik/melkstand.htm.
Huschke, W. (2003): Prüfstand zur Erfassung von Dreh-, Zug- und Hebelkräften an der Zitze durch
unterschiedliche Melkzeuge. 6. Tagung Bau, Technik und Umwelt in der landwirtschaftlichen
Nutztierhaltung, S. 114-117.

Vorträge – Seite 9
Lincke, K. (2000): Wenn das Melkzeug falsch hängt … DLZ, Jg. 52, H. 1, S. 94-96.
Landeskontrollverband Brandenburg (2002): Jahresbericht, S. 53.
Pelzer, A.; Albers, E. (2004): Trends in der Melk- und Kühltechnik. Landtechnik 59, 6, S. 314-315.
Rose, S. (2004): Euterprobleme durch Servicearme. Elite 01/2004, S. 46-49.
Scheibel, B. (2004a): Steile Fischgräte entlastet den Rücken. top agrar, Jg. 15, H. 5, S. R6-R8.
Scheibel, B. (2004b): Viel Luft und reichlich Platz. Neue Landwirtschaft, Jg.15, H.10/2004, S.59-61.
Tröger, F. (2003): Abschaltautomatik hat ihre Tücken. DLZ, Jg. 54, H. 12, S. 68-71.
Worstorff, H.; Göft, H. (1989): Bessere Milchabgabe durch fachgerechtes Ausrichten des
Melkzeuges. Milchpraxis Jg. 27, H. 1, S. 16-19.
Zschöck, M.; Kloppert, B.; Wolter, W.; Seufert, H.; Schwarz, H.; Kötting, C. (1998): Zellzahlen der
Milch in großen Beständen. Rationalisierungskuratorium für Landwirtschaft, Sonderdruck
4.2.2.1
eigene Notizen:

7. Jahrestagung – Iden 2006
Workshops – Seite 3
Workshop 2: Melkarbeit im Melkstand auf der Grundlage von
Bundesrichtlinien
Hans - Heinrich Francke
Landesanstalt für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau Sachsen Anhalt, Zentrum für
Tierhaltung und Technik; 39606 Iden
Die Milcherzeugung hat als wichtiger Bereich der Veredlungswirtschaft einen hohen Stellenwert in
der deutschen Land- und Ernährungswirtschaft. Die Verschärfung der Marktsituation auf dem
Milchsektor durch Überschüsse und Preisverfall erfordert eine hohe Wirtschaftlichkeit in der
Milcherzeugung. Züchterisches Milchleistungspotential, Melkmanagement und Tiergesundheit sind
wichtige Faktoren für eine effiziente Milchproduktion, um den steigenden Ansprüchen an die
Produktqualität durch die Ernährungswirtschaft und den Verbraucher gerecht zu werden.
MELKEN ist Leistung für die landwirtschaftlichen Fachkräfte in der Milcherzeugung im Hinblick auf:
• eine qualifizierte Melkarbeit unter Verwendung zeitgemäßer Technik
• die Anwendung der Fachkenntnisse in der praktischen Milchgewinnung
• die Verantwortlichkeit für Milchqualität und Tiergesundheit durch Melkhygiene
• den fachlichen Ausbildungs- und Kenntnisstand
und ist ein Beitrag zur Qualitätssicherung und Wirtschaftlichkeitsverbesserung der Milchproduktion.
Melken soll:
• die berufsständische Aus- und Weiterbildung begleiten und unterstützen
• das Berufsbild landwirtschaftlicher Fachkräfte und die Berufschancen für die Öffentlichkeit
verdeutlichen
• die Verbraucherakzeptanz für die nachhaltige Qualitätsmilcherzeugung verbessern.
• neue wissenschaftliche Erkenntnisse in die Praxis einbringen
Das Arbeitsgebiet Melken umfasst drei wesentliche Bereiche
 praktische Melkarbeit in Anwendung unterschiedlicher Melkverfahren
 Milchhygiene und Eutergesundheit
 Fachkenntnisse zur Milchproduktion
Um Melkarbeit zu Bewerten ist unmittelbar vor einer Prüfung ein Testmelken durchzuführen.
Hierbei sind die verwendeten technischen Ausrüstungen und Anlagen einzusetzen und auf
Funktionsfähigkeit hin zu prüfen. Das Testmelken hat in der gleichen Art und Weise, unter gleichen
Bedingungen und mit den gleichen Melkzeugen zu erfolgen. Zur Milchmengenbestimmung
7. Jahrestagung – Iden 2006
Workshops – Seite 4
werden anerkannte Messgeräte eingesetzt, die für die entsprechend verwendeten Melkanlagen
geeignet sind. Die Funktionsfähigkeit ist sicherzustellen.
