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Workshop 5: Analysen mittels MLP-Daten und /oder Herdensoftware als Grundlage für
Beratungen zur Verbesserung der Eutergesundheit (Senkung des Zellgehaltes)
Frau S. Baumgart
LKV Sachsen – Anhalt e.V.
Der Milchviehbetrieb, der sich an der monatlichen Milchleistungsprüfung beteiligt, erhält eine
Vielzahl von Daten und Kennziffern für Analysen der Milchleistung, der Milchinhaltsstoffe, der
Milchqualität (somatischer Zellgehalt), der Reproduktion und Fruchtbarkeit sowie der
Gesundheit seiner Herde. Sie werden als Dokumente oder Software-Dateien regelmäßig
übergeben und sind wichtige Instrumente zur Überwachung der Managementmaßnahmen in
den Milchviehherden.
Im Workshop wird dargestellt, wie die Berater die softwaregestützten Datenanalysen
wichtiger Kennziffern als Grundlage für das Erkennen von Schwachstellen in der Herdenführung
nutzen können.
Jeder Teilnehmer bekommt einen PC-Arbeitsplatz mit den Softwareprogrammen „Integrierte
Bestandsbetreuung“ bzw. „Zuchtmanager“ und anhand eines
Beispielbetriebes werden ausgewählte Kennziffern erstellt, analysiert und diskutiert.
Die Kennziffern können saisonal und laktationsabhängig je Einzeltier oder Herde /Gruppe
tabellarisch und grafisch dargestellt werden. Betriebsspezifische Tabellen mit allen vorhandenen
Kennziffern und Daten sind individuell auswählbar.
Schwerpunktmäßig wird auf folgende Controllingmodule eingegangen:
- Milchleistungsprüfung Betrieb, Herde, Gruppe Einzeltier
- Laktationskurve
- Somatischer Zellgehalt aus der MLP
- Ernährungszustand
- Reproduktion
- Inzidenzanalyse
- Lebensleistung
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Besonders bei den Beratungen zur Verbesserung der Eutergesundheit und Senkung des
Zellgehaltes sowie der Fütterung dienen diese Daten dem Betriebsberater, um
1. sich im Vorfeld der Vorortberatung einen genauen Überblick über den Stand und das
Niveau der Datenlage in der Milchviehherde zu verschaffen.
2. ständig während des Beratungszeitraums über die Veränderung der Datenlage
informiert zu sein.
3. nach Abschluss der Beratung die vorhandene Datenlage und Effektivitätskontrolle in
Umsetzung von Beratungsempfehlungen auszuwerten.
Bei Bewertung der MLP – Daten wird auf die Zusammenhänge mit dem gesamten betrieblichen
Milchviehmanagement in der Haltung, Fütterung, Hygiene, Melkroutine, Melktechnik,
Reproduktion und veterinärmedizinische Überwachung hingewiesen.
Weitere Auswertungsmöglichkeiten der MLP-Daten ergeben sich in Verbindung mit zielgerichteter
Diagnostik aus zusätzlichen Maßnahmen wie z.B.: zytobakteriologische Viertelgemelksuntersuchungen,
Schalmtest, Tupferproben über die Wirkung von Reinigungs- und
Desinfektionsmaßnahmen.
Jeder Workshopteilnehmer ist aufgefordert aktiv mitzuarbeiten und seine Erfahrungen auf
dem Gebiet der Datenanalysen, in Verbindung mit produktionstechnischer Beratung zur Verbesserung
der Eutergesundheit, mit einfließen zu lassen.
EIGENE NOTITZEN
10. Jahrestagung – Dresden-Pillnitz 16./17.09.2009
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Workshop 2: Der Zitzengummi - Aufgaben, Formen und Wirkungen auf die Zitzenbeschaffenheit
Herr Dr. G. Schlaiß
DeLaval
Herr Dr. H.J. Rudovsky
Der Zitzengummi im Zweiraum-Melkbecher ermöglichte erstmalig eine Gewebemassage und
damit den Schutz der Zitze vor den negativen Auswirkungen des Melkvakuums auf das
Zitzengewebe. Das war der Durchbruch für das technische Melken.
Die korrekte Arbeit des Zitzengummis ist von einer Vielzahl von Bedingungen abhängig und
gehört zu den sensiblen Teilen der Melkanlage. Fehlerhafter Einsatz des Zitzengummis führt
zu geringerem Milchfluss, längeren Melkzeiten, suboptimaler Massagewirkung, Haftungsproblemen,
verschlechtertem Reinigungsverhalten und damit Gefährdung der Eutergesundheit.
Die angebotene Formenvielfalt ist Ausdruck der verschiedensten Ansätze und Versuche
Zitzengummis an die tierindividuellen und auch vorhandenen Rasseunterschiede von Euter
und Zitze möglichst optimal anzupassen. Häufig ist der Melker und auch der Berater damit
überfordert - gefühlsmäßige Entscheidungen werden getroffen.
Ziel des Workshops ist es, die Verbindungen bestimmter Merkmale von Formen und Werkstoffen
der Zitzengummis auf die Arbeitsweise unter den vorhandenen
Pulsationsweisen (Gleich-, Wechseltakt, Phasenverhältnisse, Pulsfrequenz),
Pulsationsabweichungen,
Milchabführwegen (hoch-, tiefverlegt, Schlauchführung)
Alterung / Verschleiß
zu erarbeiten.
Die Gestaltung des Schaftes in Form und Einfaltebenen variiert im Marktangebot zunehmend,
ohne das bisher exakte Nachweise zum Nutzen, besonders der Mehrebenen-
Zitzengummis, erbracht wurden.
