Start Download Verzeichnis Archiv Jahrestagungen Jahrestagung 2007
Jahrestagung 2007
Der Download der Arbeitsgruppen Artikel ist nur Mitgliedern der WGM e.V. erlaubt. Sie können kostenpflichtiges Mitglied werden. Nutzen Sie hierzu bitte den Anmeldelink oben im Menü. Sie erhalten dann Zugriff auf alle Arbeitsgruppen Artikel. Alle Artikel, die mit dem Namen des Autors/der Autoren gekennzeichnet sind, spiegeln die jeweilige Meinung der Autoren wider.

Dokumente

Sortieren nach : Name | Datum | Zugriffe [ aufsteigend ]

8. Jahrestagung – Poing (Grub) 17./18.10.2007
22
Überwachung der Eutergesundheit - Datenverarbeitung
Prof. Dr. R. Mansfeld
Trotz der überragenden Bedeutung der Eutergesundheit finden sich auch heute noch viele Micherzeugerbetriebe,
in denen die Dokumentation hinsichtlich des Auftretens von Mastitiden sehr
lückenhaft ist. Außer der regelmäßigen Feststellung der Zellgehalte in den Gesamtgemelken der
Kühe im Rahmen des Probemelkens der Milchleistungsprüfung ist aber auch die Dokumentation
der klinischen Mastitiden von Bedeutung. Diese kann nur im Rahmen der täglichen Arbeit im
Zusammenwirken von Landwirt und bestandsbetreuendem Tierarzt erfolgen. Die festgestellten
Diagnosen, gegebenenfalls auch Befunde, werden in den jeweils zur Verfügung stehenden EDVSystemen
verarbeitet. Für Betriebe ohne EDV hat sich die in Abbildung 6 dargestellte einfache
Dokumentation von Hand bewährt.
 
   


  
  !
"#$
%&'(' %&'('%&')*!!



     

"+
$
,$
,$
,
-!)**


 

 
./*!0
!/

1        21    

2    
    1 
 

111


1 1    
      1
 
3* 
8. Jahrestagung – Poing (Grub) 17./18.10.2007
23
./*!0
!/
 3* 
    11
1
1



     
 1
   
44
44
1
454
Abbildung 6: Einfaches Dokumentationssystem für das Auftreten von Mastitiden
Datenauswertungen können sich auf die gesamte Herde, auf bestimmte Tiergruppen (z.B. aufgegliedert
nach Laktationsnummern oder Laktationsstadien) oder auf Einzeltiere beziehen. Verlaufskontrollen
geben dabei einen guten Überblick über Entwicklungen der Eutergesundheit (z.B. Erfolg
von Sanierungsmaßnahmen, retrospektive Analysen, z.B. um ein bestimmtes Problem zeitlich
einordnen zu können, frühzeitiges Erkennen von Problemen). Die Analysen können retrospektiv
sein oder sich auf die aktuelle Situation beziehen.
Abbildung 2 zeigt beispielhaft eine Auswertung mittels Herden-Computerprogramm. Aus einer
Herdenübersicht erhält man zunächst Informationen über klinische Mastitiden, Mastitishäufigkeiten
bei Einzeltieren und sonstige Veränderungen, z.B. Zitzenverletzungen, Stenosen, in einem vorher
festgesetzten Analysenzeitraum. Die Auswertungen beziehen sich dabei auf eine vorab definierte
Risikogruppe (im Beispiel: laktierende und trockenstehende Kühe). Weiterhin sind der Prozentsatz
der Tiere mit einem Zellgehalt oberhalb eines Schwellenwerts (hier: 250.000/ml) im Gesamtgemelk
und das Ergebnis der letzten Milchkontrolle angegeben. Bei der Herdenzellzahl handelt es sich um
die sog. „theoretische Tankmilchzellzahl“. Diese errechnet sich nach folgender Formel:
SZZ im GGM pro ml x kg Milch
Theor. TZ pro ml = –––––––––––––––––––––––––––––––
Anzahl gemolkener Tiere
dabei bedeuten: TZ = Tankmilchzellzahl,
SZZ = Somatische Zellzahl,
GGM = Gesamtgemelk.
8. Jahrestagung – Poing (Grub) 17./18.10.2007
24
Die theoretische Tankmilchzellzahl ist meist etwas höher als die aktuell gemessene Zellzahl in der
Herdensammelmilch, da alle laktierenden Tiere mit berücksichtigt werden (auch Tiere, die sich in
der Wartezeit befinden, oder Tiere, deren Milch wegen erhöhter Zellzahlen nicht in den Tank
gemolken wird). Aus Abbildung 7 wird deutlich, daß der Prozentsatz von klinischen Mastitiden mit
40% im Beispiel sehr hoch liegt.
Abbildung 7: Retrospektive Analyse der Eutergesundheit im Zeitraum von einem Jahr
Aus der Verlaufskurve der theoretischen Tankmilchzellzahl und dem Prozentsatz der Tiere mit
einem Zellgehalt von über 250.000/ml (Abbildung 8) sowie einer Verteilung der Mastitisfälle nach
der Jahreszeit (Abbildung 9) ist zu ersehen, dass in den Monaten März bis Juni offensichtlich
große Probleme mit der Eutergesundheit aufgetreten sind. Als Ursache wurde eine vorübergehende
Verschlechterung der hygienischen Verhältnisse im Stall (voller Güllekanal mit zeitweisem
Überlaufen der Gülle sowie Überbelegung) festgestellt. Dies führte zu einem massiven Problem
mit klinischen Mastitiden, verursacht durch koliforme Keime und Streptococcus uberis. Die
Situation hat sich in den darauffolgenden Monaten aufgrund der durchgeführten Maßnahmen zwar
gebessert, aber der „Idealzustand“ ist noch nicht erreicht.
8. Jahrestagung – Poing (Grub) 17./18.10.2007
25
Abbildung 8: Zeitlicher Verlauf der theoretische Tankmilchzellzahl und des Prozentsatzes
der Tiere mit einem Zellgehalt im Gesamtgemelk von > 250.000 / ml
Abbildung 9: Verteilung der Mastitisfälle nach Jahreszeiten
Weitere sinnvolle Auswertungen sind z.B. eine Häufigkeitsverteilung der Mastitiden nach Laktationsstadium
oder Laktationsnummer, eine Aufgliederung der Eutererkrankungen sowie eine
Verteilung festgestellter Mastitiserreger. Manche Computerprogramme bieten auch hier einen
direkten Zugriff auf das Einzeltier in Form von Histogrammen mit Einzeltieridentifikation. So können
sofort Informationen über bestimmte Tiere erhalten und weitere Maßnahmen (z.B. Entscheidung
darüber, ob das Tier im Bestand bleiben oder gemerzt werden soll) beschlossen werden.
Andere Auswertungen ermöglichen es, Entwicklungen von Monat zu Monat oder die Situation in
einem bestimmten Monat zu erfassen, was dann bei den regelmäßigen Bestandsbesuchen erörtert
werden und ggf. Maßnahmen nach sich ziehen kann.
8. Jahrestagung – Poing (Grub) 17./18.10.2007
26
Aus einer Darstellung der Zellzahlen von zwei Kontrollmonaten in Form einer Vierfelder-Tafel
(Abbildung 10) lassen sich z.B. ohne lange Sucharbeit die Tiere herausfinden, die zweimal einen
erhöhten Zellgehalt aufgewiesen haben. Weiterhin sind Tiere aufgeführt, bei denen sich die
Zellzahl verschlechtert hat. So ist aus Abbildung 5 zu ersehen, daß 52% der geprüften Tiere in
beiden Kontrollmonaten einen Zellgehalt < 250.000/ml und 16% einen Zellgehalt > 250.000/ml
hatten. Bei 19% der Tiere hat eine Verbesserung und bei 13% eine Verschlechterung der Zellzahlsituation
stattgefunden. Setzt man auf Einzeltierniveau den Übergang der Zellzahl von z.B. unter
250.000 Zellen/ml Gesamtgemelk auf über 250.000/ml als Indikator für eine Neuinfektion fest, so
beträgt die Neuinfektionsrate im Monat November für den Beispielbetrieb 13%. Die für diese
Auswertung verwendete Zellzahlgrenze kann betriebsspezifisch und in Abhängigkeit von der
aktuellen Situation bzgl. der Eutergesundheit festgelegt werden.
Abbildung 10: Vierfeldertafel zur Darstellung der zellzahlentwicklung in zwei Monaten
(Computerausdruck; gerahmte Säulen reichen über die Monitordarstellung hinaus)
Anhand folgender Formel läßt sich der Beitrag eines Tieres am Herdendurchschnitt der Zellzahl
ermitteln:
individuelle Zellzahl x kg Milch x 100
% Beitrag = ––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––
Tierzahl x mittlere Zellzahl x mittlere kg Milch
Diese Auswertung kann von Bedeutung sein, wenn es aus irgend einem Grund zu einem starken
Anstieg der Tankmilchzellzahl gekommen ist und vielleicht sogar die Gefahr von Milchgeldabzügen
wegen Zellzahlüberschreitung besteht. Wird die Milch von Tieren mit einem hohen Beitrag zur
8. Jahrestagung – Poing (Grub) 17./18.10.2007
27
durchschnittlichen Zellzahl nicht mitgemolken, dann kann meist wieder Milch, die den gesetzlich
vorgeschriebenen oder mit der Molkerei vereinbarten Gütemerkmalen entspricht, abgeliefert
werden. Aus Abbildung 11 ist z.B. zu ersehen, daß 23,9% der theoretischen Tankmilchzellzahl von
310.000/ml durch die Kuh „Liguste“ verursacht werden.
Abbildung 11: Ergebnisse einer Milchleistungskontrolle mit Angabe des Beitrags der
Einzelkühe zur theoretischen Tankzellzahl (%TZ) – verkürzte Darstellung.
Es sei allerdings darauf hingewiesen, daß es sich hierbei nur um eine Notfallmaßnahme handelt.
Auf Dauer ist es natürlich nicht wirtschaftlich, die Milch von Tieren mit erhöhten Zellzahlen nicht mit
abzuliefern. Vielmehr sollte mit einem effektiven Mastitissanierungsprogramm versucht werden, die
Eutergesundheit der Herde zu verbessern. Ein Nachteil dieses Verfahrens ist es außerdem, dass
die erforderlichen Informationen bzgl. der Zellgehalte auf Einzeltierbasis nur einmal pro Monat
verfügbar sind.
Bisher kommen die meisten für die Eutergesundheitsüberwachung relevanten Informationen direkt
von den Kühen und aus den Ergebnissen des Probemelkens sowie gegebenenfalls aus der Datenverarbeitung
des bestandsbetreuenden Tierarztes. In jüngerer Zeit und auch zukünftig werden
mehr und mehr Informationen auf Einzeltier- und auf Herdenbasis direkt während des Melkbetriebs
„online“ erfaßt. Hierzu werden, vor allem in automatischen Melksystemen, zunehmend moderne
Meßtechniken eingesetzt. Zudem werden hoch sensitive diagnostische Verfahren für das Herden-
Screening (z.B. Multiplex-PCR) auch für die Eutergesundheitsdiagnostik interessant.
Die zitierte Literatur kann beim Autor angefordert werden.
8. Jahrestagung – Poing (Grub) 17./18.10.2007
28
Anschrift des Autors:
Prof. Dr. R. Mansfeld
Klinik für Wiederkäuer mit Ambulanz und Bestandsbetreuung
Ludwig-Maximilians-Universität München
Sonnenstraße 16
85764 Oberschleißheim

EIGENE NOTITZEN

8. Jahrestagung – Poing (Grub) 17./18.10.2007
52
Silagebewertung
Dr. Hubert Spiekers, Dr. Wolfgang Richter, Natalie Zimmermann, Georg Rößl
Ziel des Workshops ist es, die Grundkenntnisse zur Beurteilung der Silagequalität zu vermitteln
und an praktischen Silagen zu vertiefen. Neben der Futterqualität wird auch das Controlling am
Silo angesprochen und demonstriert. Für die Beratung im Hinblick auf Eutergesundheit sollte auch
die Silage betrachtet werden. Eine Optimierung der Silierstrategie geht hierbei über die Aufgaben
des Milcherzeugerberaters hinaus. Hier sollten Silageprofis einbezogen werden. Über Ziele und
Methoden der Silagebeurteilung sollten die erforderlichen Grundkenntnisse jedoch in der
gesamten Beratung einheitlich vorliegen und zur Anwendung kommen. Das aktuelle Wissen ist
dem Praxishandbuch Futterkonservierung 2006 zu entnehmen.
Futterqualität
Voraussetzung einer auf Eutergesundheit ausgerichteten Fütterung sind beste Silagen. Entscheidend
ist hierbei, dass die Qualität bis zur Futteraufnahme am Trog gewährleistet ist. Futterwert und
Futteraufnahme sind maßgebend für die Leistungsfähigkeit der Ration. Die Futterkonservierung
hat die Aufgabe, den unerwünschten Stoffabbau und -umbau möglichst gering zu halten, um die
gesetzten Ziele zu erreichen. Der Tabelle 6 sind die wichtigsten Kenngrößen der Futterqualität
beim Rind zu entnehmen.
Tabelle 6: Kenngrößen der Futterqualität von Silage beim Rind
Energiegehalt
Aufzucht und Mast: MJ ME (Megajoule Umsetzbare Energie)
Milchbildung: MJ NEL (Megajoule Netto-Energie-Laktation)
Proteinwert (Rohprotein)
nXP, nutzbares Rohprotein am Darm
RNB, ruminale Stickstoff-Bilanz
Strukturwirkung
Rohfaser oder NDForg, Häcksellänge, Vermahlung; Strukturwert (SW)
Kohlenhydratgehalte
Zucker, Stärke, beständige Stärke
Mineral- und Wirkstoffgehalte
Mengenelemente, Spurenelemente, Vitamine
Gärqualität
pH-Wert, Gärsäuren, NH3-N (Ammoniak-Stickstoff)
hygienische Beschaffenheit
Rohasche- bzw. Sandgehalt, Clostridiensporengehalt, Schimmelpilze, Hefen
aerobe Stabilität (Nacherwärmung)
NDForg - organische neutrale Detergenzienfaser
Neben dem Energiegehalt und dem Proteinwert sind Aspekte der Strukturwirkung, der Kohlenhydratversorgung,
der Wirkstoffversorgung und nicht zuletzt der Gärqualität, der Stabilität der
Silage und der hygienischen Beschaffenheit von Belang. Ziel- bzw. Orientierungswerte für die
8. Jahrestagung – Poing (Grub) 17./18.10.2007
53
analytisch fassbaren Größen des Futterwertes sind der Tabelle 7 zu entnehmen. Die Werte
beziehen sich auf die Fütterung von Milchkühen.
Tabelle 7: Orientierungswerte für gute Gras- und Maissilagen in der Milcherzeugung
Parameter Einheit Grassilage Maissilage
Trockenmasse (TM) % 30 – 40 28 – 35 1)
Rohasche % i. d. TM < 10 < 4,5
Rohprotein % i. d. TM < 17 2) < 9
Rohfaser % i. d. TM 22 – 25 17 – 20
NDForg % i. d. TM 40 – 48 35 – 40
SW 2,6 – 2,9 1,5 – 1,7
Stärke % i. d. TM keine > 30
NEL MJ/kg TM ³ 6,4 bzw. ³ 6,0 3) ³ 6,5
nXP g/kg TM > 135 > 130
RNB g/kg TM < 6 - 7 bis – 9
1) In Abhängigkeit vom Kornanteil;
2) 15 % bei Ackergrassilage;
3) 1. Schnitt bzw. Folgeschnitte; NDForg – nach Aschekorrektur
Struktur und Teilchenlänge
Da die Grobfutter auch die Strukturwirkung (SW) der Ration bestimmen, sind die physikalischen
Eigenschaften Teilchengröße, Starrheit und das spezifische Gewicht zu beachten. Aus Sicht der
Silierbarkeit, Verdichtbarkeit und der Mischbarkeit empfehlen sich kurze Partikel. Zur Gewährleistung
der Strukturwirkung ist beim Wiederkäuer eine ausreichende Partikellänge erforderlich.
Für die Passage und die Futteraufnahme sind wiederum sehr kurze Partikel von Vorteil. Generell
ist daher ein Kompromiss zwischen den verschiedenen Anforderungen herbeizuführen. Zu
beachten sind hierbei auch eventuelle Nachzerkleinerungen bei der Entnahme oder Vermischung
im Mischwagen.
Bei der Maissilage sind aus Sicht der Tierernährung zur Steigerung der Strukturwirkung Häcksellängen
von 15 − 20 mm machbar, wobei ein etwaiger Rückgang in der Futteraufnahme zu
beachten ist. Voraussetzung einer längeren Häcksellänge ist neben der ausreichenden Zerkleinerung
der Körner eine genügende Verdichtung. Mit der Häcksellänge nimmt die Verdichtbarkeit
der Silage ab.
Zur Silierung ergeben sich folgende Empfehlungen:
TM-Gehalt: 28 − 35 % bei Mais; 30 − 40 % bei Gras
Gleichmäßige Zerkleinerung; Häcksellänge: 4 − 7 mm bei Mais; < 4 cm bei Gras
Ausreichende Zerkleinerung der Körner
8. Jahrestagung – Poing (Grub) 17./18.10.2007
54
Gärqualität
Die Gärqualität der Silagen lässt sich ebenfalls analytisch ermitteln. Wichtige Punkte sind der pHWert
und die Gehalte an Gärsäuren. Die Anforderungen der Silagen an die Gärqualität sind aus
der Tabelle 8 ersichtlich. Das Ziel ist eine weitgehend buttersäurefreie Silage mit geringem Abbau
an Protein, hierdurch werden ein geringer Stoffabbau während der Silierung und eine hohe Aufnahme
an Futter gewährleistet. Stark überhöhte Gehalte an Gärsäuren können zu einer Minderung
der Futteraufnahme führen. Ebenfalls von Nachteil im Hinblick auf die Futteraufnahme sind verschiedene
Abbauprodukte des Futterproteins. Bei den Gehalten an Essig- und Propionsäure ist
aus dem Blickwinkel des Stoffabbaues ein niedriger Gehalt anzustreben. Für die aerobe Stabilität
sind Gehalte zwischen 2 und 3 % der Trockenmasse von Vorteil. Generell ist eine aerobe Stabilität
von mindestens drei Tagen anzustreben. In der Praxis sind hier Vorschub und Verdichtung
besonders zu beachten.
Tabelle 8: Orientierungswerte für die anzustrebende Gärqualität
Zielgröße Einheit Orientierungswert
pH-Wert, von 20 .... 45 % TM 4,0 ... 5,0
Buttersäuregehalt g/kg TM < 3
Essig- und Propionsäuregehalt g/kg TM 20 – 30
Aerobe Stabilität Tage > 3
Der Ausgangskeimgehalt mit Schadorganismen, der Gärverlauf, die Verdichtung und die Silobewirtschaftung
entscheiden über die hygienische Beschaffenheit und die Stabilität der Silagen.
Zur Verbesserung dieser Größen gibt es zahlreiche Ansatzpunkte vom Pflanzenbau über die
Futterernte und Siliertechnik bis zum Einsatz von Siliermitteln.
Controlling
Beim Controlling geht es um die Steuerung der Silagequalität bis zum Trog. Eine Steuerung
erfordert konkrete Messpunkte, denn nur was man misst kann gezielt beeinflusst werden. Die
wichtigsten Punkte im Controlling bei der Silage sind aus der Tabelle 9 ersichtlich.
Tabelle 9: Maßnahmen zum Controlling bei Silagen
Ertragsmessung, TM-Bestimmung
Silokartei (Silierprotokoll)
Futterwertanalyse
Am Anschnitt:
Temperaturmessung
Sensorik
TM-Gehalt, pH-Wert
Futterverzehr
Leistung und Gesundheit der Tiere
8. Jahrestagung – Poing (Grub) 17./18.10.2007
55
Bei der Ernte sollte der Ertrag an Trockenmasse bestimmt werden. Entsprechende Technik am
Häcksler ist heute verfügbar. Der Futterwert ist standardmäßig mit Futteranalysen zu fassen. Zur
Vermeidung der Nacherwärmung ist die Dichte von großer Bedeutung und sollte zur Beurteilung
des Verfahrens gemessen werden.
Am Anschnitt können etwaige Veränderungen sensorisch und über die Messung der Temperatur,
der TM-Gehalte und der pH-Werte beurteilt werden. Verändertes Material senkt schnell den Futterverzehr
und kann Leistung und Gesundheit beeinträchtigen. Sichtlich verändertes Material
(Verpilzung, muffiger Geruch etc.) gehört nicht in den Trog.
Anschrift des Autors:
Dr. Hubert Spiekers
Institut für Tierernährung und Futterwirtschaft
Prof.-Dürrwaechter-Platz 3
85586 Poing

