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Jahrestagung 2001
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Wechselwirkungen von LactoCorder und nachgeschalteten
Milchmengenmessgeräten
D. Ordolff, Milchforschung, Kiel, FAL, Braunschweig
1. Einleitung
Für Beratungszwecke werden LactoCorder häufig fest installierten Milchmengenmessgeräten vorgeschaltet.
Es ist bekannt, dass die Strömungsprofile des Milch- / Luftgemisches und Lufteinlass die Messgenauigkeit
von Milchmengenmessgeräten beeinflussen können.
Zur Klärung dieser Frage sollten die Untersuchungen an vier ICAR-anerkannten Milchmengenmessgeräten
unterschiedlicher Konzeption im melktechnischen Prüfstand der FAL beitragen.
2. Versuchsanstellung
Messverfahren der untersuchten Geräte:
 Zählung von Volumeneinheiten, schwimmergesteuert (Favorit)
 Zählung von Volumeneinheiten, elektrodengesteuert (Fullflow)
 Integration von Milchfluss über Zeit, gewichtsabhängig (Flomaster)
 Integration von Milchfluss über Zeit, volumetrisch (Metatron)
Randbedingungen:
 Frische Milch, unmittelbar aus der Melkanlage zugeführt Milchableitung in Melkeimer bzw.
Recorder
 Milchfluss zwischen ca. 1 und ca. 6 kg/min
 Vakuum: 50 kPa
 Lufteinlass: 8l/min
 Pulsierung: simultan, 60 Takte/min, 60% Saugphase
 Geräte nicht speziell justiert

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3. Ergebnisse
Favorit Fullflow Flomaster Metatron Metatron o.P.
ohne Lactocorder
Anzeigefehler (%) -0,89 -1,61 -0,15 -0,23 4,93
Standardabw. (%) 1,29 0,57 0,40 5,92 1,55
mit Lactocorder
Anzeigefehler (%) -2,12 0,46 0,06 3,64 4,71
Standardabw. (%) 0,99 0,52 0,63 1,27 0,95
4. Schlussfolgerungen
Die Untersuchungen haben gezeigt, dass zwischen LactoCordern und nachgeschalteten Milchmengenmessgeräten
Wechselwirkungen unterschiedlichen Ausmaßes auftreten können.
Das Messprinzip scheint dabei einen geringeren Einfluss zu haben als die konstruktiv bestimmte
Empfindlichkeit gegenüber Veränderungen des Milchflussprofiles und zusätzlichem Lufteinlass.
Diese Zusammenhänge müssten in weiteren Untersuchungen analysiert werden.


1
Morphologie der Zitze und melktechnische Parameter
Prof. Dr. S. Geidel & K. Graff, Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden (FH)
Zusammenfassung
Die züchterischen und melktechnischen Parameter im Hinblick auf die Zitzenmorphologie müssen
zukünftig in stärkerem Zusammenhang gesehen werden. Eine Verkürzung der Zitzen unter 5 cm
sowie eine Verringerung des Durchmessers ist nicht anzustreben, da diese Veränderungen
technisch nicht abfassbar sind. Kürzere Zitzen (mit einem ebenfalls kürzeren Strichkanal) weisen
einen höheren Saugphasenanteil mit einem höheren Milchfluss aus. Die ausgewiesene bessere
Melkbarkeit wird oftmals allein durch eine verkürzte Entlastungszeit erreicht. Aus diesem Grund
können in der Beratung die Auswertung von Milchflusskurven im Zusammenhang mit einer
Bonitierung der Zitzen sinnvoll sein. Aufgrund der starken Differenzierungen bei Zitzenlänge und
Zitzendurchmesser innerhalb einer Herde sind Beratungen zum richtigen Zitzengummieinsatz
weiterhin von Bedeutung.
1. Morphologische Merkmale der Zitze
Die Bedeutung der Zitzenmorphologie für den Prozess des maschinellen Milchentzuges ergibt sich
durch die möglichen Probleme bei abweichenden Strichmaßen. So führt es bei kurzen und dünnen
Strichen vermehrt zu Lufteinbrüchen und Rückspray mit einer Erhöhung des Infektionsrisikos.
Lange Striche besitzen nachweislich eine schlechtere Eutergesundheit. Die Problematik der Lufteinbrüche
tritt ebenfalls bei weit stehenden Zitzen (überwiegend der Vorderstriche) und bei sehr
eng stehenden Strichen (Hinterstriche) auf. Bei den engstehenden und stark abgewinkelten
Strichen kommt es außerdem zu Ansetzproblemen beim Robotermelken. Weitere Bedeutungen
der Zitzenmorphologie liegen in ihren Beziehungen zur Eutergesundheit (u.a. Strichkanal und Zellzahl
(Naumann 2001)) und Melkbarkeit (u.a. Strichkanal und höchster Milchfluss (Naumann 2001))
sowie in den Beziehungen der morphologischen Merkmale untereinander (Korrelationen zwischen
Strichmaßen und Strichkanallänge). Als die wichtigsten morphologischen Merkmale der Zitze
werden die Zitzenlänge, der Zitzendurchmesser, die Wandstärke, die Zitzenform und Kuppenformausbildung
sowie die Ausprägung des Strichkanals in seiner Länge, Breite und Form angesehen.
Auf einen Großteil dieser Merkmale wird im Kommenden eingegangen. Natürlich besitzen viele
weitere Merkmale der Eutergestaltung einen Einfluss auf melktechnische Parameter; diese werden
jedoch in dieser Abhandlung nicht genauer berücksichtigt. Als optimale Zitzenmaße werden
folgenden Kennzahlen in Tabelle 1 angegeben. Der Bodenabstand der Zitzen sollte nach Wendt
(2000) nicht weniger als 40 cm betragen und der Euterbodenabstand sollte größer als 49 cm sein