10. Jahrestagung – Dresden-Pillnitz 16./17.09.2009
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Ein weiterer Schwerpunkt des Workshops ist die Suche nach der für die Herden optimalen
Konstruktion. Hier werden neben Kopf, Lippe, Schaft, besonders auf den Messverlauf und
bestehende Probleme bei abweichenden Zitzen- und Eutermaßen, sowie Formen eingegangen.
Um den ordentlichen Melkablauf und die Eutergesundheit nicht zu gefährden müssen sich
züchterische Aspekte wieder stärker an die technischen und physikalischen Bedingungen,
unter denen die Melkmaschinen störungsfrei arbeiten, orientieren. Zitzenmaße und -formen
dürfen bestimmte Größen nicht unterschreiten. Kurze, dünne Zitzen führen einerseits
häufiger zu Störungen des Melkablaufes und andererseits zur stärkeren Belastung des
Zitzengewebes. Die gesundheitliche Gefährdung des Euters ist höher.
Zur Erleichterung der Berater-Tätigkeit wird auf die „Checkliste für die Ursachenermittlung
von Melkproblemen“ (2007) und die PPP „Zitzengummiauswahl“ der Jahrestagung 2004
(WGM-Homepage) verwiesen.
EIGENE NOTITZEN
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Einflussfaktoren auf die Zitzenbeschaffenheit – Melktechnik, Hygiene und Umwelt –
Herr Dr. M. Spohr
Eutergesundheitsdienst Baden-Württemberg
Die Beschaffenheit der Zitzen von Milchkühen ist zahlreichen Einflüssen unterworfen. Neben
infektiösen Ursachen (Viren, Bakterien, Parasiten) spielen für die Zitzenkondition vor allem
Haltungs- und Melkbedingungen eine wesentliche Rolle und beeinflussen die Eutergesundheit
und das Melkverhalten der Kühe.
Unter den physikalisch-chemischen Faktoren spielen Verätzungen der Zitzenhaut eine bedeutende
Rolle. Insbesondere alkalische Substanzen, wie Branntkalk oder alkalische
Reinigungsmittel, die irrtümlich als Dipmittel verwendet werden, reduzieren den Säureschutzmantel
der Zitzenhaut und lassen sie trocken und spröde erscheinen. In schweren
Fällen löst sich die obere Hornhaut ab und die Zitzenwandung kann gerötet und verdickt
sein. Neben der alkalisierenden und entfettenden Wirkung von Kalken ist darüber hinaus der
austrocknende Effekt zu nennen, der die Wirkung der anderen Effekte überlagert und
potenziert. Ähnliche Reaktionen sind bei stark sauren Flüssigkeiten wie sauren Reinigungsmitteln
und Jod-haltigen Dipmitteln ohne ausreichenden Pflegemittelanteil zu beobachten.
Alljährlich in den Wintermonaten sind Verschlechterungen der Zitzenkondition zu beobachten,
die auf Unterkühlung, bzw. Erfrierung der Zitzenhaut zurückzuführen sind. Die
kontinuierliche Regeneration der Haut (d.h. die Bildung neuer Hautzellen bis zur Abschilferung
der äußeren, verhornten, abgestorbenen Hornzellen) setzt eine ausreichende
Durchblutung der Zitzenhaut voraus. Niedrige Umgebungstemperaturen reduzieren die
Durchblutung der Zitzen deutlich. Entsteht zusätzlich Verdunstungskälte durch das Abtrocknen
von Dipmitteln oder Milchresten auf der Zitzenhaut oder wirken höhere Windgeschwindigkeiten
(wind-chill-effect) wird die Zitzendurchblutung tief greifend und lang dauernd
eingeschränkt. Können diese klimatischen Effekte nicht durch Einhausung oder windbrechende
Einrichtungen gemildert werden, wird der Einsatz pulverförmiger Zitzendesinfektionsmittel
empfohlen. Bei erstmaligem Weideaustrieb kann die dünne, häufig unpigmentierte
Zitzenhaut an Sonnenbrand erkranken. Zusätzlich sind bei Weidegang
stechende Insekten als Ursachen von Zitzenhautveränderungen zu nennen.
Die Folgen all dieser Zitzenhautveränderungen äußern sich in einer erhöhten Schmerzempfindlichkeit
der Kühe, die den Melkablauf und den Melkstanddurchsatz erheblich beeinträchtigen
können. Darüber hinaus können sich auf der vorgeschädigten Haut Mastitis10.
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erreger (spez. Staphylokokken) besser ansiedeln, so dass eine erhöhte Mastitishäufigkeit
folgt. Ziel aller therapeutischen Maßnahmen ist die Wiederherstellung der optimalen Zitzenhautintegrität
durch Beseitigung der schädigenden Faktoren und verstärkte Pflegemaßnahmen.
Der während des Melkens auf die Zitzenkuppe und zeitweise auf die Zitzenbasis einwirkende
Unterdruck beeinträchtigt die Blutzirkulation und verursacht den Austritt von Blutserum ins
Gewebe (Ödem). Daneben wirkt die Kompression des Zitzengummischaftes, die der Bildung
von Ödemen entgegenwirken soll, auf die Zitzenkuppe und führt zur verstärkten Verhornung
der Haut des Strichkanals (Hyperkeratose).
Verdickungen der Zitzenkuppe, die als bindegewebiger Umbau chronischer Ödeme anzusehen
sind, treten in Verbindung mit langdauernder, nicht ausreichender Beseitigung der
Zitzenkuppenödeme auf. Ursachen können sowohl mangelhaft Massageleistung als auch zu
starke Ödembildung (z.B. zitzenendiges Vakuum zu lange zu hoch) sein. Da für diese Veränderung
keine objektivierbaren Messmethoden zur Verfügung stehen, sind die Beschreibungen
dieser Zitzenreaktion stark vom Untersucher beeinflusst. Die modifizierte
Cutimeter-Messung nach Zecconi und Hamann konnte unter Praxisbedingungen bislang
nicht validiert werden.