EIGENE NOTITZEN

8. Jahrestagung – Poing (Grub) 17./18.10.2007
39
Melktechnik und Eutergesundheit
Prof. Dr. F. Tröger
Thesen zum Workshop:
- Die Gestaltung des Melkprozesses muss in erster Linie der Gesunderhaltung der Kühe dienen
und bei hoher Leistung beste Milchqualität sichern. Die erreichbare Arbeitsleistung der Melker
(Durchsatz der Melkanlage) ist aus ökonomischer Sicht wichtig, den erstgenannten Zielen
unter den Bedingungen des deutschen Milchmarktes aber nachgeordnet.
- Das eigentliche Melken beginnt mit der Stimulation, dem „Anrüsten“ der Kühe. Dazu gehören
Vormelken und Euterreinigung, die oft nur 20 bis 25 s erfordern. Die optimale Stimulationsdauer
beträgt jedoch 60 s. Die fehlenden etwa 35 s sollen durch automatische Vorstimulation
abgedeckt werden. Die Ziele automatischer Vorstimulation sind verstärkte Zitzenmassage und
gleichzeitig verminderter Milchfluss, um Bimodalität (zweigipfliger Milchfluss, wobei der Milchfluss
nach Abmelken der Zisternenmilch zwischenzeitlich bis auf Null zurückgehen kann) weitgehend
zu vermeiden. Bimodales Melken kann negativ auf die Eutergesundheit wirken.
- Der Stimulationsbedarf frischmelkender Kühe ist nicht geringer als der altmelkender. Ein sog.
Selbstanrüsten (bedingtreflektorisches Anrüsten) auf hormoneller Basis ist so selten, dass es
technologisch nicht relevant ist. Deshalb ist bei automatischer Stimulation Zeitsteuerung zu
bevorzugen. Empfohlen wird bei kurzer Eutervorbereitungsdauer von Hand ein Festwert von
40 bis 50 s automatische Stimulation. Ist erhöhter Zeitaufwand zur Euterreinigung notwendig
reichen 30 bis 35 s aus.
- Wichtig für schonendes Melken ist die Art der Pulsation. Durch Pulsatorwirkung wird das
Saugen rhythmisch unterbrochen und der Zitzengummi massierend gegen die Zitze gedrückt.
Das sichert während des Melkens die Blut- und Lymphzirkulation in den Zitzen und trägt damit
wesentlich zu deren Gesunderhaltung bei. Die Vergrößerung des Saugphasenanteils über 65%
hinaus geht auf Kosten der wichtigen Entlastungsphase und erhöht das Mastitisrisiko. Deshalb
sollten 65 % Saugphasenanteil trotz vielseitiger Einstellungsmöglichkeiten nicht überschritten
werden. In Problemherden wird ein Rückstellen auf 60 % empfohlen. Die Pulsation kann wie
eingestellt nur wirken, wenn alle Bauteile vom Pulsator bis zum Zitzenbecher harmonieren.
Das erfordert den Einsatz von Originalbauteilen, weil diese in Innenvolumen und Material aufeinander
abgestimmt sind.
- Die DIN/ISO 5707 empfiehlt für schonendes und zügiges Melken im Milchsammelstück des
Melkzeuges bzw. unterhalb der Zitzenspitze bei höchstem Milchfluss eine Vakuumhöhe
zwischen 32 und 40 kPa. Daraus leitet sich ab, mit möglichst niedrigem Betriebsvakuum der
Gesamtanlage zu arbeiten. Deshalb wird empfohlen, die Untergrenze der von den Melkanlagenherstellern
angegebenen Vakuumhöhe einzustellen.
8. Jahrestagung – Poing (Grub) 17./18.10.2007
40
Das sind bei tiefliegender Melkleitung im Melkstand je nach Hersteller zwischen 38 und
42 kPa. Je höher das Vakuum, desto größer wird das Nachgemelk.
- Zum euterschonenden Melken gehört auch die exakte Ausrichtung des Melkzeuges. Das
Melkzeug soll so am Euter hängen, dass alle Viertel durch Zug gleich stark belastet werden
und ein Verdrehen oder Abknicken der Zitzen vermieden wird. Die exakte Ausrichtung des
Melkzeuges zur Längsachse der Kuh ist dann möglich, wenn zum Positionieren ein sog.
Servicearm für die Schlauchbündelführung oder wenigstens eine Klemme zum Festlegen des
langen Milchschlauches auf der Melkflurkante vorhanden ist. Verdrehte oder zu stark belastete
Zitzenbecher verschlechtern das Ausmelken und begünstigen so das Angehen von Neuinfektionen.
Sie begünstigen auch Lufteinbrüche, die durch Rückspray zu Neuinfektionen der
„beschossenen“ gegenüber liegenden Zitzen führen können. Lufteinbrüche werden oft verursacht
durch ein Missverhältnis zwischen Zitzengröße, Zitzenform und Zitzenstellung und dem
Zitzengummityp. Zur richtigen Einstellung der Melkanlage gehört die Wahl des für die Herde
optimalen Zitzengummityps.
- Hyperkeratosen an den Zitzenspitzen können sich bei starker Ausprägung negativ auf die
Eutergesundheit auswirken. Ursachen für ihr Entstehen können sein:
a) zu starke Druckwirkung auf die Zitzenspitze durch zu hohes Vakuum und/oder zu
harten und zu steifen Zitzengummi;
b) zu aggressive und/oder zu stark austrocknende Dippmittel;
c) nasse Zitzen nach der Melkzeugabnahme;
d) jahreszeitliche Einflüsse.
Als Gegenmaßnahmen sind das Vermeiden der o.g. Mängel a) – c) und der Einsatz von
Dippmitteln mit sehr hohem Pflegemittelanteil zu nennen.
- Bei Melkständen ab 2 x 4 Melkplätze wird automatische Abschaltung der Melkzeuge sinnvoll,
um unnötiges euterschädigendes Blindmelken zu vermeiden. Da der Milchfluss im Milchschlauch
zum Messelement stoßweise erfolgt, muss dem Unterschreiten der eingestellten
Schaltschwelle zum Abschalten eine elektronisch eingestellte Verzögerungszeit folgen.
Exaktes Abschalten ist also abhängig von der richtigen Einstellung von Schwellenwert und Verzögerungszeit.
Die Schaltschwelle soll in Abhängigkeit von der Eutergesundheit zwischen 200
und 300 g/min gewählt werden. Die Verzögerungszeit sollte vom dauerhaften Unterschreiten
der eingestellten Abschaltschwelle bis zum Abschalten des Melkvakuums bis 15 s betragen.
- Sauberes Ausmelken ist für die Leistungsentwicklung und Gesunderhaltung der Euter nach wie
vor wichtig. Bei automatischer Nachmelktechnik (besser: Ausmelktechnik) sind zwei
Schaltschwellen zu kontrollieren. Die Nachmelktechnik sollte bei Unterschreiten eines Milchflusses
von 800 bis 1000 g/min zu wirken beginnen und das Abschalten und Abnehmen des
Melkzeuges bei Unterschreiten von 230 bis 300 g/min erfolgen.
8. Jahrestagung – Poing (Grub) 17./18.10.2007
41
Bei automatischer Nachmelktechnik ist auch die Einstellung der Zugkraft zu kontrollieren.
Besonders geeignet für das Kontrollieren von Einstellungen und Wirkungen von Melktechnik
und Melkarbeit sowie der Melkbarkeit der Kühe ist das Aufzeichnen von Milchflusskurven mit
Auswertung von Teilzeiten und Teilmengen mittels LactoCordern durch spezialisierte Berater.
- Der Optimierung des Melkens sind jedoch durch Euter- und Zitzenmaße Grenzen gesetzt.
Besonders bei den Deutschen Holstein (und Holsteins weltweit) sind durch züchterische
Einflüsse die Zitzen bei vielen Kühen so kurz und dünn geworden, dass die Melkzeughaftung
zunehmend schlechter wird, die Störfaktoren beim Melken damit zu- und die Melkerleistungen
und Durchsätze abnehmen bzw. seit Jahren unbefriedigend sind. Wegen der starken Streuung
der Zitzenmaße ist ein optimales Anpassen der Zitzengummis an eine Herde oft nicht mehr
befriedigend möglich. Die Zuchtverbände und Züchter sind aufgerufen, diese bedenkliche
Entwicklung zu stoppen.
Anschrift des Autors:
Prof. Dr. Fritz Tröger
Tarostr. 20/113
04103 Leipzig
EIGENE NOTITZEN


33
LactoCorder - Innovatives Messgerät für die Melkberatung
Frau S. Baumgart
Der LactoCorder™ wurde speziell als mobiles, elektronisches Milchmengenmessgerät für die MLP
entwickelt. Er ist ein Volumendurchfluss-Messgerät und basiert auf einem Staukammer / Messschlitz
- Prinzip mit der Ermittlung des Milchdichteprofils über Messungen der elektrischen Leitfähigkeit
an 60 Messpunkten. In 0,7 Sekundenintervallen wird der Milchfluss erfasst und als
Durchschnitt von 4 Messungen aller 2,8 s als Messwert gespeichert.
Zusätzlich zur Milchmengenerfassung der Einzelgemelke und der anteiligen Probenahme im
Rahmen der MLP, ist es über den LactoCorder™ möglich, Milchflusskurven vom Ansetzen bis
zur Abnahme des Melkzeuges aufzuzeichnen und den Reinigungsverlauf der Melkanlagen als
weitere Informationen zu erfassen.
Auf der Basis der mit dem LactoCorder™ ermittelten Milchflussdaten können durch die Milcherzeugerberater
vorhandene physiologische und technologische Abläufe in der Melkroutine, der Melkbarkeit
der Kühe, der Melktechnik sowie Reinigung und Desinfektion der Melkanlagen zielgerichtet
analysiert werden.
Diese Ergebnisse bieten eine sehr gute Ausgangsbasis, um den Milcherzeugerbetrieben
umfassende Beratungsempfehlungen zur Optimierung der Qualität des gesamten Melkprozesses
geben zu können.
Folgende Themengebiete der bisherigen Beratungsangebote des LKV Sachsen- Anhalt werden im
Workshop als Diskussionsgrundlage vorgestellt:
1. Beurteilungen der Milchflusskurven einzelner Kühe als Hilfsmittel zur Darstellung und
Beurteilung des Milchabgabeverhaltens sowie der vom Melkpersonal angewandten Melkroutine.
2. LactoCorder™ -Beratung zur Einschätzung des Zusammenwirkens von Melkarbeit -
Melkbarkeit – Melktechnik in einer Milchviehherde.
- u.a. mit Erfassung von mind. 50 % der melkenden Kühe in allen Laktationsstadien
bzw. Haltungsabschnitten.
- Schlussfolgerungen mit Beratungsempfehlungen zur Verbesserung der Eutergesundheit
und Senkung des Anteils somatischer Zellen.
3. LactoCorder™ - Messungen zur Kontrolle der Funktionssicherheit und Einheitlichkeit
der Melkplätze bei milchflussabhängigen Schaltpunkten (mind. 4-5 Messungen je Melkplatz).