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(Rudovsky et al. 1984). Wendt (2000) gibt als weiteres negatives Kriterium eine Zitzenwinkelung
von über 10° vor.
Tabelle 1: optimale Zitzenmaße
Wendt 2000 Rudovsky et al. 1984 Zitzendurchmesser
Zitzendurchmesser 25 – 35 mm > 23 mm
Zitzenlänge 5 –7 cm > 6 cm
Abstand vorn 10 – 20 cm
Abstand hinten 3 – 15 cm
In ersten eigenen Untersuchungen in einer Herde (Schwarzbunt und Fleckvieh) ergaben sich
folgende Maße (Tabelle 2). Aus diesen ersten Ergebnissen ergibt sich bereits die Tendenz, dass
der Zitzendurchmesser bei den schwarzbunten Tieren bereits an der unteren Grenze der
Empfehlung liegt und bei allen Tieren die Zitzenlänge um den empfohlenen Minimalwert schwankt.
Es ergibt sich ebenfalls, dass die hinteren Zitzen im Durchschnitt 1 cm kürzer sind als die Vorderzitzen
und somit bereits unterhalb des Minimalwertes von Wendt (2000) liegen. Für das Merkmal
Zitzenabstand ergibt sich allein bei den Tieren der Rasse Fleckvieh eine Überschreitung des
maximal empfohlenen Abstandes der Vorderstriche, welches u.a. zu Ansetzproblemen und Lufteinbrüchen
führen kann.
Tabelle 2: Ergebnisse der ersten eigenen Untersuchungen (n=101)
SB vorn SB hinten FV vorn FV hinten
Zitzendurchmesser 24,4 mm 23,7 mm 26,8 mm 26,6 mm
Zitzenlänge 5,5 cm 4,3 cm 5,7 cm 4,6 cm
Zitzenabstand 17,8 cm 9,5 cm 21,2 cm 12,0 cm
Naumann (2001) führte u.a. Untersuchungen der Wandstärke an der Füstenberg´schen Rosette
und 10 mm oberhalb dieser sowie der Strichkanallänge per Ultraschall (n = 60) durch. Dabei ergaben
sich geringere Wandstärken der Hinterzitzen gegenüber den Vorderzitzen, eine Verringerung
der Wandstärken von der Fürstenberg´schen Rosette in Richtung Zitzenbasis sowie eine
Verdickung der Wandstärken durch den Melkprozess, wobei sich die Hinterzitzen stärker als die
Vorderzitzen verdicken. Die ermittelten Längen des Strichkanals sind in Tabelle 3 aufgezeigt.

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Tabelle 3: Strichkanallängen vor und nach dem Melken (in mm)
Mittelwert Minimum Maximum Streuung
vorn vor dem Melken 11,56 7,88 15,23 1,88
nach dem Melken 13,53 9,49 16,89 2,03
hinten vor dem Melken 10,87 6,58 14,76 2,31
nach dem Melken 13,57 8,78 18,26 2,19
Auch bei der Strichkanallänge verdeutlicht sich der Zusammenhang zwischen den Vorderzitzen
und den Hinterzitzen – die Strichkanallängen verhalten sich vergleichbar zu den Strichlängen.
Dieser Zusammenhang wird durch eine mittlere Korrelation beider Merkmale bestätigt. Aus den
Differenzen vor und nach dem Melken ergibt sich eine stärkere Verlängerung der Strichkanäle an
den Hinterstrichen (2,2 – 3,5 mm) gegenüber den Vorderstrichen (1,6 – 1,9 mm).
2. Züchterische Bedeutung der Zitzenmorphologie
Neben melktechnischen Forderungen ergibt sich die Bedeutung der morphologischen Zitzenmerkmale
für die Zucht aus den bestehenden Korrelationen zu anderen Zitzenmerkmalen, welche
die Eutergesundheit und Melkbarkeit beeinflussen. Bei der Betrachtung der derzeitigen Wichtung
der morphologischen Merkmale im Euterindex fällt auf, dass von den wichtigen morphologischen
Zitzenmerkmalen nur die Strichlänge und die Strichplatzierung mit geringen Prozentanteilen in die
züchterische Bewertung einfließt. Bei einer Auswertung der aktuellen Zuchtwerte anhand einer
Stichprobe von 23 Bullen (SRV, September 2001) ergibt sich ein sehr differenziertes Bild in der
Schwankungsbreite der betrachteten Merkmale. Dies wird als negativ gewertet, da durch die hohe
Differenzierung der Merkmale eine Anpassung der Technologie nicht möglich ist. Die
Schwankungen sind derzeit bei der Strichlänge an deutlichsten ausgeprägt (Streuung des Zuchtwertes
Strichlänge von 69 bis 125), wobei sich der Mittelwert mit 100,08 gut an dem Zuchtziel
(Zuchtwert 100 bis 110) orientiert. Die folgenden Korrelationen (mit p < 0,01) zwischen unterschiedlichen
Zitzenmerkmalen wurden anhand von Erkenntnissen von Hebel (1978) in Tabelle 4
zusammengestellt. Aus den ermittelten Korrelationen ergibt sich eine Verlängerung des Strichkanals
bei einer Verlängerung der Zitze bzw. bei einer Erhöhung des Zitzendurchmessers. Dieser
Zusammenhang wird unterstützt durch die positive Korrelation zwischen Länge und Durchmesser
der Zitze. Die Strichkanallänge besitzt eine geringe positive Korrelation zu Wandstärke und zum
Strichkanaldurchmesser.

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Tabelle 4: Korrelationen zwischen Zitzenmerkmalen
Zitzenlänge : Strichkanallänge r = 0,494
Zitzendurchmesser : Strichkanallänge r = 0,451
Wanddicke : Strichkanallänge r = 0,270
Zitzenlänge : Zitzendurchmesser r = 0,571
Strichkanallänge : Strichkanaldurchmesser r = 0,285
Durch die bekannten Korrelationen und die aktuelle Streuung innerhalb der Zuchtwerte für Zitzenlänge
ergibt sich gleichsam ein sehr differenziertes Bild bei dem Zitzendurchmesser, (welcher entscheidend
für die Wahl des Zitzengummis ist) und bei der Ausprägung des Strichkanals (entscheidend
für die Eutergesundheit und Melkbarkeit).
3. Zitzenmorphologie und Melkbarkeit
Eine der ersten umfangreichen Untersuchungen zu den Zusammenhängen zwischen der Melkbarkeit
(Leicht- und Schwermelker) und den Zitzenmerkmale führte Luppnow (1959) durch. Die Zusammenhänge
wurden in Tabelle 5 dargestellt. Die Melkbarkeit definierte er anhand des höchsten
Minutengemelks (HMG) in Abhängigkeit von der Gesamtmilchmenge des Viertels (GMV). Bei 2 l
GMV wird ein HMG von < 0,4 kg / min als schwermelkend und > 0,8 kg / min als leichtmelkend
eingestuft. Bei4 l gilt ein HGM von < 0,6 kg / min als schwermelkend und > 1,2 kg / min als leichtmelkend.
Tabelle 5: Morphologie und Melkbarkeit
Schwermelker Leichtmelker
Durchmesser Zitzenzisterne geringer größer
Wandstärke größer geringer
Strichkanallänge länger kürzer
Zitzenkuppenform rund, Teller spitz, Trichter
Zisternenkuppenform Trichter abgerundet
Strichkanal umgebendes Gewebe größer geringer