In den letzten Jahren scheint die übermäßige Verhornung der Strichkanalauskleidung
(Hyperkeratose) häufiger aufzutreten. Diese Hautzubildung steht in direkter Beziehung zur
Druckapplikation des Zitzengummischaftes auf die Zitzenkuppe. Neben Tier-individuellen
Faktoren (lange, dünne, spitz zulaufende Zitzen) scheinen insbesondere die Milchleistung,
die Laktationslänge und das Alter der Kuh für die Ausprägung der Hyperkeratosen mitverantwortlich
zu sein. Zur Bestimmung der Kompressionswirkung auf der Zitze existieren
einige Berechnungsmodelle (compressive load; „Drucksumme“), die m. o. w. gut in der
Praxis anzuwenden sind und unterschiedliche Faktoren berücksichtigen. Als wesentliche
Faktoren für die Kompressionswirkung sind der Differenzdruck, die Materialeigenschaften
(Einfaltdruck, Shore-Härte) und die Konstruktion des Zitzengummischaftes aber auch die
Länge der Massagephase und Blindmelkzeiten zu nennen. Die quantitative und qualitative
Beschreibung von Hyperkeratosen ist mittels mehrerer Scoring-Systeme möglich. Wissenschaftliche
Studien belegen einen Zusammenhang zwischen der Häufigkeit verhornter
Hyperkeratosen („cracked teats“) und Eutergesundheitsstörungen.
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In Verbindung mit Hyperkeratosen sind häufig auch sog. „Bügelfalten“ auf der Zitzenkuppe
zu beobachten. Diese blutleeren, schmalen Streifen, die sich über die Zitzenspitze erstrecken,
entstehen durch die Quetschung der Zitzenkuppenhaut im Bereich der
Kollabierungszone des Zitzengummischaftes. Sie treten besonders häufig bei weiten,
weichen Zitzengummischäften auf und münden seitlich in einer Zone verstärkter
Ödematisierung. In diesem Bereich können als Folge der Durchblutungsstörung bei unzureichender
Zitzendesinfektion Hautentzündungen entstehen.
Die Druckverhältnisse im Zitzengummikopf sind sehr variabel und von zahlreichen Faktoren
abhängig. Zu Beginn des Melkens herrscht atmosphärischer Druck, der mit nachlassendem
Euterinnendruck und kletternden Zitzengummis ansteigt. Jeweils während der Zitzengummiöffnungsphase
steigt der Unterdruck an, um in der anschließenden Schließphase durch Lufteinbrüche
über die Zitzengummilippen wieder abzufallen. Der Zeitpunkt des Unterdruckanstieges
und die Höhe des Unterdrucks im Zitzengummikopfraum werden durch die Weite
des Zitzengummischaftes, die Melkbereitschaft (Stimulation) und die Abdichtung der Zitzengummilippen
beeinflusst. Eine Beeinflussung durch die Öffnungs- und Schließgeschwindigkeit
des Zitzengummis wird zurzeit diskutiert. Der Unterdruck im Zitzengummikopfbereich
verursacht, wie auch bei der Zitzenkuppe, eine lokale Zirkulationsstörung (Ringödem), das je
nach Vakuumhöhe und Dauer der Unterdruckwirkung zu fühl- und sichtbaren ringförmigen
Schwellungen an der Zitzenbasis und der gesamten Zitzenwandung führt. Insbesondere
jüngere Kühe reagieren mit Unruhe und Abwehrbewegungen, bei geschwollenen Zitzen
muss auch davon ausgegangen werden, dass der Strichkanalverschluss verzögert ist.
EIGENE NOTITZEN
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Workshop 8: Energieeinsatz in der Milchviehhaltung - Milchleistungssteigerung ist
nicht Effizienzsteigerung
Frau Dr. S. Kraatz
Herr Prof. Dr. R. Brunsch
Leibniz-Institut für Agrartechnik Potsdam-Bornim e.V. (ATB)
Ziele des Workshops:
Der Workshop hat zum Ziel, den Teilnehmern Maßnahmen zur Reduzierung des Energieaufwands
im Milchproduktionsverfahren vorzustellen. Dabei nimmt der indirekte (vergegenständlichte)
Energieeinsatz einen entscheidenden Platz ein. Es wird eine Methode vorgestellt
anhand derer der Energieaufwand in der Milchviehhaltung ermittelt werden kann und
es wird der Einfluss einzelner Verfahrensabschnitte auf den produktbezogenen Energieaufwand
aufgezeigt. Im Speziellen wird der Einfluss der Reproduktionsrate und der Höhe der
Milchleistung diskutiert.
Ziele für die Beratung in der Praxis:
Durchführung betriebsspezifischer Analysen und Ableitung von Maßnahmen, so dass das
Produkt Milch mit niedrigerem Energieeinsatz als zuvor erzeugt, und somit Umwelt- und
Kostenentlastungen erreicht werden können.
Einleitung
Der Einsatz von Rohstoffen sowie fossiler Energie in landwirtschaftlichen Produktionsprozessen
hat aufgrund steigender Intensivierung und Mechanisierung der Produktionsverfahren
zugenommen. Der Ertragszuwachs ist dabei als nicht unbedingt adäquat zum
Ressourceneinsatz einzuschätzen. Steigender Ressourcenverbrauch sowie zunehmende
Umweltbelastungen gefährden die Nachhaltigkeit der Produktion. Der effiziente Einsatz von
Energie im Agrarsektor ist eine Bedingung für eine nachhaltige Landbewirtschaftung, weil
dadurch der Schutz von fossilen Ressourcen, Emissionsminderungen sowie finanzielle Einsparungen
ermöglicht werden.