34
4. LactoCorder™- Messungen als Wiederholungsberatung, um u. a. Veränderungen der
Melkroutine und/oder Änderungen von melktechnischen Parametern in ihrer Wirkung
zu beurteilen.
5. Überwachung der Reinigung und Desinfektion der Melkanlagen mittels LactoCorder™ -
Aufzeichnungen (erste Ergebnisse).
6. Nutzung der Auswertungen für Fortbildungen und Melkerschulungen zur
Verbesserung der Melkroutine und Eutergesundheit.
Im Weiteren wird auf die notwendigen Voraussetzungen zur Durchführung einer LactoCorder™ -
Beratung, Protokollerstellung und auf spezielle Messabläufe eingegangen.
Es erfolgt die Darstellung der bisher vom LKV genutzten, vielfältigen statistischen und analytischen
Auswertungsmöglichkeiten der ermittelten Parameter und Kurven mittels Software (z.B. Datenexport
- Excel, Grafik Multikurven, Grafik Reinigungsverlauf).
Folgende Ergebnisse ausgewählter Kennziffern aus 41 Milchviehherden Sachsen-Anhalts
(getrennt nach Melkrhythmus) wurden 2006 ermittelt und sollen in der Diskussion als Datengrundlage
bei Beurteilung von Herdenmittel (bei großer Differenziertheit) Berücksichtigung finden:
Tabelle 5:LactoCorder Kennziffern aus dem LKV Sachsen-Anhalt
Kennziffer M E 2x Melken 3x Melken
Herden/ Kühe Anzahl 33/ 6640 8/ 2340
Höchster Milchfluss kg/min 3,38 3,30
Anteil Bimodalitäten (Zweigipfligkeit) % 23,1 48,5
Zeit des maschinellen Hauptgemelks min. 6,07 5,00
Dauer Anstiegsphase min. 0,80 1,04
Dauer Plateauphase min. 2,51 1,68
Dauer Abstiegsphase min. 2,75 2,24
Dauer Blindmelken min. 0,55 0,43
Dauer Nachmelken min. 0,17 0,14
Durchschn. maschinelles
Hauptgemelk kg/min. 2,22 2,00
Anteil Lufteinbrüche % 3,2 3,4
Gesamtmelkdauer min. 7,39 6,15
Durchschn. masch. Gesamtgemelk kg/min. 1,79 1,61

35
An Hand von Beispielsdaten aus Milchviehherden werden folgende Beratungsaussagen aus
Milchflusskurvenverläufen und Melkbeobachtungen vorgestellt und gemeinsam diskutiert:
- Melkbereitschaft der Kühe
- Stimulation der Kühe
- Haftung der Melkzeuge
- Melkzeugpositionierung
- Umschaltschwellen beim Nachmelken
- Abschalt – und Abnahmeschwellen mit technische Verzögerungszeiten
- Blindmelkens der Einzelviertel und des gesamten Euters
- Melkdauer
- Ausmelkgrad
- Melkbarkeit der Einzelkühe als Vergleiche.
- Schwermelker
- Zitzenbeschaffenheit
- Melkroutine
- Auslastung der Melkstände
- Auswirkungen von Veränderungen an Melkroutine und Melktechnik
- Milchflussparameter – Zellgehalt
Der Workshop soll für alle Berater als Erfahrungsaustausch dienen und Schlussfolgerungen sowie
Anregungen für zukünftige LactoCorder™ - Messungen, Auswertungen und Beratungen geben.
Jeder Teilnehmer wird aufgefordert, seine bisherigen Erfahrungen auf dem Gebiet der Milchflusskurven
mit in die Diskussion einzubringen.
Anschrift des Autors:
Frau Susanne Baumgart
Landeskontrollverband für Leistungs- und Qualitätsprüfung Sachsen-Anhalt e.V.,
Angerstr. 6
06118 Halle


42
Kritische Betrachtungen zu Hygienemaßnahmen beim Melken
Frau I. Model und Herr Dr. M. Spohr
Die wachsende Größe der Milchviehherden, die steigende Leistung der Einzelkuh und der hohe
arbeitswirtschaftliche Druck verlangen, die tägliche Routine im Milchviehstall so zu gestaltet, dass
mit geringem Aufwand Eutergesundheit und gute Milchqualität gesichert werden. Dabei zieht sich
die Einhaltung der Hygiene wie ein roter Faden durch alle Tätigkeiten.
Hygienemaßnahmen haben die Aufgabe, schädigende Umweltfaktoren auszuschalten und
nützliche so zu fördern, dass die Gesundheit der Kuh und damit die Leistungsfähigkeit erhalten
bleibt.
Aus dieser Aufgabenstellung muss abgeleitet werden, dass Hygiene nicht nur Reinigung und
Desinfektion beinhaltet, sondern folgende Umweltfaktoren in die Beurteilung einzubeziehen sind:
1. Komplex Futter (Ration, Qualität, Bereitstellung, Fressplatzgestaltung …)
2. Tränke (Wassermenge, Tränkengestaltung, Anzahl, Wasserqualität …)
3. Liegeflächen (Größe, Gestaltung, Material, Einstreu, Sauberkeit, ...)
4. Laufflächen (Gestaltung, Material, Verschmutzung, Länge ...)
5. Stallwetter (Luftbewegung, Temperatur, Feuchtigkeit, Schadgase …)
6. Licht (Helligkeit, Dauer …)
7. Lärmpegel (im Melkstand, im Stall …)
8. Melkhygiene, die im Workshop ausführlicher behandelt wird.
Ziel der Melkhygiene ist es die Übertragung von pathogenen Keimen von einem Euter auf das der
nächsten Kuh während des Melkens zu verhindern und das Euter nicht unnötigen mechanischen
Belastungen auszusetzen.
Dabei werden folgende Schwerpunkte zu diskutieren und fachlich zu begründen sein.
1. Melkreihenfolge einhalten
- eutergesunde Tiere und Frischabkalber zuerst melken;
- subklinisch und klinisch Euterkranke sowie andere erkrankte Tiere zuletzt melken; Milch
von diesen Tieren nicht an Kälber füttern.
2. Melktechnik vor Beginn prüfen
- Vakuumhöhe,
- Zitzengummis, Schläuche, Luftbohrung,
- Reinigungserfolg.

43
3. Vormelken und Prüfen im VM-Gefäß
- Euter und Milch auf Krankheitszeichen prüfen (Schwellung, Verletzung, Flocken) .
- veränderte Milch oder Euter durch Schalm-Mastitistest prüfen, ggf. durch Viertelgemelksprobe
im Labor abklären.
- schnelle Therapie sichert eine schnelle Heilung
4. Euter sinnvoll reinigen
- durch feuchte, keimfreie Textiltücher (Einmalanwendung - ein Desinfektionseffekt kann
aus Zeitgründen nicht erwartet werden);
- keine Tropfnässe zulassen;
- effektive, kostensparende Methode wählen;
- Predipping und verschiedene Methoden sind zu diskutieren;
- ein Kostennachweis zeigt, dass Papier wesentlich höhere Kosten als das in einer
Waschmaschine gereinigte Textiltuch verursacht.
5. mit der Melktechnik richtig umgehen
- keine Lufteinbrüche,
- Melkzeuge nicht verdrehen,
- kein Blindmelken,
- kein Abreißen des MZ vom Euter,
- maschinellen Nachmelkbeginn entsprechend der Herde einstellen (600 - 1000 g/min.),
- automatische Abnahme entsprechend der Herde einstellen (200 - 300 g/min.),
- manueller Kontrollgriff nach Abnahme nicht unterlassen.
6. Zitzen pflegen und desinfizieren
- sinnvolle Methode anwenden;
- über Inhaltsstoffe im Dippmittel informieren;
- geprüfte Dippmittel verwenden;
- je mehr die Zitzen beansprucht werden (Dreimalmelken), um so mehr muss auf
ausreichende Pflege der Zitzen geachtet werden;
- nach Gebrauch Tauchbecher reinigen.
7. In gefährdeten Herden Melkzeugzwischendesinfektion durchführen
- als Desinfektionswirkstoff Peressigsäure 1000 mg/kg (ppm) verwenden; (Konzentration
kontrollieren)
- Lösung nur mit kaltem Wasser ansetzen;
- Einwirkzeit der Desinfektionslösung mindestens 40 besser 60 Sekunden sichern;
- nur Plaste oder Edelstahlbehälter nutzen;
- bei Tauchdesinfektion Lösung nach 1-2 Stunden erneuern;
- Sicherheitsvorschriften beachten (Dosierstation).

44
Der Erfolg wird in erster Linie dadurch erreicht, dass alle diesem Ziel dienenden Maßnahmen
regelmäßig und fachlich richtig durchgeführt werden.
Einmal festgelegte Hygienemaßnahmen sollten zur täglichen Routine gehören. Es darf nicht so
gearbeitet werden, dass die Tiere in Arbeitsspitzen durch Hygienemängel zusätzlichen
Belastungen ausgesetzt werden.
Aufgabe der Beratung ist es neben der Empfehlung dieser Routine auch zu entscheiden, welche
Methoden und welche Mittel für die spezifische Herde am besten geeignet sind.
Neben dem Wissen über chemische Wirkstoffe soll der Workshop insbesondere auch über
Methoden berichten, die in der AG Hygiene erarbeitet wurden, um die Wirkung der
Hygienemaßnahmen nachzuweisen. Insbesondere wird eine Methode zum Nachweis der
Zitzenkanalbesiedlung und damit zur Wirkung der Dippmittel vorgestellt. Außerdem wird über die
Methode zum Prüfen der Wirkung der Melkzeugzwischendesinfektion und der Kontrolle der
Stallstreumittel zu berichten zu berichten sein.
Anschrift der Autoren:
Ingrid Model Dr. Martin Spohr
Eutergesundheitsdienst Baden-Würtemberg
Hauptstr. 39 Schaflandstr. 3/3
07580 Paitzdorf 70736 Fellbach

EIGENE NOTITZEN


48
Klauen – Nutzen und Risiko von Klauenbädern
Dr. Andrea Fiedler
Vier von fünf Lahmheitsursachen sind im Klauenbereich zu finden. Neben den Rusterholzschen
Sohlengeschwüren sowie den zahlreichen Folgen der sog. Klauenrehe sind dies insbesondere die
infektiösen Erkrankungen wie Ballenhornfäule und Klauenfäule (Dermatitis interdigitalis) und die
Mortellarosche Krankheit (Erdbeerkrankheit, Dermatitis digitalis). Diese drei Erkrankungen gehören
zu einem Krankheitskomplex und stellen Indikatoren für die Haltungsumwelt dar. Die Folgen dieser
schmerzhaften Erkrankungen liegen auf der Hand. Die Tiere zeigen eine verminderte Milchleistung,
sie magern ab, u.a. durch verminderte Futteraufnahme. Bei einer Verwertung führt dies zu
einem deutlichen wirtschaftlichen Verlust. Es kommt zu Fruchtbarkeitsproblemen. Zum einen
zeigen die Tiere durch die eingeschränkte Beweglichkeit die Brunst undeutlich, zum anderen bleibt
die Brunst ganz aus. Es kommt zu verlängerten Zwischenkalbezeiten, die Tiere werden entweder
gar nicht oder mehrmals vergeblich besamt, z.T. müssen hormonelle Behandlungen durchgeführt
werden, um den Brunstzeitpunkt bestimmen zu können.
Mortellarosche Krankheit (Erdbeerkrankheit, Dermatitis digitalis)
Diese höchst schmerzhafte Hauterkrankung tritt meist als runde bis ovale, stark gerötete und von
einem Wulst umgebene Läsion auf. Doch auch wuchernde, sog. proliferative, warzenartige
Veränderungen werden in manchen Beständen beobachtet. Die überwiegend an den Hintergliedmaßen
anzutreffende Lokalisation befindet sich meist am Übergang zwischen Kronsaum und Ballen
und in der Fesselbeuge. Die Ausmaße schwanken zwischen Erbsen- und Handflächengröße.
Abbildung 15: Mortellarosche Krankheit

49
Es handelt sich um eine Mischinfektion mit verschiedenen, charakteristischen Keimen. Zum
Ausbruch kommt diese ansteckende Krankheit jedoch nur im Zusammenhang mit Stressfaktoren,
die die körpereigene Abwehr senken. Eine zu hohe Feuchtigkeit, sowohl auf der Lauf-/Standfläche
als auch die Luftfeuchtigkeit, führen zu erhöhtem Keimdruck. Weitere Stressfaktoren, die das Tier
„schwächen“, können krankheitsbedingt sein oder vom Herdenmanagement abhängen (z.B. IBR /
BVD-Infektionen; Rangkämpfe; mangelnder „Cow-Comfort“). Betroffen sind dann meist mehrere
Tiere einer Herde, die Läsionen sind groß und äußerst schmerzhaft.
Ballenhornfäule und Klauenfäule (Dermatitis interdigitalis)
Die Ballenhornfäule beeinträchtigt im Gegensatz zur Erdbeerkrankheit das Hornwachstum, führt zu
zerklüfteten, z.T. stark geschwollenen Ballen und riecht charakteristisch faulig. Die Hintergliedmaßen
sind meist stärker betroffen. Diese
durch Bakterien hervorgerufene überschiessende
Hornproduktion am Ballen wird durch
feuchtes, warmes Stallklima begünstigt.
Das harte Sohlenhorn schiebt sich über den
durch die zersetzenden Enzyme der Bakterien
stark veränderten Ballen. Es kommt
zur Taschenbildung, die Keime finden darin
hervorragende Lebensbedingungen.
Die Klauenfäule ist im Zwischenklauenspalt
zu finden. Auch hier spielen die genannten
Bakterien eine zentrale Rolle. Dazu müssen
jedoch auch hier Feuchtigkeit, unsaubere
Bodenverhältnisse und mangelnder „Cow-
Comfort“ die Vorarbeit leisten. Die Haut im
Zwischenklauenbereich weicht auf, Keime
dringen ein, Gewebe beginnt abzusterben.
Tylome sind auf der Oberfläche häufig
betroffen.
Abbildung 16: Klauenfaeule im Zwischenklauenspalt

50
Prophylaxe und Therapie
Die Prophylaxe besteht v.a. bei der digitalen Dermatitis in Behebung von Stressfaktoren. Hier ist
insbesondere die Liegeboxenqualität hervorzuheben, da lange Liegezeiten (tägl. insg. 12 oder
mehr Stunden sind optimal) die Klaue entlasten und die Feuchtigkeit – und damit die Keimzahl –
reduzieren. Eine regelmäßige Funktionelle Klauenpflege dient der Überprüfung der Klauengesundheit
und hebt den Ballen aus der Gülle. Hygiene in Form von sauberen, trockenen Lauf-/
Standflächen und ggf. regelmäßiger Desinfektion (halbjährlich Reinigung und Desinfektion des
Stalles) führen zu einer Keimverdünnung. Zur Therapie werden die Einzeltiere - im Rahmen der
regelmäßigen Funktionellen Klauenpflege - nach trockener Reinigung der Läsionen mit
geeignetem Antibiotika-Spray behandelt.
Bei Ballenhornfäule ist Vorbeugung natürlich auch bedeutsam. Sie besteht aus Stallklimaverbesserung
und Hygiene (s.o.). Das überschüssige, stark drückende Horn muß bei der regelmäßigen
FUNKTIONELLEN KLAUENPFLEGE entfernt werden, die Taschen werden abgetragen.
Kann der entzündete Ballen (meist an der Außenklaue) nicht ausreichend entlastet werden, ist ein
Klotz auf der Innenklaue (darf den Ballen nicht reizen) für 2 Wochen sinnvoll. Durch das Austrocknen
wird die Krankheit beherrschbar, halbjährliche Klauenpflege verhindert so eine Beeinträchtigung
der Klauengesundheit.
Auch die Klauenfäule ist stark von mangelhafter Hygiene (Feuchtigkeit und Gülle kombiniert)
abhängig. Liegezeiten müssen beachtet werden, Lauf-/Standflächen-Hygiene ist wichtig. Zur
Behandlung muß bei leichten, oberflächlichen Formen trocken gereinigt werden, ein geeignetes
Antibiotika-Spray kommt zum Einsatz. In schwerwiegenden, tiefgreifenden Prozessen muß vom
Tierarzt zusätzlich chirurgisch abgestorbenes und infiziertes Gewebe entfernt werden, Antibiotika
kommen zum Einsatz.
Klauenbäder
Klauenbäder mit den „traditionellen“ Substanzen Formalin, Kupfer-/ Zinksulfat oder Peressigsäure
sind nach dem Arzneimittelgesetz grundsätzlich nicht möglich. Ausnahmen bestehen bei Therapienotstand.
Dann muss die entsprechende Substanz mit tierärztlichem Rezept in einer öffentlichen
Apotheke bezogen werden und es gelten Wartezeiten von 7 Tagen auf Milch und 28 Tagen auf
Fleisch. Dabei muss beachtet werden, dass es sich um Gefahrenstoffe handelt. Bei der Verwendung
von Formalin-Lösungen kann es zu Vergiftungen kommen. Es wird zur Leichenfixation
verwendet und steht im Verdacht, krebserregend zu sein. Formalin kann Klauenhorn sehr stark
austrocknen. Probleme mit Kupfersulfat ergeben bei Kontakt mit feinpudrigen Metallen und Stahl:
es kann zu gefährlichen Reaktionen mit starker Hitzeentwicklung bis zur Entzündung oder zur
Freisetzung von entzündlichen Gasen und Dämpfen kommen. Die korrodierende Wirkung von
Kupfersulfat wird beim Einsatz in der Nähe von Absperrungen etc. im Stall bald sichtbar. Für die

