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Jahrestagung 2008
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Workshop 4: Zum richtigen Einstellen einer milchflussgesteuerten Abnahmeautomatik
beim Melken
Herr E. Albers
Landwirtschaftskammer Nordrhein Westfalen
Herr B. SchulzeWartenhorst
GEA WestfaliaSurge GmbH
Das richtige Einstellen einer Abnahmeautomatik beim Melken von Kühen wird häufig genug
als eine komplizierte Geschichte dargestellt! Warum eigentlich? Gilt es doch eigentlich nur,
Technik und Tier richtig aufeinander abzustimmen.
Grundsätzlich werden zwei verschiedene Gruppen von Milchflussüberwachungen eingesetzt.
Die erste Gruppe umfasst Geräte die den Milchfluss direkt beim Melken erfassen und direkt
das Unterschreiten voreingestellter Grenzwerte anzeigen.
Die zweite Gruppe umfasst Geräte, die den Milchfluss einer Kuh über die Füllung eines feststehenden
Volumens errechnet, dann mit Einstellungen abgleichen und dann erst eine Reaktion
anzeigen. Die Information bezieht sich also nicht direkt auf den vorliegenden Milchfluss,
sondern kommt mit einer leichten Verzögerung zustande.
Die jeweiligen Funktionsweisen erklären auch die Unterschiede beim Melken zwischen den
beiden Techniken. So ist in der ersten Gruppe bei nachlassendem Milchfluss sofort das Aufblinken
des Leuchtmelders als Reaktion der Abnahmegeräte zu sehen wohingegen bei der
zweiten Gruppe einige Sekunden durch Rechenprozesse vergehen, bis der Leuchtmelder
ausgelöst wird.
Für beide Gruppen wird die Überprüfung des Melkablaufes gleich gestaltet. Maßgebend
hierfür ist das Milchabgabeverhalten einer Kuh, d.h. ihr Milchflussprofil.
Bei genauer Betrachtung des Milchflussprofils fällt sofort auf, dass bei nicht richtig stimulierten
Kühen schon in der ersten Melkminute der Milchfluss deutlich nachlässt (Bimodalität).
Bei milchflussgesteuerten Abnahmen stellt dies in sofern ein Risiko dar, weil ein solcher Einbruch
das frühzeitige Melkende bedeuten kann! Es darf es aber auf keinen Fall zu einem zu
frühen Melkende kommen! Die alleinige Forderung, nur richtig angerüstete Tiere zu melken
reicht nicht aus, auch die Technik der Milchflussüberwachung muss Sicherheiten bieten.
Daher wird beispielsweise bei einigen Fabrikaten direkt nach dem Drücken der Starttaste am
Melksteuergerät eine Überbrückungszeit bzw. Sperrzeit gestartet, bei der die Milchflussüberwachung
ausgesetzt ist. Damit wird verhindert, dass milchflussgesteuerte Abnahmen
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bei einem Einbruch des Milchflusses zu Melkbeginn, verursacht durch mangelnde Stimulation,
nicht sofort das Melkzeug abnehmen. Diese Überbrückungszeit ist oft variabel einstellbar,
weil unterschiedliche Tierarten individuelle Einstellungen verlangen:
Bei Kühen wird mit 60 bis 90 Sek., bei Schafen und Ziegen mit 30 bis 60 Sek. gearbeitet.
Nach Ablauf der Überbrückungszeit wird nun die Intensität des Milchflusses bei den meisten
Fabrikaten durch eine elektrische Widerstandsmessung kontrolliert. Dabei wird das
Medium Milch als leitende Verbindung zwischen zwei Elektroden benutzt. Variabel Widerstandseinstellungen
ergeben dabei einen Schwellenwert, der einem bestimmten Milchfluss,
z. B. 300 Gramm pro Minute, entspricht. Diese Einstellungen sind heute auf den elektronischen
Steuerkarten der Abnahmegeräte fest vorgegeben. Somit erleichtern sie ein
schnelles Einstellen und sorgen für exakte Werte an jedem Melkplatz einer Anlage.
Reißt beim Melken die leitende Verbindung in den Milchflusssensoren zwischen den Elektroden
aufgrund des aktuell zu geringen Milchzuflusses ab, wird dies von der Elektronik
erkannt und als Milchmangel gewertet. Deutlich sichtbar blinkt jetzt die Signalleuchte am
Melkplatz im Sekundentakt und signalisiert der Melkperson: "Hier befindet sich ein Tier in der
Ausmelkphase". Wenn der Melker noch Hilfestellung geben will, muss er in dieser Phase
des Melkens zum Tier gehen. Ansonsten wird in Kürze das Melkzeug automatisch vom Euter
abgenommen.
Die Anzahl der Blinksignale zur Anzeige des bevorstehenden Melkende ist nach den Wünschen
und Erfordernissen des Melkpersonals oft individuell einstellbar. Da in dieser Phase
aber kaum noch Milch fließt, darf sie nicht zu lang eingestellt werden. Diese Zeit ist purer
Stress für das Tier und hat negativen Einfluss auf die Zitzenkondition.
Bei 2-mal täglichem Melken haben sich hierbei Zeiten von 5 bis max. 15 sec. bewährt.
Während der Milchmangelzeit kann es vorkommen, dass der Milchfluss kurzfristig wieder
über den eingestellten Schwellenwert ansteigt. Sofort erlischt das Blinksignal. Die Zeiten
des bisher festgestellten Milchmangels gehen aber nicht verloren! Die Elektronik ist mit
einem Zeitspeicher versehen, der die bisher ermittelte Milchmangelzeit bzw. Blinkdauer
aufzeichnet. Fällt der Milchfluss im Anschluss wieder ab, so wird die erneut anlaufende
Milchmangelzeit zu der bereits registrierten Zeit summiert.
Ist die auf der Steuerkarte vorgewählte Milchmangelzeit insgesamt erreicht, schaltet die
Elektronik des Melksteuergerätes auf Melkende.
Dabei wird die Vakuumversorgung zum Melkzeug im Milchflusssensor geschlossen und anschließend
der Abnahmezylinder des Melkplatzes auf die Funktion Melkzeugabziehen gesteuert.
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Wichtige Informationen werden beim Melken direkt am Standplatz der Tiere durch den
Leuchtmelder am Melksteuergerät angezeigt. Sie helfen, den Melkablauf sicherer und
effektiver zu gestalten.
Hier sind abweichende Signalisierungen in den Programmen der Hersteller vorhanden, die
insgesamt aber das gleiche Ziel verfolgen. Ratsam ist aber in jedem Fall Änderungen im
Programmablauf nur in Zusammenarbeit mit einem autorisierten Servicevertreter vorzunehmen
und zu dokumentieren!
Milchflussabtastung bei Milchmengenmessungen
Milchmengenmessungen errechnen zum Teil die Milchflussintensitäten und sind daher etwas
träger in der Reaktionszeit. Hier muss erst ein Differenzvolumen durch den Milchzufluss
gefüllt werden. Erst mit dem Vorliegen der dazu benötigten Zeit kann der konkrete Milchfluss
exakt berechnet und danach die Abnahme des Melkzeugs veranlasst werden.
Daher können Milchmengenmessgeräte etwas „schärfer“ (mit einem höheren Schwellenwert)
eingestellt werden, damit das Melkende nicht zu lange auf sich warten lässt.
Einstellungen der Abnahmeautomatik für 2-mal tägliches Melken
Bei einem 2-mal täglichen Melken wird ein gutes Ausmelken erwartet.
In den letzten Jahren haben die Kühe durch die Zucht auf bessere Euterqualitäten aber auch
ein deutlich besseres Melkverhalten erlangt. Dabei spielt sicherlich die abnehmende Nutzungsdauer
der Kühe eine weitere Rolle, ältere Kühe mit einem größeren Zisternenvolumen
im Euter brauchen eben etwas länger beim Melken, weil die letzten Melkminuten häufig mit
einem geringen Milchfluss ablaufen und die einzelnen Euterviertel ungleichmäßig das
Melken beenden. Gleichzeitig ist auch festgestellt worden, dass gerade bei niedrigem Milchfluss
die Belastung der Zitzen und des Eutergewebes am höchsten ist. Häufig ist eine solche
Einstellung dann auch die Ursache für einen erhöhten Zellgehalt in der Milch! Das sind
triftige Gründe, warum die Einstellung der Abnahme von 200 ml Milch pro Minute heute nicht
mehr akzeptiert wird! Moderne Milchrassen benötigen Schwellenwerte von über 200 ml/min,
auch bei nur 2-maligem Melken pro Tag! Wer beim Melken feststellt, dass das Melkzeug bei
zu niedigem oder keinem Milchfluss lange am Euter verweilt, der sollte sowohl den Schwellenwert
wie auch die Milchmangelzeit so einstellen, dass das Melkzeug nur so kurz wie möglich
am Euter verbleibt! Individuelle Milchflusskurven, ermittelt mit dem Lactocorder, sind für
die Schaltpunktfindung außerordentlich hilfreich.
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Einstellungen der Abnahmeautomatik für 3-mal tägliches Melken
Bei 3-mal täglichem Melken kann und muss auf ein intensives Ausmelken verzichtet werden.
Hier gilt es die Verweildauer des Melkzeugs am Euter auf ein Minimum zu reduzieren.
Andernfalls werden die Zitzen und das Euter zu sehr durch Vakuumeinwirkung der Melkmaschine
geschädigt. Einstellwerte von größer 400ml/min sind heute als normal anzusehen.
Melkzeugabnahmen in Verbindung mit Nachmelktechniken
Werden Melksteuergeräte zusammen mit Nachmelktechniken eingesetzt, gilt es ebenfalls
besondere Einstellungen zu berücksichtigen.
Mit diesen Techniken wird bei nachlassenden Milchflüssen in der Abstiegsphase und Ausmelkphase
das Melkzeug belastet und leicht, wie früher vom Melker von Hand praktiziert,
nach unten gedrückt. So werden Räume im Zisternenbereich des Euters gestreckt und das
Auslaufen der Milch in die Zitzenzisterne erleichtert. Speziell bei älteren Kühen mit mehr als
2 Laktationen macht sich eine solche Technik positiv bemerkbar. Sie beschleunigt den Ausmelkvorgang
und erhöht damit die Anzahl gemolkener Kühe pro Stunde in einem Melksystem.
Aber nicht nur das! Durch die kürzere Melkzeit der Kuh kommt es zu einer kürzeren
Verweildauer des Melkzeugs am Euter und damit einer geringeren Gewebebelastung. Die
negativen Auswirkungen des Vakuums auf Euter und Zitzen werden somit reduziert. Folglich
wirkt sich dies positiv auf die Zitzenkondition und Eutergesundheit aus. Zudem bringt diese
Technik bei problematischen Tieren mehr Sicherheit hinsichtlich des Ausmelkens und das in
einer kürzeren Melkzeit! Auch dieser Aspekt fördert mittelfristig die Eutergesundheit.
Nachmelktechniken müssen reagieren, bevor der Zitzengummi beim Melken an der Zitze
ganz nach oben an die Euterbasis geklettert ist. Nur so lässt sich ein optimaler Milchfluss
über eine möglichst lange Zeit mit einem guten Ausmelken erreichen. Unsere Erfahrungen
haben gezeigt, dass dazu die Druckbelastung des Melkzeugs bei 800 bis 1.000 ml Milchfluss
pro Minute beginnen muss. So wird die noch melkmaschinenverfügbare Milch schnell und
zügig ermolken, und der Milchfluss steigt kurzfristig wieder etwas an. Wenn er danach
wieder sinkt, bedeutet dies: "Das Euter ist leer!" Jetzt muss die Abnahmeautomatik sofort
reagieren!
Beachte aber immer, dass vor einer Verstellung der Schwellenwerte für die Abnahme die
„Nachmelk-Zugkraft“ auf das Melkzeug geprüft werden muss. Pneumatische und mechanische
Baugruppen unterliegen einem Verschleiß, der bei Nichtbeachtung zu Fehleinstellungen
führt.
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Für die Einstellung des Schwellenwertes der Abnahmeautomatik bedeutet das:
Der Schwellenwert für den Milchfluss muss deutlich höher und die Milchmangelzeit deutlich
kürzer gewählt werden als in einer Melkanlage ohne Nachmelktechnik!
Zu niedrige Schwellenwerte und zu lange Milchmangelzeiten würden sich negativ auf die
Zitzenbeschaffenheit auswirken und zu einem erheblichen Mastitisrisiko führen. Warum?
Die Nachmelktechnik optimiert das Milchflussprofil und sorgt dafür, dass die sonst lange
Ausmelkphase deutlich verkürzt wird. Werden die Zeiten nicht angepasst, arbeitet das
Melkzeug über die gesamte Dauer am Euter, obwohl am Ende gar kein Milchfluss mehr
vorhanden ist. Die Druckverhältnisse in Zitze und Euter führen hier zu schädlichen
Gewebereizungen, was häufig schon deutlich durch entsprechende Veränderungen an der
Zitzenspitze von außen zu sehen ist. Damit wird das Eindringen von krankmachenden
Keimen in das Euter und in gereizte Drüsenbereiche innerhalb des Euters gefördert. Gerade
aber das soll verhindert werden!
Empfehlung zur Einstellung der Schwellen- für Nachmelk- und Abnahmewerte
Bei 2 x täglichem Melken sollte der Schwellenwert für die Nachmelktechnik bei ca. 800 bis
1.200 ml eingestellt werden. Gleichzeitig muss die Abnahme der Melkzeuge auf eine
Schwelle von mind. 350 ml erhöht und die Blinkzeit auf max. 5 sec. reduziert werden!
Bei 3 x täglichem Melken sollte der Schwellenwert für die Nachmelktechnik aufgrund der
geringeren Milchmenge im Euter und des dann ehr einsetzenden Kletterns der Melkbecher
noch etwas höher auf dann 1.000 bis 1.500 ml eingestellt werden. Zudem ist auch jetzt die
Abnahmeschwelle aufgrund des häufigeren Melkens pro Tag und der Vermeidung eines zu
intensiven Ausmelkens auf Werte von größer 500/600 ml mit ebenfalls max. 5 sec. Blinkdauer
einzustellen!
Was kann beim Melken gesehen werden?
Milchflussgesteuerte Abnahmen werden in der Grundeinstellung meist mit einem Schwellenwert
von 250 ml/min ausgeliefert. Kombiniert wird dieser Schwellenwert mit einer Blinkzeit /
Milchmangelzeit von 15 sec. In der Regel können milchbetonte Rassen so ohne Probleme
gemolken werden. Soll der Effekt der Abnahme überprüft werden, so ist eine Melkbeobachtung
zwingend notwendig!
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Generell gilt: Die Melkroutine muss stimmen!
1. Ausreichendes Anrüsten der Tiere.
2. Das Melkzeug nur an trockene Zitzen ansetzen; ein zu frühes Klettern der
Zitzengummis an den Zitzen führt zu einem schlechten Ausmelken der Tiere.
3. Das Melkzeug muss während des Melkens richtig positioniert sein, so dass keine
negativen Kräfte über die langen Schläuche auf das Melkzeug einwirken. Die
Melkzeugmasse soll gleichmäßig auf alle Viertel verteilt sein.
Die Einstellung einer Abnahme ist nicht auf das Melken problematischer Tiere auszurichten,
sondern an normal melkende Tiere anzupassen!
In jedem Bestand gibt es ungünstige Euterformen oder auch schlecht melkende Tiere. Diese
können einen Anteil von 5 bis 10% am Gesamtbestand haben. Wir empfehlen solche Tiere in
der Stellung "manuell" zu melken und zudem am Melkende durch die Melkperson individuell
zu kontrollieren. Wird die Einstellung der Abnahme gezielt auf eine Problemgruppe vorgenommen,
besteht die Gefahr, dass innerhalb von wenigen Wochen der gesamte Bestand an
normal melkenden Kühen vermolken wird, weil die Verweilzeit des Melkzeugs am Euter für
diese Tiere zu lang ist.
Wenn nun eine Überprüfung stattfindet, so sollte in der Ausmelkphase und direkt bei der
Abnahme der Melkzeuge eine Kontrolle des Euters erfolgen. Änderungen niemals von nur
einem beobachteten Tier abhängig machen! Es muss ein repräsentativer Querschnitt des
gesamten Bestandes gesehen und bewertet werden. Dazu sind sowohl junge Tiere, frisch
abgekalbte wie aber auch altlaktierende und ältere Tiere zu kontrollieren.
Als Erstes ist festzustellen, ob überhaupt noch Milch zum Zeitpunkt der Abnahme fließt.
Melkt vielleicht nur noch ein Euterviertel oder hat der Milchfluss komplett ausgesetzt?
Wie lange dauert es in dieser Phase, bis der Leuchtmelder durch Signale (Blinken u.Ä.) den
Ausmelkbereich signalisiert wird?
Hat man beim Melken das Gefühl, dass die Reaktionen der Melksteuergeräte nicht mit dem
aktuellen Milchfluss beim Melken in Einklang zu bringen ist (zu frühes Abnehmen oder zu
späte Reaktionen auf nachlassenden Milchfluss) so ist zuerst die Technik genauestens zu
prüfen. Eine falsche Position der Sensoren oder Beläge bei fehlerhafter Reinigung in den
Milchflusssensoren können in diesem Zusammenhang für Falschmessungen verantwortlich
sein.
Nach der Überprüfung der Technik folgt eine Kontrolle direkt am Tier. Eine optische Kontrolle
der Zitze gibt hier viele wichtige Informationen: Eine nahezu unveränderte Zitze lässt vermu9.