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Bei der Untersuchung der Zusammenhänge zwischen der Wandstärke und der Milchflussparamerter
durch Naumann (2001) ergaben sich nachfolgenden Beziehungen, durch die die
bereits erwähnten Beziehungen zwischen der Morphologie und der Melkbarkeit verdeutlicht
werden.
 Wandstärke an der Fürstenberg´schen Rosette (vor Melken):
o negative Beziehung zum höchsten Milchfluss (r = - 0,48)
o negative Beziehung zum durchschnittliches Minutengemelk (r = - 0,48)
 Wandstärke 10 mm über Fürstenberg´schen Rosette (vor Melken)
o negative Beziehung zur Plateaudauer(r = - 0,55)
o positive Beziehung zur Abstiegsdauer (r =0,60)
 Wandstärke an der Fürstenberg´schen Rosette (nach Melken)
o negative Beziehung zur Plateaudauer (r = - 0,48)
o positive Beziehung zur Abstiegsdauer (r =0,43)
4. Zitzenmorphologie und Melktechnik
Bei den Zusammenhängen zwischen der Morphologie und der Melktechnik ergeben sich drei
Komplexe, auf die näher eingegangen werden soll.
 Haftung der Melkzeuge
 Auswirkungen des Vakuums
 Auswirkungen der Pulsierung
Zu dem Haftungsverhalten der Melkzeuge (Anzahl der Lufteinbrüche) sind nur wenige Auswertungen
vorhanden. Nach Rudovsky, Färber, Billhardt & Schulze (1984) ist die Haftfähigkeit der
Melkzeuge einerseits von technischen Parametern wie Zitzengummischaftweite (Zusammenhang
zu Eindringtiefe), Form und Abmessungen des Zitzengummikopfes, das Vakuum unter der Zitze
sowie das Gewicht des Melkzeuges und andererseits von den Eutermerkmalen Zitzenlänge,
Zitzendurchmesser, Zitzenform, Zitzenabstand, Zitzenstellung, Milchfluss (beeinflusst die Vakuumverhältnisse
unter der Zitze und damit das Falten des Zitzengummis) und Euterbodenneigung abhängig.
Genauere Untersuchungen zur Wirkung der Zitzenform auf die Haftfähigkeit wurden von
Rudovsky, Färber, Billhardt & Schulze (1984) durchgeführt. Bei der Verwendung von leichten
Melkzeugen ergaben sich durchschnittliche Abfallraten von 1,1 – 2,1 %; bei schwereren Melkzeugen
stiegen die Abfallraten auf 3,2 – 5,8 %. Die Verteilung der Zitzenformen sowie die relative
Häufigkeit der Abfälle je Zitzenform wird im folgenden Diagramm veranschaulicht.

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Die Zitzen wurden dabei nach Schaft- und Basisform in 4 Kategorien eingeordnet:
 zw = zylindrischer Schaft mit winkliger Basis
 zt = zylindrischer Schaft mit trichterförmiger Basis
 kw = konischer Schaft mit winkliger Basis
 kt = konischer Schaft mit trichterförmiger Basis
Die Auswirkungen des Vakuums an der Zitze werden durch Dimensionsänderungen und Gewebeveränderungen
sichtbar. Innerhalb der ersten 30 Sekunden nach dem Ansetzen des Melkzeuges
erfährt die Zitze eine Streckung. Zu dieser Thematik führte Mellinger (1988) grundlegende Untersuchungen
mit verschiedenen Vakuumniveaus durch. Die Ergebnisse sind in Tabelle 6 zusammengestellt.
Tabelle 6: Auswirkungen von Vakuumunterschieden auf die Zitzenlänge
43 kPa 53 kPa
gesamte Länge 40 % 50 %
distales Ende 50 % 70 %
Differenz vor – nach Melken:
gesamte Länge distaltes Ende
+ 1 - +5 %
+ 6 - + 10 %
+8 %
+ 23 %
Gleichzeitig zu der Verlängerung der Zitze erfolgt eine radiäre Ausdehnung um 15 – 35 Prozent.
Die Volumenzunahme des Zitzegewebes wird durch Flüssigkeitsansammlungen (Lymphe, Blut)
hervorgerufen. Die Ansammlungen der Flüssigkeiten wird üblicherweise durch Kontraktionen des
Zitzengewebes abgebaut, diese Kontraktionen treten bei Vakuumapplikationen von 16 – 22 kPa
(bei maschinellem Milchentzug) nicht mehr auf. Neben der Veränderung der Zitzenlänge und des

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Durchmessers ist auch der Strichkanal mit seinen Dimensionen von der Vakuumeinwirkung betroffen
– die Länge des Strichkanals nimmt zu; die Breite nimmt mit der Volumenzunahme der
Zitzenspitze ab. Mellinger (1988) ermittelte bei einem vergleichbarem Volumen der Zitzenspitze
eine größere Öffnung des Strichkanals bei 53 kPa gegenüber 43 kPa. Weiterhin ist bei gleichem
Melkvakuum (43 kPa) die Einengung des Strichkanals durch die Volumenzunahme der Zitzenspitze
bei einer Überdruckapplikation (20 kPa) in der Entlastungsphase geringer als ohne Überdruckapplikation.
Der Pulsator ist u.a. verantwortlich für die Steuerung des Vakuums und somit die
Schaffung der Pulsphasen. Die Länge der einzelnen Phasen hat Auswirkung auf die Melkbarkeit
(Saugphase) und die Eutergesundheit (Entlastungsphase). Mit einer Verlängerung der Entlastungsphase
ergibt sich eine signifikante Verringerung der Zitzenläsionen sowie der Zellzahl
(Hamann, Osteras, Mayntz & Woyke 1994) – damit besitzt die Länge der Druckphase eine
statistisch negativen Einfluss auf die Eutergesundheit. Somit resultiert aus einer längeren Druckphase
eine bessere Eutergesundheit (geringere Zellzahl und Zitzenläsionen). Gleichfalls verringert
sich die Rate der Neuinfektionen, was den positiven Einfluss der Druckphase auf die Eutergesundheit
bestätigt (Reitsma et al. 1981). Mit sinkender Pulszahl je Zeiteinheit bei einer
konstanten Vakuumapplikation ergibt sich eine signifikante Steigerung der somatischen Zellzahl
(geometrisches Mittel eines Jahres) – die Eutergesundheit verschlechtert sich (Hamann, Osteras,
Mayntz & Woyke 1994). Dies resultiert aus der längeren Anliegzeit des Vakuums an der Zitze. Die
Wirkung des Pulsators und des Zitzengummis ist u.a. abhängig von der Zitzenlänge. Die optimale
Zitzenlänge (Grafik) umfasst den Bereich, in dem der Zitzengummi seine effektive Kollabierung
erfährt. Die untersten 25 mm werden benötigt, um die vollständige Schließung des Zitzengummis
zu erreichen. Befindet sich die Zitzenkuppe in diesem optimalen Bereich, so ist die eingestellte
Pulsierung in vollem Umfang wirksam und es bestehen optimale Entlastungs- und Massagemöglichkeiten
für die Zitze. Ist die Zitze jedoch zu kurz und dringt somit nicht in den Bereich der
effektiven Kollabierung des Zitzengummis ein, besteht keine bzw. nur eine ungenügende Berührungsfläche
zwischen Zitze und Zitzengummi, so dass der Rücktransport von Gewebeflüssigkeit
und Blut eingeschränkt ist. Weiterhin kommt es zu einer Verschiebung des Pulsverhältnisses
in Richtung 100 : 0, welches zu einer erhöhten Gewebebelastung führt. Dieser Sachverhalt tritt
ebenfalls bei einer zu langen Zitze auf. Die Zitzenkuppe ist dem ständigen Vakuum unterworfen
und so einer erhöhten Belastung ausgesetzt.