51
Entsorgung von Kupfersulfat und Zinksulfat ist besonders ihre starke Giftigkeit für Wasserorganismen
und schädigende Wirkung in Gewässern von Bedeutung, sie dürfen nicht über die Gülle
entsorgt werden. Der Umgang mit Peressigsäure birgt einige Probleme: Handelsübliche Konzentrate
sind stark ätzend und brandfördernd. Wärme, Schwermetalle, aber auch organische
Substanzen können die Zersetzung fördern. Bereits kleinste Mengen Zigarettenasche, Rost,
Metallspäne, Münzen, ebenso Schmutzlappen, können eine spontane Erhitzung mit anschließender
Selbstzersetzung herbeiführen. Der Industrieverband Hygiene und Oberflächenschutz hat
deshalb eine Broschüre herausgegeben: "Sicherer Umgang mit Peressigsäure".
Die meisten „Fertig-Badlösungen“ enthalten ebenfalls die genannten Substanzen oder bereiten
Probleme bei der Entsorgung. Eine Lösung dieser Probleme wird seit Jahren angestrebt, ist aber
bislang nicht erfolgt (Tierärztekammer, Desinfektionsmittel-Hersteller, Arbeitskreis Klauenpflege
und –hygiene der DLG, etc.).
Anschrift des Autors:
Dr. Andrea Fiedler
Heerstraße 3
81247 München

EIGENE NOTITZEN


12
Hitzestress bei Kühen - Anforderungen der Milchkühe an
sommertaugliche Außenklimaställe
Steffen Pache1; Sylvia Rössner2; Ottfried Hörig1
1Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft, FB Tierische Erzeugung, Am Park 3, 04886 Köllitsch
2Hochschule für Technik und Wirtschaft, FB Landbau / Landespflege, Pillnitzer Platz 2, 01326 Dresden
Problemsicht
Der genetische Fortschritt sowie neue Haltungs- und Fütterungstechnologien in der Milchrindhaltung
ermöglichten in den vergangenen Jahren einen rasanten Anstieg der Milchleistungen auf
über 10.000 l je Tier und Jahr. Dies erfordert in der Hochlaktation eine Synthese von über 50 l
Milch je Tier und Tag. Energetisch betrachtet ist für diese Tagesleistung ein Input von >300 MJ
umsetzbare Energie erforderlich. Gut 2/5 wird während des Stoffwechsels in Wärme umgewandelt,
die von der Hochleistungskuh an die Umgebung abgeführt werden muss. Um das Wärmeentsorgungsproblem
der Milchkuh zu minimieren, wurden in den letzten Jahren wieder verstärkt Außenklimaställe
ohne Wärme gedämmten Wand- und Dachflächen in leichter Bauweise propagiert.
Trotz der verbesserten Sommerluftwechselraten durch den Einbau von Ventilatoren kommt es in
diesen Außenklimaställe an warmen Sommertagen zu Belastungssituationen der Hochleistungskuh
(Futterverweigerung, kein Widerkauen, kurzatmiges Stehen in der Liegebox oder an den Stallöffnungen),
die eine Verringerung der Milchleistung sowie der Gesundheitsstabilität zur Folge
haben (WEIHER u.a. 2003).
In einer vergleichenden Studie wurde das Thermoregulationsverhalten von Hochleistungskühen in
einem Außenklima- und einem geöffneten Massiv-Stalles unter Berücksichtigung der Strahlungstemperatur
(tr) untersucht. An Hand der physiologischen Reaktionen (Radiation, Körperkerntemperatur
und Atemfrequenz) wurden die individuellen Belastungssituationen aufgezeichnet und
im Zusammenhang mit den unterschiedlichen Stallbauweisen diskutiert.
Material und Methode
Eine genaue Analyse der Wirkung des Umgebungsklimas eines Stallgebäudes auf die Wärmebelastung
eines homeothermen Organismus setzt die Kenntnis der Klimagrunddaten – Lufttemperatur,
mittlere Strahlungstemperatur, Luftgeschwindigkeit und absolute Luftfeuchte – und deren
Dynamik voraus. Nach FITZNER (2002) gewinnt die Strahlungstemperatur zur Beurteilung der
thermischen Behaglichkeit im Zusammenhang mit der Schwere der Bauweise an Bedeutung. In
Anlehnung an die Normen zur Messung und Bewertung von warmen Umgebungsklima auf die
thermische Behaglichkeit des Menschen (ISO 7730) wurde die dort beschriebene Methode für den
Tierhaltungsbereich adaptiert.

13
Für die Untersuchung wurden zwei Stallanlagen ausgewählt, die dem Typ des Leichtbau- und des
Massiv-Stalles entsprechen (Tabelle 2). Die Gebäude befinden sich in einer vergleichbaren Klimaregion
und haben eine Nord-Süd-Ausrichtung der Firstlinie. Das Außenklimadaten (Lufttemperatur,
relative Luftfeuchte, Windgeschwindigkeit; Globalstrahlung) wurde an jedem Standort mit einer
agrarmeteorologischen Wetterstation aufgezeichnet.
In beiden Boxenlaufställen wurden jeweils eine Station zur Behaglichkeitsmessung nach ISO 7730
in einer zentralen Liegebox installiert und die Momentanwerte in 10-Minuten-Intervallen über die
Untersuchungsperiode vom April bis September 2005 aufgezeichnet.
Tabelle 2: Charakteristik der Stallanlagen und Stichproben
Leichtbau-Stall (A) Massiv-Stall (B)
Bautyp /
Jahr
Außenklimastall, 1998 Wärmegedämmter L203, 1968
Umbau zum Boxenlaufstall 1996
Stalltyp 2 x 2 reihiger Boxenlaufstall für 126
Kühe, Trauf-First- und Querlüftung,
Breite: 25 m breit; Länge: 62 m
3 + 1 reihiger Boxenlaufstall für 178
Kühe mit Schacht- und Querlüftung,
Breite: 21 m breit; Länge: 74 m
Fussboden Betonspaltenboden, Hochliegeboxen
mit Komfortgummimatten
Betonlaufflächen mit Faltschieber,
Hochliegeboxen mit
Komfortgummimatten
Wände Stallwand bis auf 1,70 m verbrettert,
bis zur Traufhöhe 3,20 m offen;
Nordgiebel: Spaceboard,
Südgiebel: gemauert
Süd-, West und Nordwand aus
Betonschlackesteinen,
Westwand: offenes Fensterband,
Ostwand: vollflächig geöffnet
Dach rote Faserzementplatten mit
integrierten Lichtbändern und
Lichtkuppelfirst
rote Faserzementplatten auf
Brettbinderkonstruktion mit isolierter
Zwischendecke
Stichprobe 25 Hochleistungskühe,
im Mittel 43,7 kg Milch bei 59,4
Laktationstagen
25 Hochleistungskühe,
im Mittel 49,4 kg Milch bei 65,7
Laktationstagen
Die Berechnung der Strahlungstemperatur (tr) erfolgte nach der Gleichung [1] unter
Berücksichtigung der Konvektion.
tr = [( tg + 273 )4 + 2.5 * 108 * va
0.6 * ( tg – ta )]1/4 – 273 [1]
tr = mittlere Strahlungstemperatur in °C nach ISO 7726
tg = Globe- oder Schwarzkugel-Temperatur in °C
ta = Trockentemperatur in °C
va = Windgeschwindigkeit in m/s
Aggregiert zu mittleren Stundenwerten wurden die Stallklimagrößen den jeweiligen Außenklimadaten
zugeordnet. Für die Auswertung konnten 1.824 vollständige Datensätze für 76 Untersuchungstage
genutzt werden.

14
Zur Quantifizierung des Umgebungsklimas auf die Hochleistungskuh wurden in jeder Herde 25
Probanden ausgewählt und mit einer Infrarotbildkamera die individuelle Radiation nach der bei
RÖSSNER (2005) beschriebenen Methode an ausgewählten Tagen in fünf Warmperioden (mind.
drei auf einander folgende Tage mit Tagestemperaturen >25 °C) vermessen. Gleichzeitig wurden
die Körperkerntemperatur (Rektaltemperatur) sowie die Atemfrequenz der Probanden ermittelt.
Ergebnisse
Die Außenklimadaten an den beiden Standorten zeigten in den ausgewerteten Warmperioden bis
auf die Windgeschwindigkeit (D0,53 ±0,96 m/s) keine signifikanten Unterschiede. Am Standort A
wehte der Wind etwa doppelt so stark als am Stall B. Trotzdem wurden im Leichtbau-Stall (A)
signifikant höhere Luft- und Strahlungstemperaturen sowie auch die höhere Windgeschwindigkeiten
gemessen. Die relative Luftfeuchte lag in den beiden Ställen auf vergleichbarem Niveau und
unterschied sich nicht signifikant. (Tabelle 3)
Tabelle 3: Stall- und Außenklimadaten für den Leichtbau- (A) und für den Massiv-Stall (B)
Leichtbau-Stall (A) Massiv-Stall (B)
Tages- Tages-
Einh. Summen Mittel Summen Mittel
Stallklimagrößen
Lufttemperatur (ta) °C 415,0
(±107,9)
17,29
(±4,50)
392,5
(±105,9)
16,35
(±4,41)
Strahlungstemperatur (tr) °C 474,2
(±101,6)
19,76
(±4,23)
421,1
(± 99,3)
17,55
(±4,14)
Windgeschwindigkeit (va) m/s 26,7
(± 5,74)
1,07
(±0,17)
12,5
(± 3,99)
0,52
(±0,17)
Relative Luftfeuchte
(RH)
% 69,44
(±7,09)
72,67
(±7,96)
Außenklimagrößen
Lufttemperatur (ta) °C 351,2
(±112,1)
14,63
(±4,57)
347,8
(±113,2)
14,49
(±4,72)
Globalstrahlung (Rg) W/m² 5406,9
(±1796)
5255,3
(±1619)
Windgeschwindigkeit (va) m/s 57,2
(±22,93)
2,38
(±0,96)
43,1
(±14,39)
1,80
(±0,60)
Relative Luftfeuchte
(RH)
% 70,67
(±7,83)
73,41
(±9,38)
Beim Vergleich einzelner Wetterperioden wurde deutlich, dass trotz höherer Globalstrahlung am
Standort des Massiv-Stalles die mittleren Tagestemperaturen (ta und tr) im Leichtbau-Stall signifikant
höher waren.
An Beispiel eines heißen Sommertages (Tageshöchsttemperatur ~30 °C) aus einer mindesten
3-tägigen Warmperiode wurden die Auswirkungen der Globalstrahlung auf den Wärmehaushalt

15
des Stallgebäudes, auf die Stallklimagrößen sowie auf die Wärmeabstrahlung, die Körperkerntemperatur
bzw. die Atemfrequenz der Hochleistungskühe dargestellt.
Leichtbau-Stall
10,0
15,0
20,0
25,0
30,0
35,0
40,0
0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23
Stunden
ta bzw. tr in °C
0
100
200
300
400
500
600
700
800
900
Globalstrahlung in W/m²
Lufttemperatur Strahlungstemperatur Globalstrahlung
Abbildung 3: Tagesgang der Globalstrahlung sowie der Luft- und Strahlungstemperatur im
Leichtbau-Stall
Im Leichtbau-Stall stieg die Lufttemperatur von 17,2 auf 33,8 °C und die Strahlungstemperatur auf
38,7 °C an. Über 7 Stunden wurden Lufttemperaturen deutlich über den kritischen Wert von 32 °C
im Stall gemessen. Für die auf der Haut der Tiere wirksam werdende Strahlungstemperatur von
über 32 °C hielt die Belastung 10 Stunden an. (Abbildung 3)
Die Kühe verdoppelten bis in die Abendstunden ihre Atemfrequenz (68,2 ±9,7 Züge/min), die
Körperkerntemperatur stieg (39,7 ±0,74 °C)an und die Möglichkeit der Wärmeabstrahlung ging
deutlich zurück.
Die Temperaturverläufe im Massiv-Stall (Abbildung 4) waren dagegen flacher und erreichten nur
Spitzenwerte von 31,3 °C, obwohl höhere Globalstrahlungsspitzenwerte gemessen wurden.
Erwartungsgemäß verblieb die Strahlungstemperatur auf dem Niveau der Lufttemperatur, lag
jedoch in den Nachtstunden leicht darüber, ein Indiz für die Wärmeabgabe der umschließenden
Bauelemente in den Stallraum.
Ebenso wurde nur geringe Anstiege der Atemfrequenz, jedoch kein Anstieg der Rektaltemperatur
bei den Hochleistungskühen im Massivstall beobachtet. Auch war die Wärmestrahlungsintensität
der Massivstall-Probanden signifikant höher als in der Vergleichsgruppe im Außenklimastall.

16
Massiv-Stall
10,0
15,0
20,0
25,0
30,0
35,0
40,0
0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23
Stunden
ta bzw. tr in °C
0
100
200
300
400
500
600
700
800
900
Globalstrahlung in W/m²
Lufttemperatur Strahlungstemperatur Globalstrahlung
Abbildung 4: Tagesgang der Globalstrahlung sowie der Luft- und Strahlungstemperatur im
Massiv-Stall
Fazit
Wie bereits von Haake (2002) dargestellt, ist der Wärmeeintrag in Stallgebäude durch die
Globalstrahlung an warmen Sommertagen erheblich. Bei Leichtbau-Ställen führt dies umso mehr
zur Belastung der Thermoregulationsmechanismen von hoch leistenden Kühen. Bei
Strahlungstemperaturen über 36 °C im Stall kommt die Radiation zum Erliegen, die Atemfrequenz
verdoppelt sich, die Rektaltemperatur steigt individuell über 40 °C und die Kuh kann nur noch über
eine erhöhte Verdunstungsrate die metabolische Wärme abführen.
Bei künftigen Neu- oder Umbauten von modernen Milchvieh-Laufställen wird empfohlen, auf die
Verringerung der Strahlungstemperatur zu achten, z.B. durch ein wärmegedämmtes Dach, dem
Einsatz von Berieslungsanlagen zur Tierkühlung und Kälte speichernden Bauelementen.