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ten, dass der Melkablauf ohne Probleme verlaufen ist. Ist hier das Tier trotzdem nicht richtig
ausgemolken, so muss die Einstellung der Abnahmegeräte geprüft werden. Eine Anpassung
des Schwellenwertes wird Abhilfe schaffen.
Ist ein deutlicher Ring an der Euterbasis zu erkennen und auch zu fühlen, wurde in diesem
Zusammenhang der Milchfluss durch zu frühes Klettern des Zitzengummis an der Zitze
„abgeklemmt“. Das Problem eines schlechten Ausmelkens ist in diesem Fall nicht an der
Abnahmeautomatik zu suchen, sondern in der Melkzeugzusammenstellung. Entscheidend
ist, wie viele Kühe der Herde davon betroffen sind. Da ein Zitzengummi immer ein
Kompromiss für die gesamte Herde darstellt, kann das im Einzelfall immer mal wieder
auftreten. Der Anteil der Tiere sollte allerdings unter 5-10% der Tiere einer Herde liegen.
Ab wann spricht man eigentlich von einem unzureichenden Ausmelken und wie viel
Tiere eines Bestandes sollten geprüft werden?
Als Maßstab für 2-mal tägliches Melken gilt:
• Aus jeder Zitze einer Kuh sollten nicht mehr als 3 volle Milchstrahlen zu ermelken sein.
Die durch Handmelken ermittelte Milchmenge sollte 250ml pro Kuh nicht überschreiten.
• Bei einer Herdengröße bis 100 Kühe sind mind. 20 Kühe oder 80 Euterviertel zu prüfen.
Dabei sollten nicht mehr als 20% der Euterviertel eine Restmilchmenge von mehr als 100
ml aufweisen.
Bei 3-mal täglichem Melken gilt:
• Die durch Handmelken ermittelte Milchmenge sollte 500-750ml pro Kuh nicht überschreiten.
• Bei einer Herdengröße bis 100 Kühe sind mind. 20 Kühe oder 80 Euterviertel zu prüfen.
Dabei sollten nicht mehr als 20% der Euterviertel eine Restmilchmenge von mehr als
200 ml aufweisen.
Festzuhalten bleibt, dass die Grundlage für ein gutes Melkergebnis immer eine richtig auf
das Melken vorbereitete Kuh bildet! Eine gute Milchflussüberwachung kann zwar Melkfehler
nicht komplett ausbügeln, sie kann aber Sicherheiten einbauen, damit das Melken noch
vergleichsweise erfolgreich durchgeführt wird.
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Wichtig ist weiterhin, dass dem sich ständig durch züchterische Bemühungen nach höherer
Leistung und besserer Euterqualität veränderndem Tiermaterial insofern Rechnung getragen
wird, dass die bei Einbau der Melkanlage gefundene Einstellung in den Folgejahren immer
wieder an die neuen Verhältnisse angepasst wird.
Die Technik ist heute bei den meisten Fabrikaten variabel einstellbar und kann damit auch
jederzeit auf die individuellen Bedürfnisse und Erfordernisse kommender Kuhgenerationen
angepasst werden! Wir brauchen es daher nur zu tun!
Genaue Kenntnisse der Programmabläufe und die Spezifik der Programme der einzelnen
Hersteller und auch deren Typenvielfalt sind die Voraussetzung für eine optimales Zusammenspiel
von Tier, Maschine und Melker und damit von ertrag und Eutergesundheit.

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Womit verbringen Kühe im Laufstall ihre Zeit?
Frau Dr. sc. nat E. Hillmann
Eidgenössische Technische Hochschule Zürich
Institut für Nutztierwissenschaften, Gruppe Physiologie und Verhalten,
Universitätsstrasse 2, 8092 Zürich, Schweiz, edna-hillmann@ethz.ch
Das natürliche Verhalten als Vorbild für die Laufstallhaltung
Vergleiche zwischen verschiedenen Rassen und Untersuchungen an in natürlicher Umgebung
lebenden Rindern (Camargue-Rind) zeigen, dass sich das Verhaltensrepertoire der
Rinder im Verlauf der Domestikation und Züchtung grundsätzlich nicht geändert hat (REINHARDT,
1980). Die generellen Ansprüche von Rindern an ihre Umgebung leiten sich aus
ihrem natürlichen Verhaltensrepertoire ab. Dieses hat sich stammesgeschichtlich in Anpassung
an die natürlichen Lebensräume entwickelt und hat eine genetische Grundlage. Neben
Ansprüchen, die sich aus der Art der Nahrungsaufnahme und dem ausgeprägten Sozialverhalten
ergeben, haben Rinder auch Ansprüche gegenüber Klima, Bodenbeschaffenheit und
Raumangebot.
Rinder sind tagaktiv und zeigen die höchste Fress- und Bewegungsaktivität in den Morgenund
Abendstunden, zusätzlich weniger ausgeprägte Aktivitätsphasen am Vor- und Nachmittag.
Über Mittag wird eine längere Ruhephase eingelegt. Je nach Jahreszeit und damit Sonneneinstrahlung
können sich die Aktivitäts- und Ruhephasen verschieben. Dieser natürliche
circadiane Rhythmus wird durch verschiedene Haltungsbedingungen beeinflusst, z. B. durch
automatische Melksysteme, in denen ein Teil der Kühe nachts zum Melken gehen muss.
Eine im Sommer durchgeführte Nachtweide dagegen entspricht eigentlich der natürlichen
Anpassung der Tiere an die hohen Temperaturen am Tag. In den meisten Haltungssystemen
wird der Tagesrhythmus der Tiere primär durch solche Zeitgeber gesteuert, die der Mensch
kontrolliert, wie durch das Melken oder die Fütterung.
Ruheverhalten
Rinder liegen je nach Witterung, Futterversorgung, Alter und Geschlecht 7-12 Stunden pro
Tag. Die Liegezeiten (aufgeteilt in Liegephasen von etwa 1 Stunde) nehmen mit zunehmendem
Alter ab. Es gibt zwei Hauptruhephasen: über Mittag und in der Nacht. Erwachsene Rinder
zeigen pro Tag insgesamt nur ca. 30 min Tiefschlaf, der in 6-10 kurze Perioden aufgeteilt
ist. Für den Tiefschlaf müssen sie den Kopf ablegen können. Die restliche Liegezeit verbringen
sie mit Ruhen und Wiederkäuen. Rinder liegen in der Regel ohne Körperkontakt zu
anderen Herdenmitgliedern. Rinder sind eigentlich an ein Liegen auf Steppen-, Gras-, oder
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Waldboden angepasst. Eine dieser Anpassung entsprechende Liegefläche gibt es eigentlich
nur auf der Weide, und die Gestaltung eines tiergerechten Liegeplatzes im Stall stellt eine
Herausforderung dar. Besonders deutlich sind die Auswirkungen der Liegeboxenqualität auf
den Abliegevorgang (Inspektion des Bodens, Einknicken der Karpalgelenke, abgebrochener
Abliegevorgänge, etc.), die Art des Liegens und die Verletzungsgefahr für Gelenke und
Zitzen. Untersuchungen haben gezeigt, dass vor allem tiefrangige Kühe ihre Liegezeit verkürzen,
wenn zu wenig Liegeboxen angeboten werden (WIERENGA, 1990, Abbildung 1). Für
hochleistende Kühe wird jedoch eine möglichst lange und ungestörte Liegedauer angestrebt.
Aus diesem Grund ist eine ausreichende Anzahl Liegeboxen, für jede Kuh eine Liegebox,
unbedingt notwendig und in vielen Ländern vorgeschrieben.
Abbildung 1: Zusammenhang zwischen Rang und Aufenthaltsdauer (in 24h) in Liegeboxen
bei ausreichendem bzw. reduziertem Angebot an Liegeplätzen (WIERENGA, 1990)
Nahrungsaufnahmeverhalten
Während Kühe bei Weidehaltung 8-12 Stunden pro Tag Nahrung aufnehmen, reduziert sich
die Nahrungsaufnahme bei Stallhaltung, wo den Tieren das Futter vorgelegt wird, auf 4-7 h,
aufgeteilt auf ca. 7 Fressperioden pro Tag. Gegrast wird auf der Weide meist gruppensynchron
im langsamen Vorwärtsgehen (Weideschritt), so dass die Kuh mit dem Maul den
Boden und damit die Nahrung gut erreichen kann, ohne dass es zu Verspannungen im
Bereich der Vordergliedmassen kommt. Gleichzeitig bleiben die Tiere hierdurch ständig in
Bewegung, wodurch ihre körperliche Kondition trainiert wird. Bei Fütterung am Fressgitter
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können Rinder keinen Weideschritt ausführen, d.h. sie können Futter auf Bodenhöhe nur
schwer erreichen. Daher sollte ihnen das Futter ca. 10-15 cm über Bodenniveau angeboten
werden. Auch die natürlicherweise synchronisierte Nahrungsaufnahme sollte bei der Stallfütterung
berücksichtigt werden. Bei eingeschränktem Zugang zum Futter wird dieser über
den Rang der Tiere geregelt, rangtiefe Kühe haben dann das Nachsehen. Daher ist es
wichtig, dass jedem Tier ein ausreichender und gleichwertiger Zugang zum Futter ermöglicht
wird. Bei Fütterung am Fressgitter sollte jede Kuh einen Fressplatz haben. In der Schweiz ist
bei Fütterung am Fressgitter pro Tier ein Fressplatz vorgeschrieben, bei ad libitum Verabreichung
von Futter einheitlicher Qualität (TMR) dürfen auf einen Fressplatz 2.5 Tiere kommen.
Eine Einschränkung des Tier-Fressplatz-Verhältnisses (TFV) auf 2.5:1 hat jedoch zur
Folge, dass sich die Kühe nach der Fütterung am Fressgitter häufiger gegenseitig verdrängen
als bei einem TVF von 1:1. (NYDEGGER ET AL., 2001)
Abbildung 2: zeitlicher Verlauf der Verdrängungen pro Kuh am Fressgitter bei uneingeschränktem
und eingeschränktem T-F-Verhältnis (über 3 Stunden nach Beginn Fütterung;
FVS = Futtervorschieber, FMW = Futtermischwagen; M = Mischung, SB = Siloballen,
Nydegger et al., 2001)
Etwa 30-60 Minuten nach der Nahrungsaufnahme beginnen Rinder mit dem Wiederkäuen,
das pro Tag 5-9 h in Anspruch nimmt und am intensivsten während der ausgedehnten Ruhephasen
in den Nachtstunden gezeigt wird. Während des sehr rhythmischen und gleich9.

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mässigen Wiederkäuens ist die Aufmerksamkeit der Tiere herabgesetzt und sie wirken entspannt.
Bei kranken oder stark gestressten Tieren kann das Wiederkäuen reduziert sein.
Sozialverhalten
Wildrinder, ebenso wie Hausrinder, sind sehr soziale Tiere. Natürliche Herdenverbände
setzen sich aus den Mutterkühen mit ihrem Nachwuchs zusammen. Die weiblichen Tiere
verbleiben in der Herde, männliche verlassen diese mit Erreichen der Geschlechtsreife nach
ca. 2 Jahren und bilden Junggesellengruppen oder leben als Einzelgänger. Wenn unter
Haltungsbedingungen eine Herde aus mehr als 50-70 Tieren besteht, können sich die Tiere
individuell nicht mehr unterscheiden und es bilden sich Untergruppen. Die Haltung in altershomogenen
Gruppen mit wiederholtem Neueingliedern von Tieren, vor allem in der Milchviehhaltung
(Eingliederung von Erstkalbinnen, Wiedereingliedern von Kühen nach dem
Abkalben, Zukauf), entspricht also dem natürlich Verhalten der Tiere eigentlich überhaupt
nicht. Die Kühe reagieren auf fremde Artgenossinnen häufig mit aggressivem Verhalten, was
dem natürlichen Verhalten der Kühe durchaus entspricht. Trotzdem kann diese Situation vor
allem für neu eingegliederte Kühe eine starke Belastung darstellen. Den Kühen sollte während
der Zeit der Gruppierung ausreichend Platz auf einem trittsicheren Boden (z. B. Weide)
angeboten werden, damit rangtiefe Tiere nach einem Kampf ausweichen können.
Trotz ihres ausgeprägten Herdenverhaltens halten Kühe eine Individualdistanz zueinander
ein, die bei enthornten Kühen kleiner ist als bei behornten. Der tatsächliche Abstand
zwischen einzelnen Tieren variiert mit der jeweiligen Aktivität. Beim Grasen besteht eine
Individualdistanz von ungefähr 1-2 m. Wenn die Tiere z.B. wegen ungenügendem Platzangebot
diese Distanz unterschreiten müssen, steigt die Zahl aggressiver Interaktionen an.
Das Zusammenleben innerhalb der Gruppe wird bei Rindern vor allem über Dominanzbeziehungen
geregelt. Um diese herzustellen und aufrecht zu erhalten, setzen Rinder verschiedene
Signale ein. Hierzu gehören die Haltung und Stellung des Körpers ("Breitseitimponieren"),
die Kopfhaltung (Drohen, Bodenhornen), bestimmte Bewegungen der Beine (z.B.
Scharren mit den Klauen) und die Haltung des Schwanzes. Durch die Rangstruktur werden
der Zugang zu Ressourcen (z.B. Nahrung, Wasser, Sexualpartner, Liegefläche) geregelt und
energieaufwendige körperliche Auseinandersetzungen vermieden. Die Reihenfolge, mit der
Kühe in den Melkstand (Melkordnung) oder von der Weide in den Stall gehen, hat nur bedingt
etwas mit ihrer sozialen Rangordnung zu tun. Konfrontationen mit dominanteren Tieren
werden oft durch frühzeitiges Ausweichen vermieden. Solche Interaktionen sind für den
Menschen schwer zu erkennen, wodurch das Bestimmen der Rangordnung oft schwierig ist.
Dazu kommt, dass bei ausreichendem Zugang zu Ressourcen die Rangordnung unwichtig
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sein kann. Sie kommt erst dann zum Tragen, wenn der Zugang zu einer Ressource
eingeschränkt wird.
Soziales Lecken
Zwischen einzelnen Individuen können langfristig stabile Beziehungen bestehen, die sich
durch häufiges gegenseitiges Belecken oder in häufiger Nähe zueinander widerspiegeln.
Eine Kuh fordert eine andere zum Lecken auf, indem sie sich mit gesenktem Kopf nähert
oder Kopfstösse ausführt. Nach einer Aufforderung werden besonders häufig die vorderen
Partien (Hals- und Schulterbereich) geleckt. Das soziale Lecken fördert und stabilisiert die
Beziehungen und scheint eine entspannende Wirkung zu haben. Tiere, die geleckt werden,
schliessen oft ihre Augen und zeigen eine verringerte Herzfrequenz.
Melken
Während Kühe in konventionellen Melksystemen ein sehr herdensynchrones Verhalten zeigen
(können/müssen), können sie in automatischen Melksystemen (AMS) die Zeit, zu der sie
ruhen / fressen / gemolken werden, zumindest näherungsweise selbst wählen. Eingeschränkt
wird diese Freiheit natürlich dadurch, dass auf eine Melkeinheit ca. 50-60 Kühe
kommen, damit diese voll ausgelastet wird. Das wiederum bedingt, dass ein Teil der Kühe
nachts gemolken werden muss, was dem natürlichen circadianen Rhythmus der Tiere
eigentlich nicht entspricht. Die „freie“ Bestimmung des Zeitpunktes und der Häufigkeit des
Melkens durch die Kühe im AMS kann als tiergerecht angesehen werden. Die Tiergerechtheit
eines AMS hängt ganz zentral vom Management ab, hier unter anderem von der Steuerung
des Kuhverkehrs zwischen Ruhe- und Fressbereich. Diese wird genutzt um sicherzustellen,
dass die Kühe den Melkroboter ausreichend häufig betreten. Im vollständig gelenkten
Kuhverkehr können die Kühe den Fressbereich nur betreten, wenn sie vorher durch
den Melkroboter gehen Durch dieses Verfahren kann am leichtesten sichergestellt werden,
dass die Kühe häufig genug gemolken werden. Im total freien Kuhverkehr haben die Tiere
ungehindert Zugang zum Liege-, Fress- und Melkbereich und können verhältnismässig frei
wählen, ob sie ruhen, fressen oder gemolken werden wollen. In diesem Verfahren kann es
vorkommen, dass einzelne Kühe nicht häufig genug den Melkroboter betreten und entsprechend
manuell in den Roboter geholt werden müssen. Dazwischen gibt es verschiedene
Zwischenformen von teilweise gelenktem Kuhverkehr. Der vollständig gelenkte Kuhverkehr
kann vor allem für rangtiefe Kühe ein Problem darstellen, wie eine Studie aus Schweden
gezeigt hat (Wiktorsson et al., 2003). Tiefrangige Kühe mussten bei gelenktem Kuhverkehr
viel länger warten als hochrangige, bevor sie im Roboter gemolken werden und anschliessen
wieder in den Ruhe bzw. Fressbereich gehen durften (Abbildung 3a). Gleichzeitig nahmen
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die Liegedauer dieser Kühe (Abbildung 3b) sowie die Häufigkeit der Besuche am Fressgitter
ab. Der Melkroboter bringt also für die Kühe mehr Freiheiten, diese können sich aber für die
einzelnen Individuen einer Herde sehr unterschiedlich auswirken.