Zur Bewertung des Energieeinsatzes in Produktionsverfahren erweist sich die Berechnung
des kumulierten Energieaufwands als sinnvoll. Dieser beinhaltet direkte Energie, bspw.
Diesel und Strom, und indirekte Energie, welche als vergegenständlichte Energie in bspw.
Düngemitteln, Gebäuden und Maschinen ist. Ausgehend vom kumulierten Energieaufwand
des Produktionsvorgangs wird dann die Energieintensität pro kg Endprodukt berechnet.
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Energieintensität der Futterbereitstellung unterschiedlicher Rationen
Die Bereitstellung der Futtermittel hat einen sehr großen Anteil am kumulierten Energieaufwand
in der Milchviehhaltung. Abbildung 1 zeigt die Energieintensität verschiedener Futterrationen
unter Einsatz von Futtermitteln aus vier unterschiedlichen Ertragsklassen (unterscheiden
sich durch Standortbedingungen und Bewirtschaftungsintensität) und die Relation
des Energieaufwands der einzelnen Futterrationen zueinander. Deutlich zu erkennen ist,
dass mit steigendem Anteil an Kraftfutter in der Ration die Energieintensität der Milchproduktion
ansteigt.
0,00
0,20
0,40
0,60
0,80
1,00
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1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11
Energieintensität
MJ kg-1 Milch
Futterration
Ertragsklasse 1 Ertragsklasse 2 Ertragsklasse 3 Ertragsklasse 4
Abb. 1: Vergleich der Energieintensität unterschiedlicher Futterrationen und Ertragsklassen
Futterrationen: Die Grundbedingungen der Futterrationen sind gleich, aber der Anteil eines
Rationsbestandteils ist jeweils maximiert.
1- Standardration 7 - Grassilage ohne Weide (45 %)
2 - Ausgleichs- und Kraftfutter (50 %) 8 - Maissilage ohne Weide (45 %)
3 - Grassilage (40 %) 9 - Standard mit Ganztagsweide
4 - Maissilage (35 %) 10 - Grassilage mit Ganztagsweide (35 %)
5 - Standard ohne Weide 11 - Maissilage mit Ganztagsweide (25 %)
6 - Ausgleichs- und Kraftfutter ohne Weide (55 %)
Rationen 1 - 4 Halbtagsweide im Sommer
Rationen 5 - 8 ohne Weide
Rationen 9 - 11 Ganztagsweide im Sommer
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Energieintensität für die Futterbereitstellung in Abhängigkeit verschiedener Milchleistungen
Der kumulierte Energieaufwand der Futterbereitstellung pro kg Milch nimmt bei Milchleistungen
von 4.000 bis 8.000 kg Milch pro Kuh und Jahr ab (Abbildung 2). Mit höheren Milchleistungen
verringert sich dieser Effekt. Die weiter ansteigenden Milchleistungen können den
höheren Energieaufwand der Futterrationen nicht mehr kompensieren, weil mit zunehmender
Milchleistung der Anteil der energieaufwändigeren Kraftfuttermittel in den Rationen zunimmt.
1,50
1,60
1,70
1,80
1,90
2,00
2,10
2,20
4000 5000 6000 7000 8000 9000 10000
Milchleistung [kg Milch Kuh-1 Jahr-1]
Energieintensität
[MJ kg-1 Milch]
Abb. 2: Energieintensität für die Futterbereitstellung in Abhängigkeit der Milchleistung
Energieintensität für die Futterbereitstellung in Abhängigkeit der Reproduktionsrate
Der Verfahrensabschnitt Nachzucht nimmt den zweithöchsten Anteil am kumulierten
Energieaufwand in der Milchviehhaltung ein. Die folgenden Untersuchungen betrachten den
Einfluss unterschiedlicher Reproduktionsraten und Milchleistungen auf die Energieintensität
des Verfahrensabschnitts Futterbereitstellung (Tab. 1). Hierbei wird der kumulierte Energieaufwand
für die Futterbereitstellung von der Milchkuh berücksichtigt. Entsprechend der Reproduktionsraten
werden für die Nachzucht die Aufzuchtmonate ermittelt, die der Milchkuh in
den Berechnungen ebenfalls unterstellt werden.
Tab. 1: Energieintensität für die Futterbereitstellung [MJ kg-1 Milch] in Abhängigkeit
von der Milchleistung und der Reproduktionsrate
Reproduktionsrate
%
4.000 kg* 5.000 kg* 6.000 kg* 7.000 kg* 8.000 kg* 9.000 kg* 10.0000 kg*
10 2,38 2,20 2,07 2,01 1,88 1,86 1,86
15 2,49 2,30 2,15 2,08 1,94 1,92 1,91
20 2,61 2,39 2,23 2,14 2,00 1,97 1,96
25 2,73 2,48 2,31 2,21 2,05 2,02 2,00
30 2,85 2,58 2,39 2,28 2,11 2,07 2,05
35 2,96 2,67 2,46 2,35 2,17 2,12 2,10
40 3,08 2,77 2,54 2,41 2,23 2,18 2,14
45 3,20 2,86 2,62 2,48 2,29 2,23 2,19
50 3,32 2,95 2,70 2,55 2,35 2,28 2,24
* Milch Kuh-1 Jahr-1
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Die Berechnungen zeigen, dass sich die Energieintensität der Futterbereitstellung mit zunehmender
Reproduktionsrate gleichmäßig erhöht. Ansteigende Milchleistungen bewirken
dagegen die Abnahme der Energieintensität. Dieser Effekt verringert sich mit steigenden
Milchleistungen. Besonders deutlich wird diese Verringerung ab einer Milchleistung von
8.000 kg. Eine weitere Steigerung der Milchleistung wirkt sich ab diesem Bereich nur noch
geringfügig auf den kumulierten Energieaufwand aus. Der Vergleich der Energieintensität der
Futterbereitstellung unter Betrachtung der unterschiedlichen Abstufungen von Reproduktionsrate
und Milchleistungen zeigt deutlich, dass die Reproduktionsrate einen wesentlichen
Einfluss auf die Energieintensität des Verfahrensabschnitts Futterbereitstellung ausübt. Beispielsweise
ist die Energieintensität der Futterbereitstellung für die Produktion von 1 kg Milch
bei einer Milchleistung von 6.000 kg und einer Reproduktionsrate von 20 % genauso groß
wie bei einer Milchleistung von 8.000 kg und einer Reproduktionsrate von 40 % beziehungsweise
bei einer Milchleistung von 10.000 kg und einer Reproduktionsrate von 50 %.