17
Literatur
ISO 7726 (2001): Ergonomics of the thermal environment – Instruments for measuring physical
quantities.
ISO 7730 (2003): Ergonomics of the thermal environment – Analytical determination and
interpretation of thermal comfort using calculation of the PMV and PPD indices and local thermal
comfort
Rössner, S. (2005): Untersuchungen zur Thermoregulation von Milchkühen.- Diplomarbeit an der
HTW Dresden (FH), FB Landbau / Landespflege,
Weiher, O.; Flor, J. (2003): Einfluss von Temperatur auf die Milchleistung, Verhaltensnormen für
die Haltung.- Milchpraxis, H. 3, S. 128-131
Anschrift des Autors:
Dr. Steffen Pache
Landesanstalt für Landwirtschaft Sachsen
Am Park 3, 04886 Köllitsch

EIGENE NOTITZEN


1
Gibt es für Milchkühe eine Leistungsgrenze
Prof. Dr. M. Stangassinger
Züchterischer Fortschrift und ein besseres Wissen bezüglich Haltungs- und Nährstoffbedarf haben
das Leistungsniveau in allen Bereichen tierischer Produktion während der letzten Jahrzehnte beträchtlich
ansteigen lassen.
Die Zunahme der Milchleistung pro Laktationsperiode in Milchviehbetrieben in den letzten zwei
Jahrzehnten ist weltweit gut dokumentiert und vom Verlauf her auch in Deutschland beeindruckend.
Trotz Herdendurchschnittsleistungen von > 10.000 kg scheint das Erreichen eines
Leistungsplateaus (als Zeichen einer Leistungsgrenze) noch in weite Ferne gerückt.
Im Unterschied zu dieser positiven produktiven Entwicklung werden seit vielen Jahren, ebenfalls
deutlich zunehmend Reproduktions- und / oder Gesundheitsprobleme beobachtet. So ist einer
Umfrage im deutschsprachigen Raum bei 1.400 Milchviehbetrieben (Lehnert, 2005) zu entnehmen,
dass jeder zweite Betrieb (56,6 %) über Fruchtbarkeitsstörungen klagt. Aber auch Eutererkrankungen
(43 %), Klauenprobleme (41,5 %) und Stoffwechselstörungen (25 %) sehen zahlreiche
Milchviehhalter als großes Problem.
Dass diese Probleme als Leistungsantagonismen gelten und tatsächlich mit der Milchleistung
vergesellschaftet zunehmen, zeigen sowohl diverse langjährig verfolgte eindeutige reziproke
Beziehungen (BUTLER, 2003; LUCY, 2001; ROYAL ET AL. 2000) als auch der deutlich zunehmende
tierärztliche Behandlungsaufwand wie er z.B. in einem langjährig angelegten Milchleistungs
orientierten Selektionsexperiment (Tabelle 1) offensichtlich wird.
Tabelle 1: Finanzieller Behandlungsmehraufwand für in Fruchtbarkeit und Gesundheit
beeinträchtigte S-Kühe (0 – 20 d pp):
1977 – 82 1983 - 87 1988 - 92
Aufwand ($):
Kontroll-Kühe 4,38 2,84 2,98
Mehraufwand (%)
Selektions-Kühe + 45 + 90 + 170
Milchleistungsorientiertes Langzeit-Selektionsexperiment (JONES ET AL. 1994)
• Laufzeit: 1975 – 1990 (16 Jahre)
• Tierzahl: 268 Selektionskühe (S), Leistungsunterschied: +5.200 kg
243 Kontrollkühe (K)
D.h., auch wenn im züchterisch vorangetriebenen Milchertragsanstieg ein Ende (= Abflachung des
Anstieges) noch nicht erkennbar wird, so gibt es doch zunehmend Anzeichen dafür, dass diese
scheinbar noch „grenzenlose Leistungsbereitschaft“ von Milchkühen zunehmend durch Nebenwirkungen
erkauft wird.

2
Allgemeines zur Leistung, dem körperlichen Aufwand und der quantitative Erfassung
Die von einer Kuh in einer bestimmten Zeit erbrachte Milchmenge stellt eine einfach zu messende
Leistung dar. Die Darlegung von Leistungsgrenzen da-gegen scheint ein kaum lösbares Problem.
Denn an der summativen Milchleistung sind zahlreiche, z.T. schwer fassbare Teilprozesse wie die
Herz-Kreislauftätigkeit (mechanische Arbeit), der Transport von Stoffen durch Membranen (osmotische
Arbeit) und vor allem Biosynthesen (chemische Arbeit) beteiligt. Steigende Milcherträge
führen damit auch zu steigenden Belastungen in diesen Teilbereichen.
Als besonders hilfreich für die Darstellung von körperlichen Leistungsgrenzen, und zwar unabhängig
davon, welcher Teilbereich dafür verantwortlich ist, erweist sich die Erkenntnis, dass jeder
lebende Organismus als ein permanent, aber in unterschiedlicher Intensität „arbeitendes“ System
ständig Energie umsetzen muss und deshalb auch ständig im Energieaustausch mit der Umgebung
steht. Für die aerobe Energiegewinnung erfolgt dies nach folgender Reaktionsgleichung:
Nahrung + O2 ® CO2 + H2O + Energie.
Dies bedeutet, dass der Energieumsatz auch eines leistenden Tieres sich nicht nur als Wärmeabgabe
bemerkbar macht (= direkte Kalorimetrie) sondern auch aus dem Verbrauch an Nahrungsenergie,
dem Verbrauch an O2 oder der Produktion von CO2 oder Wasser abgelesen werden kann
(indirekte Kalorimetrie).
Nähert sich der alle leistungsspezifischen Teilprozesse (= Arbeiten) aufsummierende und messbare
Energieumsatz bei steigenden Leistungen allmählich ein Plateau (= Grenzwert), über das
hinaus trotz reichlich verfügbarer Nahrungsenergie eine weitere Energieumsatzsteigerung offensichtlich
nicht mehr möglich ist, so muss dies als das Erreichen der für diesen Leistungstypus
geltenden Leistungsgrenze verstanden werden.
Mit Hilfe dieses dabei gemessenen Energieumsatzwertes (z.B. kJ/d) kann diese Grenze nicht nur
quantitativ beschrieben sondern auch mit den eben so ermittelten Grenzen aller anderen
Leistungstypen verglichen werden.
Gibt es ein allgemein gültiges Prinzip für Leistungsgrenzen bei Säugetieren?
Wenn ein (leistendes) Tier so viel Energie umsetzt, wie es als metabolisierbare Energie mit der
Nahrung aufnimmt, liegt ein ausgeglichenes Energiebudget vor.
D.h., ein bestimmter Anteil der dann beständig metabolisch verfügbaren Energie kann verzehrsbegleitend
beliebig lange, aber (wegen der begrenzten Futteraufnahme) nicht auf jeder beliebigen
Höhe in bestimmte körperliche Arbeiten investiert werden.
Dieses Gleichgewicht ist dann gestört, wenn in Relation zur zu erbringenden Leistung zu wenig
Nahrung aufgenommen wurde. Zum Ausgleich dieses Defizits müssen dann, soweit vorhanden,

3
körpereigene Energievorräte abgebaut werden (= negative Energiebilanz). Da Tiere in ihrer
wechselnden natürlichen Umgebung nicht ständig gleichförmig in ausgeglichener Energiebilanz
leben können, hat sich im Verlauf der Evolution die Fähigkeit etabliert, zwischen einer positiven
(Ansatz von Energiereserven im Futterenergieüberfluss) und einer negativen Energiebilanz
(Mobilisierung von Energierreserven im Futterenergiemangel) zu wechseln.
Auf dieser Basis können dann Leistungen auf deutlich höherem Niveau (Futter- + Reserveenergie)
aber nicht mehr beliebig lange (Reserven sind mengenmäßig begrenzt) in körperliche Arbeiten
investiert werden.
Aus dieser Input / Output - Betrachtung der Energetik tierischen Lebens heraus erscheint es naheliegend
mit den zahlreichen bisher bei Säugetieren gemessenen
Energieumsätzen zu versuchen einen allgemein gültigen Bezug zur Leistungsfähigkeit bzw. zu
Leistungsgrenzen eines Organismus herzustellen. Dazu ist es aber notwendig, die bei diversen
Säugetierspezies unter recht unterschiedlichen Leistungsbedingungen gemessenen und deshalb
sehr divergierenden Energieumsätze zu relativieren, und zwar am jeweilig geltenden Grundumsatz.
Damit wird der Leistungsenergieumsatz als Quotient jeweils ein Vielfaches des Grundumsatzes
beschreiben.
PETERSON ET AL. (1990) haben aus zahlreichen derartig relativierten Energieumsätzen die sich
abzeichnende maximale Leistungsfähigkeit in Abhängigkeit zur Dauer und zur Energiequelle in
einer Grafik (Abbildung 1) wiedergegeben.
Besonders interessant ist dabei, dass bei allen bisher untersuchen Spezies deren ohne Gewichtsverluste,
also ausschließlich über den Nahrungsenergie-Input zustande gekommenen maximalen
Dauerleistungen das 7-fache des Grundumsatzes nicht überschritten (Abbildung 1c).
Die Gründe dafür sind nicht eindeutig bekannt, sie liegen wahrscheinlich zentral im Bereich der
Energieassimilation (Verzehr, Verdauung, Resorption) und weniger peripher, im Bereich der Energieutilisation
(Stoffwechsel, Stoffausscheidung, Wärmeabgabe).
Die besonders frühe und prägnante Gewichtszunahme insbesondere des Dünndarms zur Beseitigung
des Engpasses im Energieinput bei Dauerleistung lassen vermuten, dass insbesondere
der Stofftransport einen wichtigen leistungsbegrenzenden Engpass darstellt.
Eine weitere, markante Steigerung des Energieumsatzes erfolgt bei körperlich besonders aktiven
Tieren (Abbildung 1b). Der dann vorwiegend aus Energiereserven bestrittene Energieumsatz kann
im Mittel das 10-fache des Grundumsatzes ausmachen.
Bei spurtstarken großen Säugetieren (Hund, Pferd, Antilope) kann der Spitzenwert des aeroben
Energieumsatzes kurzfristig sogar das 30-fache des Grundumsatzes ausmachen.

4
Abbildung 1: Maximal möglicher Energieumsatz (relativ zum Grundumsatz) in Abhängigkeit
zur Leistungsdauer und zur Energiequelle (PETERSON ET AL., 1990)
a) Dauer Sekunden bis wenige Minuten:
bis zum > 100 fachen des Grundumsatzes (Reserven, anaerob)
b) Dauer Minuten bis wenige Stunden (Tage):
bis zum 20-30 fachen des Grundumsatzes
(Futter + Reserven, aerob + anaerob)
c) Dauer Tage bis Wochen (Monate):
bis zum 7 fachen des Grundumsatzes (Futter, aerob)
Grundumsatz
max.
Energieumsatz
(Sec) (Minuten – Stunden) (Tage – Wochen)
Dauer
a)
b)
c)
Aber auch bei diesen an hohe Laufleistung angepassten Tieren kann der aerob erzielbare Energiegewinn
nicht beliebig gesteigert werden. Der Gasaustausch an den respiratorischen Oberflächen,
die Transportleistung des Körpers für O2 und die Respirationsleistung der Mitochondrien erlauben
keine noch höhere Energie-Umsatzrate.
Allein auf anaerobem Wege können sehr rasch und nur für sehr kurze Zeiträume (sec. bis min.),
extreme, z.B. motorische Leistungen, initiiert werden, die das 100-fache des Grundumsatzes
ausmachen (Abbildung 1a). Offensichtlich kann die Muskulatur durch die raschere anaerobe
Energiebereitstellung besonders wirkungsvoll unterstützt werden.
Der dabei ebenfalls rasch erreichte extrem hohe (toxische) Laktatspiegel muss anschließend, in
einer leistungsfreien Erholungsphase, wieder abgebaut werden.
Mit anderen Worten, je kürzer ein leistungsbezogener Energieumsatz dauert, desto höher kann
das durch anaerobe Verwertungen von Energiereserven auch sehr rasch erbrachte Leistungsmaximum
sein.

5
Physiologische Charakteristika hoher produktiver Leistung bei Milchkühen
Nun ist aber bekannt, dass einerseits die tägliche Milchmengenabgabe während des Laktationsverlaufes
generell ein diskontinuierliches Ereignis darstellt und andererseits der züchterisch begründete
Leistungsfortschritt der letzten Jahrzehnte bei Milchkühen vorwiegend durch die bevorzugte
Berücksichtigung dieser Diskontinuität (Selektion auf hohe Einsatzleistung) zustande
gekommen ist. Damit war wegen der besonderen Dynamik der initialen Milchabgabe (Laktationsmaximum
bereits zwischen 4.-6. Woche p.p.) eine ausschließlich auf der Futterenergieaufnahme
basierende Milchleistung unmöglich geworden. Die Tiere müssen vorübergehend Energiereserven
mobilisieren (= negative Energiebilanz), um das aus dem leistungsinadäquaten Verzehr resultierende
Energiedefizit zu kompensieren.
Obgleich die überwiegend auf Fettmobilisierung beruhenden Lebendmasseverluste einer Milchkuh
in den ersten 9 Laktationswochen durchaus 15-20 % ausmachen können und energetisch dann ein
Viertel der in diesem Zeitraum erzeugten Milch ermöglichen können, werden derartige durchaus
beeindruckenden negativen Energiebilanzen vom Umfang her z.B. von laktierenden großen
Meeressäugern noch weit übertroffen. Bei zum Teil vollständigem Verzicht auf jegliche Futteraufnahme
erreichen die initialen Lebendmasseverluste dieser laktierenden Tiere 40% (OFTEDAL,
1993).
Die Initiierung und Aufrechterhaltung der Energie-Imbalanz bei frisch laktierenden Tieren wird wie
bei jeder anderen Energiemangelsituation auch von charakteristischen, simultanen Konzentrationsveränderungen
beim Insulin (INS), Glucagon (GLN) und Wachstumshormon (STH) im Blut
begleitet. Insbesondere möglichst niedrige molare Konzentrationsquotienten dieser Stoffwechselhormone
(INS/GLN und INS/STH) sind es, die einen maximalen Nährstofffluss in Richtung Milchdrüse
gewährleisten. Demzufolge haben erwartungsgemäß die höher leistenden Kühe jeweils
initial postpartal die niedrigeren Quotienten aufzuweisen (STANGASSINGER, 2006). Eine zentrale
Rolle nimmt dabei der postpartale Konzentrationsabfall von Insulin im Blut ein, dessen Intensität
maßgeblich den initialen Leistungsstatus der Tiere widerspiegelt. Denn immer dann, wenn Insulin
besonders niedrig ist, existiert auch eine besonders enge Beziehung zur Höhe der Milchleistung.
So beträgt der Korrelationskoeffizient r zwischen Insulin und der 100 d - Milchleistung (kg FCM) in
der 2., 3. und 4. Laktationswoche -0,882 (p < 0,001), -0,586 (p < 0,05) und -0,558 (p < 0,05)
(STANGASSINGER, 2006).
Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass bei laktierenden Kühen mit dem Mangel an Insulin
offensichtlich auch eine Insulin-Resistenz einhergeht, und zwar parallel zum Insulin-Konzentrationsabfall
ebenfalls bereits wenige Wochen vor dem Kalben einsetzend (Stangassinger, 2006).
Das heißt, die metabolische Präferenz der in ihrem Stoffwechsel insulinunabhängigen laktierenden

6
Milchdrüse wird durch zwei sehr effiziente Mechanismen bestimmt: Dem Insulin-Mangel und der
Insulin-Resistenz.
Aus der vorgeburtlich bereits beginnenden Konzentrationsabnahme von Insulin und dessen
Rezeptorenverhalten muss man den Schluss ziehen, dass das initiale laktationsspezifische Ungleichgewicht
im Energiestoffwechsel der Milchkuh ein unausweichlicher, weil hormonal vorbestimmter
Vorgang ist, bei dem lediglich die Intensität der postpartalen Manifestation durch die
Höhe der Milchleistung und durch das Ausmaß der Fettspeicher beeinflusst wird.
Offensichtlich wird die im Verlauf der Evolution entstandene, inzwischen genetisch verankerte und
vorwiegend durch Veränderungen beim Insulin (s.o.) getragene metabolische „Überlebensstrategie
für Energiemangelsituationen“ auch zur metabolischen Absicherung des initialen Milchbildungsprozesses
genutzt und liefert damit auch die physiologische Grundlage für den so erfolgreichen
leistungsorientierten Zuchtfortschritt bei Milchkühen.
Sind Leistungsantagonismen erste Anzeichen für das Erreichen von Leistungsgrenzen?
Entsprechend dem in Abbildung 1 aufgezeigten Zusammenhang zwischen maximalem Energieumsatz
und dessen Dauer sowie den dabei genutzten Energiequellen (Futter und/oder Reserven)
sollten aufgrund der geschilderten metabolischen Gegebenheiten für den diskontinuierlichen
Laktationsverlauf von Hochleistungskühen mindestens zwei verschiedene Leistungsgrenzen
gelten.
Für die fortgeschrittene Laktation (> 15 Wochen), in welcher der leistungsabhängige Dauer-
Energieumsatz ausschließlich über die aufgenommene Futterenergie zustande kommt (= ausgeglichene
Energiebilanz), muss der für Dauerleistungen (ohne Gewichtsverlust) generell geltende
Grenzwert von 7 x Grundumsatz angesetzt werden. Wie die Energieumsatz-Berechnungen z.B. für
eine 10.000 kg - Laktation zeigen, wird dieser Wert nach dem Laktationsgipfel, in der Phase der
bereits wieder deutlich abnehmenden täglichen Laktationsleistung noch lange nicht erreicht
werden.
Weit aus interessanter, weil auch komplexer in Ablauf und Regulation, ist die initiale Phase der
täglich ansteigenden Milchleistung und des erreichten Laktationsgipfels.
Hier können bei Spitzenkühen (z.B. mit 60 kg/d in der 4.-6. Woche) kurzfristig maximale Energieumsätze
(unter der Einbindung von Energiereserven) erreicht werden, die mit einem Wert von z.B.
7,9 deutlich über diesem Grenzwert von 7 x Grundumsatz für Dauerleistungen zu liegen kämen.
D.h., auch wenn die für die Lokomotion geltenden Leistungsgrenzen von bis zu 30 x Grundumsatz
(s. Abbildung 1b) in der Anfangsphase der Laktation bei weitem noch nicht erreicht sind, so gibt es