Abbildung 3: Aufenthaltsdauer im a) Wartebereich und b) Liegebereich für hoch- und
tiefrangige Kühe im AMS bei zunehmend stark gesteuertem Kuhverkehr (nach Wiktorsson et
al., 2003)
Literatur
Albright, J.L. & Arave, C.W. (1997): The Behaviour of Cattle. CAB, Wallingford.
Bogner, H. & Grauvogl, A. (1984): Verhalten landwirtschaftlicher Nutztiere. Ulmer, Suttgart.
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Stuttgart.
Nydegger, F., Schick, M., Ammann, H., Schrader, L.& Keil, N. (2001): Futtervorschieber bei
Milchkühen. FAT-Bericht 578
Phillips, C.J.C. (2002): Cattle Behaviour & Welfare. Blackwell Science.
Reinhardt, V. (1980): Untersuchungen zum Sozialverhalten des Rindes – eine zweijährige
Beobachtung an einer halb-wild lebenden Rinderherde (Bos indicus). Birkhäuser
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Rist, M. & Schragel, I. (1993): Artgemässe Rinderhaltung. C.F. Müller, Karlsruhe.
Wierenga, H. K. (1990): Social dominance in dairy cattle and the influences of housing and
management. Applied Animal Behaviour Science, 27:3, 201-229
Wiktorsson, H., Pettersson, G., Olofsson, J., Svennersten-Sjaunia, K. & Melin, M. (2003):
Welfare status of dairy cows in barns with automatic milking. Bericht aus dem EUProjekt
‘Implications of the introduction of automatic milking on dairy farms’ (QLK-
2000-31006)
0.5
1.5
2.5
3.5
4.5
frei teilweise
gelenkt
vollständig
gelenkt
Aufenthalt im Wartebereich vor AMS (h)
10
12
14
16
18
20
frei teilweise gelenkt vollständig
gelenkt
Aufenthalt in Liegeboxen (h)
hochrangig
tiefrangig

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Workshop 5: Wirkungskontrolle der Melkzeugzwischendesinfektion mit PES
Frau I. Model
Das Ziel einer Melkzeugzwischendesinfektion, weitgehende Abtötung mastitisrelevanter
Keime, kann nur erreicht werden, wenn alle erforderlichen Bedingungen gegeben sind.
Es ist Aufgabe der Beratung in den Milcherzeugerbetrieben Unzulänglichkeiten, die eine
wirksame Desinfektion verhindern, aufzudecken und abzuändern.
Bei allen Möglichkeiten zur Melkzeugzwischendesinfektion müssen folgende technischen
Gegebenheiten gesichert sein:
• eine sichere Trennung der milchführenden Teile,
• eine dem Desinfektionsmittel angepasste Einwirkzeit,
• eine gute Benetzung der Zitzengummiflächen,
• die verwendeten Materialien und Bauteile müssen so korrosionsfest sein, dass sie durch
die eingesetzten Desinfektionsmittel nicht geschädigt werden.
Je nach Melkanlage kommen folgende technische Lösungen in Frage:
• Tauchen in Eimer oder Wannen,
• Einsprühen in Zitzengummis mittels transportablem Sprühgerät oder mit im Melkstand
installierter Sprüheinrichtung (Dipp-Sprühanlage),
• Airwash-Anlage,
• Backflush-Anlage,
• Pulsasept-Anlage,
• Lely-Wash
• Labu-Total ( mit Desinficin CL zu betreiben, hier nicht beschrieben).
(Die Funktion der Systeme ist in der WGM -Homepage - AG Hygiene - nachzulesen)
Entscheidend für den Desinfektionserfolg ist der Einsatz eines Desinfektionsmittels, das
folgende Bedingungen erfüllt:
• Es soll schnell wirken (< 1Minute), weil nur die Zeit des Tierwechsels zur Verfügung
steht.
• Seine Wirkung soll das breite Spektrum der euterpathogenen Keime erfassen.
• Es soll für das Lebensmittelbereich zugelassen sein.
• Es soll die Umwelt nicht mit zusätzlichen Schadstoffen belasten.
• Hinsichtlich Kosten soll es vertretbar sein.
9.
63
Diese Kriterien erfüllt der Wirkstoff Peroxyessigsäure (PES) am besten. In mehr als
40 Jahren Anwendung in der Human- und Veterinärmedizin, sowie in der Getränke- und
Milchindustrie hat die Peressigsäure bewiesen, dass sie bei sachgemäßer Anwendung diese
Anforderungen erfüllt. Ihre umfassende mikrobizide und extrem schnelle Wirkung ohne
Resistenzbildung für alle Mikroben im Temperaturbereich von 4 bis 37 °C ist vielfach nachgewiesen.
PES bildet keine toxischen Rückstände, weil bei ihrer Anwendung ein Zerfall in
Aktivsauerstoff, Wasser und in schwache Essigsäure zustande kommt. Deshalb ist ihre Anwendung
auch im Lebensmittelbereich zugelassen.
Als Nachteile wären zu nennen:
• Eisenhaltiges Wasser beeinflusst die Wirkung negativ.
• Organische Bestandteile (Kot, Milch) beschleunigen den Abbau.
• PES hat eine korrodierende Wirkung auf unedle und Buntmetalle.
• Die Gefahr der Brennbarkeit und Explosion ist je nach Typ der PES bei dem
Epoxidierungstyp groß bzw. Desinfektionstyp nicht vorhanden.
• Die Sicherheitsvorschriften für Säuren sind streng einzuhalten.
Mittel, die einen hohen Anteil von PES enthalten, können in vorgeschriebenen Kanistern vorverdünnt
werden. Bei Lagertemperaturen unter 10°C ist dieses Gemisch im verschlossenen
Anwendungskanister etwa 4Tage brauchbar. Im Handel werden PES-Produkte mit einem
Anteil reiner Peressigsäure in der Varianz von 5% bis 40% angeboten. In allen Produkten ist
ein Anteil von 5% bis 30% Wasserstoffperoxyd enthalten. Dieser Anteil Wasserstoffperoxyd
sichert die Stabilität der Lösung, kommt aber bei kurzer Einwirkungszeit und geringer
Konzentration als Desinfektionswirkstoff kaum zur Wirkung.
Anwendungsempfehlungen
Für eine sichere Abtötung von Mastitiserregern bei der Anwendung der Melkzeugzwischendesinfektion
bedarf es
• einer ausreichenden Menge von wirksamer Desinfektionslösung, die den Zitzengummi
total benetzt, d.h. bei manueller Durchführung sollte im Schauglas die Flüssigkeit zu
sehen sein.
• In Abhängigkeit von der zur Verfügung stehenden Einwirkungszeit und den noch vorhandenen
Milchresten sollte folgender Anteil des Wirkstoffes PES in der Gebrauchslösung
gesichert sein:
ohne Vorspülen  Einwirkungszeit mindestens 60 s  1200 ppm
mit Vorspülen  Einwirkungszeit mindestens 50s  1000 ppm
mit Vorspülen  Einwirkungszeit nur 40 s  1200 ppm
9.
64
• beim Tauchen in Eimer oder Wannen ist die Lösung nach 1 bis 2 h (abhängig vom Verschmutzungsgrad)
zu wechseln. Es sollten nur kaltes Wasser und Plastikeimer verwendet
werden.
Abhängig vom Handelsprodukt können folgende Anwendungslösungen empfohlen werden:
Produktbeispiel Gehalt an PES
im Produkt
Empf. Anwendungslösung
in %
1000 -1200 ppm
Auf 10 Liter Wasser
Zugabe von
A < 40% 0,25 – 030 % 25 – 30 ml
B < 15% 0,65 - 0,80 % 65 – 80 ml
C < 10 % 1,00 - 1,20 % 100 – 120 ml
D < 5 % 2,00 – 2,40 % 200 – 240 ml
Eine gefahrlose und sichere Herstellung der Gebrauchslösung erreicht man durch den Einsatz
von automatischen Dosierstationen. Sie sollten in großen Betrieben zum Standard gehören.
Um die Aggressivität der Peressigsäure gegenüber unedlen Metallen abzubauen, entwickelte
die Firma Kesla Pharma die Pufferlösung alcapur E zum Wofasteril E 400 –als
Wofasteril kombi im Handel. Die Gebrauchslösung in diesem Wofasteril - Kombiverfahren
wird geruchlos und verliert ihre Aggressivität gegenüber unedlen und Buntmetallen. Alle
guten Desinfektionseigenschaften der PES bleiben erhalten. Zu beachten ist, dass die
Lösung nach 2-3 Stunden verbraucht sein muss. Für das Gemisch werden 10 Liter Wasser
mit 90 ml alcapur E und 30 ml Wofasteril E 400 gemischt.
Kontrolle der Wirksamkeit
Aufgabe der Beratung ist es, die oben angegeben Grundlagen in 3 Schritten zu prüfen:
 die technische Funktionssicherheit,
 die chemische Wirksamkeit,
 Nachweis der Desinfektionswirkung mit Hilfe von Tupferproben.
1. Technische Funktionssicherheit
1.1 Manuell durchgeführte Melkzeugzwischendesinfektion
Bei manuell ausgeführter Zwischendesinfektion (Sprühen, Tauchen) ist wie oben angegeben
die ausreichende Benetzung der Zitzengummis, die Einwirkzeit der Desinfektionslösung und
die chemische Wirksamkeit in einem Protokoll festzuhalten. Der Unsicherheitsfaktor ist in
diesem Fall der Bediener.
9.
65
1.2 Technische Anlagen zur Melkzeugzwischendesinfektion
Abhängig vom System der jeweiligen Firma sollte geprüft werden:
Backflush-System
- die Einzelmengen der Spülflüssigkeit pro Melkzeug auf jedem Melkplatz;
Vorgabe für Vorspülen Vorgabe für
Desinfektion
Vorgabe für Nachspülen
400 ml mindestens,
ohne Nachspülung
500 - 600 ml
400 ml mindestens,
ohne Nachspülung
500 ml
200 ml oder bei Zeitmangel
nur Ausblasen
- Die Konzentration der Desinfektionslösung: 1000 -1200 ppm PES. Zur Kontrolle der
Funktion sind auch stichprobenweise die Vor- und Nachspülflüssigkeiten auf PES -
Gehalt zu testen.
- Die Einwirkzeit der PES - Lösung vor dem Nachspülen soll möglichst 60 Sek. betragen.
- Durch Erhöhung der Konzentration kann das Defizit an Zeit nicht vollständig ausgeglichen
werden.
- Durch Weglassen des Nachspülens und anschließendes Ausblasen kann insbesondere
im Karussell ein Zeitgewinn erreicht werden.
- Die Höhe der Druckluft ohne Abnehmer sollte bei 3 - 6 bar liegen; während der Desinfektion
ist darauf zu achten, dass der Überdruck nicht unter 2,5 bar absinkt. Es ist
ebenso auf einen ausreichenden Wasserdruck zu achten.
Airwash-System:
Es arbeitet ohne Vor -und Nachspülung. Aus einem zentralen Behälter wird die angesetzte
Desinfektionslösung in 3 bis 11 Stößen (wählbar) mit Druckluft durch dünne Spülschläuche
mit kleinen Injektoren in die Zitzengummis gedrückt.
Geprüft werden sollte:
- die Menge der Spülflüssigkeit auf jedem Melkplatz. Sie sollte 800 ml im Gesamtmelkzeug
betragen und in 10-11 Schüben durchgedrückt werden.
- Wasserhärte sollte nicht > 20° dH liegen (Injektorenfunktion ist gefährtet).
- Die Einwirkzeit ist in der Regel mit > 60 s gegeben, da hier kein Nachspülen erfolgt.
- Da die Steuerventile nicht säurefest sind, sollte das Airwash nur mit Wofasteril –Kombilösung
oder Desinficin Cl betrieben werden. Die Desinficin Cl -Lösung sollte 0,5 % ig
verwendet werden. Bei Anwendung der Wofasteril kombi Lösung ist die Konzentration
mit 1200 ppm PES ausreichend. Dazu ist die automatische Zweikomponenten-Dosierstation
zu empfehlen.
9.
66
Pulsasept-Anlage
Das System ist ausschließlich für FGM – und Side by Side –Melkstände konzipiert. Es ist
modular aufgebaut und für drei Verfahren einsetzbar. In der Maximalvariante wird es mit
Wasser, Peressigsäure-kombi-Lösung und Druckluft betrieben. Zeiten und Flüssigkeitsmengen
können wie beim Backflush nach Wunsch programmiert werden. Zum Backflush
unterscheidet es sich nur dadurch, dass die Flüssigkeit nicht über den langen Milchschlauch
sondern am Milchsammelstück über die kurzen Milchschläuche die Zitzengummis desinfiziert.
Kontrolliert werden sollte:
- Flüssigkeitsmenge: Vorspülen + Desinfektion sollte mindestens 800 ml pro Melkzeug
betragen;
- PES-Anteil in der Desinfektionslösung Wofasteril kombi: 1200 ppm
- Wasserdruck: stabil 3-6 bar ist Voraussetzung für eine gleichbleibende Dosierung des
Desinfektionsmittels ( Proportionaldosierer) , pH-Wert 7 – 9,.
- Druckluft: 6 bar in Ruhestellung, während des Betriebes sollte sie nicht < 3 bar absinken.
- Einwirkzeit der Wofasteril kombi-Lösung: 50 s;
- Anzahl der Spülstöße : 6
2. Prüfung der chemischen Wirksamkeit der PES - Lösung
2.1 Schnellbestimmung mittels Merck – PES –Teststäbchen
Analysestäbchen sind im geschlossenen Röhrchen bei +2 bis +8°C aufzubewahren.
Der pH-Wert der zu messenden Lösung sollte zwischen 2 – 10 liegen.
- Merckoquant Peressigsäure-Test 1.179 22.0001 – ( 500 – 2000 mg/l = ppm) 2
Sekunden in die zu prüfende Gebrauchslösung tauchen, leicht abschütteln, 30 Sekunden
warten, Färbung der Reaktionszone einem Farbfeld auf der Farbskala der Packung zuordnen
und den dazugehörenden Messwert auf der Farbskala der Verpackung ablesen.
Oder bei niedrigeren Konzentrationen:
- Merckoquant Peressigsäure-Test 1.10001.0001- Analysestäbchen (100-500 ppm)
Anwendung: Reaktionszone des Stäbchens ca 1 Sekunde in die Messprobe tauchen,
überschüssige Flüssigkeit über die Längskante des Stäbchens ablaufen lassen und nach
10 Sekunden Farbvergleich auf der Packung (100 -500 ppm) durchführen,
Entspricht die Reaktionszone einem Farbfeld auf der Packung, dann liegt die Konzentration
der Lösung unter 500 ppm = zu niedrig für Melkzeugzwischendesinfektion. Ist die Färbung
des Teststreifens dunkler als die Vergleichsfelder auf der Packung, wird die Gebrauchslösung
im Verhältnis 1:1 mit Wasser verdünnt (z. B.100 ml Lösung mit 100 ml kaltem Wasser)
und erneut mit der Farbskala verglichen. Der auf der Packung abgelesene Wert ist mit 2
9.
67
zu multiplizieren. Ist diese Farbe noch zu dunkel 200 ml Wasser mit 100 ml Lösung
verdünnen, den abgelesenen Wert mit 3 multiplizieren. …usw.
2.2 Titration der PES - Konzentration in Gebrauchslösung
Benötigtes Material: Reagenzien:
1 Stck. 100 ml Messzylinder : Schwefelsäure 0,25%ig
1 Stck. 50 ml Messzylinder 0,1 N Kaliumpermanganat
1 Stck. 250 ml Erlmeyer-Kolben 10%ige Kaliumjoditlösung
2 Stck. 10 ml Messpipetten 0,1 N Natriumthiosulfat
1 Stck. 10 Liter Eimer
Durchführung:
Aus der Gebrauchslösung werden 10 ml mit 90 ml Leitungswasser verdünnt und in den
Erlmeyerkolben gegeben. Dazu gibt man mit der Messpipette10 ml 25%ige Schwefelsäure.
Anschließend wird tropfenweise Kaliumpermanganatlösung unter Umschütteln zugegeben
bis eine helle rosa Färbung stabil verbleibt. Danach werden der Lösung 10 ml Kaliumjodidlösung
zugegeben. Es tritt eine gelb-braune Färbung ein. 0,1 N Natriumthiosulfatlösung
wird nun aus der Messpipette langsam eingetropft bis die gelb-braune Färbung verschwunden
ist. Dabei ist der Erlmeyerkolben ständig zu bewegen.
Berechnung:
Verbrauch 0,1 N Natriumthiosulfat in ml x Faktor 38 x 10 = ppm PES in der Lösung.
Beispiel: Verbrauch 2,7 ml Natriumthiosulfat x 38 x10 = 1026 ppm PES in der Lösung
3. Mikrobiologischer Nachweis der Wirksamkeit der Melkzeugzwischendesinfektion
Ziel:
Es soll festgestellt werden, ob die angewandte Desinfektionsmaßnahme Keime weitgehend
abtötet.
Material:
Pro Melkzeug werden zwei sterile mit Amies-Transportmedium versehene Tupfer und dazu
gehörende Transportröhrchen entsprechend beschriftet: Tupfer 1 = vor der Desinfektion;
Tupfer 2 nach der Desinfektion.