Bewertungsteil I - Praktische Melkarbeit
In der praktischen Melkarbeit sind die Bereiche Melkmanagement, Melkleistung sowie Melkhygiene
in ausgewogenem Verhältnis zueinander zu bewerten. Organisatorische Übersicht,
Geschicklichkeit, Schnelligkeit, Sauberkeit und Umsicht werden dabei als wichtige Kriterien
herangezogen.
Was wird bewertet?
Eindruck des Melkers, Funktionskontrolle der Melkzeuge, Kontaktaufnahme zu Kühen,
Abmelken und Prüfen der Milch, Melken von der Seite bzw. von hinten (entsprechend der
Melkanlage), Reihenfolge für Rechtshänder bzw. Linkshänder, Reinigen und Anrüsten des
Euters, Ansetzen der Melkzeuge, Ausmelken mit der Maschine, Beenden des Melkens und
Dippen, Kontrollgemelk, Sauberkeit des Arbeitsplatzes, Gewandtheit des Melkers (Arbeitseinteilung,
Arbeitsablauf, Arbeitsorganisation), relative Melkleistung, Sauberkeit der Milch
Bewertungsteil II - Milchhygiene und Eutergesundheit (Milchzelltest)
Die Durchführung und Bewertung des Milchzelltestes ist im Formblatt ausreichend beschrieben.
Bewertungsteil III - Fachkenntnisse zur Milcherzeugung
Zur Durchführung des theoretischen Prüfungsteils sind aus einem zusammengestellten Themenkatalog
Fragen zu nachfolgend genannten Bereichen in ausgeglichenem Verhältnis ausgewählt
und ein entsprechender Fragebogen erstellt. Die Beantwortung der Fragen erfolgt zu 75 % aus der
Beantwortung von Fragen nach dem Ankreuzverfahren und zu 25 % aus der Beantwortung von
Fragen mit eigenständigen schriftlichen Erläuterungen. Die Antworten werden auf Richtigkeit
geprüft und mit Punkten bewertet. Grundsätzlich gelten die üblichen Bedingungen für Prüfungen.
Themenbereiche
I Agrarwirtschaft
II Rinderzucht und -haltung
III Euterbau und Milchbildung
IV Melktechnik
V Reinigung und Desinfektion, Milchhygiene
VI Milchqualität, Milchinhaltsstoffe
VII Futterwirtschaft und Fütterung
VIII Tierschutz und Tiergesundheit
Mindestens 5 der acht genannten Themenbereiche müssen berücksichtigt werden.
7. Jahrestagung – Iden 2006
Workshops – Seite 5
Handicaps und Gesamtbewertung
Die Gesamtpunktzahl errechnet sich aus den Ergebnissen der Bewertungsbereiche:
• praktische Melkarbeit (100 Punkte)
• Milchhygiene und Eutergesundheit (20 Punkte)
• Fachkenntnisse zur Milcherzeugung. (40 Punkte)
In einem Wettbewerb können die Plätze 1-3 können nicht belegt werden, wenn nachfolgende
Handicaps zutreffen (In einer Prüfung sollte über das Bestehen nachgedacht werden.) :
• relative Melkleistung ist unter 80 %
• unzureichender Ausmelkgrad, d.h. wenn unter 5 Punkten in der Bewertung
„Kontrollgemelk“ erreicht wurden
• Reinheitsprobe ergab unter 8 Punkte
• praktische Melkarbeit ergab weniger als 42 Punkte (s. Richtlinie)
• Milchzelltest ergab weniger als 12 Punkte
• Prüfung der Fachkenntnisse zur Milcherzeugung ergab weniger als 30 Punkte
eigene Notizen:


Workshops – Seite 12
Workshop 6: Lärm und Vibration im Melkstand
Dr. Dusan Nosal
Agroscope Reckenholz-Tänikon ART, Tänikon, CH-8356 Ettenhausen
Problemstellung
Laut offiziellen Schätzungen (IDF-Bulletin 367/2001) verursachen in der Schweizer Milchwirtschaft
Euterentzündungen Schäden von jährlich 130 Mio. Franken. Lärm und Vibrationen im Melkstand
können sich als Störfaktoren auswirken und für Mensch und Tier unangenehm sein und die
Vakuumstabilität der Melkanlage und damit auch die Eutergesundheit negativ beeinflussen.
Ziel
Erkenntnisse über den Einfluss von Lärm und Vibrationen auf die Tiergesundheit und das
Wohlbefinden der Kühe und des Melkers liegen vor. Die Verträglichkeitsgrenzen in bezug auf Lärm
und Vibrationen sind bekannt.
Projektkonzept
1. Untersuchungen in 50 Schweizer Betrieben gemäss ausgearbeitetem Versuchsplan
durchführen. Dabei sollen alle auf dem Schweizer Markt vorhandenen Melkmaschinenfabrikate
und Melkstand-Typen, zuzüglich neun AMS-Betriebe, berücksichtigt werden.