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5. Zusammenfassung und Schlussfolgerung für die Forschung
Anhand der Literaturstudien zu dieser Thematik ergibt sich, dass bestehende unterschiedlichste
Untersuchungsergebnisse zur Verfügung stehen, diese jedoch durch die Technikentwicklung und
Zuchtarbeit der letzten Jahrzehnte überwiegend ihre Gültigkeit verloren haben und auf aktuelle
Sachverhalte nur sehr begrenzt übertragbar sind. In der aktuelleren Literatur wird sich überwiegend
mit der inneren Morphologie der Zitzen beschäftigt, deren Ergebnisse jedoch nur eingeschränkt
auf die Population zu übertragen sind. Die äußere Morphologie der Zitzen wird nur mit
wenigen Merkmalen innerhalb der Zuchtarbeit erfasst. Diese Merkmale werden linear beschieben,
so dass die Beziehung zu den absoluten Maßen fehlt. Die absoluten Zitzenmaße (überwiegend
Länge und Durchmesser der Zitzen) sind jedoch von großer Bedeutung für die Melktechnik
(Dimensionen der Zitzengummis) und Eutergesundheit. Aufgrund der fehlenden Kenntnisse über
Zitzenmaße ist es derzeit nicht möglich, die Tiere und die Melktechnik aneinander anzupassen. In
geplanten Untersuchungen im Zeitraum 2001 – 2002 werden an ca. 2000 Tieren der Rasse
Deutsches Holstein aktuelle Zitzenmaße mit Hilfe von Bonitierungen aufgenommen. Zu den ausgewählten
Parametern zählen neben der Zitzenlänge und dem Durchmesser auch die Form der
Zitze und der Zitzenkuppe, der Bodenabstand der Zitze und der Abstand der Zitzen untereinander.
Weiterhin erfolgt die Bonitierung auf Gewebereaktionen in Form von Hyperkeratosen. Durch die
statistische Aufarbeitung der Morphologiedaten mit der Eutergesundheit (bakteriologische Untersuchung
und somatische Zellzahlen) sowie der Melkbarkeit (Milchflusskurven) sollen die Auswirkungen
unterschiedlichster morphologischer Eigenschaften ermittelt werden. Die Erkenntnisse
über die Zusammenhänge zwischen der Morphologie, der Eutergesundheit und der Melkbarkeit
sollen innerhalb der Züchtung, Managemententscheidungen und Beratungsarbeit Einsatz finden.
Das Quellenverzeichnis liegt den Autoren vor.


1
Möglichkeiten und Grenzen des LactoCorders zum Einsatz in
der Beratung und Forschung
Dr. Hubert Göft, Foss GmbH, Hamburg
Mit der Markteinführung des LactoCorders im Jahre 1995 ist es erstmals möglich geworden, Milchflusskurven
im großen Maßstab und ohne großen Aufwand zu erfassen. Damit ist dieses Instrument
Milchflusskurve, das bislang nur wenigen Wissenschaftlern zur Verfügung stand, die über
spezielle stationäre Meßanlagen verfügten, einer breiten Anwenderschicht zugänglich geworden.
Mittlerweile hat sich der LactoCorder – neben seinem ursprünglichen Zweck, nämlich die Milchleistungsprüfung
zu vereinfachen und zu automatisieren - als ein Standard-Messsystem in der
melktechnischen Beratung etabliert. Es können Fehler bzw. Mängel der Handhabung beim Melken
sowie auch technische Mängel der Melkanlage durch Auswertung der Milchflusskurve erkannt
werden. Beispiele dafür sind:
 Melkbereitschaft: Mangelnde manuelle Vorstimulation bzw. unzureichende Wirkung einer
Technologie zur Vorstimulation sind an einem verzögerten bzw. unterbrochenen Milchflussanstieg
zu erkennen.
 Vakuumapplikation: Probleme sind an einem niedrigen Spitzenfluss der Herde zu erkennen
bzw. an einem erhöhten Anteil an Lufteinbrüchen.
 Blindmelken: Verlängerte Blindmelkzeiten durch schlechte Arbeitsorganisation beim Melken
bzw. mangelhafte Milchflussindikatoren
 Nachmelken: Unzureichende manuelle Euternachkontrolle bzw. mangelnde Wirksamkeit
eines Nachmelkautomaten.
Zudem bieten Milchflusskurven auch ein enormes Potenzial zur praxisgerechteren Bewertung der
Melkbarkeit von Kühen. An einer Umsetzung dieses Komplexes wird derzeit intensiv in Bayern
gearbeitet.
Neben den bisher genutzten und angesprochenen Punkten sind mit dem LactoCorder noch zusätzliche
Anwendungen möglich, deren praktische Realisierung z.T noch nicht abgeschlossen ist:
Um die Bewertung eines Betriebes effizienter und gezielter vornehmen zu können, bietet sich die
Erfassung von Zusatzinformationen direkt mit dem LactoCorder an. Diese Info steht dann bei der
Auswertung unmittelbar zur Verfügung, z.B
 Betriebsinfo: Maschinelle Anrüstzeit, Schwellenwert der Nachmelkautomatik, Schwellenwert
der Abnahmeautomatik
 Markierung von Ereignissen während des Messens: Ende der Vorstimulation, Beginn des
Nachmelkens

2
 Eingabe von Information nach jeder Einzelmessung: Lufteinbruch, Dreistrich, euterkrank.
 Arbeitswirtschaftliche Auswertung eines Betriebes (z.B. Maschinenauslastung, gemolkene
Küke/h, gemolkene Kühe/Akh etc.)
 Statistische Auswertung der Ergebnisse (Programm-Modul LSTAT)
 Elektrische Leitfähigkeit: Sie wird automatisch miterfasst und steht in Zusammenhang mit
der Melkbereitschaft (Anfangspeak) und der Eutergesundheit. Insbesondere Verlaufsveränderungen,
die mit dem Ende der Viertelmilchabgabe stehen, sind von besonderem
Interesse.
 Schaumanteil der Milch: Er wird ebenfalls automatisch miterfasst. Damit können Hinweise
auf Leckagen im System bekommen werden. Es gibt auch Indizien, dass der Schaumanteil
mit der Eutergesundheit in Zusammenhang steht.
 Milchflusskurven einzelner Viertel: Mit dem neuen „Low Flow“-Modell kann die Viertelmilchflusskurve
sehr exakt und einfach erfasst werden. Diese Möglichkeit ist insbesondere für
die Optimierung automatischer Melksysteme von Interesse.
 Reinigungsmonitoring: Der LactoCorder bietet sich ebenfalls an, den Reinigungsvorgang
der Melkanlage zu überwachen. Es kann der gesamte Reinigungsvorgang mittels der
Parameter Temperatur, elektrische Leitfähigkeit und Turbulenz erfasst und beurteilt
werden.
Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass sich der LactoCorder sowohl bei wissenschaftlichen
Untersuchungen als auch in der melktechnischen Beratung zu einem beachtlichen Hilfsmittel
mit hoher Akzeptanz entwickelt hat. Allerdings ist sein Potenzial noch nicht vollständig ausgeschöpft.
Weitere Arbeiten sind erforderlich, um dies insbesondere für die melktechnische Beratung
noch weiter zu erschließen.