Energieintensität der Milchproduktion in Abhängigkeit der Reproduktionsrate und
Milchleistung
Wird das gesamte Milchproduktionsverfahren mit Einbeziehung des Energieaufwands für die
Milchgewinnung, die Nachzucht, die Gebäude und baulichen Anlagen sowie die Maschinen
und technische Ausrüstung betrachtet, stellt sich der Einfluss unterschiedlicher Milchleistungen
und Reproduktionsraten auf die Energieintensität wie folgt dar (siehe Abb. 3).
Neben dem kumulierten Energieaufwand der Futterbereitstellung wird der Energieaufwand
aller Verfahrensabschnitte an die einzelnen Milchleistungen angepasst. Die Berechnung des
Energieaufwands für den Verfahrensabschnitt Milchgewinnung bezieht sich auf eine Energieintensität
von 0,57 MJ pro kg Milch. Die Anpassung des Energieaufwands des Verfahrensabschnitts
Maschinen erfolgt unter Berücksichtigung der Futterrationen der Milchkühe bei
unterschiedlichen Milchleistungsklassen. Aus Abb. 3 wird deutlich, dass mit zunehmender
Reproduktionsrate die Energieintensität gleichmäßig ansteigt. Mit steigender Milchleistung
nimmt die Energieintensität ab. Vergleicht man die Energieintensität bei einer Milchleistung
von 8.000 kg Milch mit einer Reproduktionsrate von 30% und die bei einer Milchleistung von
10.000 kg Milch mit einer Reproduktionsrate von 45% mit der einer Leistung von 7.000 kg
und einer Reproduktionsrate von 20 %, so ist festzustellen, dass deren Aufwand an Energie
in etwa gleich ist.
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2,50
3,00
3,50
4,00
4,50
5,00
5,50
10 15 20 25 30 35 40 45 50
Reproduktionsrate [%]
Energieintensität
[MJ kg-1 Milch]
4000 kg Milch/Kuh und Jahr 5000 kg Milch/Kuh und Jahr
6000 kg Milch/Kuh und Jahr 7000 kg Milch/Kuh und Jahr
8000 kg Milch/Kuh und Jahr 9000 kg Milch/Kuh und Jahr
10000 kg Milch/Kuh und Jahr
Abbildung 3: Energieintensität des Verfahrens Milchproduktion unter Einfluss verschiedener
Milchleistungen und Reproduktionsraten
Mit Abnahme der Nutzungsdauer der Milchkühe wird das Leistungspotenzial des Einzeltiers
nicht ausreichend genutzt. Weiher (2004) empfiehlt bei Herdenleistungen über 8.000 kg aus
Sicht des Selektionsfortschritts eine Reproduktionsrate deutlich unter 35 %, da der
Leistungszuwachs des Einzeltiers im Reproduktionsbereich zwischen 25 % und 35 % am
höchsten ist. Da bei einer Reproduktionsrate von 40 % das Tier nicht einmal seine physiologischen
Leistungshöhepunkt erreichen kann (Wangler, 2006), werden diese als auch alle
darüber liegenden Reproduktionsraten als energetisch nicht nachhaltig angesehen.
Schlussfolgerungen
Der Energieeinsatz in der Milchviehhaltung ist in starkem Maß von dem Energieaufwand zur
Futterbereitstellung beeinflusst. Dieser ist von den Standortbedingungen, vom Ertragsniveau
und dem Anbauverfahren abhängig. Der Energieaufwand ist bei mittleren Ertragsniveaus am
geringsten. Einen bedeutenden Einfluss auf den Energieaufwand der Milchviehhaltung hat
auch die Rationsgestaltung. Steigt der Anteil des Kraftfutters in der Ration, nimmt der
kumulierte Energieaufwand zu. Mit einem steigenden Anteil an Weidefutter in der Ration
nimmt der kumulierte Energieaufwand ab.
Zunehmende Milchleistungen der Herde führen zu einer Verringerung des kumulierten
Energieaufwands. Jedoch verringert sich dieser Effekt stark aufgrund des meistens damit
verbundenen erhöhten Kraftfutteranteils in der Futterration und der steigenden Reproduktionsrate.
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Literatur
Wangler, A. (2006): Untersuchungen zur Lebensleistung und Nutzungsdauer von Milchkühen.
Rinderpraxis, Nutztierpraxis aktuell, S. 22-24.
Weiher, O. (2004): Reproduktionsraten im Auge behalten. Nutztierpraxis aktuell, Ausgabe 8,
März 2004.