2. Im Melkstand in Tänikon die Lärm- und Vibrationswerte stufenweise verändern und ihre
Auswirkungen auf das Verhalten, Wohlbefinden und die Leistung der Kühe und des
Melkers erfassen.
3. In Zusammenarbeit mit dem Forschungsinstitut für biologischen Landbau, FiBL (Pro-QProjekt)
Messungen und Erhebungen in 32 Bio-Betrieben durchführen.
4. In Zusammenarbeit mit der FAL-Völkenrode (Dr. K. Barth), LKV Sachsen (L. Dassler) und
LKV Brandenburg (Dr. M. Hammel, J. Wegner) in 13 Betrieben mit großen Melkständen
und Kuhzahlen Messungen durchführen.
Messmethodik
Luft- und Körperschall werden am Entstehungsort (Quelle = Emissionspunkt) und am Empfangsort
(Arbeitsplatz, Einwirkungsort = Immissionspunkt) gemessen. Luftschall wird mittels Mikrofon (in dB
(A)) und Körperschall mittels Sensoren (in m/s2) ermittelt. Mit Hilfe spezifischer Schallmessgeräte
(Real Time Analysen) erfolgt die Erhebung der einzelnen Messwerte bei verschiedenen
Frequenzen in der Regel zwischen 1 Hz und 20 kHz im Luft- und Körperschallbereich.
Die Messpunkte für Luftschall befinden sich in der Melkgrube und den Melkbuchten 1,2 m ab
Boden und jene für den Körperschall an Kotblechen und am Gerüst des Melkstandes.

Workshops – Seite 13
Die Pulsatoren werden als Quelle für die Bildung von Luft- und Körperschall vermutet. Daher
erfolgten alle erwähnten Messungen mit und ohne eingeschalteten Pulsatoren.
Schlussfolgerungen
Messungen in 38 als gut eingestuften Betrieben, zwölf Problembetrieben und neun AMS-Betrieben
bringen zum Ausdruck, dass Konstruktion, Installation und Montagequalität die Entstehung von
Lärm und Vibrationen wesentlich beeinflussen. In guten Betrieben wurde Lärm bis 70 dB (A) und
Vibrationen zwischen 0,1 und 0,2 m/s² gemessen. Problembetriebe weisen Lärmwerte von mehr
als 70 dB (A) und Vibrationen von über 0,3 m/s² auf. Die statistischen Auswertungen zeigen, dass
der größte Teil der Betriebe mit weniger als 200.000 Zellen/ml Vibrationen bis 0,3 ms2 und Lärm
bis 72 dB (A) ausweisen. Die Ursachen liegen in erster Linie bei der Konstruktion und Montage der
einzelnen funktionellen Teile der Melkanlage wie Vakuumpumpe, Regelventil, Pulsatoren,
Leitungssystem und Milchpumpe. Zudem können bauliche Gegebenheiten die Lärmwerte
beeinflussen. Die in der Praxis anzutreffenden Ursachen sind markenunabhängig.
eigene Notizen:


Vorträge – Seite 15
Klimagestaltung von Milchviehställen
Thomas Heidenreich
Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft, Fachbereich Agrarökonomie, Ländlicher
Raum, Leipziger Str. 200, 04178 Leipzig
Neben dem Trend zur Querlüftung in Rinderställen setzt sich in den letzten Jahren immer stärker
der Einsatz von Zusatzventilatoren zur Unterstützungslüftung durch. Die enorme Leistungssteigerung
während der letzten Jahre in der Milchproduktion führt zur Notwendigkeit, der Wärmeproduktion
der Tiere und der Abführung der Wärme aus dem Stall eine höhere Aufmerksamkeit zu
schenken. Länger anhaltende Hitzeperioden im Sommer sorgen immer wieder für Probleme in
Ställen. Zum einen sinkt die Milchleistung der Tiere, zum anderen können auch erhebliche
Gesundheitsprobleme, insbesondere bei Hochleistungstieren auftreten.
Planungsgrundlagen
Die DIN 18910-1 „Wärmeschutz geschlossener Ställe – Wärmedämmung und Lüftung – Teil1:
Planungs- und Berechnungsgrundlagen für geschlossene zwangsbelüftete Ställe“ gilt zwar, wie im
Titel eindeutig dargestellt, nur für geschlossene zwangsbelüftete Ställe, die enthaltenen Formeln
zur Berechnung der Wärmeproduktion der Tiere sind aber unabhängig des Stalltyps anwendbar.