1
Der LactoCorder in der Beratung - Einsatzbedingungen und
Aussagemöglichkeiten -
Prof. Dr. agr. habil. F. Tröger; Dipl.agr.Ing. L. Daßler Sächsischer Landeskontrollverband e.V.,
Mit dem LactoCorder ist in der ersten Hälfte der neunziger Jahre ein mobil einsetzbares Milchmengenmessgerät
entwickelt worden, das der präzisen Erfassung, Datenspeicherung und Darstellbarkeit
von Milchflusskurven dient. Obwohl in erster Linie für die Milchleistungsprüfung geschaffen,
bietet der LactoCorder auch für die Milcherzeugerberatung völlig neue Möglichkeiten.
Der LactoCorder erfasst den Milchfluss als Einzel-Messwerte aller 0,7 s. Diese Einzelmesswerte
werden in 2,8 s – Folge über die ganze Melkdauer gespeichert. Daraus ergibt sich die Milchflusskurve
sowohl in Teilmengen- und Teilzeiten-Messwerten als auch als grafische Darstellung. Diese
präzise erfassten Milchflusskurven ermöglichen dem Spezialberater Aussagen zur Qualität der
Melkarbeit vom Anrüsten bis zu Nachmelken und Abnahme der Melkzeuge, zur Funktion der Melktechnik,
zu den erreichten Milchflüssen, zu Blindmelkzeiten und zu den Melkeigenschaften der
Kühe.
Die Ergebnisse der Messungen werden mittels spezieller Software im PC aufbereitet und können
für jede Einzelmessung (Kuh) in Teilzeiten und Teilmengen in einer Liste ausgedruckt werden.
Zusätzlich ermöglicht ein Auswertprogramm die Mittelwertbildung für die ganze Messreihe (Herde).
Auch die Milchflusskurve jeder Kuh ist darstell- und ausdruckbar.
Für die LactoCordernutzung als Diagnosegerät in der Beratung sind folgende Einsatzbedingungen
wichtig:
 Gleichzeitiger Einsatz möglichst vieler LactoCorder in der Melkzeit zur Erfassung eines
„Herdenquerschnitts“: alle Laktationsstadien und Laktationszahlen in herdenspezifischen
Anteilen
 Melktechnisch exakte Einbindung der LactoCorder in den Milchweg: zusätzlich notwendig
werdende Steigungen und Schlauchverlängerungen so gering wie möglich halten
 Technisch einwandfreie Funktion der Melkanlage sichern (Prüfung nach DIN/ISO vorher
zweckmäßig)
 Exakte Erfassung aller melktechnischen Parameter der Anlage
 Exakte Dokumentation der Melkroutine
 Protokollierung von Besonderheiten aller erfassten Melkvorgänge wie starker Lufteinbruch,
Melkzeug abgeschlagen, Melkereingriff, Inaktivierung der Melkautomatik durch Schaltung
„Hand“, Kuh rindert

2
 Beherrschung der Auswertungssoftware bis hin zur Mittelwertberechnung und zur
Löschung von Fehlmessungen
 Zugang zu einem Datenpool für den Ergebnisvergleich mit vergleichbarer Melktechnik,
Herdenleistung und Melkroutine
 Sehr gute Fachkenntnisse des Beraters zu Melktechnik, Melkverfahren und Laktationsphysiologie
für das Ableiten von Beratungsempfehlungen.
Beim LactoCorder-Einsatz durch Melkberater können bei automatischem LactoCorder-Start und
ohne Milchprobenahme je Berater maximal bedient werden:
 bei Rohrmelkanlagen in Anbindhaltung: bis 3 LactoCorder
 im Tandem-Melkstand bis 4 LactoCorder
 im Fischgrät- und Side-by-Side-Melkstand bis 10 LactoCorder
 im Innenmelker-Karussell bis 10 LactoCorder
 im Außenmelker-Karussell bis 6 LactoCorder.
In Melkständen sollten durch einen Berater gegenüberliegende LactoCordergruppen bedient
werden. Im Melkkarussell ist es zweckmäßig, die LactoCorder in geschlossener Reihe anzuordnen.
Die LactoCorder-Messungen bieten Aussagemöglichkeiten zu:
 Stimulationserfolg anhand der Messgrößen Anstiegsdauer (tAN) und Anteil an zweigipfligen
Milchflusskurven (Bimodalitätsfällen, BIMO %),
 erreichten Milchflüssen, insbesondere höchste Milchflüsse (HMF)
 Lufteinbrüchen und ihren Ursachen wie ungünstige Zitzengummiwahl oder zu starker Zug
vom Melkzeug
 Abschaltschwellenhöhe und ggf. zum Nachmelken Umschaltschwellenhöhe im Milchfluss
 Wirkung der automatischen Nachmelktechnik oder eines handunterstützten maschinellen
Nachmelkens hinsichtlich Nachgemelksgröße (MNG) und Nachgemelksdauer (tMNG)
 Richtigkeit der Einstellung technisch bedingter Verzögerungszeiten beim Abschalten
 Blindmelkzeiten – technisch und Melker-bedingte (tMBG und tMBG2)
 Melkbarkeit der Herde im Vergleich zu anderen Herden unter gleichen Bedingungen
 Melkcharakteristik der Einzelkühe (HMF, durchschnittliches Minutenhauptgemelk DMHG
und Abstiegsdauer tAB) mit wesentlich präziserer Aussage als lediglich bei Angabe der
„Melkbarkeit in kg/min“
 Eignung der Kühe für teilautomatisiertes oder vollautomatisiertes Melken
 Qualität der Melkroutine der Melker
 Melkerleistung und Durchsatz bei Melkständen
2. Jahrestagung – Berlin, 12./13.09.2000
3
 Melk-Leistungsvergleich mit vergleichbaren Herden an gleicher Melktechnik
 messbarem Erfolg von Veränderungen bis hin zum Umbau der Melktechnik und/oder bei
veränderter Melkroutine.
Im Beratungsfall ist vertiefte Ursachenforschung und Abklärung angezeigt, wenn in der zusammenfassenden
Herdenauswertung eines oder mehrere der nachstehenden Ergebnisse zutreffen:
 bei > 10 % der Melkakte eindeutige Bimodalitäten im Milchfluss
 mittlerer HMF < 2,5 kg/min
 mittlere tAB > 2,5 min
 mittlere tMBG1 (vor dem MNG) > 1 min
 mittlere tMBG2 (nach dem MNG) > 0,5 min
 mittleres MNG < 0,3 kg je Kuh und Melkakt
Bei Milchflusskurven sind die Erscheinungsformen und ihre Ursachen außerordentlich vielgestaltig.
Sie sind nur exakt deutbar, wenn alle wirkenden technischen, biologischen und menschlichen Einflussfaktoren
bekannt sind.
Eine sehr gute und ausführliche Anleitung zur Nutzung der LactoCorder in der Beratung und zur
Auswertung der Milchflusskurven bietet die Broschüre „Melkberatung mit Milchflusskurven“, an der
die Autoren mitgearbeitet haben. Sie ist zu beziehen bei der Bayerischen Landesanstalt für Tierzucht
Grub, Prof. Dürrwächter-Platz 1, 85586 Poing, Tel. 089-99141-110 oder –111,