EIGENE NOTITZEN
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Erfahrungsbericht Umbau mit 8 AMS - Management, Fütterung, Leistungs- und
Gesundheitsentwicklung
Herr J. Mothes
Marienhöher Milchproduktion Agro Waldkirchen GmbH, Irfersgrüner Str. 17,
08485 Lengenfeld
Dr. Lutz Daßler
Sächsischer Landeskontrollverband e.V., August Bebel Str. 6,
09577 Lichtenwalde
Betriebsspiegel
Die GmbH verfügt über eine Gesamtfläche von 1.190 ha (davon Grünland 340 ha, Ackerland
850 ha, Eigentumsfläche 185 ha). Im Weiteren werden eine Biogasanlage (Stromerzeugung
zur Einspeisung ins Netz mit einer Kapazität von 500 kWh) und eine Direktvermarktung
(Molkereiprodukte, Fleisch- und Wurstwaren, …) betrieben. Die GmbH verfügt über eine
Milchquote von 4.414.113 kg / Jahr sowie einen Tierbestand von 1.220 Rindern (davon 530
Milchkühe, 80 Mutterkühe, 40 Mastbullen, 4 Zuchtbullen), 187 Mutterschafe mit Nachzucht
sowie 270 Stück Damwild.
Investitionsvorhaben
Es wurde in acht Melkroboter für 530 Kühe mit 4 Melkgruppen (4 x 2 Melkroboter) investiert.
Am 09. Juni 2008, am 21. Juli 2008, am 01. September 2008 und Ende Oktober 2008
wurden jeweils 2 Roboter in Betrieb genommen.
Die Gesamtinvestition belief sich auf ca. 950.000 € einschl. Umbau, Melkroboter, Vorkühlung,
zwei Lagertanks a 14.000 Liter, Kipptränken, Kuhbürsten und Kehrautomaten. Der
Personalbestand konnte in der Milchviehanlage von 10 auf 6 Arbeitskräfte (AK) durch innerbetriebliche
Umsetzungen und Ruhestand reduziert werden. Es wurde dabei keine Arbeitskraft
entlassen!
Inbetriebnahme
Geplant waren 1 x 2 plus 2 x 3 Roboter. Entschieden wurde sich dann aber auf 4 x 2
Robotergruppen mit 105 - 115 melkenden Kühen. Dabei sind in jeder Gruppe alle
Laktationsnummern und -tage vertreten. Ausnahme bildet die erste Laktation, die für sich
aufgestallt ist.
Die Milch wird in zwei Direktverdampfertanks mit je 14.000 l gekühlt. Es existiert kein
Zwischentank, jedoch eine Vorkühlung mit Tränkwasser.
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Es wurde ein Lehrgang von Lely 4 Wochen nach Inbetriebnahme besucht und ca. halbjährlich
findet eine Weiterbildung statt.
Die ersten zehn Tage wurden die Melkroboter auf Gewöhnung gestellt, so dass es möglich
war, 110 Kühe in 8 h einzumelken. Es wurden allerdings 6 - 7 Mann für 2 Roboter benötigt.
Von den 522 Kühe mussten nur 5 Kühe (Euter zu tief, Strichstellung) selektiert werden. Im
Weiteren ist kein Tier zugekauft worden.
Management
In den ersten 14 Tagen wurde auf den gelenkten Kuhverkehr zurück gegriffen, danach frei.
Der Vorwartebereich ist für 5 - 6 Kühe absperrbar. Nachgetrieben wird ab 15 h aufwärts, was
etwa 2 - 8 % der Kühe betrifft. Die Melkhäufigkeit beläuft sich auf 2,9 bis 3,1 mal/Tag.
Zur Betreuung werden bei einer 40 Stundenwoche 1 Anlagenleiter, 3 AMS-Betreuer (Tag,
Nacht, frei), 2 Fütterer (früh, abends), 1 Kälber und Reproduktionsbereich benötigt. Vertretungen
werden durch Lehrlinge abgefangen. Es existiert ein Servicevertrag (ohne Verschleißteile,
Gummiteile, …) bei Technikausfall. Dazu wird ein Reparaturhandbuch geführt.
Auf Grund der räumlichen Gegebenheiten sind acht Trockenstehergruppen bei zwei
Fütterungsgruppen (Trockensteher und Vorbereiter) möglich. Trockengestellt wird alle
14 Tage bei einer Trockenstehzeit von 6 - 8 Wochen.
Die Milchleistungsprüfung (MLP) wird seit dem 25. Mai 2009 mit nur noch 2 Proben durchgeführt.
Bis dahin wurde jedes Gemelk beprobt. Nur eine Probe geht nicht !!
In Bezug zur Eutergesundheit sind Zellzahlkühe nach Ansicht des Betriebes nur in der
Trockenstehzeit ausheilbar. Zum Trockenstellen wird eine bakteriologische Untersuchung
zum Test auf Wirksamkeit der Medikamente (Antibiogramm) durchgeführt. Jeder Kuh wird
ein Trockensteller verabreicht. Zusätzlich wird mit einem internen Zitzenversiegeler gearbeitet.
Bei externen wurden keine guten Erfahrungen gemacht.
Die Klauen werden aller 5 Monate in Verbindung mit Abflammen der Euter geschnitten. Dazu
kommen eventuelle Notfälle. Ein Klauenbad erfolgt zweimal die Woche.