Viele Milchviehbetriebe erreichen inzwischen eine Milchleistung von mehr als 10.000 kg / Kuh und
Jahr. Diese Leistungshöhe muss auch bei der Lüftungsplanung Berücksichtigung finden. So produziert
eine 10.000-Liter-Kuh im Durchschnitt der Laktation eine Gesamtwärmemenge von etwa
2.000 Watt (W), davon bei 0°C Umgebungstemperatur 1.500 W als direkte Wärmeabgabe (sensible
Wärme) und 500 W in Form von 580 g Wasserdampf. Bei einer Stalltemperatur von 30 °C
beträgt die sensible Wärme noch 450 W, die Wasserdampfproduktion liegt aber bereits fast 1400g.
Aufgrund der geringeren Temperaturdifferenz zwischen Innen- und Außenbereich von etwa 8-12 K
bei Außenklimaställen und der damit verbundenen geringeren Wasserdampfaufnahme der Luft,
erfordern Außenklimaställe im Winter höhere Luftraten als Warmställe. Entsprechend der genannten
Bedingungen verdoppelt bis verdreifacht sich das zu fördernde Luftvolumen zum Abtransport
des anfallenden Wasserdampfes.
Bei der Planung einer Unterstützungslüftung für den Sommerbetrieb sind die Luftraten entsprechend
der tierischen Leistung (Tabelle 1) zu berücksichtigen. Bei größeren Herden, bei denen
eine Unterteilung in Leistungsgruppen erfolgt, ist bei der Planung auch die Betrachtung der
einzelnen Gruppen interessant, insbesondere bei separater Aufstallung der trockenstehenden
Tiere, da diese einen wesentlich geringeren Anspruch aufweisen, als Tiere im 1. Laktationsdrittel.
Aus tierphysiologischer Sicht führen Umgebungstemperaturen von 30°C aber bereits zu erheblichen
Belastungen bei den Kühen, die sich nicht nur in Form von Leistungsdepressionen äußern,

Vorträge – Seite 16
sondern auch Verdauungs- und Fruchtbarkeitsstörungen bis hin zu Kreislauferkrankungen nach
sich ziehen. Bereits bei Temperaturen über 22°C verringert sich die Futteraufnahme und der
Wasserbedarf der Tiere steigt an.
Um auch bei diesen Temperaturen einen ausreichenden Luftwechsel ohne wesentlichen Anstieg
der Stalltemperaturen zu realisieren, sind weitaus höhere Luftraten zu fördern, als der
Berechnungsmodus der DIN 18910 vorgibt (Tabelle 1 unten).
Tabelle 1: Luftraten für Hochleistungskühe mit 700 kg LM (nach CIGR)
Leistungsgruppe Leistung
in kg
Durchschnitt 1.Lakt.
-drittel
2.Lakt.
-drittel
3.Lakt.
-drittel
Trockensteher
Mindestluftrate in m³/h 10.000 136 159 132 115 94
Sommerluftrate in m³/h 5.000 (DIN) 366 410 363 343 334
30 °C, delta t = 3 K 10.000 477 569 473 412 334
12.000 521 632 517 439 334
14.000 565 696 562 466 334
22 °C, delta t = 3 K 10.000 890 1062 884 769 624
Zusatzwärme bei Außenklimaställen
Neben der Luftratenberechnung auf Basis der Wärmeabgabe der Tiere kommt bei ungedämmten
Dächern noch die Einstrahlungswärme der Dachhaut hinzu. Bei wolkenlosem Himmel beträgt die
Globalstrahlung etwa 800 W/m². Entsprechend der Farbe der Dachhaut wird ein Teil davon reflektiert.
Je heller die Farbe, desto höher die Rückstrahlung. Deshalb sollten bei Außenklimaställen
vorrangig Dachplatten in hellen Farbtönen (hellgrau) zum Einsatz kommen. Die wirksame Strahlungswärme
kann trotzdem noch bis zu 300 Watt je m² Dachfläche betragen. Im Sommer wurden
so Dachinnentemperaturen von z. T. über 60°C gemessen.
Berücksichtigt man eine Dachfläche von etwa 10 m² je Kuh und einen U-Wert der Dachplatten von
3,3 ergeben sich bei Dachtemperaturen von 35 bis 60°C zusätzliche Wärmeeinträge zwischen 165
bis 990 Watt je Kuh (Tabelle 2). Diese Wärmeeinträge sind bei Außenklimaställen in angemessener
Form bei der Lüftungsplanung zu berücksichtigen (Tabelle 3). Allerdings kann nicht der
gesamte Wärmeeintrag von ungedämmten Dächern durch die Lüftung abtransportiert werden. Ein
Großteil davon wird als Wärmestrahlung freigesetzt. Die so auf einen Körper, also auch auf die
Tiere einwirkende Strahlungstemperatur liegt bei ungedämmten Dächern bis zu 5 K über der
Stallinnentemperatur. Besonders ungünstig wirken sich Lichtplatten im Dach aus, und so eine
direkte Einstrahlung auf die Liegeboxen erfolgt. In diesem Fall wurden Strahlungstemperaturen
von > 10 K über Innentemperatur gemessen.