1
Bewertung der Eignung von Messgeräten des Typs
„LactoCorder“ für Messungen an einzelnen Eutervierteln
Köhler, S. D. 1, E. Scherping 2 und O. Kaufmann 1
1 Humboldt-Universität zu Berlin, Institut für Nutztierwissenschaften
2 Institut für Agrartechnik Bornim (ATB)
Einleitung und Problemstellung
Mit Hilfe genau definierter Milchflussmerkmale werden nicht nur gezielte Fortschritte bei der Melkbarkeit
von Kühen angestrebt. Auch eine Verbesserung der Eutergesundheit ist durch ein mögliches
frühzeitiges Erkennen von Euterkrankheiten möglich. Die Korrelationen der einzelnen Milchflussparameter
mit der Zellzahl als einem anerkannten Kriterium für krankhafte Euterveränderungen
sind jedoch recht klein (DODENHOFF et. al. 1999). Eine Gegenüberstellung der
Milchflusskurven mit den Eutergesundheitsdaten der Kuh ergab keinen bestimmten Kurventyp, der
eindeutige Rückschlüsse auf die Eutergesundheit zuließ (ROTH et. al. 1998).
Ein Hauptproblem bei der Feststellung von Zusammenhängen zwischen Milchmenge und Milchfluss
einerseits und dem Gesundheitsstatus des Euters andererseits besteht darin, dass unphysiologische
Veränderungen an einem oder an wenigen Strichen durch nicht beeinträchtigte Euterviertel
nivelliert werden. Deshalb ist es angebracht, die jeweiligen Parameter nicht für das gesamte
Euter zu erheben, sondern die Viertel einzeln zu untersuchen. Die Voraussetzungen für ein
solches Vorgehen sind insbesondere bei den verschiedenen Systemen automatischer Melkverfahren
gegeben. Jedoch wird bei Melkrobotern der Anspruch, Euterentzündungen durch die Bewertung
der spezifischen elektrischen Leitfähigkeit der Milch ausreichend sicher zu erkennen, nicht
erfüllt. (REICHMUTH und KNAPPSTEIN 1999)
Seit einiger Zeit steht mit dem „LactoCorder“ ein System zur Verfügung, welches trotz stark
variierender Dichte von kuhwarmer Milch präzise den Massendurchfluss bestimmen kann.
Wichtige Melkbarkeitsmerkmale wie Niveau und Dauer des höchsten Milchflusses, Verteilung der
Milchmenge auf die einzelnen Viertel, maschinelles Nachgemelk oder Melkdauer sind mit diesem
handlichen Messgerät einfach zu ermitteln. Ende 1999 wurde dem „Lacto-Corder“ die endgültige
internationale Anerkennung durch das ICAR (International Committee for Animal Recording) für
Milchmessungen und Probenahmen in Melkinstallationen erteilt. Aufgrund seiner vielen Vorteile
liegt der Einsatz des „LactoCorder“ nicht nur für Messungen des Gesamtgemelks, sondern auch
für Untersuchungen an einzelnen Eutervierteln nahe. Es ist jedoch vorab die Frage zu klären, inwieweit
dieses neuartige Messsystem auch bei Erhebungen an Einzelvierteln genaue und sichere
Ergebnisse liefert.

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Dass „LactoCorder“ nicht zur Kontrolle oder Justierung von Milchmengenmessgeräten verwendet
werden können, ist im Zusammenhang mit einem veränderten Strömungsverhalten bereits festgestellt
worden (WORSTORFF et. al. 2000, S.21). Die jährliche Routineüberprüfung des
„LactoCorder“ erfolgt vorschriftsmäßig bei einem Durchfluss von etwa fünf Kilogramm pro Minute.
Auch mündliche Informationen und der hauptsächliche Einsatz des Gerätes in der Milchleistungsprüfung
legen die Vermutung nahe, das System sei für einen beim Gesamtgemelk normalerweise
zu erwartenden durchschnittlichen Milchfluss von mindestens zwei bis maximal zehn Kilogramm
pro Minute konzipiert worden. Bei Messungen einzelner Euterviertel hingegen wird dieser Bereich
sehr selten erreicht. Das Ziel der vorliegenden Untersuchung war es daher festzustellen, wie
genau vom „LactoCorder“ gemessene Werte bei einem geringeren Durchfluss sind.
Material und Methoden
Die Untersuchung fand von Dezember 2000 bis Januar 2001 am Melkversuchsstand des Institutes
für Agrartechnik Potsdam-Bornim (ATB) statt. Vor Beginn des Versuches sind die eingesetzten
Messgeräte des Typs „LactoCorder.®“ (WMB AG, CH-9436 Balgach) den Anweisungen des
Herstellers für die jährliche Routineprüfung gemäß auf ihre ordnungsgemäße Funktionsfähigkeit
hin überprüft worden. Für die folgenden Messungen kam als Versuchsflüssigkeit die in dieser Anweisung
beschriebene Testflüssigkeit zum Einsatz. Wasser mit einer Temperatur von 20 °C (+/- 5
°C) wurden zwei Prozent „Florin S Plus“ (Florchemie, D-56070 Koblenz) und 0,1 Prozent
ANTIFOAM Y30 EMULSION (FOSS GmbH, D-22769 Hamburg) zugesetzt. Die Versuchsflüssigkeit
wurde gut durchmischt.
Die Länge der Schlauchstücke und die Höhenunterschiede in der Versuchsanordnung sind so
gering wie möglich gehalten worden. Zur Simulation eines geringen Milchflusses wurde ein Durchflussmessgerät
(Rotameter) genutzt. Mit dieser Installation ließ sich der Durchfluss der Versuchsflüssigkeit
kontrolliert auf Werte zwischen 0,1 und 2,0 Liter pro Minute reduzieren.
Die Versuchsreihen orientierten sich an Werten, die beim praktischen Melken am Einzelviertel zu
erwarten sind. Nach einer eigenen Untersuchung von 1300 Viertelgemelken in einem Praxisbetrieb
liegen diese Werte für die Gemelksmenge bei durchschnittlich 2,46 kg (Standardabweichung 1,06
kg) sowie für den mittleren Milchfluss zwischen 0,28 und 1,90 Kilogramm pro Minute (Mittelwert
0,70 kg/min, Standardabweichung 0,23 kg/min). Die Messungen wurden dementsprechend
mengenmäßig auf etwa drei Kilogramm Gesamtgemelk begrenzt. Als Abstufungen für einen
geringen Durchfluss wurden am Durchflussmessgerät die Werte 0,2, 0,4, 0,5, 0,6, 0,8, 1,0, 1,5 und
2,0 kg/min eingestellt und nachgeregelt.
Für die Bewertung der Genauigkeit des „LactoCorder“ bei geringem Durchfluss kommt vor allem
der Parameter Gemelksmenge in Frage. An jedem Gerät „LactoCorder“ sind dafür zu jedem