7
doch - wie eingangs gezeigt - zunehmend Anzeichen dafür, dass diese scheinbar noch „grenzenlose
Leistungsbereitschaft“ von Milchkühen mit „Nebenwirkungen“ erkauft wird.
Sucht man nach biologischen Erklärungen für die funktionelle Ausprägung derartiger zur produktiven
Leistung antagonistischer Merkmale, so scheint am plausibelsten die so genannte
„Ressource Allocation Theory“ (Rauw et al., 1998). Diese postuliert unter dem Aspekt steigender
Leistungen bei begrenzter Ressourcenverfügbarkeit einen Wettbewerb - mit vorprogrammiertem
Ausgang - um die Ressourcen zwischen Leistungs- und anderen Merkmalen.
Ausgehend von dieser sehr grundlegenden Betrachtungsweise kann z.B. Wachstum als das
Ergebnis zunächst einer Hyperplasie (Anstieg der Zellzahl) und nachfolgend einer kompetitiven
Hypertrophie (Anstieg von Zellgröße und Zellvolumen) seiner verschiedenen Gewebe gelten. D.h.,
ist ein Gewebe erst einmal differenziert, so wird sein weiteres Wachstum aber auch seine
Funktionsbereitschaft zu einem relativen Ereignis, und zwar basierend auf der Verfügbarkeit z.B.
von Energie und der Essenzialität jedes einzelnen Gewebes für das Überleben des gesamten
Individuums.
So hat man beispielsweise davon auszugehen, dass besonders stoffwechselaktive und wichtige
Gewebe wie das Nervensystem oder der Verdauungstrakt mit einer relativ hohen genetisch
determinierten Priorität ausgestattet sind (Abbildung 2).
Bezieht man in diese hierarchische Betrachtungsweise der nutritiven Versorgung von Geweben
deren Funktion mit ein, so wird verständlich, dass Energieimbalanzen in den verschiedenen
Feldern tierischer Produktion funktionell recht unterschiedlich ausfallen können. So dürfte einer der
Hauptgründe dafür, dass Nutztiere in der Regel ihr genetisches Wachstumspotenzial nie voll
ausschöpfen, darin zu sehen sein, dass sie ständig mehr oder minder intensiv „Belastungen“
ausgesetzt sind, in deren Folge nicht nur Nährstoffe umgeleitet, sondern auch anabole Prozesse
unterbrochen oder gar katabole Stoffwechselaktivitäten initiiert werden.
Während also in der Mast Wachstumseinbußen generell recht rasch offensichtlich werden, treten
Einbrüche in der Milchproduktion erst bei sehr marginaler Energieverfügbarkeit auf. Insbesondere
Fruchtbarkeitsstörungen im Sinne einer gestörten Ovarfunktion und/oder auch Beeinträchtigungen
des Gesundheitsstatus werden, wie die Praxis in Milchviehbetrieben zeigt, bei begrenzter Energieverfügbarkeit
viel früher zu einem echten, auch ökonomisch spürbaren Problem.

8
Abbildung 2: Priorität der Nährstoffzuleitung
Nährstoffe im Blut oder extrazellulärer Flüssigkeit
niedrig Ernährungsniveau hoch
niedrig
hoch
Priorität der Nährstoffzuteilung
Stoffwechselrate
hoch
niedrig
Fettgewebe
Muskulatur
Knochen
Verdauungs
trakt
Nerven
system
Gewebe
Ovulation
Mammogenese
Eiablage
Geburt
Laktation
Vitalfunktionen:
Thermo-, Osmoregulation
Hz- Kreislauf-Regulation
Reizleitung
Bewegung
Wachstum
Immunität
Funktion
Genetik Umwelt Einfluss
Der Befund, dass nur in der Frühphase der Laktation die Energieverteilung homöorethisch bzw.
teleorethisch, d.h., mit vorübergehend bevorzugter Ausrichtung auf die Milchbildung, reguliert wird,
lässt vermuten, dass insbesondere dem Fettgewebe, das in der geburtsnahen Phase wechselnden
massiven strukturellen und metabolischen Veränderungen unterworfen ist, eine entscheidende
Rolle als Initiator und Modulator dieses hierarchisch ausgerichteten Ungleichgewichtes zukommt.
Diese Vermutung stützt sich auf Erkenntnisse der letzten 10 Jahre, durch die das Fettgewebe
neben seiner klassischen Rolle als Energiespeicher eine ganz wesentliche Erweiterung in regulativer
und integrativer Hinsicht erfuhr. So hat man derzeit davon auszugehen, dass Fettzellen neben
parakriner insbesondere auch endokrine Potenz zeigen und, dass das Fettgewebe, auch im
Hinblick auf die Zahl der abgegebenen regulativen Produkte, als das größte endokrine Organ
betrachtet werden muss (KERSHAW & FLIER, 2004).
Zusätzlich zu diesen efferenten Signalen exprimiert die Fettzelle auch zahlreiche Rezeptoren, die
ihr erlauben Signale von den traditionellen endokrinen Organen und/oder vom ZNS wahrzunehmen.
D.h., das Fettgewebe hat neben dem biologisch wichtigen Prinzip der Energiespeicherung
bzw. -abgabe die regulative Ausstattung, die eine Kommunikation mit anderen Organen bzw.
Geweben erlaubt (LAFONTAN, 2005).

9
Überträgt man die von Untersuchungen an Labortieren und dem Menschen her bekannten, durch
Fettdepots initiierten Ereignisse auf den peripartalen Zeitraum der Milchkuh (s. STANGASSINGER,
2006), so könnte über die i.d. Regel antepartum reichlich angefüllten Fettspeicher und der davon
ausgehenden humoralen Verbreitung von regulatorischen „Fettgewebs-Produkten“ der extramammäre
metabolische Zustand frisch laktierender Kühe durchaus eine sinnvolle ursächliche
Erklärung finden.
Ausblick
Der Fortbestand und die erfolgreiche Weiterentwicklung der Klasse der Säuger seit dem Ende des
Mesozoikums wäre nicht möglich gewesen, wenn angesichts der dafür lebensnotwendigen Aufgaben
der Milch nicht auch im Muttertier bereits vor oder spätestens mit einsetzender Laktation die
Sicherstellung einer ausreichenden und qualitativ hochwertigen Milchmenge eine hohe physiologische
Priorität einnehmen würde. D.h., es musste weitgehend unabhängig von Höhe und Qualität
der Nährstoffversorgung des Muttertieres nicht nur der Nähr- und Wirkstoffexport über die Milch als
physiologischer Ablauf etabliert, sondern auch regulatorisch mit hoher Priorität gegenüber anderen
physiologischen Prozessen abgegrenzt werden. Vorrangiges Ziel in der Evolution der Säugetiere
musste es sein den Laktationsprozess in seiner Komplexität beim Muttertier insbesondere initial
sicherzustellen, also zu einer Zeit, in der die Milch für die Nachkommen das einzig verwertbare
„Lebensmittel“ darstellt und gleichzeitig oft auch die Futteraufnahme zur Deckung der Energieausgaben
für diese Lei-stung nicht ausreicht oder ganz entfällt.
Derartige extreme Stoffwechselbesonderheiten sind aber nur zu erreichen, wenn im Muttertier
Bau- und Brennstoffreserven vor einsetzender Laktation eingelagert worden sind und während der
Laktation eine kompetitive Nährstoffverteilung mit einer Bevorzugung nicht nur der für das
Muttertier lebensnotwendigen Gewebe und Organe sondern auch der Milchdrüse erfolgt. Diese
metabolische Priorisierung der Milchdrüse im kompetitiven „Wettstreit“ der Gewebe, die ihrem
biologischen Sinn nach als Säugetier spezifische „Überlebensstrategie“ zu betrachten ist, macht
Zweierlei verständlich:
1. Die bei Kühen in den letzten Jahrzehnten erreichte züchterische Leistungssteigerung, die
maßgeblich von der Einsatzleistung bzw. der Leistung der ersten 100 Tage (Heritabilität:
0,25 – 0,35) getragen wurde, erfolgte unter Nutzung evolutionär bewährter Vorgaben und
ist deshalb auch heute noch fortsetzbar.
Tatsächlich lässt sich bei den wichtigsten Milchviehrassen weltweit immer noch ein deutlich
positiver Trend zu höheren Milchleistungen feststellen.
2. Die hohe Priorität der Milchdrüse im kompetetiven „Wettstreit“ der Gewebe um Energie
macht auch verständlich, dass Energiereserven zur Erbringung des Energieumsatzes in

10
der Phase der steil ansteigenden Laktationsleistung mobilisiert werden müssen, obwohl
gleichzeitig eine Häufung von spezifischen Gesundheits- und Fruchtbarkeitsproblemen zu
beobachten ist, die in einen kausalen Zusammenhang zur Höhe der negativen Energiebilanz
in diesem Zeitraum gebracht werden können.
Da die Zunahme von produktionsbedingten Problemen (Leistungsantagonismen) in den ersten
Laktationswochen inzwischen auch den wirtschaftlichen Erfolg eines Milchviehbetriebes spürbar
schmälert, wird im Bereich der Leistungszucht ein Konzept aufgegriffen, bei dem die in einer
Laktationsperiode erbrachte Gesamtleistung weniger über die Einsatzleistung sondern zu höheren
Anteilen aus einer persistenteren Laktationsleistung, z.B. in den letzten 200 Laktationstagen,
stammt.
Positive Erfahrungen im Sinne einer allgemeinen Leistungssteigerung um bis zu 10 - 20 % durch
Verbesserung der Persistenz beziehen sich bisher vorwiegend auf experimentelle Ansätze, z.B. im
Zusammenhang mit einem frequenteren (3-4 maliger) täglichen Milchentzug oder mit der Applikation
von Wachstumshormon (bGH) z.B. zwischen der 10. und 30. Laktationswoche.
Studien, welche die züchterisch nutzbare natürliche Persistenz als Möglichkeit der Leistungssteigerung
zum Ziele hatten, fanden Heritabilitätswerte von 0,10 bis 0,20. Dies lässt vermuten,
dass eine konsequente Ausrichtung künftiger Zuchtziele auf Dauerleistung mit einer flacheren,
plateauartigen Laktationskurve nicht denselben Erfolg haben wird wie die bisherige Ausrichtung
auf Einsatzleistung. Der Grund für diese genetisch fixierte ungleiche phänotypische Gewichtung
des Anfangs- bzw. Endbereiches des Laktationsverlaufes wird dann verständlich, wenn man in
seiner Argumentation wieder zurückkehrt auf die eigentliche biologische Sinnhaftigkeit der
Laktation. Offensichtlich hat Milch in der zur Verfügung stehenden hohen Nährstoffqualität und der
äußerst effizienten Wirkstoffkombination ihren besonderen Wert für den Fortbestand von Säugetieren
dann, wenn sie nach der Geburt als einzige oder noch überwiegend verzehrte Nahrungsquelle
zur Verfügung steht. Ihr Wert für den Erhalt der Nachkommenschaft wird dann immer
weniger, wenn Milch nur noch als „Beibrot“ bei deutlich angestiegener Aufnahme von fester
Nahrung fungiert.
Die Kosten-Nutzen-Relation aus der Sicht des Muttertieres im Zusammenhang mit dem über die
Laktation garantierten Fortbestand der Säugetiere ist demnach nur dann ideal, wenn die lakationsbedingten
Investitionen mütterlicherseits die Überlebenschancen des Säuglings eindeutig erhöhen
und gleichzeitig die dafür notwendigen metabolischen Investitionen die mütterlichen Fähigkeiten in
weitere Nachkommen zu investieren nur vorübergehend einschränken.

11
Aus physiologischer Sicht beruht der bei Kühen sich abzeichnende rasche Milchleistungsanstieg
auf ein Maximum zwischen 4.-6. Woche funktional auf einer deutlichen Zunahme der Zellaktivität in
der Milchdrüse. In der Phase der wieder abflachenden Laktationsleistung wird dieser hohe Aktivitätsstatus
bei den noch sezenierenden Zellen beibehalten, aber die Zahl dieser Zellen nimmt fortschreitend
ab, und zwar aufgrund einer Imbalanz zwischen Zellproliferation und Zelltod. Diese
Vorgänge sind zum großen Teil unter lokaler intramammärer Kontrolle und dabei direkt abhängig
von der Menge an gespeicherter Milch und der damit zunehmenden Menge an apoptotischen bzw.
antiproliferativen Faktoren.
Eine Zucht auf Persistenz könnte dementsprechend nicht wie bisher, bei der Selektion auf hohe
Einsatzleistung, physiologisch vorgegebene Abläufe nutzen und züchterisch ausbauen sondern
müsste gegen physiologische Vorkehrungen, wie die einer bereits früh im Laktationsverlauf
einsetzenden Milchdrüsengewebe-Rückbildung erfolgen. Zwar könnte bei diesem züchterischen
Vorgehen die initiale Nährstoffkonkurrenz der Gewebe gemildert und die Ausprägung von
Leistungsantagonismen allmählich eingeschränkt werden. Jedoch wird ein markanter und beständiger
züchterischer Erfolg beim Milchertrag dadurch unvergleichlich schwerer zu erreichen sein.
Besonders interessant, weil einfach zu realisieren und gleichzeitig spontan in seiner Auswirkung,
ist der kürzlich vorgestellte experimentelle Ansatz (PATTON ET AL., 2006) HF-Spitzenkühe während
der ersten 4 Laktationswochen nur 1 x zu melken. Bei einer Einbuße nur im Milchmengenertrag
von insgesamt ca. 10 % wurden die initiale Energiemangelsituation und die davon ausgehenden
„Nebenwirkungen“ in Fruchtbarkeitsgeschehen erheblich gemildert.
Die zitierte Literatur kann beim Autor angefordert werden.
Anschrift des Autors:
Prof. Dr. Manfred Stangassinger
Institut für Physiologie, Physiologische Chemie und Tierernährung, LMU
Veterinärstr. 13
80539 München


18
Eutergesundheitsmonitoring
– Eutergesundheit „Datenerhebung“
Prof. Dr. Klaus Fehlings
Einleitung
Nachhaltigkeit ist ein die Zukunftssicherung der Gesundheit beherrschendes Prinzip, das an
sämtliche Lebensbereiche große Anforderungen stellt. Für die Produktion von Nahrungsmitteln
und die Sicherung der Gesundheit und des Wohlbefindens landwirtschaftlicher Nutztiere, des
Verbraucher- und Tierschutzes ergibt sich daraus eine besondere Herausforderung, da einerseits
eine höhere Produktivität erforderlich ist, um die Bevölkerung ausreichend zu ernähren, andererseits
dem Prinzip der Nachhaltigkeit entsprochen werden muss.
Die Erzeugung qualitativ hochwertiger und gesundheitlich unbedenklicher Lebensmittel ist ein
gesellschaftspolitisches Anliegen. Der Begriff Qualität ist allgemein definiert als die Summe aller
Eigenschaften eines Objektes in Bezug auf seine Eignung für bestimmte Zwecke. Qualität
bezogen auf bestimmte Bereiche, definiert sich immer zweckorientiert. Auf das Lebensmittel Milch
übertragen bedeutet dies, Rohmilch muss frei von pathogenen Mikroorganismen, mikrobiellen
Toxinen und Rückständen (z.B. Arzneimittel, chemische Wirkstoffe, Rückstände aus der Umwelt,
Schwermetalle oder radioaktive Zerfallsprodukte) sein. Rohmilch muss einen niedrigen Keimgehalt,
einen hohen Nährwert, eine gute Haltbarkeit, gute sensorische Eigenschaften, einen
niedrigen Gehalt an Verderbniserregern und eine niedrige Herdensammelmilchzellzahl haben.
Eutergesundheitsmonitoring
Eutergesundheit ist kein statischer oder stabiler Prozess, Mastitiserreger können jederzeit sowohl
aus der Umwelt in der Zwischenmelkzeit als auch während des Melkaktes von Kuh zu Kuh übertragen
werden. Eine keimfreie und damit Mastitiserreger freie Umwelt ist nicht realisierbar. „Euter-„
oder „umwelt-assoziierte“ Mastitiserreger können akute klinische oder aber auch verdeckte subklinische
Mastitiden ausbrechen lassen. Beide Mastitisformen bewirken massive wirtschaftliche
Schäden. Die subklinische Mastitis des Rindes, die für etwa 90% aller nachweisbaren Fälle steht,
ist eine Faktorenerkrankung, die ein schweres Herdenproblem verursacht. Faktoren, die zu Mastitiden
führen, können von Außen (z.B. Fehler oder Mängel im Melk- und Hygienemanagement) oder
Innen (z.B. Allgemeinerkrankungen) auf die Tiere einwirken. Stress durch den fehlerhaften
Umgang mit den Tieren, aber auch Mängel im täglichen Melkablauf oder der Melkroutine,
entwickeln, beeinflussen oder beschleunigen ein Krankheitsgeschehen.