Gefüttert wird eine Teilmischration plus aufgewertetes Kraftfutter (Pellet → rascheln). Dabei
werden bis 80 Tage fest bis 8 kg im Roboter verabreicht. 4 x täglich wird eine Leistungsfütterung
über Abruffütterung im Melkroboter realisiert. Es kommen zwei Mischfutter zum
Einsatz, zum einen ein Milchleistungsfutter 20/4 (ca. 300 g Stärke, 4 % geschütztem Fett,
übliche Gehalte an Mineralstoffen, Spurenelementen und Vitaminen und zum anderen ein
Milchleistungsfutter 18/4 (Start) mit zusätzlich 15 % Körnermais, Lebendhefe, Niacin, Cholinchlorid
und Biotin. Das 18/4 wird nur bis zum 60. Melktag eingesetzt und danach wird bis
zum 70 abgefüttert. Die Grundration auf 30 kg Milch auszulegen, hat sich nicht bewährt. Dies
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führte zu einer geringeren Besuchsquote in den Melkrobotern. Deshalb wird die Ration zur
Zeit für 24 kg Milch berechnet. Die Lely-Empfehlung beinhaltet den Herdendurchschnitt
minus 6 bis 7 kg = Grundfutterration. Die max. Kraftfuttermenge pro Besuch im Lely sollte
max. 2,9 kg / Besuch bei 8 kg am Tag betragen.
Den Gruppen stehen je zwei Trogtränken plus acht Selbsttränken zur Verfügung.
Zusammenfassung
Gruppengröße max. 120 Tiere (2 Melkroboter), ist aber milchmengenabhängig
Gruppenzusammenstellung ist wichtig für Ablauf und Auslastung des Melkroboters
durchschnittliche Besuchsraten
Altkühe/Jungkühe: 2,9 - 3,1
Jungkühe mehr Verweigerungen
Melkdauer
Melkroboter max. 25 min/Kuh und Tag (2,9 - 3,1 Melkungen)
die Kühe sind seit der Umstellung viel ruhiger und ausgeglichener
deutlich verbessertes Rinderverhalten
stark verbesserte Brunsterkennungsrate durch Aktivitätsmessung
EIGENE NOTITZEN
Herangehensweise an die Planung von Automatischen Melkssystemen
Herr Dr. J. Harms
Institut für Landtechnik und Tierhaltung der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft
Prof. Dürrwaechter Platz 2, 85586 Poing-Grub
Bei der Planung von Anlagen mit automatischen Melksystemen lag das Hauptaugenmerk
bislang auf Betrieben mit bis zu 4 Melkboxen. Auch wenn diese Betriebe nach wie vor den
weitaus größten Teil der Planungen darstellen, steigt mittlerweile die Nachfrage nach
größeren Einheiten (ab 6 Melkboxen oder ca. 350 – 400 melkenden Kühen).
Obwohl bei diesen Planungen in weiten Teilen Parallelen gezogen werden können, bestehen
auch wesentliche Unterschiede. Diese beziehen sich zum einen auf die Organisation der
Arbeit, auf die in diesem Beitrag nicht näher eingegangen werden soll, zum anderen auf die
Anordnung der Melkboxen und der weiteren Funktionsbereiche.
Zu diesem Themenbereich gibt es bisher wenig Literatur und auch wenig Erfahrungen in
neueren Anlagen. Vor diesem Hintergrund wurde von der Wissenschaftlichen Gesellschaft
der Milcherzeugerberater e.V. (WGM) ein AMS-Workshop zur Planung größerer Anlagen mit
AMS organisiert. Teilnehmer waren: Prof. Dr. R. Brunsch, U. Franze, Prof. Dr. S. Geidel, Dr.
K. Graff, Dr. J. Harms, T. Heidenreich, K. Heidig, Dr. S. Rose-Meierhöfer, Dr. H.J. Rudovsky,
M. Schweigmann. Die Ergebnisse sind in diesen Beitrag eingeflossen. Ziel dieses Workshops
war es auch eine Skizze einer Anlage für ca. 550 melkende Tiere als Diskussionsgrundlage
zu entwerfen (siehe Ende des Beitrags).
Der Hauptunterschied zu kleinen Anlagen besteht im Vorhandensein zentraler und dezentraler
Funktionsbereiche. Die generelle Herausforderung bei der Planung liegt darin,
dass die Melkboxen mehr oder weniger dezentral angeordnet werden (müssen), um einen
reibungslosen Tierverkehr zu erleichtern und den Effekt eines Nadelöhrs vor den Melkboxen
sowie weite Wege für die Tiere möglichst zu vermeiden. Gleichzeitig sind andere Funktionsbereiche
wie beispielsweise das Abkalben oder die Versorgung kranker Tiere zentral anzuordnen
um arbeitswirtschaftlich aber auch baulich (Strohbereiche) sinnvolle Lösungen zu
erreichen. Erschwerend kommt bei einer solchen Planung hinzu, dass diese zentralen
Funktionsbereiche auch Erweiterungsschritte ermöglichen müssen, da gerade automatische
Melksysteme eine modulartige Erweiterung zulassen, indem die Melktechnik in Form von
zusätzlichen Melkboxen wächst.
Mit der Anordnung der Melkboxen stellt sich auch die Frage nach sinnvollen Lösungen für
die Gruppeneinteilung der Herde. Neben den bisher verwendeten Kriterien wie Laktation,
Laktationsstand, Milchleistung, Körperkondition, etc. müssen beim Einsatz von AMS die
Gruppengröße, die minimale Kraftfuttergabe und das soziale Gefüge innerhalb der Gruppe
besondere Beachtung finden.
Gerade der letzte Punkt steht dabei in einem gewissen Widerspruch zu den Erfordernissen
der Fütterung. Zur Förderung eines möglichst stabilen sozialen Gefüges innerhalb der
Gruppe bringt eine stabile Gruppe bis zum Ende der Laktation vermutlich Vorteile. Dem
gegenüber steht der Nachteil, dass Tiere zum Ende der Laktation u.U. nicht mehr leistungsgerecht
gefüttert werden, bzw. ihnen zu viel Kraftfutter zugeteilt wird, da auch zum
Laktationsende eine gewisse Lockfuttergabe im AMS (1,5 – 2 kg pro Tag) nicht unterschritten
werden sollte. Ein weiterer Nachteil einer fehlenden Leistungsunterteilung dürfte im
Fruchtbarkeitsmanagement liegen, da bei der konstanten Gruppe immer alle Tiere überwacht
werden müssen, während sich bei einer Unterteilung i.d.R. alle zu besamenden Tiere
in der hochleistenden Gruppe befinden.