Vorträge – Seite 17
Tabelle 2: Wärmeeintrag bei ungedämmten Dächern und Luftrate zum Abtransport der
zusätzlichen Wärme
Temperatur über Dach ° C 35 40 45 50 55 60
W/Kuh bei 10 m² Dachfläche 165 330 495 660 825 990
Luftrate in m³/Kuh*h 174 348 521 695 869 1.043
Tabelle 3: Theoretisch notwendige Luftraten für Kuhställe
Durchschnitt 1. Lakt.
-drittel
2. Lakt.
-drittel
3. Lakt.
-drittel
Trockensteher
Stall ohne
wärmegedämmte Decke
1.172 1.264 1.169 1.107 1.029
Stall mit
wärmegedämmter Decke
477 569 473 412 334
Zu- und Abluftflächen
Entsprechend der dargestellten Luftraten sind die Zu- und Abluftöffnungen zu planen. Bisherige
Angaben, wie sie beispielsweise vom KTBL oder der ALB Bayern veröffentlicht sind, berücksichtigen
lediglich wärmegedämmte Ställe bei verschiedenen Auftriebshöhen.
Bei Außenklimaställen, wie auch bei Warmställen im Sommer, ist aufgrund der geringen Temperaturdifferenzen
(Innen – Außen) die Thermik aber nur eingeschränkt nutzbar. Der größte Teil des
Luftwechsels wird durch den Wind realisiert. Entsprechend der Bauweise des Stalles sowie bei
Berücksichtigung unterschiedlicher Anströmungsbedingungen können für die Planung der Zu- und
Abluftöffnungen die in Tabelle 4 dargestellten Flächen empfohlen werden.
Sinkt die Windgeschwindigkeit unter 1 m/s, ist bei großflächigen Ställen trotz offener Wände meist
kein ausreichender Luftwechsel mehr gegeben. Besonders kritisch sind der Melkstand und der
Vorwartehof sowie auch Ställe, die von anderen Gebäuden beeinflusst werden. Gerade im Vorwartehof
und im Melkstand fallen aufgrund des geringen Raumes und der hohen Tierdichte große
Mengen Wärme und vor allem Wasserdampf an, die Hitzestress für Tier und Mensch verursachen.
Tabelle 4: Empfohlene Zu- und Abluftflächen für Kuhställe
Wärmegedämmter Stall
einzeln stehend Queranströmung von anderen Gebäuden beeinflusst bzw. ungünstige Lage
0,20 m² 0,30 - 0,40 m²
Außenklimastall
einzeln stehend Queranströmung von anderen Gebäuden beeinflusst bzw. ungünstige Lage
0,40 m² 0,60 - 0,80 m²
(Leistung > 8.000 kg Milch/Kuh und Jahr, Außenwindgeschwindigkeit 1 m/s)

Vorträge – Seite 18
Kühlwirkung der Luft
Unter diesen Bedingungen ist es dann notwendig, die Luftwechselrate künstlich zu beschleunigen.
Wichtig ist dabei, eine gleichmäßige Luftströmung in den Aufenthaltsbereichen der Kühe zu erzeugen,
um den sogenannten "Saunaeffekt", d. h. die Schichtbildung der Luft um den Körper der
Kuh - vor allem bei liegenden Kühen - zu durchbrechen, um so die Wärme- und Wasserdampfabgabe
der Tiere zu unterstützen.
In Abhängigkeit von der Luftgeschwindigkeit und der Luftfeuchte können durch die Kühe unterschiedliche
Mengen an Wasser über die Haut verdampft werden. Durch die Verdampfung entsteht
Verdunstungskälte, die eine entsprechende Kühlwirkung an der Haut der Tiere erzeugt (Tabelle 5).
Tabelle 5. Kühlwirkung der Luft in K durch Nutzung der Verdunstungskälte (nach R.
BARNWELL 1997, modifiziert)
Temperatur in °C 25 30 35
rel. Feuchte in % 50 70 50 70 50 70
Luftgeschwindigkeit in m/s Kühlwirkung
0,00 0,00 -1,60 0,00 -2,20 0,00 -3,30
0,50 1,10 -0,50 2,80 -0,60 2,80 -0,50
1,00 2,80 0,60 5,00 2,20 8,40 4,50
1,50 3,90 1,70 6,60 3,90 10,60 6,20
2,00 6,20 3,90 8,30 5,00 11,70 8,90
2,50 7,30 5,10 9,40 6,10 12,80 10,60
Die höchste Kühlwirkung ist nach Barnwell mit einer Luftgeschwindigkeit von 2,5 m/s zu erreichen.