19
Der Einblick in relevante Bereiche eines Bestandes und der im Bestand durchgeführten Maßnahmen
zum Erreichen des Ziels, der sicheren Nahrungsmittelproduktion und dem Erhalt als auch der
Stabilisierung der Tiergesundheit, setzt genaues Beobachten, strikte Analysen und eine entsprechend
fundierte Dokumentation voraus. Eine Tier- und Melkanlagenanalyse mit Untersuchungen
und Erhebungen zu Melkverfahren, zur Melkhygiene und Melktechnik trägt dazu bei, das Wohlbefinden
der Milchkühe zu sichern und zeigt innerbetriebliche Verbesserungsmöglichkeiten in den
Produktionsbedingungen und im Produktionsablauf auf.
Um eine Kenntnis über den aktuellen zytologisch-mikrobiologischen Status auf der Viertelebene im
Milcherzeugerbestand zu erhalten, ist die korrekte Entnahme einer Milchprobe sowie die sichere
Beurteilung des Milchsekretes und des Schalm-Mastitis-Tests (SMT) unerlässlich. Der SMT wurde
vor fast 50 Jahren als Stalltest für den Nachweis subklinischer Euterentzündungen entwickelt. Der
diagnostische Wert des Tests zur indirekten Zellzählung ist nach wie vor unbestritten. Unter guten
Bedingungen können vom geübten Untersucher abhängig von der Höhe des Zellgehaltes
(> 100.000 Zellen/ml Milch) Ø 95% der subklinisch entzündeten Euterviertel erkannt werden. Dies
unterstreicht, dass der SMT ein geeignetes Verfahren für die Mastitisfrüherkennung auf der Ebene
eines Euterviertels ist (Redetzky et al., 2004).
Milchproben können auf der Euterviertelebene als Fraktionsproben (Viertelanfangsgemelke,
Viertelendgemelke) oder als Viertelgesamtgemelke verwendet werden. Für mikrobiologische
Untersuchungen im Rahmen der Mastitisdiagnostik sind grundsätzlich Proben als Viertelanfangsgemelke
zu entnehmen, die Einhaltung antiseptischer Bedingungen ist unerlässlich. Darüber
hinaus ist eine standardisierte Handhabung und Lagerung der Proben sicherzustellen. Die
Probenahmegefäße müssen steril und mit dicht schließenden Verschlüssen versehen sein. Die
Reinigungstupfer sollten mit 70 %-igem Alkohol (vorzugsweise Ethylalkohol) getränkt werden. Ein
Konservierungsmittel kann bei Bedarf oder der Witterung entsprechend zugesetzt werden. Die
klinische Untersuchung des Euters sollte unmittelbar nach dem Ausmelken erfolgen. Klinische
Befunde sowie die Gewebebeschaffenheit von Zitze und Zitzenkuppe sollten auf dem Untersuchungsantrag
protokolliert werden (DVG, 2000).
Die Untersuchungen tragen wesentlich dazu bei, Kenntnis über Bestandssituationen, das Erregervorkommen
aber auch die Resistenzlage in Milcherzeugerbeständen zu erhalten. Eine Auswertung
in Bayern über sieben Jahre hinweg aus annähernd 871.300 zytologisch-mikrobiologisch untersuchten
Milchproben zeigte auf, dass etwa 33% der beprobten Euterviertel aufgrund eines erhöhten
Zellgehaltes im SMT positiv reagierten, während nur rund 25% dieser Viertel mikrobiologisch
besiedelt waren. Mögliche Gründe für einen negativen mikrobiologischen Befund können darin

20
bestehen, dass der Erreger zum Zeitpunkt der Untersuchung nicht oder in einer routinemäßig nicht
erfassbaren Menge ausgeschieden wird, der Erreger vorhanden, aber durch spezifische Abwehrvorgänge
im Euter nicht nachweisbar ist, der Erreger aufgrund einer Vorbehandlung nicht nachweisbar
ist, bei einer Routinebehandlung nicht erfasst wird oder dass die Ursache des abnormen
Zellgehaltes nicht durch Mikroorganismen bedingt ist.
Bei positiven Erregernachweisen dominieren in Bayern nach wie vor euterspezifische Mastitiserreger
(„kuh-assoziiert“ mit 35,5% Gesamtanteil) wie Staphylococcus aureus (21,9%), Streptococcus
agalactiae (der Erreger des „Gelben Galts“) mit 3,3% oder äskulin-negative Streptokokken
(10,2%) das Geschehen, während Umwelterreger („umwelt-assoziiert“ mit 27,0% Gesamtanteil)
wie z.B. äskulin-positive Streptokokken (24,6%) oder Escherichia coli (1,9%) aufgrund der vorherrschenden
Betriebsstruktur und Betriebsgröße noch nicht so stark Fuß fassen konnten wie in
den Laufställen der Großbeständen im Norden und Osten Deutschlands (Abbildung 5). Koagulasenegative
Staphylokokken (KNS) nehmen mit 33,3% der Erregernachweise eine Zwischenstellung
ein. Sie werden aufgrund der Nachweishäufigkeit bei subklinischen Mastitiden mittlerweile fallweise
vom EGD in Bayern aber auch anderen Untersuchern (gehäufter Nachweis bei Färsenmastitiden)
den „kuh-assoziierten“ Mastitiserregern zugeordnet. Fast 99.780 Untersuchungen zur
Penicillinempfindlichkeit von Staphylokokken als Gradmesser für einen gezielten verantwortungsvollen
Umgang mit Arzneimitteln zur Mastitisbehandlung zeigten mit einer durchschnittlichen
Empfindlichkeit von ca. 71% über die Jahre hinweg eine deutliche Konstanz und unterstreichen die
Bedeutung der Erstanwendung so genannter „Altmedikamente“ bei Kenntnis der Resistenzlage
(Fehlings, 2007).
Die subklinische Mastitis des Rindes, die massive Herdenprobleme verursacht, ist nicht isoliert als
zytologisch-mikrobiologisches Problem zu verstehen. Die Analyse dieser Faktorenerkrankung und
die innerbetriebliche Umsetzung von Beratungsempfehlungen zur Verbesserung des Hygienemanagements
hat zum Beispiel bei einer Auswertung von wiederholten Betriebsbesuchen
aufgezeigt, dass aufgrund einer gezielten Beratung beim Erstbesuch bei einer Nachkontrolle der
Beanstandungsgrund „Hygienemängel“ (u.a. im Vormelken, der Melkreihenfolge, der Zitzenreinigung
und Zitzendesinfektion) um über 23% (von 70,7% auf 47,4%) reduziert werden konnte.
Die Eutergesundheit dieser betreuten Problembestände hat sich gemessen an der Herdensammelmilchzellzahl
als Leitparameter für die Entwicklung der Eutergesundheit im gleichen Zeitraum
(i.d.R. in einem Zeitraum von ca. acht bis 12 Wochen) verbessert (Rückgang von 308.000 auf
235.000 Zellen/ml Milch). Die Analyse hat auch unterstrichen, dass häufigere Besuche die
Nachhaltigkeit dieses Effektes noch verstärken. Neben Hygienemängeln und Fehlern oder
Mängeln an der Melkanlage (27,7%) hatten Managementfehler (1,3%) eine untergeordnete
Bedeutung. Fehler und Mängel bestanden einzeln oder in Kombination untereinander.

21
35,5
21,9
3,3
10,2
27,0
24,6
1,9
0,6
33,3
4,2
0
20
40
Prozent
Auswertung mikrobiologischer Untersuchungen in Bayern, 2000 - 2006 (n = 871.319)
"Kuh-assoziierte" Erreger
S.aureus
S. agalactiae
äsk. Strept. neg.
"Umwelt-assoziierte" Erreger
äsk. Strept. pos.
E. coli
sonst. Enterobacteriaceae
KNS
Sonstige
Abbildung 5: Auswertung mikrobiologischer Untersuchungen in Bayern
Schlussfolgerungen
Bestandsanalysen haben den Bedarf der umfassenden langfristigen Auslegung für ein Eutergesundheitsmonitoring
unterstrichen. Die fachliche Beurteilung bewertet die Kenntnis des
zytologisch-mikrobiologischen Status sowie die korrekte Durchführung eines Euterhygienemanagements
als wesentlichen Bestandteil eines Qualitätsmanagements. Sie hat auch aufgezeigt, dass
beliebige Einzelmaßnahmen keine Gewähr zur Stabilisierung oder Verbesserung der Eutergesundheit
und Milchqualität bieten.
Die zitierte Literatur kann beim Autor angefordert werden.
Anschrift des Autors:
Prof. Dr. Klaus Fehlings
Fachgebiet Eutergesundheitsdienst und Milchhygiene
Tiergesundheitsdienst Bayern e.V., Grub
Senator-Gerauer-Str. 23, D 85586 Poing