Methode:
Unmittelbar nachdem das Melkzeug vom Euter abgenommen wurde, nimmt man mit dem
Tupfer 1 mit leichtem Druck aus jeden der 4 Zitzengummis je eine Runde im Schaft ab und
steckt den Tupfer wieder in das Transportröhrchen. Der Tupfer 2 wird, nachdem die
9.
68
Zwischendesinfektion erfolgt ist, kurz vor dem Ansetzen an das nächste Euter, (Mindesteinwirkzeit
berücksichtigen) am selben Melkzeug in der gleichen Weise eingesetzt. Dabei
sollte beachtet werden, dass bei Tupfer 1 die Verschlusskappe des Tupfers auf der Zitzengummikopföffnung
lang geführt wird. Bei Tupfer 2 sollte der Plastikstab 1cm über dem
Zitzengummirand herausragen, damit ein Doppelabstrich auf gleicher Fläche vermieden
wird. Die Proben sollten gekühlt transportiert und gelagert werden. Zwischen Probenahme
und Untersuchung dürfen nicht mehr als 24 Stunden liegen.
Laboruntersuchung:
Als Nährboden wird 1 Platte Blutagar mit Äskuli- Zusatz verwendet. Tupfer 1 zuerst auf eine
halbe Platte mäanderförmig in etwa 12 Impfstrichen aufbringen. Tupfer 2 auf gleiche Weise
auf die andere Hälfte der Platte ausstreichen. Bebrütung 24 Stunden bei 37 °C.
Die Auswertung erfolgt nach Gesamtkeimzahl und gegebenenfalls differenziert nach
Keimgruppen. Es wird gegenübergestellt:
- Wachstum der Keime aus Tupfer 1 (unmittelbar nach dem Melken) zu
- Wachstum der Keime aus Tupfer 2 (nach der Zwischendesinfektion).
Tupfer 1, die kein Wachstum ausweisen, werden von der Auswertung ausgeschlossen.
Beurteilung des Wachstums: = Beurteilung des Desinfektionserfolges
Keine Kolonien = sehr gut ( - )
Bis 30 Kolonien = gut ( + )
30 bis 100 Kolonien = mäßig (++)
mehr als 100 Kolonien = ungenügend (+++)
Die Desinfektion gilt als ausreichend, wenn 90% der Proben aus den Tupfern 2 (nach der
Desinfektion) sehr gute und gute (- oder +) Ergebnisse aufweisen.

9.
33
Workshop 2: Was sagt die Milchleistungsprüfung über die Fütterung und Gesundheit
der Tiere?
Frau Dr. K. Mahlkow-Nerge
Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein
Mit steigenden Milchleistungen werden höhere Anforderungen an die Genauigkeit der
Rationsberechnung und an die Exaktheit der Arbeitsdurchführung gestellt. Darüber hinaus
nimmt auch die produktionsbegleitende Überwachung an Bedeutung zu.
Die Daten der monatlichen Milchleistungsprüfung liefern dafür sehr wertvolle Informationen.
Anhand eines konkreten Beispiels aus Schleswig-Holstein soll nachfolgend aufgezeigt werden,
wie diese Milchkontrolldaten zu lesen und zu interpretieren sind und welche Schlüsse
sich daraus für das Management ergeben.
Jeder an der Milchkontrolle teilnehmende Landwirt erhält alle vier Wochen einen Überblick
über die durchschnittlichen Milchmengen und Milchinhaltstoffe am jeweiligen Prüftag von
allen Tieren und im Vergleich dazu die Herdendurchschnittsergebnisse des Vormonats und
auch des Vorjahresmonats (Abbildung 4). Diese Daten liefern erste Hinweise für das
Leistungsniveau und die Leistungsentwicklung der Herde.
Abbildung 4: Ausdruck aus dem Prüfbericht: Herdenübersicht
9.
34
Darüber hinaus ist anhand der dargestellten mittleren Zellzahl der Tiere und anhand der
Tierzahl, die eine möglicherweise krankheitsbedingte hohe Zellzahl (> 200) aufweisen, ein
schneller allgemeiner Überblick über die Eutergesundheit möglich.
Der Vergleich der gleitenden Herdendurchschnittsleistung der Milchkühe mit dem Vorjahr
verdeutlicht noch einmal die Leistungsentwicklung.
Eine differenzierte Auflistung der Leistungen der Tiere in den verschiedenen Laktationsabschnitten
ermöglicht einen ersten Überblick über die Einstiegsleistung der Kühe und Färsen
zu Laktationsbeginn, die Persistenz, aber auch über mögliche gesundheitliche Probleme wie
z.B. Ketosen oder Azidosen.
Abbildung 5: Ausdruck aus dem Prüfbericht: Übersicht der einzelnen Laktationsstadien
Wie diese einzelnen Milchmengen und –inhaltstoffe zu interpretieren sind, wird nachfolgend
aufgezeigt.
Dafür geht man von einer Standardlaktationskurve (Zielwerte) für diese Herdendurchschnittsleistung
(in diesem Fall 9.000-10.000 kg Milch) aus (Tabelle 3).
Für die insgesamt recht hohe Herdendurchschnittleistung in diesem Beispielbetrieb erscheinen
die 33 kg Milch im ersten Laktationsdrittel niedrig. Dabei muss jedoch der hohe
Färsenanteil (45 %) berücksichtigt werden. Daraus erklärt sich auch die insgesamt niedrige
Differenz in der Milchleistung zwischen dem 1. und 2.Laktationsdrittel.
Unter Berücksichtigung des jeweiligen Färsenanteils im Betrieb ergeben sich folgende
Zielwerte für die Milchleistung (Tabelle 4).
Die tatsächlich erbrachten Milchmengen lagen um 2 kg (1.Laktationsdrittel), 0,4 kg (2. Laktationsdrittel)
und 2,6 kg (3.Laktationsdrittel) unter den Zielwerten. Daraus werden zwei
Schwachpunkte im Betrieb deutlich: mangelhafte Einstiegsleistung und schlechte Persistenz.
9.
35
Tabelle 3: Standardlaktationskurve
Zielwerte bei einer Herdendurchschnittsleistung von ~ 9.500 kg
Milchleistung: Laktationstage kg/Tag
Färsen Kühe
10-100 33 37
101-200 32 33
>200 28 25
Ø 31 32,5
Tabelle 4: Zielwerte für den Betrieb unter Berücksichtigung des Färsenanteils
Laktationstage Färsenanteil Zielwert Betrieb Abweichung
10-100 45 % 35,2 kg -2 kg
101-200 25 % 32,8 kg -0,4 kg
>200 41 % 26,2 kg -2,6 kg
Ø 37 % 31,9 -1,0
Die Milchinhaltsstoffe Fett, Eiweiß und Milchharnstoff geben ebenfalls Aufschluss über die
Versorgungslage der Tiere. Während der Milchfettgehalt vorrangig die Strukturversorgung
widerspiegelt, wird der Milcheiweißgehalt hauptsächlich von der Energie-, erst dann von der
Eiweißversorgung der Kuh beeinflusst. Besonders das Verhältnis von Fett zu Eiweiß (F:E -
Quotient) in der Milch lässt einmal Rückschlüsse auf die Gesundheitslage, besonders auf
den Kohlenhydrat-Fett-Stoffwechsel und zum anderen auf die Strukturversorgung zu. Ist das
Verhältnis z.B. bei Holstein Frisian größer als 1,5, kann eine ketotische Stoffwechsellage
Ursache dafür sein. Niedrigere Werte als 1,0 deuten eher auf azidotische Stoffwechsellagen
aufgrund einer mangelnden Strukturversorgung und/oder einer Überversorgung mit leicht
löslichen Kohlenhydraten (Zucker + Stärke) hin.
Die Milchfett- und –eiweißgehalte waren im vorgestellten Betrieb im gleitenden Herdendurchschnitt
bei 3,91 % bzw. 3,36 % unauffällig. Jedoch fiel in der aktuellen Milchkontrolle
der niedrige Milcheiweißgehalt (3,11 %) der Tiere im ersten Laktationsdrittel auf.
9.
36
Abbildung 6: Milcheiweißgehalte als Ausdruck der Energieversorgung
Zudem zeigten vor allem Tiere mit einer Tagesleistung von mehr als 30 kg Milch einen sehr
niedrigen und unterhalb des optimalen Wertes abgerutschten Milcheiweißgehalt.
Bei Betrachtung der Einzeltierdaten fiel weiterhin auf, dass zahlreiche Tiere in der (den)
ersten Milchkontrolle(n) nach der Kalbung einen Fett/Eiweißquotienten über 1,5 aufwiesen
(Abbildung 7).
Viele dieser Tiere hatten dabei einen Milcheiweißgehalt unter 3,0, im Vergleich dazu einen
deutlich erhöhten Milchfettgehalt. Ersterer zeugt von einer sehr mangelhaften Futter- und
damit Energieaufnahme, letzterer von einer starken Körperfettmobilisation.
Beides ist Ausdruck einer ketotischen Stoffwechsellage/ Leberverfettung/ stark negativen
Energiebilanz und deutet auf mögliche Probleme im Trockenstehermanagement hin.
Der Höhepunkt solcher Ketosen ist meistens in der 3. bis 5.Woche nach der Kalbung.
Weiterhin fiel der mit über 300 mg/kg Milch insgesamt sehr hohe Harnstoffgehalt auf. Dieses
kann als Zeichen einer übermäßigen Eiweißversorgung, aber auch als Zeichen einer ungenügenden
Energieversorgung und damit als Missverhältnis zwischen im Tier angefluteter
Energie- und Eiweißmenge interpretiert werden. Der Milchharnstoffgehalt spiegelt das
Verhältnis von Stickstoff zur verfügbaren Energie im Pansen wider.
Ein nachteilig hoher Harnstoffgehalt über 300 mg/l Milch tritt besonders dann auf, wenn das
Eiweißangebot im Futter den Eiweißbedarf deutlich übersteigt oder ein Energiemangel bei
ausreichender Eiweißbedarfsdeckung besteht.
9.
37
Abbildung 7: Einzeltierdaten
9.
38
Milchkontrollergebnisse (MLP-Daten) und deren Aussage
Information/Merkmal Bemerkungen
Ergaben sich Veränderungen der
Herdendurchschnittsleistung im
Jahresverlauf bzw. zum Vorjahr?
- bei Reduzierung mögliche Ursachen:
Fütterungs-, Haltungs-,
Gesundheitsveränderungen in der Herde
Haben die Kühe in der 5. bis 7.
Laktationswoche ihre Höchstleistung
(Peak) erreicht?
- Tritt die erwartete Peakleistung nicht ein,
sind besonders die Eiweißversorgung, das
Trockensteher- und Abkalbemanagement
sowie die Haltung und Fütterung beim
Laktationsstart zu überprüfen
Liegt die Höchstleistung der Färsen max.
25 % unter der der Kühe?
- Ist die Differenz größer, sind besonders die
Haltung und Fütterung in der Jungrinderaufzucht,
die Färseneingliederung in den Kuhbereich
und die Anfütterung der Färsen zu
überprüfen.
Ist die Persistenz der Lakationskurve
erwartungsgemäß, d.h. die Milchmenge bei
Färsen sinkt nach dem Laktationspeak um
nicht mehr als 6%, bei älteren Kühen um
nicht mehr 9% pro Monat?
- Wenn die Leistung stärker abfällt, sind die
Fütterung (v.a. die Energieversorgung durch
die Ration) und der Gesundheitszustand der
Tiere (v.a. ketotische Stoffwechsellagen; F/E
>1,5) zu überprüfen.
Beträgt die Differenz zwischen der
Durchschnittsleistung aller Tiere des
1.Laktationsdrittels und dem Mittelwert der
beiden höchsten Milchleistungen innerhalb
der ersten 3 Milchkontrollen (Peak) nicht
mehr als 2,3 Kilogramm?
- Größere Differenzen deuten auf Probleme in
der Frühlaktation (gesundheitliche Störungen,
unzureichende Energieversorgung)
hin.
Milchleistung beim Trockenstellen: lässt
Rückschlüsse über die Homogenität einer
Herde zu
- Liegt die Tagesmilchmenge zum Trockenstellen
bei ca. 80% der Tiere < 5 kg auseinander,
ist die Herde sehr homogen.
9.
39
Milchfett:
Parameter für die Energie-/ Struktur-
Versorgung
Zielwerte:
Laktationsbeginn: nicht mehr als 0,3-0,4 %
unter dem Herdendurchschnitt
Laktationsende: < 0,3-0,4 % über dem
Herdendurchschnitt
- hoher Fettgehalt (> 5 %) und kombiniert mit
niedrigem Eiweißgehalt (< 3,2): zu wenig
Energie aufgenommen, stattdessen massiv
Körperreserven abgebaut (Ketoseverdacht)
- hoher Fettgehalt in Kombination mit hohem
Eiweißgehalt ab Laktationsmitte:
energetische Überversorgung
- niedriger Fettgehalt (< 3,6):
Strukturprobleme (Azidose)
Fettgehalt optimieren:
- hohe Grundfutteraufnahme, bedarfsgerechte
Strukturversorgung, Überversorgung an
schnell fermentierbaren Kohlenhydraten
vermeiden
Milcheiweiß:
Parameter für Energie-Versorgung
Zielwerte (für Schwarzbunte):
Laktationsbeginn: > 3,2 %
Laktationsende: < 3,6 %
Eiweißgehalt maximieren:
- Bedarfsgerechte Versorgung mit XP, nXP
- RNB der Ration nicht < 1,5 g/kg TM
- UDP von 30 % bei Milchleistungen > 30
kg/Tier und Tag
- ausreichend fermentierbare Kohlenhydrate
(Zucker und Stärke)
Fett/Eiweiß-Quotient der Milch: Zielwerte:
1,2 bis 1,4
- Fett:Eiweiß: > 1,5 = Ketose-
/Energiemangelgefahr
- Fett:Eiweiß: < 1,0 = Azidosegefahr
Fett/Eiweiß-Quotient optimieren:
- Stärkegehalt der Ration < 28 % i.d.TM
- NFC: < 40 % i.d.TM
- Fettgehalt < 5 % i.d.TM
- Rohfasergehalt > 16 % i.d.TM
- strukturwirksame Rohfaser: > 9,5 % i.d.TM
- Strukturwert nach DeBrabander: > 1,2
- physikalisch effektive NDF (aus
Grundfutter): > 17 % i.d.TM
9.
40
Harnstoffgehalt der Milch: im Zusammenhang mit Milch-Eiweiß (Energie-Versorgung)
interpretieren
Milchharnstoffgehalt Eiweiß- mg/kg
gehalt % < 150 150 - 300 > 300
< 3,20 Eiweiß- und
Energiemangel
Energiemangel
Eiweißüberschuss
und Energiemangel
3,20 –
3,60
Eiweißmangel + leichter
Energieüberschuss
Eiweiß und Energie
ausgeglichen
Eiweißüberschuss und
leichter Energiemangel
> 3,60 Eiweißmangel und
Energieüberschuss
Energieüberschuss Eiweiß- und
Energieüberschuss
Eutergesundheit
Ø Herdenzellzahl nicht über 150.000/ml
Nicht mehr als 5 % Färsen mit über 100.000
Zellen/ml
Nicht mehr als 8 % Tiere mit über 400.000
Zellen/ml
Zellzahl einzelner Tiere
Nicht mehr als 2 % Millionäre
Ausheilungsgrad nach dem Trockenstellen über 75%
Abgänge wegen mangelnder Eutergesundheit
max. 4 % /Jahr in der Herde
Die monatlich von allen Kühen und Färsen verfügbaren Milchkontrolldaten lassen
gute Rückschlüsse auf die Haltung, Fütterung und Gesundheit der Tiere zu. Deshalb
sollten sie als ein zentrales Hilfsmittel im Rahmen der Managementkontrolle intensiv
genutzt werden.

9.
1
Physiologische Grundlagen der Milchejektion
Herr Prof. Dr. R. Bruckmaier
Universität Bern, Vetsuisse Fakultät, Abteilung Veterinär-Physiologie
Das optimale Zusammenwirken zwischen der physiologischen Regulation der Milchabgabe
bei der Kuh, den Einstellungen der Melkanlage und einer guten Melkroutine gewährleisten
eine schonende und vollständige Euterentleerung bei gleichzeitiger Erhaltung der Eutergesundheit.
Da die physiologischen Regelmechanismen beim Tier durch den Menschen
nicht veränderbar sind, müssen Melktechnik und Melkroutine entsprechend der Physiologie
angepasst werden, um ein optimales Zusammenspiel zwischen Milchabgabe und
Milchentzug zu erreichen.
Verfügbarkeit der Milch vor Melkbeginn
Bezüglich ihrer Verfügbarkeit für die Milchabgabe ist die im Euter gespeicherte Milch in zwei
Fraktionen einzuteilen: die Zisternenmilch und die Alveolarmilch. Die Zisternenmilch, sammelt
sich während der Zwischenmelkzeiten kontinuierlich in den Hohlräumen von Zitze und
Drüse sowie in den großen Milchgängen an und ist jederzeit verfügbar. Lediglich der Zitzenschließmuskel
verhindert ihr Abfließen. Ihr Anteil liegt bei den meisten Tieren bei maximal
20 % der gesamten Milchmenge und ist bei älteren Tieren höher als bei jungen. Besonders
niedrig ist der Anteil der Zisternenmilch gegen Ende der Laktation und in den ersten 4-5 h
nach dem Melken.