Über diese Geschwindigkeit hinaus verringert sich die Kühlwirkung wiederum, da die Feuchtigkeit
der Haut bei hohen Luftgeschwindigkeiten ohne Verdampfungswirkung mitgerissen wird. Allerdings
sind Luftgeschwindigkeiten von bis zu 5 m/s bei hohen Umgebungstemperaturen unschädlich für
die Tiere.
Gestaltung der Unterstützungslüftung
Welche Form der Lüftungsunterstützung sinnvoll ist, hängt von der Kubatur und dem Standort der
Ställe ab. Bei in der Nähe liegender Wohnbebauung oder N-empfindlichen Biotopen sollte die
Strömungsrichtung so gewählt werden, dass keine direkte Beeinflussung dieser erfolgt. Die gesamte
zu installierende Luftleistung der Ventilatoren ist abhängig von der Stalllänge, der jeweiligen
Kuhgruppe und, wie bereits oben erwähnt, vom Dach des Stalles. Sie schwankt entsprechend zw.
500 und 1.200 m³ je Kuh, explizit der Ventilatoren für den Melkstand und den Vorwartehof.

Vorträge – Seite 19
- Umluftverfahren
Beim Umluftverfahren werden bewegliche Ventilatoren an den Stallwänden und im Innern des
Gebäudes installiert. Durch die oszillierende Bewegung wird die Luft im Stall verwirbelt, was zu
einer Abkühlung an der Haut der Tiere führt. Bei unzureichend natürlichem Luftwechsel kann es
aber zu einer Erhöhung der Luftfeuchte im Stall kommen, so dass sich die Kühlwirkung
entsprechend reduziert.
- Tunnellüftung
Bei der Tunnellüftung werden mehrere große Ventilatoren in eine Stirnwand des Stalles installiert,
der gesamte Stall bis auf eine definierte Zuluftöffnung in der gegenüberliegenden Stirnwand
verschlossen. Die Ventilatoren erzeugen einen Unterdruck im Stall, so dass die Luft den gesamten
Stall in Längsrichtung durchströmt. Die Strömungsgeschwindigkeit beträgt dabei bis zu 2,5 m/s.
Auf Grund der Bauart vieler Ställe mit offenem First sowie großem Luftvolumen ist dieses
Verfahren aber kaum anwendbar bzw. zu aufwendig.
- Step-by-step-Verfahren
Das Step-by-step-Verfahren nutzt sowohl den Saug-, als auch den Druckbereich der Ventilatoren.
Durch eine Reihung mehrerer Ventilatoren, meist in Längsrichtung des Stalles angeordnet, wird
die Luft Schritt für Schritt durch den Stall transportiert.
Die Ventilatoren sind so anzuordnen, dass sie die Zuluft entsprechend der Hauptwindrichtung
möglichst in den Tierbereich transportieren. Um Frischluft anzusaugen, sollten die ersten
Ventilatoren maximal 3 bis 6 m von der geöffneten Stallstirnseite installiert werden. Die Wurfweite
eines Ventilators, sie schwankt in Abhängigkeit von der Ventilatorbauart, -größe und -drehzahl von
10 bis 25 m, gibt den Abstand der folgenden Ventilatoren vor (Tabelle 6). Wenn es die Stallhöhe
zulässt, sollten die Ventilatoren möglichst in 2,70 m Höhe (Unterkante Ventilator) montiert werden,
da dann auf die Schutzgitter verzichtet werden kann. Die Schutzgitter können sehr schnell verschmutzen
und reduzieren damit die Ventilatorleistung.
Die Anordnung mehrerer mittlerer oder kleinerer Ventilatoren im Block erhöht die Wurfweite der
Ventilatoren (Abbildung 7). Insbesondere Ventilatoren der Baugröße 70 cm Durchmesser und
Drehzahlen von 900 bis 1000 U/min erreichen so Wurfweiten bis zu 20 m (Abbildung 8). Allerdings
haben kleinere Ventilatoren einen höheren spezifischen Leistungsbedarf als größere Ventilatoren.
Durch die Blockanordnung ist aber eine gleichmäßige Durchströmung des Stalles gewährleistet.

Vorträge – Seite 20
0
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
0 2 4 6 8 10 12 14 16 18
Abstand vom Ventilator
in m
Luftgeschwindigkeit
in m/s
1 Ventilator 1,2 m Durchmesser
2 Ventilatoren 0,7 m Durchmesser
1 Ventilator 0,7 m Durchmesser
0
1
2
3
4
5
6
4,5 6 7,5 9 10,5 12 13,5 15 16,5 18 19,5 21
Abstand vom Lüfter in m
Luftgeschwindigkeit in m/s
Mittelschnellläufer
Langsamläufer
Abbildung 7: Wurfweiten von
Einzelventilatoren und Blockanordnung
Abbildung 8: Wurfweiten unterschiedlicher
Ventilatorzweierblöcke
- Vertikallüftung
Bei der Vertikallüftung kommen große Deckenventilatoren zum Einsatz. Die Durchmesser reicht
bis zu 6,30 m bei Luftvolumenströmen von mehr als 200.000 m³/h und Ventilator. Die Strömungsgeschwindigkeiten
unter den Ventilatoren betragen bei Einbau in etwa 5 m Höhe 2,5- 3 m/s.