1
Jahrestagung der Wissenschaftlichen
Gesellschaft der Milcherzeugerberater e. V.
am 17. und 18.10.2007
Durchführung des gemeinschaftlichen und
nationalen Lebensmittelhygienerechts auf
dem Gebiet der Milcherzeugung
18.10.2007 Dr. Karin Schindler 2
Verordnung (EG) Nr. 178/2002
• Anforderungen an die Lebensmittelsicherheit, Verbot des
Inverkehrbringens nicht sicherer Lebensmittel
Artikel 14
• Zuständigkeit des Lebensmittelunternehmers für die Einhaltung der
einschlägigen Rechtsvorschriften
Artikel 17
• Gewährleistung der Rückverfolgbarkeit
Artikel 18
• Verantwortung des Lebensmittelunternehmers für die Rücknahme
nicht sicherer Lebensmittel
Artikel 19
2
18.10.2007 Dr. Karin Schindler 3
Verordnung (EG) Nr. 852/2004
Artikel 4 Abs. 1 in Verbindung mit Anhang I Teil A
Artikel 6 Abs. 2:
• Meldung des Betriebes zwecks Eintragung bei der zuständigen
Behörde (Veterinäramt)
Allgemeine Hygienevorschriften
• Anlagen zur Lagerung und Behandlung von Futtermitteln
angemessen reinigen, ggf. desinfizieren
• Sauberkeit der Tiere soweit möglich sicherstellen
• Verwendung von sauberem Wasser, erforderlichenfalls Trinkwasser
• Personal muss gesund sein und in Bezug auf Gesundheitsrisiken
geschult
18.10.2007 Dr. Karin Schindler 4
Verordnung (EG) Nr. 852/2004
Artikel 4 Abs. 1 in Verbindung mit Anhang I Teil A
Allgemeine Hygienevorschriften
• Getrennte Lagerung von Abfällen und gefährlichen Stoffen
• Schutz der Primärerzeugnisse vor Kontamination
• Schädlingsbekämpfung
• Überwachung und Bekämpfung von Zoonosen
• Sicherheitsvorkehrungen beim Einstellen neuer Tiere zur
Verhinderung der Krankheitsübertragung
• Berücksichtigung der Ergebnisse von Probenanalysen (von Tieren,
Futtermitteln oder anderen z. B. Milch)
• Vorschriftsmäßige Tierarzneimittelanwendung
3
18.10.2007 Dr. Karin Schindler 5
Verordnung (EG) Nr. 852/2004
Artikel 4 Abs. 1 in Verbindung mit Anhang I Teil A
Buchführung
• Art und Herkunft der Futtermittel
• Verabreichte Tierarzneimittel, sonstige Behandlungen
• Aufgetretene Krankheiten der Tiere
• Ergebnisse von Probenanalysen
dazu gehören Ergebnisse der Milch-Güteuntersuchungen
• Maßnahmen, die zur Eindämmung von Gefahren getroffen werden
zum Beispiel Vorkehrungen, die Ausschluss behandelter Kühe von
der Milchgewinnung gewährleisten
18.10.2007 Dr. Karin Schindler 6
Verordnung (EG) Nr. 853/2004
Artikel 3 in Verbindung mit Anhang III Abschnitt IX
Kapitel I Rohmilch – Primärproduktion
• Anforderungen an die Tiergesundheit
– Frei von Anzeichen einer Infektionskrankheit, die auf Menschen
übertragbar ist
– Keine Anzeichen einer Allgemeinerkrankung, insbesondere keine eitrige
Genitalinfektion, keine Magen-Darm-Erkrankung mit Durchfall, kein
Fieber, keine Euterentzündung
– Keine Euterwunden
– Brucellosefrei
– Tuberkulosefrei
• Keine Verabreichung nicht zugelassener Stoffe
• Einhaltung der Wartezeit bei Verabreichung zugelassener TAM
4
18.10.2007 Dr. Karin Schindler 7
Verordnung (EG) Nr. 853/2004
Artikel 3 in Verbindung mit Anhang III Abschnitt IX
Kapitel I Rohmilch – Primärproduktion
• Rohmilch von Tieren, die die Anforderungen nicht erfüllen, darf nicht
zum menschlichen Verzehr verwendet werden
• Kranke oder krankheitsverdächtige Tiere müssen so isoliert werden,
dass eine nachteilige Beeinflussung der Milch anderer Tiere
vermieden wird
mindestens kennzeichnen und getrennt melken
18.10.2007 Dr. Karin Schindler 8
Verordnung (EG) Nr. 853/2004
Artikel 3 in Verbindung mit Anhang III Abschnitt IX
Kapitel I Rohmilch – Primärproduktion
Hygienevorschriften für Milcherzeugerbetriebe
• Melkgeschirr und Milchkammer so beschaffen, dass das Risiko
einer Kontamination begrenzt ist
• Schutz vor Ungeziefer
• Ausrüstungsoberflächen, die mit Milch in Berührung kommen, leicht
zu reinigen und zu desinfizieren; d. h. glatte, abwaschbare und nicht
toxische Materialien
• Nach dem Verwenden reinigen und ggf. desinfizieren, mindestens
einmal am Tag
5
18.10.2007 Dr. Karin Schindler 9
Verordnung (EG) Nr. 853/2004
Artikel 3 in Verbindung mit Anhang III Abschnitt IX
Kapitel I Rohmilch – Primärproduktion
Hygienevorschriften für das Melken
• Zitzen, Euter und angrenzende Körperteile sauber
• Überprüfung auf organoleptische Veränderungen
• Milch von Tieren mit klinischen Anzeichen einer Eutererkrankung
nicht für den menschlichen Verzehr
• Nach tierärztlicher Behandlung Wartezeiten einhalten
Vermeidung von Rückständen
• Nur zugelassene Zitzenbäder oder –sprays verwenden
• Milch an einen sauberen Ort, unverzüglich kühlen
18.10.2007 Dr. Karin Schindler 10
Verordnung (EG) Nr. 853/2004
Artikel 3 in Verbindung mit Anhang III Abschnitt IX
Kapitel I Rohmilch – Primärproduktion
Hygienevorschriften für das Melken - Personalhygiene
• Saubere Arbeitskleidung
• Persönliche Sauberkeit
• Geeignete Handwascheinrichtung am Melkplatz
• Für weitere Bearbeitung der Rohmilch Gesundheitspass
nach Infektionsschutzgesetz erforderlich
• Personen, die an übertragbaren Krankheiten leiden, dürfen nicht mit
Milch umgehen
6
18.10.2007 Dr. Karin Schindler 11
Verordnung (EG) Nr. 853/2004
Artikel 3 in Verbindung mit Anhang III Abschnitt IX
Kapitel I Rohmilch – Primärproduktion - Kriterien für Rohmilch
Rohe Kuhmilch
• Keimzahl ≤ 100.000 pro ml
(geometrisches Mittel über 2 Monate)
• Somatische Zellen ≤ 400.000 pro ml
(geometrisches Mittel über 3 Monate)
• Rückstände von Tierarzneimitteln unterhalb der Höchstmengen
Rohmilch anderer Tierarten als Kühe
• Keimzahl: ≤ 1 500 000 pro ml
(geometrische Mittel über 2 Monate)
18.10.2007 Dr. Karin Schindler 12
Verordnung (EG) Nr. 853/2004
Artikel 3 in Verbindung mit Anhang III Abschnitt IX
Kapitel I Rohmilch – Primärproduktion - Kriterien für Rohmilch
Untersuchung der Rohmilch
• zu veranlassen
– vom Lebensmittelunternehmer, der Milch erzeugt, oder
– vom Lebensmittelunternehmer, der Milch sammelt oder verarbeitet,
oder
– im Rahmen nationaler Kontrollregelungen (Milch-Güteverordnung)
• Keimzahl: mindestens zwei Proben je Monat
• Zellgehalt: mindestens eine Probe je Monat
• Lebensmittelunternehmer müssen mit geeigneten Verfahren
sicherstellen, dass Rohmilch nicht in den Verkehr gebracht wird,
deren Rückstandsgehalt über den zulässigen Höchstmengen liegt
7
18.10.2007 Dr. Karin Schindler 13
Verordnung (EG) Nr. 853/2004
Artikel 3 in Verbindung mit Anhang III Abschnitt IX
Kapitel I Rohmilch – Primärproduktion - Kriterien für Rohmilch
• Lebensmittelunternehmer muss der zuständigen Behörde melden,
wenn die Rohmilch den Anforderungen nicht genügt
• Lebensmittelunternehmer muss durch geeignete Maßnahmen
Abhilfe schaffen
Pflichten des Milcherzeugers und der Molkerei
aber keine Fristen für die Meldung an die Behörde festgelegt!
• Kein Verkehrsverbot bei Nichteinhaltung der Anforderungen
bezüglich Keimzahl und Zellgehalt
• Kein direktes Annahmeverbot für die Molkerei, aber
Verpflichtung zur Abhilfe!
• Aussetzung der Anlieferung bedarf behördlicher Anordnung
18.10.2007 Dr. Karin Schindler 14
Verordnung (EG) Nr. 854/2004
Artikel 8 in Verbindung mit Anhang IV
Kapitel I - Kontrolle von Milcherzeugungsbetrieben
• Amtliche Überwachung der Einhaltung der tiergesundheitlichen
Anforderungen und der Verwendung von Tierarzneimitteln
kann mit sonstigen Untersuchungen verbunden werden
durch zugelassenen Tierarzt möglich Tiergesundheitsdienst
• In Verdachtsfällen weitergehende Untersuchungen
• Amtliche Überwachung der Einhaltung der Hygienevorschriften
• Maßnahmen bei unzureichendem Hygienezustand
Überwachungspflicht der Behörde hinsichtlich Tiergesundheit und
Hygiene
8
18.10.2007 Dr. Karin Schindler 15
Verordnung (EG) Nr. 854/2004
Artikel 8 in Verbindung mit Anhang IV
Kapitel II – Kontrolle der Rohmilch
• Die Behörde überwacht die Kontrollen auf Einhaltung der
Rohmilchkriterien
– Teilnahme an Untersuchungen
– Ergebnisse der Untersuchungen
• Behörde hat Anlieferung der Rohmilch auszusetzen, wenn drei
Monate nach der ersten Unterrichtung über die Nichteinhaltung der
Kriterien keine Abhilfe geschaffen wurde
• Aussetzung ist aufrecht zu erhalten, bis nachgewiesen ist, dass die
Rohmilch den Kriterien wieder entspricht
durch nationales Recht geregelt
18.10.2007 Dr. Karin Schindler 16
Verordnung zur Durchführung des
gemeinschaftlichen Lebensmittelhygienerechts
• Lebensmittelhygiene-Verordnung
– Allgemeine Hygieneanforderungen (§ 3)
– Schulung (§ 4)
– Abgabe kleiner Mengen Primärerzeugnisse (§ 5 und Anlage 2)
• Tierische Lebensmittel-Hygieneverordnung
– Untersuchung von Rohmilch – Milch-Güteverordnung als
nationale Kontrollregelung (§ 14)
– Abgabe von Rohmilch an Verbraucher (§ 17)
– Anforderungen an Vorzugsmilch (§ 18 und Anlage 9)
– Betriebseigene Kontrollen und Nachweise (§ 21)
• Tierische Lebensmittel-Überwachungsverordnung
– Wiederaufnahme der Rohmilchanlieferung (§ 9 und Anlage 2)
9
18.10.2007 Dr. Karin Schindler 17
Lebensmittelhygiene-Verordnung
• Allgemeine Hygieneanforderungen (§ 3)
– Lebensmittel dürfen nicht der Gefahr einer nachteiligen Beeinflussung
ausgesetzt sein
– gilt auch für Primärproduktion
• Schulung (§ 4)
– Nur erforderlich bei leicht verderblichen Lebensmitteln
– gilt nicht für Primärproduktion, aber für Direktvermarkter
• Abgabe kleiner Mengen Primärerzeugnisse (§ 5 und Anlage 2)
– Hygieneanforderungen zur Vermeidung nachteiliger Beeinflussung
– Personalhygiene
– gilt grundsätzlich auch für Milch zusätzliche Anforderungen
18.10.2007 Dr. Karin Schindler 18
Tierische Lebensmittel-Hygieneverordnung
• Untersuchung von Rohmilch (§ 14)
– Untersuchungen nach § 1 Abs. 1 der Milch-Güteverordnung gelten als nationale
Kontrollregelung
• Abgabe von Rohmilch an Verbraucher (§ 17)
Es ist verboten, Rohmilch oder Rohrahm an Verbraucher abzugeben.
Ausnahmen:
– Vorzugsmilch (außer in Gemeinschaftsverpflegung)
- in Fertigpackungen oder geschlossenen Kannen
- Verbrauchsfrist höchstens 96 Stunden
- Gekennzeichnet als Rohmilch
– Milch ab Hof
- anzeigepflichtig
- nur Rohmilch vom eigenen Betrieb
- nur am Tag der Gewinnung oder am Folgetag
- Hinweis an Verbraucher: Vor Verzehr abkochen!
10
18.10.2007 Dr. Karin Schindler 19
Tierische Lebensmittel-Hygieneverordnung
Anforderungen an Vorzugsmilch (§ 18 und Anlage 9)
• Genehmigungspflichtig
• Anforderungen an den Tierbestand
– Monatlich auf Krankheiten zu untersuchen
klinische Untersuchung
zytologische Untersuchung von Einzelmilchproben
bakteriologische Untersuchung bei Überschreitung bestimmter Zellgehalt
• Einhaltung der tiergesundheitliche Anforderungen ist amtlich zu
kontrollieren
– Vor der Genehmigung
– Regelmäßig, möglichst monatlich
• Ausschluss von der Vorzugsmilchgewinnung
– Nachweis von Mastitiserregern
– Auf den Menschen übertragbare Krankheit oder Verdacht darauf
• Monatliche Stichprobenuntersuchung der Vorzugsmilch (Sammelmilch)
18.10.2007 Dr. Karin Schindler 20
Anforderungen an die Beschaffenheit von
Vorzugsmilch
m M n c
Sensorik Keine Abweichungen
Pathogene K. Nicht in Mengen, die die Gesundheit beeinträchtigen können
Hämolysier. In der Milch von Pferden nicht nachweisbar
Streptokokken
Salmonellen 0 0 5 0
Somat. Zellen 200 000 300 000 5 2
(Rind, Schaf)
Koagulase pos. 10 KbE/ml 100 KbE/ml 5 2
Staph.
Enterobacteria. 10 KbE/ml 100 KbE/ml 5 2
Keimzahl 30°C 20 000 KbE/ml 50 000 KbE/ml 5 2
11
18.10.2007 Dr. Karin Schindler 21
Anforderungen an Vorzugsmilchbetriebe
• Räume, in denen Vorzugsmilch behandelt wird
– Fußböden leicht zu reinigen
– Wände glatt, hell, abwaschbar, Decken und Türen leicht zu reinigen
– Be- und Entlüftung, ausreichende Beleuchtung
– Handwascheinrichtungen und Einrichtungen zur Reinigung der
Arbeitsgeräte mit heißem Wasser in Nähe des Arbeitsplatzes, Hähne
nicht von Hand zu bedienen, Einmal-Handtücher
– Ausreichend große Arbeitsbereiche mit hygienisch einwandfreien
Bedingungen
• Ausreichende Umkleideräume
– Wascheinrichtungen mit fließend warmen Wasser, Einmal-Handtücher
– Toiletten mit Handwascheinrichtung, Hähne nicht von Hand zu
bedienen
• Einrichtungen zur Reinigung und Desinfektion der Transportbehälter
18.10.2007 Dr. Karin Schindler 22
Anforderungen an Vorzugsmilchbetriebe
• Versorgung mit Trinkwasser
• Geräte mit Oberflächen aus korrosionsbeständigem Material, leicht
zu reinigen und zu desinfizieren
• Wasserdichte Abfallbehältnisse
• Raum oder Schrank für Reinigungs- und Desinfektionsmittel
• Einrichtungen zum Schutz vor Ungeziefer
• Einrichtungen zur Kühllagerung der Vorzugsmilch mit
Temperaturmessgeräten
• Anlage zum sachgerechten Abfüllen und Schließen der Behältnisse
12
18.10.2007 Dr. Karin Schindler 23
Tierische Lebensmittel-Hygieneverordnung
• Betriebseigene Kontrollen und Nachweise (§ 21)
– Überprüfen, ob den Tieren verbotene Stoffe verabreicht wurden
– Überprüfen, ob Wartezeiten eingehalten worden sind
Konkretisierung der Anforderungen der EU-Verordnungen
• Bei Abgabe von Vorzugsmilch:
– Nachweise über Aufnahme von Tieren in den Bestand und über Abgabe
mit Zeitpunkt und Namen von Lieferant oder Empfänger
– Zeitpunkt, Art und Dauer von Erkrankungen der Tiere
– Nachweise über monatliche Untersuchungen der Tiere (klinisch,
zytologisch, bakteriologisch) und der Sammelmilch
– Ergebnisse der Untersuchung erkrankter oder verdächtiger Tiere
18.10.2007 Dr. Karin Schindler 24
Tierische LebensmittelÜberwachungsverordnung
Wiederaufnahme der Rohmilchanlieferung (§ 9 und Anlage 2)
• Aufhebung der Anordnung zur Aussetzung der Rohmilchanlieferung
national zu regeln
• In Anlehnung an bisherige Vorgehensweise
– Zwei im Abstand von vier Tagen entnommene Proben der Herdenmilch
– Grenzwerte der Anlage 2 als Einzelwerte
– Probenahme auf Antrag des Milcherzeugers
• Nur eine Probe erforderlich, wenn
– Rohmilch im dritten Monat nach der ersten Unterrichtung der Behörde
den Grenzwerten entsprochen hat und
– Milcherzeuger nachweisen kann, dass er Maßnahmen ergriffen hat
13
18.10.2007 Dr. Karin Schindler 25
Tierische LebensmittelÜberwachungsverordnung
• Erneutes Aussetzen der Rohmilchanlieferung ist anzuordnen, wenn
– im Monat der Aufhebung die Milch nicht den Grenzwerten entspricht
oder
– im darauf folgenden Monat die Kriterien nach der Verordnung (EG) Nr.
853/2004 nicht eingehalten werden
• Konsequenz:
Untersuchungsdaten nach Milch-Güteverordnung müssen in den
beiden auf die Aussetzung und Wiederzulassung folgenden
Monaten behördlich überwacht werden
• Keine automatische Übermittlung von Untersuchungsdaten durch
die Untersuchungsstelle an die Behörde durch Streichung
von § 2 Abs. 10 Satz 2 Milch-Güteverordnung
18.10.2007 Dr. Karin Schindler 26
Aussetzung und Wiederaufnahme der
Rohmilchanlieferung
Probleme:
• Anordnung der Aussetzung durch die zuständige Behörde drei
Monate nach Unterrichtung über Nichteinhaltung der Kriterien, aber
– keine automatische Übermittlung von Untersuchungsdaten von der
Untersuchungsstelle, sondern
– Meldung durch Milcherzeuger selbst oder durch Molkerei
– Milcherzeuger oder Molkerei können die Pflicht zur Unterrichtung auf
die Untersuchungsstelle übertragen
• Nach erster Unterrichtung über Nichteinhaltung muss die
Entwicklung über drei Monate verfolgt werden
– Vorlage der Untersuchungsergebnisse durch Milcherzeuger muss
sichergestellt werden
14
18.10.2007 Dr. Karin Schindler 27
Aussetzung und Wiederaufnahme der
Rohmilchanlieferung
• Wiederzulassung durch Aufhebung der Anordnung nach
Probenahme und Untersuchung
Zu beachten:
• unterschiedliche Anforderungen zur Wiederzulassung
– je nach aktuellen Milch-Untersuchungsdaten
– je nach Wirksamkeit der Abhilfemaßnahmen des Milcherzeugers
• Sofortige erneute Aussetzung der Anlieferung, wenn nach der
Wiederzulassung die Werte erneut nicht den Vorgaben entsprechen
• Kriterien nach Verordnung (EG) Nr. 853/2004 sind immer das
geometrische Mittel
• Grenzwerte nach der nat. Verordnung (Anlage 2) sind Einzelwerte
18.10.2007 Dr. Karin Schindler 28
Zusammenfassung
• Verordnung (EG) Nr. 178/2002
– Grundsätzliche Verpflichtungen
• Verordnung (EG) Nr. 852/2004
– allgemeine Hygieneanforderungen
– Buchführungspflichten betreffen auch die Ergebnisse der
Milchuntersuchung
• Verordnung (EG) Nr. 853/2004
– Tiergesundheitliche Anforderungen für die Milcherzeugung
– Spezielle Hygieneanforderungen für die Milcherzeugung
– Kriterien für Rohmilch
– Meldepflicht des Milcherzeugers und der Molkerei
15
18.10.2007 Dr. Karin Schindler 29
Zusammenfassung
• Verordnung (EG) Nr. 854/2004
– Amtliche Überwachung der Milcherzeugerbetriebe
• Tiergesundheit
• Hygiene
– Amtliche Überwachung der Rohmilch
• Regelmäßig Untersuchung
• Einhaltung der Kriterien
– Aussetzung der Rohmilchanlieferung
• Drei Monate nach erster Unterrichtung der Behörde
• Anordnung der Aussetzung
• Aufhebung der Anordnung wenn Kriterien wieder eingehalten
werden
18.10.2007 Dr. Karin Schindler 30
Zusammenfassung
• Lebensmittelhygiene-Verordnung
– Allgemeine Hygieneanforderungen
– Schulung
– Abgabe kleiner Mengen Primärerzeugnisse durch Erzeuger
• Tierische Lebensmittel-Hygieneverordnung
– Spezialregelungen für den Bereich der Milcherzeugung
– Verbot der Rohmilchabgabe mit anzeige- bzw. genehmigungspflichtigen
Ausnahmen
– Detaillierte Regelungen für Vorzugsmilch
• Tierische Lebensmittel-Überwachungsverordnung
– Verfahren der Aussetzung und Wiederzulassung der
Rohmilchanlieferung

<< Start < Zurück 1 2 Weiter > Ende >>
Seite 1 von 2