Entsprechend ist bei kurzen Melkintervallen, wie sie bei hohen Melkfrequenzen (z.B. viermal
täglich) oder in automatischen Melksystemen auftreten können, kaum Zisternenmilch vorhanden.
Auch bei zweimaligem täglichen Melken treten aufgrund der üblicherweise ungleichen
Verteilung der Melkintervalle zwischen Morgen- und Abendmelken beim Abendmelken
kleinere Zisternenmilchmengen auf.
Die Alveolarmilch, gespeichert in den Drüsenbläschen (Alveolen) und kleinen Milchgängen,
kann aufgrund des kleinen Gefäßdurchmessers nicht von selbst abfließen, d.h. sie ist nicht
unmittelbar für die Melkmaschine verfügbar. Erst durch die aktive Kontraktion der Alveolen
und kleinen Milchgänge wird die Alveolarmilch in die Zisterne gepresst und steht damit
ebenfalls für den Milchentzug zur Verfügung. Dieser Vorgang wird als Einschießen der Milch
bzw. Milchejektion bezeichnet.
9.
2
Grundlagen der Milchejektion
Die aktive Verlagerung von Alveolarmilch in die Zisternenhohlräume (Milchejektion) wird
durch mechanische Stimulation des Euters (manuell oder maschinell), vor allem im Zitzenbereich,
in Form eines Reflexes (Milchejektionsreflex) ausgelöst. Dabei sind die Ansprüche
der Kuh an Art und Intensität der Stimulation gering; nur mit Schmerzen darf sie nicht verbunden
sein. Es ist aber mittlerweile gesichert, dass ein Berührungsreiz an der Zitze zur
Auslösung der Milchejektion notwendig ist. Optische und akustische Reize, wie die Wahrnehmung
der Melkumgebung oder der Geräusche der Melkmaschine führen nicht zu einer
Milchejektion. Ein „Laufenlassen“ von Milch vor dem Melken, kann allerdings durch solche
optische und akustische Reize gefördert werden. Dieses Phänomen hat nichts mit Milchejektion
zu tun, sondern hängt mit einer Herabsetzung der Schließkraft der Zitzenmuskulatur
zusammen, die vom Gehirn aus über das sympatische Nervensystem ausgelöst wird. Das
Laufenlassen der Milch tritt vor allem bei Vierteln mit besonders großen Zisternenhohlräumen
auf; der hydrostatische Druck ist in diesem Fall besonders hoch. Wenn dann der Tonus
einer ohnehin nicht sehr starken Muskulatur um den Strichkanal abnimmt, kann Milch abfliessen.
Die Stimulation des Euters von Hand oder durch die Melkmaschine löst einen Nervenreiz
aus, der über das Rückenmark zum Hypothalamus geleitet wird. Der Reiz wird dort umgeschaltet
auf andere Nerven und zum Hinterlappen der Hypophyse (Neurohypophyse) übertragen.
Diese setzt schließlich das Hormon Ocytocin frei, das sich an den Korbzellen der
Alveolen anlagert. Deren Kontraktion bewirkt das Auspressen der Alveolarmilch in das Milchgangsystem
und in die Zisterne - die Milchejektion.
Die Ansprüche an die Intensität des Stimulus zur Auslösung der Milchejektion sind äußerst
gering. Selbst ein nach dem Ansetzen des Melkzeuges nicht pulsierender Zitzengummi führt
zu einer Freisetzung von Ocytocin und Milchejektion. Auch die normale Pulsation des Zitzengummis
hat eine ausreichende Stimulationswirkung zur Auslösung der Milchejektion. Bereits
ein geringer Anstieg von Ocytocin im Blut ist ausreichend, um eine maximale Milchejektion
auszulösen (Schwellenwert).
Die Milchejektion bewirkt einen steilen Anstieg des Druckes in der Zisterne. Mit der Milchejektion
vergrössern sich die Zisternenhohlräume, während gleichzeitig das entleerte Drüsengewebe
durch den Druckanstieg in der Zisterne zurückgedrängt wird. Mit der Milchejektion
findet also eine Umverteilung eines grossen Teiles der Milch statt vom hauptsächlich im
oberen Bereich des Euters lokalisierten Drüsengewebe in die Zisternenhohlräume, die sich
in der Zitze und unmittelbar darüber befinden. Die Veränderung kann man kaum von aussen
sehen, wohl aber beim Berühren des Euters erfühlen. Wenn auch nach einer ausgiebigen
9.
3
Stimulation die Milch im oben gelegenen Drüsengewebe verbleibt, d.h. eine Störung der
Milchejektion vorliegt, spricht man deshalb vom „Aufziehen der Milch“.
Die Dauer einer taktilen Stimulation bis zum Beginn der Milchejektion hängt vom Füllungsgrad
des Euters ab. Relativ leere Euter, die auch über wenig Zisternenmilch verfügen, müssen
besonders lang stimuliert werden, bis es zur Milchejektion kommt. Relativ leere Euter
verfügen auch über wenig Zisternenmilch. Basierend auf der Abhängigkeit von Zisternenmilch
und Beginn der Milchejektion von der Euterfüllung hängt auch die optimale Dauer einer
Eutervorbereitung bzw. Vorstimulation wesentlich vom Füllungsgrad des Euters ab. Je leerer
das Euter, desto mehr wirkt sich eine ausreichende Eutervorbereitung positiv auf die Euterentleerung
aus.
Eutervorbereitung und Vorstimulation
Der Anspruch der Vorstimulation ist der Beginn des Transfers von Alveolarmilch in die Zisternenhohlräume
bereits vor Melkbeginn. Dies kann durch manuelle Vorstimulation beschehen,
aber auch durch verschiedene spezielle Einstellungen der Melkmaschine, die ein Einwirken
des vollen Melkvakuums vor der Milchejektion vermeiden oder ein Abmelken von Milch in
grösserem Umfang durch Geschlossenhalten des Zitzengummis vermeiden, während die
Stimulationswirkung der Pulsation trotzdem ausgeübt wird.
Bei vollen Eutern dauert es von Stimulationsbeginn bis zum Beginn der Milchejektion 40 bis
50 Sekunden, bei wenig gefüllten Eutern können bis zu 2 Minuten vergehen. Da bei vollen
Eutern gleichzeitig relativ viel Zisternenmilch vorhanden ist, reicht in diesem Fall (Anfang der
Laktation und lange Zwischenmelkzeit) eine kurze Eutervorbereitung (einschliesslich Zitzenreinigung
und Abmelken der ersten Milchstrahlen) von 20 Sekunden. Bei extrem geringer
Euterfüllung kann eine Vorstimulation von bis zu 90 Sekunden vorteilhaft sein kann, zumal
es in dieser Zeit auch kaum Zisternenmilch gibt, mit der Zeit bis zur Milchejektion überbrückt
werden kann, um ein Melken leerer Zitzen zu vermeiden. Allerdings ist in solchen Fällen,
meist kurz vor dem Trockenstellen, zu prüfen, ob sich der hohe Zeitaufwand für die Eutervorbereitung
bei der zu erwartenden geringen Milchmenge noch lohnt. Die Alternative wäre
ein sofortiges Trockenstellen.
Zur Eutervorbereitungsphase zählen zunächst alle taktilen Massnahmen an den Zitzen, die
der Kuh keine Schmerzen bereiten, also auch Vormelken und Reinigung der Zitzen. Darüber
hinaus ist es nicht notwendig, dass während der Eutervorbereitung durchgehend stimuliert
werden muss. Auch eine Kombination von relativ kurzer taktilen Stimulation und einer kurzen
Wartezeit bis zur Milchejektion werden hervorragende Melkergebnisse erreicht, teilweise
sogar besser, als bei durchgehender Stimulation bis zum Melkbeginn. Ein solches Verfahren
ist allerdings ausschließlich bei manueller Eutervorbereitung sinnvoll. Durch die Vorbereitung
9.
4
mehrerer Kühe bevor diese dann nacheinander angesetzt werden kann eine relativ konstante
Wartezeit zwischen taktiler Stimulation und ansetzen des Melkzeugs erreicht werden. In
der Regel reicht eine taktile Stimulation von 15 bis 30 Sekunden aus, um die Freisetzung von
Ocytocin auszulösen und für mindestens eine wietere Minute aufrecht zu erhalten. Während
einer an die taktile Stimulation anschliessenden Wartezeit von bis zu 60 Sekunden kann
dann die Ejektion erfolgen (abhängig von Laktationsstadium und Euterfüllung, siehe oben).
In diesem Zusammenhang ist aber unbedingt davor zu warnen, die Wartezeit zwischen taktiler
Vorstimulation und Melkbeginn auf über 2 Minuten auszudehnen; in diesem Fall verschlechtern
sich die Melkergebnisse aufgrund einer vorübergehenden völligen Unterbrechung
des Ejektionsgeschehens.
Die Milchejektion während des gesamten Melkens
Mit der Milchejektion am Melkbeginn kann in der Regel nur etwa die Hälfte der Alveolarmilch
in die Zisterne verlagert werden, bevor tatsächlich Milch abgemolken wird. Wir konnten zeigen,
dass die Milchejektion während des gesamten Melkvorgangs weiter geht. Deshalb müssen
auch die Ocytocinkonzentrationen bis zum Melkende erhöht bleiben, um eine gute
Euterentleerung zu erreichen. Die Stimulationswirkung des Melkzeuges, die normalerweise
gewährleistet ist, ist also absolut notwendig für den Fortgang der Milchejektion während des
Melkens.
In diesem Zusammenhang ist auch die Problematik einer unterbrochenen Milchejektion zu
sehen, die auftritt, wenn zwischen Eutervorbereitung (Reinigung, Stimulation) und dem
eigentlichen Melkbeginn Wartezeiten von mehr als zwei Minuten auftreten. Wenn die Stimulation
beendet wird, fallen die Ocytocinkonzentrationen nach ca. 2 Minuten wieder ab und die
Myoepithelzellen erschlaffen wieder. Es dauert dann besonders lang, erneut Ocytocin freizusetzen
und die Myoepithelzellen wieder zur Kontraktion zu bringen. Unter solchen Bedingungen
kann die Milchabgabe stark gestört und unvollständig sein.
Störungen der Milchejektion und Behandlung mit exogenem Ocytocin
Milchejektionsstörungen treten relativ häufig auf bei erstlaktierenden Kühen unmittelbar nach
der Geburt, verschwinden dann aber in vielen Fällen etwa 10 Tage später. Auch bei Veränderungen
der Melkroutine oder bei der Umstellung des Haltungssystems (Anbindestall –
Laufstall etc.) treten vorübergehend solche Störungen auf. Alle in der Praxis bekannten
Milchejektionsstörungen beruhen auf einer reduzierten oder völlig fehlenden Freisetzung von
Ocytocin aus der Neurohypophyse. Stresssituationen, die man als Ursache für die Störungen
annehmen könnte, sind vielfach nicht offensichtlich. Auch gilt es mittlerweile als gesichert,
dass Störungen der Milchejektion nicht von erhöhten peripheren Konzentrationen von
9.
5
Katecholaminen wie Adrenalin und Noradrenalin ausgelöst werden. Katecholamine erhöhen
im Gegenteil sogar die Freisetzung von Ocytocin. Die Jahrzehnte lange Annahme, dass
Adrenalin als Gegenspieler des Ocytocins zu sehen ist, ist keinesfalls haltbar. Während die
Ursachen für Milchejektionsstörungen nicht offensichtlich sind und offensichtlich nicht immer
in der Umwelt zu suchen sind, gelten endogene Opiate im Zentralnervensystem als Mediatoren
für deren pathophysiologische Regulation. Aufgrund der offensichtlichen Regulation
der Milchejektionsstörungen im Gehirn, gibt es gegenwärtig keine wirklich Therapie. Lediglich
kann das Fehlen der Freisetzung von Ocytocin aus der Hypophyse durch die Injektion
exogenen Ocytocins ersetzt werden. Das Ocytocin muss vor jeder Melkung eingesetzt werden;
eine Nachhaltigkeit der Behandlung ist nicht gegeben.
Neuere Untersuchungen haben allerdings gezeigt, dass auch die chronische Behandlung mit
Ocytocin problematisch ist. Die endogene Freisetzung von Ocytocin wird zwar durch die Behandlung
nicht beeinflusst, wohl aber kommt es nach dem Absetzen der Bhandlung auch bei
normaler endogener Freisetzung zu einer unvollständigen Kontraktion der Myoepithelzellen,
d.h. zu einer unvollständigen Euterentleerung. Eine mögliche Alternative zur Injektion von
Ocytocin ist eine Stimulation des Genitalbereichs. Das Einblasen von Luft in die Vagina stellt
einen deutlich stärkeren Reiz hinsichtlich der Freisetzung von Ocytocin dar als die Euterstimulation.
Bei Ejektionsstörungen führt diese Art der Stimulation mit grosser Wahrscheinlichkeit
zum Erfolg. Allerdings müssen die räumlichen Voraussetzungen während des
Melkens dafür gegeben sein.

9.
74
Workshop 7: Messen von Melkanlagen mit leistungsgesteuerten Vakuumpumpen
Herr M. Hubal
Landwirtschaftskammer Niedersachsen, Mars-la-Tour-Str. 1-13, 26121 Oldenburg
Die aktuell gültige Fassung der DIN/ISO für Melkanlagen enthält keine separaten Anweisungen
für die Messung von Melkanlagen mit leistungsgesteuerten Vakuumpumpen,
auch “Vakuumpumpen mit Frequenzregelung” genannt. Die zur Drucklegung dieses Artikels
noch nicht gültige, jedoch möglicherweise zur Tagung gültige Neufassung der DIN/ISO
Normen für Melkanlagen enthält Hinweise und Anweisungen, wie mit solchen Melkanlagen
verfahren werden soll. Diese Neufassung soll Grundlage für den Workshop sein.
Ziel des Workshops ist es, nach einer kurzen theoretischen Einführung in die Thematik, die
Melkanlage des Lehr- und Versuchszentrums Futterkamp, die über eine solche leistungsgesteuerte
Vakuumpumpe verfügt, einer praktischen Überprüfung nach DIN/ISO zu
unterziehen. Dabei sollen die Teilnehmer die Prüfung gemeinsam durchführen, Probleme
und Unsicherheiten unmittelbar besprechen und eine anschließende Bewertung der
Vakuumversorgung und –regelung vornehmen.
Für weitere Neuerungen in der DIN/ISO siehe auch: Tagungsband der 8. Jahrestagung der
WGM, „Die neue DIN/ISO – Melktechnikprüfung“, B. Schulze-Wartenhorst.
Auszüge aus der „neuen“ DIN/ISO, betreffend „leistungsgesteuerte Vakuumpumpen“:
DIN/ISO 3918 Begriffe
- Leistungsgesteuerte Vakuumpumpe = Vakuumpumpe, deren Ausgangsleistung
geändert wird, um in der Anlage ein stabiles Vakuum aufrecht zu erhalten.
DIN/ISO 5707 Konstruktion und Leistung
- Die Regeleinheit muss das Betriebsvakuum so regeln, dass die Empfindlichkeit der
Regelung … 1 kPa nicht überschreitet.
- … darf der Regelverlust … nicht mehr als 35 l/min … oder 10 % des manuellen
Reservedurchflusses betragen, je nachdem, welcher Wert größer ist.
- Der Vakuumabfall und das Unterschwingen der Regelkennlinie müssen weniger als
2 kPa betragen (bei großen Melkanlagen oder vielen Bedienern)
9.
75
oder
- Der Mindest-Reservedurchfluss muss mindestens der in A. 1 bzw. D. 1 entsprechen
- die Vakuumpumpe muss einen angemessenen Luftdurchfluss aufweisen …
- … die Vakuumpumpe muss so angeordnet sein, dass der in … empfohlene Vakuumabfall
in der Luftleitung eingehalten werden kann, wobei Luftleitungen mit angemessenem
Durchmesser verwendet werden.
- Im Benutzerhandbuch muss außerdem folgendes angegeben sein:
- …
- wie eine leistungsgesteuerte Vakuumpumpe bei maximalem und/oder konstantem
Luftdurchfluss betrieben werden kann.
- .. darf die Leckluftrate in das Vakuumsystem nicht mehr als 5 % bei leistungsgesteuerten
Vakuumpumpen bei dem maximalen Luftdurchfluss der Pumpe betragen
DIN/ISO 6690 Mechanische Prüfung
Prüfung Regelverlust, Absenkung Betriebsvakuum an Vm um 2 kPa:
- Bei Systemen ausschließlich mit leistungsgesteuerten Vakuumpumpen ist zu überprüfen,
ob die Pumpe mit deren Höchstdrehzahl läuft. Wenn das der Fall ist, liegt kein
Regelverlust vor.
Prüfung manuelle Reserve:
- Jeder Luftdurchfluss durch die Regeleinheiten … ist zu unterbrechen und leistungsgesteuerte
Vakuumpumpen sind auf deren höchsten Luftdurchfluss einzustellen.
Die Protokolle zur Überprüfung können hier aus urheberrechtlichen Gründen noch nicht
veröffentlicht werden. Sie werden für Übungszwecke am Tag des Workshops Verwendung
finden. Ich bitte um Verständnis dafür.

file icon Liegeboxenvergleich Zugriffe: 329

9.
27
Workshop 1: Liegeboxenvergleich
Herr M. Schweigmann, Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein
9.