Bedingt durch Stalleinbauten, wie Futtertischbegrenzungen (Krippenwulst) und Liegeboxen wird
ein Teil der Luft wieder vertikal nach oben gelenkt. Die horizontale Strömungsgeschwindigkeit im
Liegebereich der Tiere beträgt dann nur noch 0,5 – 1 m/s und ist stark windbeeinflusst.
Steuerung der Ventilatoren
Zur Steuerung der Ventilatoren werden im Schweine- und Geflügelbereich Regelgeräte eingesetzt,
die in Stufen oder stufenlos die Drehzahl der Ventilatoren regeln. Eine Reduzierung der Drehzahl
führt aber auch zum Absenken der Wurfweite der Ventilatoren. Beim Einsatz einzelner großer
Ventilatoren kann eine Regelung mittels Trafosteuerung sinnvoll sein. Allerdings führt diese
Steuerung zu einer Erhöhung des spezifischen Leistungsbedarfs der Anlagen. Bei Blockanordnung
von 2 - 3 Ventilatoren ist der Einsatz einfacher thermostatischer Regelgeräte möglich, die in Stufen
die Ventilatoren ohne Abregelung zuschalten. Die Spreizung sollte dabei etwa 5 K betragen. Bei
Zweierblöcken sind als Schalttemperaturen etwa 18 und 23° C, bei Dreierblöcken 15, 20 und 25° C
Stallinnentemperatur zu empfehlen. Bei offenen Ställen sind aber vor allem in den Nachtstunden
auch Lärmbelästigungen zu berücksichtigen. Sofern die Ventilatoren auf Grund hoher Temperaturen
nicht vollständig abgeschaltet werden sollen, empfiehlt sich hier der Einsatz von Drehstromventilatoren
mit implementierter Stern-Dreieckschaltung. Durch das Umschalten von Dreieck- auf
Sternschaltung verringert sich die Drehzahl auf etwa die Hälfte ohne durch weitere Regelgeräte

Vorträge – Seite 21
Energieverluste in Kauf nehmen zu müssen. Gleichzeitig wird der Geräuschpegel erheblich
reduziert.
Energiebedarf und Wirtschaftlichkeitsbetrachtung
Der Energiebedarf lag in einem Versuchsstall mit 326 Kuhplätzen und einer installierten
Luftleistung von 870 m³/h und Kuhplatz in den Jahren 2003 - 2005 bei 30 kWh/Kuh und Jahr. Bei
einem durchschnittlichen Strompreis in Höhe von 13 ct/kWh ergeben sich damit Stromkosten von
4,- € / Kuh und Jahr. Bei investiven Aufwendungen von sehr hoch angesetzten 55 € je Kuhplatz
und Berücksichtigung eines Abschreibungssatzes von 10 %, Instandhaltungskosten von 2 % sowie
einer Arbeitszeit zur Regelung und Kontrolle von jährlich etwa 20 Stunden ergeben sich für den
betrachteten Stall Verfahrenskosten von 9,15 € je Kuh und Jahr. Demgegenüber stehen ein Mehrertrag
von über 120 kg Milch ohne zusätzliche Aufwendungen, da das Futter ohnehin vorgehalten
werden muss, und zusätzliche Effekte bei der Fruchtbarkeit und dem Gesundheitsstatus der Tiere,
die aber bisher nicht exakt ausgewiesen werden können.
eigene Notizen:


Workshops – Seite 14
Workshop 7: Herdenmanagement in Iden
Thomas Engelhard, Herr Zarwel, Gabriele Andert und Dr. Bernd Fischer
(Workshop mit mehreren Stationen)
Landesanstalt für Landwirtschaft und Gartenbau, Zentrum für Tierhaltung und Technik,
Lindenstr. 18, 39606 Iden
Herdenmanagement in Iden - Fütterungsmanagement und -controlling im Stall
Die Milchviehherde der LLFG Sachsen-Anhalt in Iden wird genutzt, um Aufgaben der Ausbildungsund
Versuchsdurchführungen sowie als Produktionsherde mit wirtschaftlichen Zielstellungen zu
erfüllen. Die 400 Milchkühe werden dreimal täglich gemolken. Die Herdenleistung lag in den
letzten Jahren über 11.000 kg je Kuh und Jahr (MLP, A+B-Kühe), die Reproduktionsrate konnte in
dieser Zeit auf weniger als 30 % reduziert werden. Die Herde wird im Gruppenfütterungssystem
mit kompletten Mischrationen (Voll-TMR) versorgt.