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Durchfluss mindestens drei Einzelmessungen durchgeführt worden – analog zu den Herstellerangaben
für die jährliche Routineprüfung. Das Gemelk wurde in einer Melkkanne aufgefangen und
auf einer geeichten elektronischen Waage (RHEWA 942, Abweichung max. 0,02 kg bis zu einem
Gewicht von 10 kg) gewogen. Die Differenz der vom „LactoCorder“ an-gegebenen Gemelksmenge
(„maschinelles Gesamtgemelk“, MGG) zum tatsächlich ermittel-ten Gewicht der aufgefangenen
Versuchsflüssigkeit wurde ermittelt und ausgewertet.
Auf einen Vergleich des Parameters „spezifische elektrische Leitfähigkeit der Milch“ musste aufgrund
der Verwendung von Testflüssigkeit verzichtet werden, weil für diese vom „Lacto-Corder“
keine Leitfähigkeitskurve aufgezeichnet wird. Bei der Datenaufbereitung fanden die Statistikfunktionen
des Microsoft-Tabellenprogramms „Excel 2000“ Verwendung.
Ergebnisse
In Abhängigkeit vom mittleren Durchfluss weichen die tatsächlich festgestellten Mengen an Testflüssigkeit
von den vom LactoCorder ausgewiesenen Gesamtgemelksmengen (MGG) ab. Diese
Abweichung beträgt durchschnittlich 18 Prozent bei einem Durchfluss von 0,2 kg/min und fällt ab
auf weniger als zwei Prozent bei zwei kg/min. Die Einzelergebnisse sind in den Tabellen 1 bis 4
zusammengestellt. „Abs. Diff. MGG“ gibt dabei für den jeweiligen Durchfluss den Mittelwert der
absoluten Differenzen zwischen den LactoCorder-Angaben MGG und den mit der Waage ermittelten
Referenzmengen an. „Rel. Diff. MGG“ bezeichnet den Betrag der prozentualen Abweichung.
Die Standardabweichung für den Wert „Rel. Diff. MGG“ wurde in Prozentpunkten ausgehend
von der jeweiligen Stichprobe berechnet.
Mittlerer
Durchfluss
kg/min
Abs. Diff.
MGG
kg
Rel. Diff.
MGG
%
Standardabwg
%
0,21
0,40
0,51
0,59
0,78
0,97
1,43
1,86
-0,70
-0,43
-0,13
-0,10
-0,01
-0,05
+0,07
-0,02
18,91
12,64
4,05
3,13
0,44
1,64
2,28
0,77
1,11
0,74
0,37
0,39
0,31
0,45
0,01
0,15
Tab. 1: LC Nr. 12187, MGG ca. 3,0 kg
Mittlerer
Durchfluss
kg/min
Abs. Diff.
MGG
kg
Rel. Diff.
MGG
Standardabwg.
0,21
0,41
0,51
0,60
0,78
0,98
1,44
1,85
kg
-0,46
-0,40
-0,15
-0,01
-0,01
-0,11
-0,03
-0,06
%
13,16
10,51
4,66
0,33
0,44
3,54
1,08
1,93
%
0,67
0,69
1,00
0,00
0,41
0,43
0,40
0,24
Tab. 2: LC Nr. 12636, MGG ca. 3,0 kg

4
Mittlerer
Durchfluss
kg/min
Abs.
Diff.
MGG
kg
Rel.
Diff.
Standardabwg.
%
0,20
0,38
0,52
0,59
0,78
0,98
1,43
-0,88
-0,48
-0,22
-0,13
-0,08
-0,11
+0,03
22,76
13,85
6,85
4,16
2,70
3,42
0,88
0,35
1,05
0,24
0,87
0,40
0,15
0,15
Mittlerer
Durchfluss
kg/min
Rel.Differenz
MGG
%
Standardabweichung
%
0,21
0,40
0,51
0,59
0,78
0,97
1,44
18,28
12,15
5,18
2,54
1,19
2,86
1,41
1,27
4,02
1,64
1,36
1,71
1,13
0,94
0,78
0,57
Tab. 3: LC Nr. 13118, MGG ca. 3,0 k
Tab. 4: Mittelwert der LC 12187, 12636 und 13118,
MGG ca. 3,0 kg
Diskussion
Der vom „LactoCorder“ angegebene Parameter „Maschinelles Gesamtgemelk“ (MGG) unterscheidet
sich bei geringem Durchfluss zum Teil erheblich vom tatsächlich ermittelten Gewicht der
aufgefangenen Versuchsflüssigkeit. Diese Differenzen der Gemelksmenge ergeben ein hinreichendes
Maß für die Bewertung der Genauigkeit der Messgeräte bei geringem Durchfluss. Auf
die Feststellung von Vergleichswerten für den durchschnittlichen Milchfluss mittels manueller Zeitnahme
(tatsächliche Gemelksmenge in Bezug zur verstrichenen Zeit) wurde verzichtet, weil die
Abweichungen der Werte für den Parameter „Haftzeit“ (hier: Dauer des Durchflusses) zwischen
der internen Uhr des „LactoCorder“ und einer externen Stoppuhr nicht zu qualifizieren waren.
Zudem ist der Messwert MGG, bedingt durch das besondere Messprinzip des „LactoCorder“
(laufende Milchdichtemessung, vgl. STEIDLE et. al. 2000), eine Funktion des vom Gerät ermittelten
Massedurchflusses. Deswegen kann von Differenzen beim Parameter Gemelksmenge
auf vergleichbare Abweichungen aller derjenigen vom „LactoCorder“ ermittelten Messwerte geschlossen
werden, die ebenfalls eine Funktion von Durchfluss und Zeit darstellen, wie zum Beispiel
das durchschnittliche Minutenhauptgemelk (DMHG), der höchste Milchfluss (HMF), die Zeit
des maschinellen Hauptgemelkes (tMHG), die Dauer von Anstiegsphase, Plateauphase und Abstiegsphase
(tAN, tPL, tAB) oder die Zeit der Nachmelk-phase (tMNG).
Beginnend bei Differenzen von durchschnittlich 18 Prozent bei einem Durchfluss von 0,2 kg je
Minute, erreichen die Kurven erst bei etwa 1,0 kg pro Minute Abweichungen, die stabil unter drei
Prozent liegen und damit über eine für wissenschaftliche Analysen vertretbare Genauigkeit verfügen.