28
Beschreibung der verschiedenen Liegeboxenabtrennungen (Kurzform):
1. Allié – Cordoba
Bügel (2 m) und Befestigung aus einem Stück 2“, 2,9 mm Wandstärke plus Nackenrohr
1½“, 2,6 mm Wandstärke in 115 cm Höhe, einfache Montage, inkl. Bugbretthalter und
Bugbrett.
2. Brouwers
Freitragender Liegeboxentrennbügel (2 m) aus 2“-Rohr mit 3,65 mm Wandstärke an
Querrohren befestigt, je 2 Abtrennungen ein Standrohr 2 ½ “ mit Gusssockel, verstellbare
Bugbrettstützen.
3. De Boer – 2-DHigh Neckrail
Freitragende Trennbügel, federnde Konstruktion aus 2“-Rohr, erhöhte Ausführung für
größere Kühe (125 cm), Nylon-Nackengurt 5 cm, Nackenrohr nach vorn verlegt,
Höhenanpassung des Bügels durch den Einsatz von Füllröhrchen in der Haltungshülse
möglich, Kunststoffbugbegrenzung.
4. De Laval – Trennrahmen CC 1800 xl
Freitragende Bügel 2“ (2,15 m) aus einem Stück, Nackenrohr 1 ½ “, Kopf bzw. Nackensteuerung
mit Nylon-Gurtband, Teile nach DIN 2440, Kunststoffbugbegrenzung
5. Duräumat – Europa-Top
Freitragender Doppel-Bügel auf Standblock und untenliegendem Tragrohr befestigt
(federnde Aufhängung) mit Bugbretthalter und Nackenrohr in 121 cm, ohne Pfosten, 2“-
Qualitätsrohr.
6. Germing – Modell 800
Freitragende Box, an Einzelpfosten befestigt, 2“-Rohr nach DIN 2440 (3,65 mm
Wandstärke), Kopf- und Nackenrohr aus 1 1/2“-Rohr nach DIN (3,25 mm Wandstärke),
verstellbares Bugbrett, U-Verbindung der Pfosten.
7. Glöggler – DBZ
Doppel-Liegeboxen mit Abtrenngurten zwischen den Boxen und stufenlos verstellbaren
Abtrennbügeln. Bewegliches Nackenrohr mit Zugfederhalterung. Zusätzlich
Durchtrittssperre, Bugbrett in Eigenanbau. 2“-Standrohre mit 4,5 mm Wandstärke,
Nacken- und Durchtrittssperren aus 1½“-Rohren.
8. Holm & Laue – Cow-House, Wisconsin
Freitragende Box mit einzeln gestellten Elementen, Verbindungen über Nackenrohr,
Bugbegrenzung mit abgerundetem Kunststoff-Bugbrett (Poly-Pillow), ohne Pfosten.
9. Kleindienst – Ametrac Ideal
Freitragende Konstruktion aus 2“-Rohren DIN 2440, Wandstärke 3,25 cm, Bügellänge
190 cm mit hohem Nackenrohr (135 cm). Relaxboard aus Polyäthylen mit abgerundeten
Kanten.
10. Mannebeck
Bügel 2 m aus 2“-Rohr, freitragend, an Einzelpfosten aufgehängt, Bugbegrenzung aus
PE-Druckrohr, Rohre nach DIN 2440 (3,65 mm), Feuerverzinkung nach DIN 50976,
Pfosten aus 2“-Rohr.
9.
29
11. Spinder – Profit
Freitragende Box, 2,06 m, aus einem Stück im Montageguss befestigt, Rohr 2“, Verbindung
zu den Nachbarboxen mit Kopf- und Nackenrohr 1 1/2“ (h = 120 cm), ohne Bugbrett
und Querrohre im unteren Bereich.
12. Zimmermann – Doro-Box
Freiraumbucht mit Doppelrohrfuß komplett aus einem Rohr (2“, 60,3 mm gebogen, 3,65
mm Wandstärke), Standfuß ist als Doppelrohr ausgebildet, seitlicher Halt durch ein
gebogene Aussteifungsrohr, Tierfixierung durch federgespannten Nackenhalter und
Bugbegrenzung.
Beschreibung der verschiedenen Liegematten (Kurzform):
1. Agrotel – Kuhmatratze
Matratzenfüllung aus Gummigranulat 3-6 mm Körnung in Polyäthylen-
Gewebeschläuchen mit ca. 8 cm Durchmesser im Verbund verlegt, Endlossystem,
Matratzendecke aus Polyestergewebe mit wasserdichter Acrylbeschichtung der
Unterseite, Befestigung mit Hart-PVC-Leisten vorne und hinten, 3 Schrauben/lfm, 5 Jahre
Vollgarantie.
2. De Boer – Weidematte
Die Untermatratze ist eine Kunststoffplatte aus Latex 3,5 cm, aufgelegt auf gepressten
Polyäthylenflocken! Dunlop-Deckmatte (Gummi) mit Gewebeeinlage, Befestigung mit
Kunststoffleisten und Niro-Schlagdübeln, Bahnenware.
3. De Laval M 100 (M 35)
Untermatte aus 4 cm PU-Schaum, einzeln in Plane eingeschweißt, Abdeckung mit
gewebe-verstärkter Bahnen-Deckplane, Befestigung mit verzinkten Flacheisen und
Schlagdübeln. Nachträglich M 35 mit 3 cm PU-Latex und 4 mm Gummi mit spezieller
Oberflächenstruktur
4. Durofarm – Soft-Bett
Rollenware, 30mm Unterlage aus Verbundschaumstoff, Oberbelag 10 mm mit
Gewebeeinlage, Hammerschlagprofil an der Oberseite, Unterseite glatt, Befestigung:
hinten Kaltverschweißung, vorn V2A-Klemmleiste plus Dichtungsstreifen verdübelt.
5. Glöggler – Cow-Comfort-Matte
Einzel-Liegematte aus geschäumtem EVA-Kunststoff (Ethyl-Vinyl-Acetat) mit 3 cm Dicke,
Oberfläche mit Hammerschlagprofil, Schraubbefestigung, 10 Jahre Garantie.
6. Holm & Laue – Cow-House, Pasture Mat, Packmat
Untermatratze aus Schlauchsäcken mit Gummischredder gefüllt und eine von Box zu
Box durchgängige Deckmatte (Topcover), Packmat mit gleichem Aufbau für vertiefte
Liegeboxen mit wenig Einstreu.
7. Huber – Komfortbelag N 20
Liegebelag als Bahnenware aus Neugummi mit zusätzlicher Gewebeeinlage,
Gesamtstärke 20 mm mit einem tiefen Noppenprofil an der Unterseite, Oberseite als
Hammerschlagprofil ausgebildet, Befestigung mit 3-4 Schrauben/Kuhplatte vorne.
9.
30
8. Kleindienst – Agriprom-Kuhmatratze
Deckmatte als Bahnenware aus Polypropylen (2 Lagen Gewebe, 2 Lagen Beschichtung),
Füllung aus elastischem Polylatex (Naturlatex, synthetischer Latex und PU-Schau),
Füllplatten 3,5 cm stark, Herstellergarantie 7 Jahre gemäß Garantiebedingungen.
9. Kraiburg – KKM Kuschelmatte + KEW Plus
KKM: Gummimatte mit Puzzle-Verschluss aneinander montiert, wabenförmiges
Unterseitenprofil und Dichtlippen im hinteren Bereich, Oberfläche mit
Hammerschlagprofil. KEW Plus: drei Funktionsschichten: speziell geformte Untermatte +
Schaumstoff-Einlage + Gummiobermatte, integriertes weiches Gefälle im hinteren
Bereich, Seitenprofil
10. Mannebeck – Huber WB
Weichbett-System mit 30 mm Unterlage aus Spezialverbundschaum und Oberbelag aus
10 mm Vollgummi-Deckbahn mit Gewebeverstärkung (Bahnenware),
Hammerschlagprofil.
11. Spinder – Meadow
Bahnenware mit 3 mm Deckmatte aus Gummi inkl. Gewebeeinlage, Oberseite mit
Profilierung, Unterlage (37 mm) aus Schaumstoffplatten (Polyurethan) mit Schutzfolie,
Befestigung mit Gummistreifen und aufgedübelter Aluschiene.
12. Zimmermann – Zimsoft
Bahnenware, Untermatte aus Polyurethan-Schaumstoff, 5,5 cm, im PE-Foliensack,
Deckmatte aus Polypropylen-Kunststoffgewebe (wasserdicht), Oberfläche mit
Kreuzstruktur, Befestigung mit Vollkunststoffbalken an der Trittkante und gedübelten
Randleisten.
Beschreibung der verschiedenen Stalleinrichtungen in Kurzform:
Entmistungstechnik
1. Betebe
Ketten-Entmistungsanlage für 2 Laufgänge mit 4 V-förmigen Klappschiebern, ohne
Führungsschienen, 13 mm Manganstahlkette, eine Antriebseinheit mit 0,55 kW,
abriebfeste Wischleisten an der Schieberunterseite, Steuerung über Zeitschaltuhr und
Zugkraftregelung, welche auf Hindernisse reagiert.
2. Kleindienst – Euro-P
Rührmixpumpe, 18,5 kW, Reiß- und Schneidwerk am Pumpeneinzug, Horizontalschieber
zum Rühren und Pumpen, Rührdüse vertikal-horizontal verstellbar, Vierweg-
Drehschieber (1 Zulauf, 3 Abgänge) für Befüll- und Spülleitungen, Soft-Anlauf mit
vollautomatischer Stern-Dreieck-Steuerung und Motorschutz.
3. Prinzing
Seil-Entmistungsanlage für Zwei-Reihen-Laufstall, Ausführung als Doppelanlage mit 4
Pendelklappschiebern, 2 Antriebswinden mit je 0,75 kW und lastabhängiger End- und
Umschaltung, Edelstahlseil 8 mm, Umlenkrollen 250 mm, Programmsteuerung für
verschiedene Betriebsarten und Taktschaltung. Sicherheitssystem, welches bei
wiederholt erhöhtem Zugwiderstand den Schieber abschaltet.
9.
31
Laufgangbeläge für planbefestigte Laufgänge
1. De Boer – Laufmatte
Bahnware, Längen bis 50m, 20mm Neugummi mit Gewebeeinlage, Unterseite 10mm
Noppen, Oberseite Hammerschlagprofil.
2. Huber – N 15 Plus
Bahnware in einer Stärke von 15 mm aus Neugummi mit Gewebeeinlage,
Noppenauflage an der Unterseite und feine quadratische Oberflächenstruktur, 2
Befestigungspunkte pro lfm.
3. Kraiburg – Kura P
Einzelmatte in variabler Breite mit Puzzle-Verbindung, Gripoberfläche, Noppenprofil an
der Unterseite, Dicke ca. 23 mm, 3 Befestigungsdübel/m² in vorgefertigten Vertiefungen,
Recycelfähig: Rücknahme gebrauchter Matten.
4. Lely – Animate
Einzelmatte mit Puzzle-Verbindungen in Länge und Breite, Gripmuster an der Oberseite
und feste Auflage (> 80 %) an der Unterseite, Mattendicke ca. 18 mm.
Beschreibung der verschiedenen Stalleinrichtungen in Kurzform:
Tränken
1. De Boer – Tip-over
Nirowanne mit Schwimmer als Kipptränke, großer Wasserspeicher, Frostschutzsicherung
durch Bi-Metall und Überlauf, Länge 177cm.
2. De Boer – Easy-drink
Flaches Nirobecken, v-förmig, mit Stöpselentleerung (100 mm), großer Schwimmer
(3.000 l Wasser/Stunde), Länge100 cm.
3. Dr. Pieper
Kipptränke aus Kunststoff (Acryl) im Edelstahlgestell gelagert, elektronisch gesteuerte
Wasserzufuhr über einen Sensor außerhalb des Beckens, ohne Schwimmer,
abgerundete Ecken, Wasserzufuhr isoliert.
4. Suevia – Schwenk-Trog
Rinnentränke mit Kippeinrichtung aus V2A, flaches Tränkebecken mit hohem
Wasserzufluss, Frostschutzwächter mit Thermostatventil (Bimetall-gesteuert) und
Ablaufgarnitur, Länge 200 cm, Inhalt 150 l
5. Suevia – Tränkebecken 25 R
Schale aus Gusseisen, ganz emailliert, Messingrohrventil mit Anschluss ½“,
Wasserrundlauf, Wassermenge ohne Demontage des Ventils regulierbar.
6. Zimmermann – Kipptrog
Kippbare Edelstahltränke 200 cm, 150 l, Schwimmerventil mit großem Wassereinlass,
Frostschutz durch integrierte Ringleitung, Ventil und Ringleitung bleiben beim Kippen fest
(keine labilen Schläuche), mit Schutzbügel und Wandhalterung.
9.
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Kuhbürsten
1. Betebe
Pendelnd aufgehängt, 500 mm Bürstendurchmesser, wird durch Berühren gestartet,
Laufzeit 3 – 10 Minuten einstellbar, 120 Watt, Motorschutz.
2. Suevia – Profi-Cow
Mit einer senkrechten und einer horizontalen Bürste, Antrieb über wartungsfreiem
Stirnrad-Schneckengetriebemotor, Laufzeit der Bürste einstellbar, bei jedem Einschalten
der Bürsten erfolgt ein Drehrichtungswechsel, bei erhöhtem Widerstand stoppt die Bürste
automatisch und wechselt die Drehrichtung.
3. Thomsen – happy cow
V-förmige Bürstenanordnung, Besenwelle aus Kunststoff und VA, umsteckbare
Bürstensegmente, wartungsfreier Stirnrad-Schneckengetriebemotor, 46 U/min.
4. Zimmermann
System mit 2 Bürsten im rechten Winkel angeordnet, 220 V Antrieb mit Winkelgetriebe,
wartungsfrei, wird durch Anheben betätigt, automatische Höhenanpassung.
5. DeLaval
Schwingbürste hängend angebracht, 50 cm Bürstendurchmesser, 120 Watt, 22
Umdrehungen/min, 18 cm Borsten.

9.
83
Workshop 10: Klauengesundheit: Profilaxe durch Pflege
Herr Dr. P. Heimberg
Rindergesundheitsdienst der Landwirtschaftskammer Nordrhein Westfalen
Rusterholz’sches Sohlengeschwür:
Bei diesem erstmals von RUSTERHOLZ (1920) beschriebenen Leiden handelt es sich um
eine krankhafte Veränderung an der durch seine Ätiologie und Pathogenese bestimmten
typischen Stelle am Übergang vom mittleren zum hinteren Sohlendrittel. Dies ist die senkrechte
und damit in Belastungsrichtung gelegene Verlängerung der Ansatzstelle der tiefen
Beugesehne am Klauenbein (Abbildung 18). Hauptursache dieser Erkrankung wird in der
mechanischen Überlastung dieses Sohlenbereiches gesehen. Ungleiche Belastung beim
Gehen mit Belastungsspitzen im Bereich der hinteren Außenklauen (Abbildung 19) führen zu
schnellerem Wachstum dieser Klauen, die dadurch wiederum deutlich mehr Köperlast aufnehmen.
Die Innenklauen der Vordergliedmaßen werden unter heutigen Produktionsbedingungen
durch gespreizte Stellung bei der Futteraufnahme am Fressgitter oder in der
Anbindung vermehrt belastet, so dass entsprechende Veränderungen auch an den inneren
Vorderklauen entstehen können. Die Lederhautquetschungen führen zunächst zu Blutergüssen
in der Hornsohle an der beschriebenen Stelle. Durch Ernährungsstörungen der
Lederhaut wird dann minderwertiges, gelbliches und gummiartiges Horn gebildet. Es kann
letztendlich zu Perforation der Hornsohle kommen. Nach Freilegen der Lederhaut ist diese
mechanischen, chemischen und mikrobiellen Einflüssen der Umwelt ausgesetzt, so dass
sich dann ein eitriges Geschwür entwickeln kann.
Abbildung 18: Entstehung des Rusterholz’schen Sohlengeschwüres
9.
84
Die klinischen Erscheinungen variieren dementsprechend abhängig von Dauer und Ausmaß
der Erkrankung. Die Symptome reichen von vorsichtig-zögerndem (klammem) Gang über
geringgradige Stützbeinlahmheit bis hin zu hochgradigen Bewegungsstörungen, Muskelatrophie
bei länger andauender Lahmheit und entzündliche Umfangsvermehrungen im Bereich
des erkrankten Unterfußes. Durch Zug der tiefen Beugesehne am entzündeten Tuberculum
flexorium kann ein Knochenfragment ausbrechen oder die Sehne selbst reißen und so
durch ungenügenden Halt zu einer Kippklaue führen.
Zur Vermeidung dieser Überbelastung der hinteren Außenklaue ist es notwendig, im Rahmen
der funktionellen Klauenpflege nach TOUSSAINT RAVEN einen Höhenausgleich
zwischen Innen- und Außenklaue zu schaffen. Dazu wird der Ballenbereich der Innenklaue
so hoch wie möglich gelassen, während man versucht, den Ballen der Außenklaue auf
dieses Niveau herunter zu schneiden.
Abbildung 19: Belastungsspitzen an den Außenklauen beim Laufen der Kuh
Klauenrehe:
Die Klauenrehe des Rindes ist eine sehr häufige und fast immer schleichend verlaufende Erkrankung.
Erst die durch die Rehe verursachten Folgeschäden führen zu deutlich bemerkbaren
Lahmheiten, deren Behandlung aber ohne das Wissen, dass sie aus einer Rehe heraus
resultieren, meist unbefriedigend bleibt.