Als wesentliche Einflussgröße für das Erreichen der hohen Leistung und für die Verbesserung der
Tiergesundheit wird das Fütterungsmanagement angesehen. Das Fütterungsmanagement setzt
sich als Komplex aus folgendenden Elementen zusammen.
• Vorgabe = Rationsrechnung auf Basis von Analysenwerten und Bedarfsnormen
• Umsetzung = Fütterung (Zusammenstellen, Mischen der Ration)
• Kontrolle = Controllingmaßnahmen an Futtermitteln und Tieren
• Reaktion = Konstanz oder Veränderung der Fütterung (Ration, Tierzuordnung,
Behandlungen)
Im Workshop werden ausgewählte Kontrollmaßnahmen an Tieren demonstriert. Dabei wird die
Festlegung auf bestimmte Maßnahmen und auf Termine der Umsetzung begründet sowie
definierte Reaktion auf mögliche Situationen erklärt. Es wird auf die Beurteilung der
Körperkondition nach dem Notensystem body condition scoring (BCS) eingegangen. Diese wird
ständig an allen Kühen der Milchviehherde zum Termin der monatlichen Milchkontrolle
vorgenommen, um zusammen mit den MLP-Daten die Versorgungslage von Einzeltieren und
Fütterungsgruppen einzuschätzen, um ggf. reagieren zu können (Rationszusammensetzung für
Fütterungsgruppen, Zuordnung von Tieren zu Fütterungsgruppen). Dies betrifft ebenso die
trockenstehenden Kühe der Herde. Das BCS ist auch Bestandteil der Tierkontrollen im
Frischmelkerbereich. Hier wird versucht, die Stoffwechsellage, die Gesundheit und Fitness sowie
die Energiebilanz der Tiere über weitere Kontrollkriterien (Körpertemperatur, Verhalten, Haarkleid,
Hungergrube, MLP-Daten) zu beurteilen und Hinweise für das weitere Vorgehen (Fütterung,
Besamung, notwendige Behandlungen) zu erlangen.

Workshops – Seite 15
Um zu prüfen, ob die Rationen ausreichend strukturwirksam und die Fütterung wiederkäuergerecht
sind, werden neben den täglichen Routinen (Wiederkauen, Kotkonsistenz), die in alleiniger
Anwendung nicht sicher genug erscheinen, weitere ergänzende Kontrollen der Reaktion der Kühe
auf die Fütterung vorgenommen. Insbesondere sind dies regelmäßige Entnahmen von Proben aus
Spontanharn, in denen Messungen des pH-Wertes vorgenommen werden. Diese geben weiteren
Aufschluss über den Säuren-Basen-Haushalt der Tiere. Ergänzt werden kann dies durch genauere
Kotbeurteilungen (Waschung, Siebung).
In der nachfolgenden Tabelle sind die Controllingmaßnahmen zusammengestellt, die in der
Milchvieherde in der Routine umgesetzt werden.
Kontrollobjekt Kontrollzeitpunkt Kontrollkriterium Maßnahme
Herde täglich Tankmilchmenge,
Milchinhalte (Stichproben)
Rationszusammensetzung,
Futtermenge
Gruppen Futteraufnahme (Futtervorlage,
Futterrest, Fressverhalten)
Einzeltiere,
(Gruppenmittel)
Wiederkauverhalten,
Kotkonsistenz
Monatlich MLP-Daten (Harnstoffbericht),
Körperkondition (BCS)
Gruppenzuordnung,
Rationszusammensetzung
Futterwechsel,
Stichproben
Harn-pH-Wert (z. T.
erweiterte Analyse)
Stichproben,
Problemabklärung
Stoffwechselanalytik
bis 6. Lakt.tag
(„Repro“)
Täglich Körpertemperatur
bis 60. Lakt.tag
(Frischmelker)
zum 60. LT,
wöchentlich
Allgemeinzustand (Haarkleid,
Augen, Bewegung),
Futteraufnahme (Fressverhalten,
Hungergrube),
Körperkondition (BCS)
Rationszusammensetzung,
Umstellung
oder Verbleib in der
Gruppe, Maßnahmen
und Behandlungen am
Einzeltier
Trockenstehund
Vorbereitungsphase
14-tägig Probleme zur letzten Kalbung
Futtermittel Täglich Trockenmassegehalt
(Grobfutter)
Rationszusammensetzung
Stichproben,
Futtermittelwechsel
(insbesondere
Grobfutter)
Futtermittelanalyse
Problemabklärung erweiterte Futtermittelanalyse Restriktionen oder
Ausschluss von
Fütterung
Täglich sensorische Qualität

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