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Wie die relativ geringen Standardabweichungen der einzelnen „LactoCorder“ andeuten, sind die
Differenzen des MGG unabhängig von Gesamtdurchflussmenge und Durchflusszeit für jedes Gerät
sehr stabil. Das weist auf individuell charakteristische Genauigkeitskurven hin. Diese Eigenschaft
könnte für eine Erhöhung der Sicherheit der Ergebnisse genutzt werden, indem vor dem
Beginn von Untersuchungen für geringe Durchflussmengen individuelle Eichkurven bzw.
Korrekturwerte ermittelt werden. Für Praxisuntersuchungen am Euterviertel erscheint dieses Vorgehen
jedoch nicht geeignet, weil der Milchfluss selbst mehr oder minder kurvenförmig verläuft und
nicht – wie in unserer Simulation – konstante Werte mit quantifizierbaren Abweichungen aufweist.
Der Milchfluss einzelner Euterviertel liegt meistens unter einem Kilogramm pro Minute. Technische
Neuentwicklungen am System „LactoCorder“ vorbehalten, können die Messgeräte der überprüften
Serie angesichts der Untersuchungsergebnisse derzeit nicht für genaue Analysen von Milchflussparametern
am Euterviertel genutzt werden.
Zusammenfassung
Vor einem Einsatz des Messgerätes „LactoCorder“ für Analysen an einzelnen Eutervierteln ist die
Frage zu klären, inwieweit dieses neuartige System auch unter diesen besonderen Bedingungen
sicher verwertbare Ergebnisse liefert. Das Ziel der Untersuchung war es daher festzustellen, wie
genau vom „LactoCorder“ gemessene Werte bei geringem Durchfluss sind. Die Versuche fanden
von Dezember 2000 bis Januar 2001 am Melkversuchsstand des Institutes für Agrartechnik Potsdam-
Bornim (ATB) statt. Zur Simulation eines geringen Milchflusses wurde ein Durchflussmessgerät
(Rotameter) genutzt. Die Differenz der vom „Lacto-Corder“ angegebenen Gemelksmenge
(„maschinelles Gesamtgemelk“, MGG) zum tatsächlich ermittelten Gewicht der aufgefangenen
Versuchsflüssigkeit stellt ein geeignetes Maß für die Bewertung der Genauigkeit der Messgeräte
bei geringem Durchfluss dar. Messwerte für die elektrische Leitfähigkeit wurden nicht untersucht.
Die Untersuchungsergebnisse zeigten eine deutliche Abhängigkeit der Genauigkeit des
„LactoCorder“ vom Durchfluss. Die Kurve der prozentualen Abweichung des MGG von der
Referenzmenge verläuft potenziell abfallend und erreicht erst bei einem Durchfluss von etwa 1,0
kg pro Minute stabile Abweichungen von unter drei Prozent. Der Milchfluss einzelner Euterviertel
beträgt jedoch meistens weniger als ein Kilogramm pro Minute. Deswegen sind die unter den Bedingungen
geringen Durchflusses mit dem gegenwärtig verfügbaren System „LactoCorder“ gewonnenen
Ergebnisse zu ungenau für eine gesicherte Analyse von Zusammenhängen zwischen
Milchflussparametern und Melkbarkeit oder Eutergesundheit.

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Abstract
Before an application of the measuring instrument "LactoCorder" for analyses at individual udder
quarters, the question is to be clarified if this new system supplies surely usable results under
these specific conditions, too. The target of the investigation was to determine the exactness of
those values measured by the "LactoCorder" which were obtained during a small liquid flow. The
experiments took place in the period December 2000 until January 2001 at the milking test stand of
the Institute of Agricultural Engineering Potsdam-Bornim (ATB). A volumetric flow meter was used
for the simulation of a small milk flow. The differ-ence between the milk quantity indicated by the
"LactoCorder" ("total machine milk quan-tity",MGG) and the really determined weight of the test
liquid caught in a bucket represents a suitable measure for the evaluation of the accuracy of these
measuring instruments with small liquid flow. Values for the electrical conductivity were not
examined.
The test results showed a clear dependency of the accuracy of the "LactoCorder" from the liquid
flow. The proportional deviation of the MGG from the reference quantity potentially de-creases and
achieves constant deviations from less then three per cent only with a liquid flow of about 1,0 kg
per minute. However, the milk flow of individual udder quarters mostly amounts fewer than one
kilogram per minute. Therefore, the results recovered with the actu-ally available system
"LactoCorder" under the conditions of a small liquid flow are too inaccu-rate for a reliable analysis
of the relationships between milk flow parameters and milking ability or udder health.
Literatur
DODENHOFF, J., D. SPRENGEL, J. DUDA und L. DEMPFLE (1999): „Zucht auf Eutergesundheit
mit Hilfe des LactoCorders“; Züchtungskunde 71 (6), 459-472.
REICHMUTH, J. und K. KNAPPSTEIN (1999): „Anwendung der Milchverordnung in Betrieben mit
automatischen Melksystemen – Überlegungen zu besonderen Regelungen für die Konfliktpunkte“;
Kieler Milchwirtschaftliche Forschungsberichte 51 (3), 237-252.
ROTH, S., N. REINSCH, G. NIELAND und E. SCHALLENBERGER (1998): „Untersuchungen über
Zusammenhänge zwischen Eutergesundheit, Melkbarkeitsparametern und Milchflusskurven an
einer Hochleistungsherde“; Züchtungskunde 70 (4), 242-260.
STEIDLE, E., H. GÖFT, S. IMMLER, R. KORNDÖRFER und F. TRÖGER (2000): „Beschreibung
des LactoCorders“; in: „Melkberatung mit Milchflusskurven“, Landwirtschaftsverlag Münster-Hiltrup,
S. 5-8
WORSTORFF, H., F. TRÖGER, I. MODEL UND M. HARSCH (2000): „Ziele, Möglichkeiten und
Grenzen der Beratung“, in: „Melkberatung mit Milchflusskurven“, Landwirtschaftsverlag Münster-
Hiltrup, S.17-84