Die Rehe ist definiert als eine nicht-eitrige Entzündung der Lederhaut des Klauenbeines.
Durch die entzündlichen Veränderungen kann die Lederhaut nur noch minderwertiges
Klauenhorn produzieren. Daraus folgen Fäuleveränderungen im Ballenbereich, Doppelsohlenbildungen
und Zusammenhangstrennungen entlang der weißen Linie. Das minder9.

85
wertige Horn ist oft durch Farbveränderungen (gelb bis rötlich) zu erkennen, da es im
Rahmen der Entzündung auch zu Blutergüssen in der Lederhaut kommt.
Zusätzlich lockert sich auch die von der Lederhaut vermittelte Verbindung zwischen Hornschuh
und Klauenbein selbst, wodurch dessen Spitze absinkt und sich der Sohlenfläche
nähert (Abbildung 20). Das stetige, schubweise Absinken der Klauenbeinspitze führt zur
Bildung von jahresringähnlichen Einziehungen auf dem Klauenrücken bis hin zu einer
„durchgebogenen“ anstatt gerade verlaufenden Klauenrückenwand.
Abbildung 20:
Klauenspitze infolge Rehe
abgesunken, Spitze dicht
über der Sohlenfläche,
Einkrümmung der Klauenrückenwand
(jeweils rot)
Für Klauenrehe kommen mehrere Ursachen in Frage. Bei der Belastungsrehe wird die Entzündung
der Lederhaut ausgelöst durch ungewohnte mechanische Belastungen (plötzlicher
weiter Austrieb über Asphalt oder steinigen Boden, wackelnde Betonspalten usw.) Belastungsrehe
findet man meistens nur an den stärker belasteten Hintergliedmaßen. Bei der
toxischen Rehe sind schwerwiegende Infektionen mit den durch sie freigesetzten Endotoxinen
und Entzündungsbotenstoffen des Körpers die Ursache.
Häufigste Ursache ist jedoch die Fütterung. Durch zu geringe Rohfaseranteile oder hohe Anteile
leicht vergärbarer Kohlenhydrate in der Ration oder in einzelnen Komponenten, welche
kurzfristig in größeren Mengen aufgenommen werden, kommt es zu einem starken Abfall
des pH-Wertes im Pansen. Dies führt zur Entzündung der Pansenschleimhaut, wobei von
dieser riesigen entzündeten Oberfläche große Mengen von Entzündungsbotenstoffen
freigesetzt werden, welche zu den entzündlichen Veränderungen an der Klauenlederhaut
führen. Auch andere Funktionsstörungen des Pansen wie Pansenfäule werden als Ursache
diskutiert.
9.
86
Die rehebedingten Veränderungen im Hornwachstum erfordern eine wesentlich häufigere
Klauenpflege als sonst üblich. Die im Bereich der Weißen Linie entstehenden Wanddefekte
sind unbedingt so freizuschneiden, dass sich kein Schmutz mehr in sie hineinschieben und
die Fäulnisprozesse unterhalten kann. Dazu muß immer der Anschluß an die benachbarte
Klauenwand gesucht werden.
Es erscheint oft verlockend, dass weiche, furchige Ballenhorn mit dem Klauenmesser oder
der Flex so abzutragen, dass der Ballen wieder glatt, hell und sauber aussieht. Dies ist aber
unbedingt zu vermeiden, da durch die mindere Hornqualität der Ballen meistens schon zu
tief abgerieben ist (gemäß der funktionellen Klauenpflege nach Toussaint-Raven muß der
Ballen der Innenklauen an den Hintergliedmaßen grundsätzlich hoch belassen werden!).
Das größte Problem stellt aber die abgesunkene Klauenbeinspitze dar, da man sie von
außen ja nicht direkt sehen, sondern über die Hornveränderungen nur erahnen kann. Beim
Vorliegen rehetypischer Veränderungen des Hornschuhes dürfen die von der funktionellen
Klauenpflege bekannten Maße (Rückenwandlänge 7,5 cm, Sohlendicke 0,5 cm für DSB,
Abbildung 21) nicht mehr verwendet werden. Um die Klauenbeinspitze nicht freizulegen oder
zumindest das Horn über ihr zu stark auszudünnen, sollte je nach Schwere der Veränderungen
eine Sohlendicke von 1 bis 1,5 cm angestrebt werden (Abbildung 22). Nur so lassen
die sich meist kurz nach der Klauenpflege auftretenden, schlecht heilenden Spitzendefekte
vermeiden.
Abbildung 21:
Klauenpflege bei einer
gesunden Klaue
(Sohlendicke 0,5 cm an
der Klauenspitze),
Schnittlinie 2a für die
hinteren Außen- und 2b
für die hinteren Innenklauen
9.
87
Abbildung 22:
Klauenpflege bei einer
Reheklaue mit erhöhter
Sohlendicke (mind. 1
cm an der Klauenspitze)
zum Schutz der abgesunkenen
Klauenbeinspitze,
Schnittlinie 2a für
die hinteren Außen- und
2b für die hinteren
Innenklauen
Aus den genannten Folgen ergibt sich, dass alles getan werden muß, um Klauenrehe zu
vermeiden oder zumindest zu minimieren.
Wichtigstes Mittel zur Vorbeuge ist eine wiederkäuergerechte Ration, die starke
Schwankungen des pH-Wertes im Pansen vermeidet. Dazu kommen tiergerechte Laufflächen
und bei Vorliegen von Klauenreheveränderungen eine angepasste Klauenpflege, die
insbesondere die abgesunkene Klauenbeinspitze berücksichtigt. Ist bei der Klauenpflege das
Sohlenhorn im Bereich der Klauenbeinspitze trotzdem zu dünn geworden, so kann durch
einen erhöhenden Klotz auf der (ausreichend dicken) Gegenklaue oft noch die Entstehung
eines Sohlengeschwüres vermieden werden. Ist jedoch das Klauenbein selbst beschädigt
worden, muß unbedingt der Haustierarzt zur Behandlung hinzugezogen werden.
Im Zusammenhang mit Lahmheitsproblemen werden, gerade im Zusammenhang mit Fäule
und Mortellaro, zunehmend hygienische Maßnahmen im Milchviehstall diskutiert. Dadurch
sollen der Erregerdruck im Bereich der Tiere vermindert und die Hornqualität der Kühe verbessert
werden. Zwei Punkten wird dabei eine besonderes große Bedeutung beigemesen:
- dem regelmäßigen Reinigen der Laufflächen durch Schieber oder ähnliches
- Klauenbädern zur Desinfektion am Unterfuß und zur Verbesserung der Hornqualität
Doch trotz dieser weit verbreiteten Maßnahmen sind Fäule und Mortellaro in vielen Betrieben
weiter auf dem Vormarsch. Um zu verstehen, warum das so ist, muß man die Entstehung
der beiden Erkrankungen näher unter die Lupe nehmen:
9.
88
(Ballenhorn-)Fäule
Fäuleveränderungen sind nichts weiter als die chemische und bakterielle Zersetzung des
Klauenhornes, bevorzugt im Ballenbereich, da hier das Horn die geringste Festigkeit aufweist.
Fäule finden wir aber auch in anderen Bereichen der Klaue, besonders an Reheklauen,
da bei Rehe eine Qualitätsminderung des gesamten gerade produzierten Hornes zu
verzeichnen ist. Dieses Horn bricht leichter aus (vor allem auch zum Zwischenklauenspalt
hin) und wird leichter zersetzt. Aber gerade das ausbrechende Wandhorn am Zwischenklauenspalt
kann viele Bemühungen, die Laufflächenhygiene zu verbessern, zunichte
machen. In den Zwischenklauenspalt hineinragende Hornfetzen wirken auf Schmutz und
Kot, die auch im saubersten Stall immer wieder in den Zwischenklauenspalt hineingetreten
werden können, wie kleine Widerhaken und halten Verschmutzungen fest. Dadurch kann es
im Zwischenklauenbereich trotz augenscheinlich gut gepflegter Laufflächen zu ununterbrochenen
Fäulnisprozessen kommen, die auch durch Klauenbäder nicht gestoppt werden
können, wenn das Bad ob des festsitzenden Drecks überhaupt keine Chance hat, in den
Zwischenklauenspalt hineinzuspülen.
Neben der Hornzersetzung kommt es aber auch noch zu einer verminderten Belüftung der
Haut im Zwischenklauenspalt, und diese beginnt sich ebenfalls zu zersetzen. Es ensteht die
Zwischenklauenfäule (holländ. „Stinkpoot“). Damit wird nun aber auch der Mortellaro’schen
Krankheit (Dermatitis Digitalis) der Weg geebnet:
Mortellaro
Mortellaro ist zwar ein infektiöses Geschehen, bei dem immer wieder bestimmte Keime isoliert
werden können (z.B. Spirochaeten, Fusobacterien u.a.), doch haben Untersuchungen
gezeigt, dass diese Erreger einer gesunden Haut am Unterfuß nichts anhaben können. Um
zu den typischen rötlichen, erdbeerartig höckerigen und schmerzhaften Veränderungen zu
gelangen, bedarf es neben den Erregern auch einer Hautschädigung an Anfang oder Ende
des Zwischenklauenspaltes, durch die die Bakterien in die Haut eindringen und dort eine
entzündliche Reaktion hervorrufen können.
Hat man früher überwiegend zu flach geschnittene Ballen oder schlechte Böden als Ursache
für diese Schäden angesehen, so finden sich immer mehr Rindefüße, an denen diese Hautschäden
als Folge von zu engen, mit Dreck verstopften Zwischenklauenbereichen, über
denen sich die Zwischenklauenspalthaut auflöst, zu sehen sind. Da diese Veränderungen,
wie bei der Fäule bereits beschreiben, auch mit Rehe in Verbindung stehen, wird ersichtlich,
warum immer mehr Betriebe hier Probleme haben: Rehe steht einfach mit der leistungsorientierten
Fütterung, d.h. weniger Grund- und mehr Kraftfutter, direkt im Zusammenhang.
9.
89
Maßnahmen
Ziel einer Klauenpflege muß sein, neben dem Wiederherstellen einer gleichmäßigen Lastaufnahme,
wie sie die funktionelle Klauenpflege nach Toussaint Raven fordert, auch einen
„selbstreinigenden“ Zwischenklauenspalt herzustellen. Dabei sollte die Hohlkehlung wie
ein Kegel steil (gemäß der Krümmung der Klauenmesserklinge) in den Zwischenklauenspalt
hineingeschnitten werden, außerdem tief, d.h. bis kurz vor den innenwandigen Kronsaum
und glatt, damit sich Dreck bei jedem Schritt wieder aus dem Zwischenklauenbereich lösen
kann statt sich dort zu verdichten. Erst ein solcher „offener“ Zwischenklauenspalt ermöglicht
es auch reinigenden und pflegenden Klauenbädern, bis an die gefährdete Haut vorzudringen
und dort zu wirken. Zu enge oder verstopfte Zwischenklauenspalten dagegen lassen nahezu
alle Pflegemaßnahmen unwirksam bleiben.

9.
76
Workshop 8: Kälberhaltung und Fütterung - Checkliste, wenn Probleme auftreten
Herr Dr. H.J. Kunz
Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein
Haltungscheck:
1. Infektionsmöglichkeit im Abkalbebereich:
Während und nach der Geburt finden die häufigsten Infektionen statt. Dabei gelangen
Kotpartikel über das Maul in den Darmtrakt. Bis zur ersten Biestmilchaufnahme findet eine
ungehinderte Erregervermehrung im Darm statt, die Auslöser für Frühdurchfälle sein kann.
Eine frühe Biestmilchgabe sorgt für die humorale Abwehrbereitschaft bei den Kälbern.
Gegen Kryptosporidien gibt es keinen Schutz über die Biestmilch. Die meisten Infektionen
finden direkt nach der Abkalbung statt. Auf Grund unterschiedlicher Inkubationszeiten der
Erreger treten Symptome mit unterschiedlicher zeitlicher Verzögerung auf. Weitere
Voraussetzungen für die Minimierung des Infektions-druckes während oder nach der
Abkalbung sind saubere Kühe (Euterspiegel, Schenkel, Euter) sowie sauberes Stroh.
2. Die Unterbringung in den ersten Lebenstagen/Lebenswochen muss den höchsten
hygienischen Anforderungen entsprechen:
Die beste Haltungsform für neu geborene Kälber ist das Einzeliglu. Das Kalb sollte nach dem
Ablecken durch die Kuh separat, möglichst in einem Außeniglu mit überdachtem und
eingestreutem Auslauf untergebracht werden (je länger, desto besser). Die Infektionsmöglichkeiten
sind hier am geringsten, die Luftqualität ist am besten und es ist immer
ein Rein-Raus-Verfahren.
3. Anschließende Haltung in einer Gruppenbucht:
Besteht die Möglichkeit, die Kälber nach Altersgruppen einzuteilen? (je geringer die Altersunterschiede
der Gruppe, desto besser)
4. Reinigung und Desinfektion:
Werden die Buchten nach jedem Gruppenwechsel nach dem Entmisten mit dem Hochdruckreiniger
gereinigt und nach dem Austrocknen desinfiziert?
5. Welche Desinfektionsmittel werden verwendet?
Die meisten wirken bakterizid+viruzid, nur Kresol-Präparate wirken auch gegen Endoparasiten!
6. Stimmen Tränketemperatur, Konzentration und Menge?
7. Wie wird verfahren, wenn es zum Durchfall gekommen ist?
Werden die betroffenen Kälber separiert? Bekommen sie ausreichend Flüssigkeit? (Der
Flüssigkeitsbedarf kann bei sehr starkem Durchfall bis zu 10 Liter pro Tag betragen.) Bekommen
die Kälber Elektrolyttränke? Bekommen sie zur Energieversorgung trotzdem Milch (sehr
wichtig)?
9.
77
Der Tierarzt möchte wissen:
1. Alter bei Beginn des Auftretens des Durchfalls.
2. Anteil der erkrankten Tiere.
3. Haben die erkrankten Tiere Fieber (> 39,5 °C) oder Untertemperatur (< 38,5 °C)?
4. Konsistenz und Aussehen des Durchfalls.
5. Wird noch Milch aufgenommen?
6. Wie wird getränkt (Trog, Eimer, Nuckeleimer, Ad-lib, programmgesteuerter Automat)
7. Tränketemperatur, Tränkekonzentration, Liter pro Tag und pro Mahlzeit
8. Haben die Tiere freien Zugang zu Wasser
9. Wird Heu oder Rauhfutter angeboten
10. Welche Muttertierimpfungen werden durchgeführt? (falls nicht der eigene Tierarzt gefragt
wird)
Fütterungscheck:
1. Hat eine kontrollierte erste Biestmilchaufnahme stattgefunden?
Kälber sollen möglichst 4 Liter Biestmilch während der ersten 7 Lebensstunden aufnehmen.
Eine Stickprobenartige Kontrolle ist über die Gesamteiweißbestimmung mit Hilfe von Refraktometermessungen
im Blutserum der Kälber möglich. Saugen die Kälber selbst, wird in
vielen Fällen nicht ausreichend Biestmilch aufgenommen.
2. Wird Wasser von Beginn an angeboten?
Kälber saufen auch bereits während der ersten Lebenstage zusätzlich zur Milch mehrere
Liter Wasser.
3. Werden die Kälber ausreichend mit Energie und Eiweiß versorgt?
Kälber haben einen Energiebedarf, der einer Menge von 6 l Vollmilch oder 6 l Milchaustauscher
mit 160 g MAT pro Liter entspricht. Besonders unter Außenklimahaltungsbedingungen
in der kaltnassen Jahreszeit darf der Bedarf der Kälber nicht unterschätzt werden.
4. Werden die Kälber rechtzeitig abgetränkt?
Ab der 6. Lebenswoche können die Kälber abgetränkt werden. Für die Abtränkphase sollte
die Tränkekonzentration bei MAT-Tränke auf 120 g pro Liter herunter genommen und die
Kälber bis zur 10. Lebenswoche auf 2 Liter abgetränkt werden. Mit 2 Litern kann die Milch
abgesetzt werden.
5. Auf die Tränkequalität achten!
Werden Milchaustauscher vertränkt, sollte darauf geachtet werden, dass der Anteil an
pflanzlichen Proteinträngern nicht über 10 Prozent und der Rohfasergehalt nicht über 0,1
Prozent liegt. Zu bevorzugen sind Milchaustauscher ohne pflanzliche Proteine. Der Rohaschegehalt
sollte bei diesen Produkten unter 10 Prozent liegen.

9.
41
Workshop 3: Silagebeurteilung
Gute Gärqualität bestimmt die Grundfutteraufnahme
Herr Dr. H. Nußbaum
Lehr- und Versuchsanstalt, 88326 Aulendorf
Die Silagequalität beinhaltet den Futterwert, aber auch die sogenannte Gärqualität. Die
Merkmale des Futterwertes, also Protein-, Rohfaser-, Rohasche- und Energiegehalt spielen
bei der Rationsgestaltung eine tragende Rolle. Ob die Ration aber auch von den Kühen aufgenommen
wird, hängt maßgeblich von der Gärqualität ab, die neben pH-Wert und den Gehalten
an Gärsäuren auch Parameter wie Alkohol- und Ammoniakkonzentration beinhaltet.
Hohe Grundfutterleistungen lassen sich nur mit bester Silagequalität erreichen. Die Futteraufnahme
selbst wird maßgeblich von der Gärqualität beeinflußt. Fehlgärungen und demzufolge
Fehlgerüche schlagen sich sofort in unbefriedigende Freßleistungen nieder. Wie
kann nun die Gärqualität ermittelt werden?
Ermittlung der Gärqualität
Bei der Laboranalyse können neben dem Futterwert auch die Parameter der Gärqualität
ermittelt werden. Für die so analysierten Gehalte an Gärsäuren, pH-Wert und Ammoniakanteile
(als Maß für den Eiweißabbau) existiert ein Schema der DLG, das diese chemischen
Parameter bewertet und in einer Note ausdrückt. Darüber hinaus gibt es den DLG-Sinnenschlüssel,
der maßgeblich von Aulendorf aus weiterentwickelt wurde. Relativ rasch kann die
Gärqualität auch über pH-Wert und TS-Gehalt in sechs Gruppen eingestuft werden. Die
Bestimmung dieser Merkmale wurde im vorstehenden Artikel dargestellt.
Einteilung in sechs Gruppen
Der sogenannte „kritische“ pH-Wert teilt alle Silagen zunächst in solche ohne und solche mit
Buttersäure ein (Abbildung 8). Liegt der pH-Wert unterhalb der kritischen Linie, dann reicht
die Ansäuerung aus, um die anaeroben Buttersäurebakterien zu unterdrücken. Je feuchter
die Silage ist, desto tiefer muß der pH-Wert sein. Der senkrechte Strich bei 30 % TS stellt die
TS-Grenze dar, ab der nach rechts (zunehmender Anwelkgrad) kein Gärsaft mehr auftritt.
Gärsaft bedeutet Nährstoffverluste und stellt eine Umweltgefährdung dar. Ab 40 % TS läßt
sich das Erntegut immer schwieriger verdichten. Damit steigt das Risiko von Nacherwärmung
und Schimmelbildung an.
9.
42
zunehmendes Problem:
Nacherwärmung, Schimmel
3,8
3,9
4,0
4,1
4,2
4,3
4,4
4,5
4,6
4,7
4,8
4,9
5,0
5,1
5,2
20 25 30 35 40 45 50
TS-Gehalt [%]
Problem:
Gärsaft
Optimalbereich
pH-Wert
1 2 3
4 5 6
Abbildung 8: Einteilung der Gärqualität über pH-Wert und TS-Gehalt in sechs Gruppen
Mit diesem Aulendorfer Schema lassen sich Silagen in sechs Gruppen einteilen, die für ganz
bestimmte Situationen beim Einsilieren typisch sind. Ursachen und mögliche siliertechnische
Maßnahmen sowie die dabei in Frage kommenden Siliermittel werden nachfolgend beschrieben
und sind in Tabelle 2 zusammenfassend aufgelistet.
Buttersäurehaltig....
.... sind Grassilagen mit niedrigen TS- (unter 30 %) und hohen Rohaschegehalten (über 8 %
i. TS). Wenn witterungsbedingt im Mai beim optimalen Schnittzeitpunkt nur wenig oder garnicht
angewelkt werden kann oder das Erntegut tagelang im Regen liegt, fehlt den Milchsäurebakterien
der notwendige Zucker, um den pH-Wert sicher abzusenken. Die Naßsilagen
weisen dann hohe pH-Werte und aufgrund starker Verschmutzung Buttersäure auf. Im Beurteilungsschema
(Abbildung 8) sind diese Silagen im Bereich 1 wiederzufinden. Siliertechnische
Maßnahmen zur Vermeidung von buttersäurehaltigen Silagen sind neben dem
rechtzeitigen Schnitt und dem Anwelken gutgepflegte Grasnarben und schmutzfreie Ernte.
Zeichnen sich dieses Jahr Anwelkprobleme ab, dann ist es besser, dieses Erntegut termingerecht
und lieber feucht, aber dafür mit Hilfe von Zusätzen, die das DLG-Gütezeichen der
Gruppe 1a („für schwer silierbare Futtermittel“) aufweisen, einzusilieren. Ab etwa 28 % TS
kann Melasse (25 - 30 kg/t FM) in Kombination mit Milchsäurebakterien eingesetzt werden.
9.
43
Dazu ist aber eine spezielle Dosiertechnik notwendig. Wird Melasse bei Feuchtsilage
(< 28 % TS) zudosiert, sind Zuckerverluste über Gärsaft vorprogrammiert. Zudem besteht die
Gefahr, dass Gärschädlinge vom zusätzlichen Substrat profitieren. Milchsäurebakterien
alleine, egal ob homo- oder heterofermentative Stämme, bringen bei Nasssilagen wenig
Effekte, weil Zuckermangel vorherrscht.
TS in Ordnung, pH-Wert zu hoch
Wenn beim optimalen Wuchsstadium gemäht und das Erntegut nach einer regenbedingten,
mehrtägigen Feldperiode normal angewelkt wird, tritt ebenfalls Substratmangel auf. Diese
Grassilagen finden sich im Schema im Bereich 2 zwischen 30 und 40 % TS wieder. Aufgrund
von Zuckermangel liegt der pH-Wert zu hoch, Buttersäurebildung ist die Folge. Ähnliche
Silagen kommen aus dem Silo, wenn unter normalen Witterungsbedingungen zu spät geschnitten
wird. Neben Optimierung des Pflanzenbestandes und Erntezeitpunktes sowie Vermeidung
von Schmutz (zu häufig bei ungünstigen Bedingungen gewendet) können Siliermittel
der Gruppe 1b („mittelschwer silierbar“) helfen, den pH-Wert in den sicheren, grünen
Bereich abzusenken. Zuckerhaltige Zusätze wie Melasse in Kombination mit Milchsäurebakterien
sind bis etwa 35 % TS ebenfalls denkbar, sofern die Logistik und die Verteiltechnik
stimmen. Bei höheren TS-Gehalten und zu geringem Entnahmevorschub besteht nach
einem Melasseeinsatz aufgrund von höheren Restzuckergehalten in der Silage ein zunehmendes
Risiko der Nacherwärmung.
Sehr trocken, schimmelig und oft warm
Silagen aus dem im Schema mit Nummer 3 bezeichneten Bereich sind seltener anzutreffen.
Außer einem zu hohen pH-Wert weisen solche Grassilagen ein zunehmendes Risiko hinsichtlich
Nacherwärmung oder Schimmelbildung auf. Spätschnitt und schlecht aufeinander
abgestimmte Ernteketten sind Ursachen dafür. Siliermittel der Gruppe 2 („Verhinderung der
Nacherwärmung“) auf der Basis von Propionsäure sind zwar denkbar und wirksam, aber
aufgrund der Mittelkosten bei physiologisch altem und deshalb energiearmem Futter häufig
unrentabel. Heterofermentative Milchsäurebakterien mit dem Gütezeichen der Gruppe 2 sind
nicht geeignet, weil für deren Entwicklung und Wirksamkeit ebenfalls zu wenig Zucker vorhanden
ist. Muss nun physiologisch spät geschnittenes und stark angewelktes Erntegut
einsiliert werden, dann ist kurzes Häckseln und sorgfältiges Verdichten angesagt. Rundballensilage
mit 6 statt 4 Lagen Strechtfolie wären ebenfalls eine denkbare Lösung,
insbesondere bei der Gewinnung von Pferdesilage, die häufig spät geschnitten und (zu)
hoch angewelkt wird.
9.
44
Nass und sauer..
... sind häufig Grassilagen, die Ende April oder Anfang Mai trotz schwieriger Anwelkbedingungen
zum optimalen Schnittzeitpunkt von weidelgras- und folglich zuckerreichen
Wiesenaufwüchsen schmutzarm (unter 10 % i.TS Rohasche) einsiliert werden. Als einziges
Problem tritt Gärsaftbildung auf. Unter diesen Bedingungen sind die Silagen im Bereich 4
des Schemas zu finden. Schnittzeitpunkt und Erntemanagement sowie die Grünlandbewirtschaftung
sind in Ordnung, Siliermittel brauchen nicht zwingend eingesetzt werden. Falls es
die Witterung erlaubt, sollte auf über 30 % TS angewelkt werden. Hilfreich sind hierbei Mähwerke
mit Aufbereiter oder Breitverteilhauben. Zusätze der Gruppe 1b können als Sicherung
gegenüber Buttersäurebildung zum Einsatz kommen, insbesondere bei drohender Verschmutzungsgefahr.
Allein die hohen Kosten sprechen gegen den routinemäßigen Einsatz.
Ab 28 % TS kann Melasse (25 kg/t FM) zur Energieanreicherung in Kombination mit homofermentativen
Milchsäurebakterien eingesetzt werden.
Optimalsilagen...
..... liegen zwischen 35 und 40 % TS und weisen einen niedrigen pH-Wert auf. Der Futterwert
ist in der Regel sehr hoch (über 6,2 MJ NEL/kg TS). Top-Silagen sind im Bereich 5 zu
finden. Erntezeitpunkt und -management sind voll im Griff, das Grünland befindet sich in
einem guten Zustand. Das Futter wurde nach längstens einer Nachtphase seit dem Mähen
kurz geschnitten eingebracht und sehr gut verdichtet. Pauschaler Siliermitteleinsatz ist nicht
zwingend notwendig, wie Futterwert und pH-Wert zeigen. In Betrieben mit hoher Milchleistung
können allerdings Zusätze der Gruppe 4 (Leistungsverbesserung) über zusätzliche
Effekte wie verbesserte Futteraufnahme, Verdaulichkeit und insbesondere höhere Mastbzw.
Milchleistung (Gruppe 4c „Milch“) wirtschaftlich interessant sein. Beim Einsatz dieser
Mittel ist aber in Hinblick auf eine dann verstärkte Neigung zur Nacherwärmung auf einen
ausreichend hohen Entnahmevorschub zu achten. Gleiches gilt, wenn Melasse (20 - 25 kg/t
FM) zur Energieanreicherung zudosiert wird.
Jung geschnitten, aber zu trocken....
... so lassen sich Grassilagen beschreiben, die hinsichtlich Gärqualität im Bereich 6 zu finden
sind. Zwar wurde rechtzeitig gemäht, aber die Bergung macht noch einige Schwierigkeiten.
Mäh- und Bergeleistung sind nicht aufeinander abgestimmt und die Arbeitswirtschaft stellt
ein betrieblicher Engpass dar. Unter günstigen Witterungsbedingungen und dem Einsatz
eines Mähaufbereiters ist der optimale TS-Gehalt häufig bereits nach wenigen Stunden erreicht.
Ab einer Erntefläche von über 15-18 ha (beim ersten Aufwuchs) muss dann parallel
zum Mähen mit der (überbetrieblich organisierten) Bergung begonnen werden. Treten häufig
9.
45
trockene und bei der Entnahme warme Silagen auf, dann sollte die Erntekette überprüft und
auf die Einhaltung des Mindestvorschubes bei der Entnahme geachtet werden. Im Winter
bedeutet das mindestens ein, im Sommer über zwei Meter pro Woche. Zusätze der Gruppe
2 (DLG) können insbesondere bei Sommer-Silagefütterung Abhilfe schaffen. Propionsäurehaltige
Zusätze sind sicher wirksam, aber für die pauschale Empfehlung und Komplettbehandlung
in der Regel zu teuer. Günstiger sind Zusätze, die heterofermentative Milchsäurebakterien
enthalten. Diese Silagen weisen aufgrund höherer Essigsäuregehalte eine bessere
aerobe Stabilität auf.
DLG-Gütezeichen
Bei der eigentlichen Auswahl eines Zusatzes leistet das DLG-Gütezeichen wertvolle Hilfestellung.
Siliermittel mit Gütezeichen sind bei neutralen Versuchsanstellern mehrfach getestet
worden. Man unterscheidet dabei Wirkungsgruppen und Anwendungsbereiche
(Tabelle 5).
Tabelle 5: Wirkungsrichtungen und Anwendungbereiche bei der Prüfung von
Siliermitteln zur Erlangung des DLG-Gütezeichens
Wirkungsrichtung Anwendungsbereich
1 Verbesserung des Gärverlaufes bei: a) schwer silierbarem Futter
b) mittelschwer silierbarem Futter
c) leicht silierbarem Futter
d) sonstige Futtermittel
2 Verbesserung der aeroben Stabilität
3 Reduzierung von Gärsaft
4 Verbesserung von Futterwert u. Leistung durch: a) verbesserte Verdaulichkeit
b) erhöhte Futteraufnahme
c) tierische Leistung (Mast, Milch)
5 zusätzliche Leistungen z.B. Verhinderung der Vermehrung
von Clostridien
Inzwischen gibt es eine große Zahl positv geprüfter Mittel auf dem Markt. Eine Übersicht
über die DLG-geprüften Siliermittel, die bei einer Mittelauswahl vorrangig in Frage kommen,
kann bei der DLG in Frankfurt über das Internet (www.guetezeichen.de) oder bei der Landwirtschaftskammer
Schleswig-Holstein (www.lwksh.de) abgerufen werden. Die zweite
Adresse gibt auch Hinweise zu den Mittelkosten.
9.
46
Zusammenfassung
Die Gärqualität hat maßgeblichen Einfluß auf die Futteraufnahme von Silagen. Sie kann
analytisch über pH-Wert und das Gärsäuremuster bestimmt werden. Eine rasche Ermittlung
ist aber auch über pH-Wert mittels Indikatorpapier und TS-gehalt mittels Wringprobe vor Ort
möglich und läßt eine Einstufung nach dem Aulendorfer Schema in sechs Bereiche zu.
Diesen sechs Qualitäten können bestimmte Situationen beim Einsilieren zugeordnet und
siliertechnische Maßnahmen sowie der mögliche Einsatz von Silierzusätzen abgeleitet
werden. Bei der Auswahl von Zusätzen stellt das DLG-Gütezeichen eine wertvolle Hilfe dar.
Aktuelle Auflistungen sind im Internet unter www.guetezeichen.de zu finden.
veröffentlicht in:
Nussbaum, H. (2001): Sechs Klassen geben Auskunft. Schwäbischer Bauer 16/2001, S.20-
23.
9.
47
Tabelle 6: Ausgangssituation, mögliche Ursachen, Maßnahmen und denkbare Siliermittel, um Futterwert und Gärqualität bei Grassilage
zu verbessern
Bereich
Nr.
Situation/Probleme Ursachen Maßnahmen mögliche Siliermittel
1 Sehr viel Buttersäure,
Gärsaft,
pH-Wert zu hoch
schwierige Anwelkbedingungen,
hoher Schmutzgehalt,
Zuckermangel
Lange Feldperiode (verregnet)
Anwelken, falls möglich,
Schnittzeitpunkt optimieren,
Verschmutzung vermeiden
zwingend Siliermittel Gütezeichen 1a
einsetzen;
ab 28 % TS Melasse möglich (25-30
kg/t FM), evtl. in Komb. mit MSB
2 TS-Gehalt in Ordnung,
Buttersäure,
pH-Wert zu hoch
Zuckermangel,
evtl. zu hoher Schmutzgehalt,
lange Feldperiode (verregnet),
Anwelken jedoch möglich
Schnittzeitpunkt optimieren,
Verschmutzung vermeiden
Pflanzenbestand kontrollieren
Siliermittel mit Gütezeichen 1b,
zuckerhaltige Mittel wie Melasse bis
35 % TS, evtl. in Komb. mit
homoferment. Milchsäurebakterien
3 TS-Gehalt zu hoch,
Gefahr der Nacherwärmung,
(selten) Buttersäure
sehr später Schnitt,
hoher Schmutzgehalt,
zu stark angewelkt
Schnittzeitpunkt optimieren,
Verschmutzung vermeiden,
Erntekette optimieren
Pflanzenbestand kontrollieren
Mittel mit Gütezeichen 2,
vorwiegend Mittel mit Propion-,
Benzoe- oder Sorbinsäure
4 ohne Buttersäure,
Gärsaft
Geringe Verschmutzunng
Trotz schwieriger
Anwelkbedingungen
Schnittzeitpunkt und
Erntemanagement im Griff,
kurze Feldphase
Anwelken, falls möglich,
ansonsten alles in Ordnung;
Mähwerk mit Aufbereiter oder
Breitverteilhaube sinnvoll;
Verschmutzung weiterhin
gering halten (Grünlandpflege)
Siliermittel nicht zwingend notwendig,
zur Absicherung evtl. Mittel mit
Gütezeichen 1b, insbesondere bei
Verschmutzungsgefahr;
Melasse (25 kg/t FM) plus MSB ab
28 % TS möglich
5 TS-Gehalt und pH-Wert im
Optimalbereich,
Futterwert hoch
Geringe verschmutzunng
Schnittzeitpunkt und
Erntemanagement bestens im Griff
Eintagessilage oder max. eine Nacht
dichte Grasnarbe,
guter Pflanzenbestand
Grünlandbewirtschaftung und
Silagebereitung in Ordnung:
weiter so !
nicht zwingend notwendig, im
Hochleistungsbereich Mittel mit
Gütezeichen 4 c „Milch“ sinnvoll, falls
Mindest-vorschub erreicht, dann
Melasse als Energieergänzung (25
kg/t FM) denkbar
6 pH-Wert in Ordnung,
zu trockene Silagen
Schnittzeitpunkt in Ordnung,
zu strak angewelkt
Erntekette besser aufeinander
abstimmen (Mäh- und
Bergeleistung),
Vorschub erhöhen
Mittel mit Gütezeichen 2,
Propion/ -Sorbinsäure oder
heterofermentative
Milchsäurebakterien (MSB)

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