Die mögliche Größe der einzelnen Gruppen wird i.d.R. maßgeblich über die Anzahl an
Melkboxen bestimmt, die mit einem Wartebereich zusammengefasst werden sollten. Über
die hier anzustrebende Zahl herrscht derzeit noch keine einhellige Meinung. Die Teilnehmer
des o.g. Workshops gehen jedoch davon aus, dass Gruppengrößen von 100 – 130 Tieren,
was zwei Melkboxen entsprechen würde, eine sinnvolle Größenordnung darstellen. Bei
größeren Gruppen ist nach derzeitigem Kenntnisstand davon auszugehen, dass rangniedere
Tiere im oder vor dem Wartebereich stärker verdrängt werden, da sich immer relativ viele
Tiere in diesem Bereich aufhalten.
Generell kommt der Ausgestaltung des Warteraums bei steigender Gruppengröße aber
auch bei steigender Auslastung der Systeme eine besondere Bedeutung zu. So sollten nach
Möglichkeit keine Einwegtore als Zutritt zum Wartebereich Verwendung finden, da (rangniedere)
Tiere diesen sonst nicht mehr verlassen können und ihn in der Folge u. U. meiden.
Ähnliches gilt prinzipiell auch für Vorselektionen. Insbesondere bei Mehrboxenanlagen (oder
mehreren in einem Wartebereich angeordneten Einboxenanlagen) stellt der Zutrieb i.d.R. ein
„Nadelöhr“ dar, welches so weit wie möglich entschärft werden sollte. Dies kann z.B. durch
gesteuerte „Bypass-Tore“ zwischen Liege- und Fressbereich geschehen, die jedoch in ausreichender
Entfernung zum Wartebereich angeordnet werden sollten, um den gewünschten
Effekt zu erzielen. Eine andere Alternative sind zusätzliche (gesteuerte) Zugänge zum
Wartebereich auch wenn dies mit Mehrkosten verbunden ist. Bei gesteuertem Zugang zum
Wartebereich sollte die Tierzahl in diesem Bereich begrenzt werden können. Wünschenswert
wäre darüber hinaus eine Ermittlung der Wartezeit für das einzelne Tier um extrem lange
Wartezeiten erkennen und vermeiden zu können.
Beim Tierumtrieb gelten auch in großen Anlagen die bisher gefundenen Zusammenhänge.
Der Tierumtrieb soll sicherstellen, dass jedes Tier den Roboter häufig genug, regelmäßig
und rechtzeitig aufsucht. Dies soll mit möglichst wenig Arbeitsaufwand verbunden sein,
gleichzeitig aber auch möglichst wenig Zwang auf die Tiere ausüben. In diesem Zusammenhang
ist jedoch zu beachten, dass auch manuelles Nachtreiben und Einsperren im Wartebereich
einen Zwang für die Tiere darstellt.
Der einfach gelenkte Umtrieb, bei dem alle Tiere den Fressbereich nur über die Melkbox
erreichen können, ist, wenn überhaupt, nur bei sehr geringer Auslastung zu empfehlen und
soll daher an dieser Stelle nicht näher beleuchtet werden.
Der freie Umtrieb, bei dem die Tiere sowohl den Fressbereich als auch die Melkbox jederzeit
aufsuchen können, bietet Vorteile hinsichtlich der Häufigkeit der Grundfutteraufnahme,
übt bei nicht zu hoher Auslastung geringen Zwang auf rangniedere Tiere aus und kommt mit
weniger Technik (Selektionseinrichtungen) aus. Nachteile bestehen in der höheren Anzahl
nachzutreibender Tiere bzw. in der niedrigen Anzahl und Unregelmäßigkeit der Melkungen
bei bestimmten Tieren gerade zum Ende der Laktation. Diese Nachteile treten insbesondere
bei hoher Auslastung der Anlagen auf.
Ziel des selektiv gelenkten Umtriebs (teilweise auch „selektiv frei“ genannt) ist es den
Tieren einen möglichst freien Zugang zum Fressbereich zu gewähren, das Betreten (und
Verlassen) des Wartebereichs nicht einzuschränken gleichzeitig aber eine technische
Möglichkeit zu haben um überfällige Tiere zum Melken zu bewegen. Beim selektiv gelenkten
Umtrieb geschieht dies durch gesteuerte Tore zwischen Liege- und Fressbereich in gewissem
Abstand zum Wartebereich. Diese Tore gewähren den Tieren normalerweise den
freien Zugang zum Fressbereich, werden aber beim Erreichen bestimmter Kriterien (i.d.R.
lange Zwischenmelkzeit) für einzelne Tiere verriegelt, so das diese Tiere den Fressbereich
nur noch über die Melkbox erreichen können. Durch diese spezielle Anordnung ist es möglich
jedem Tier seinen „eigenen“ Umtrieb von frei bis (theoretisch) einfach gelenkt zuzuordnen.
Nachteilig bei dieser Umtriebsform sind die im Vergleich zum freien Umtrieb höheren
Kosten für die Tore zwischen Liege- und Fressbereich, sowie die Beschränkung auf Ställe
mit einer Trennung dieser beiden Bereiche (z.B. 4-reiher).
Nicht zu verwechseln ist dieser Umtrieb mit der Verwendung einer Vorselektionseinrichtung
bei ansonsten einfach gelenktem Umtrieb. Bei dieser Umtriebsform entstehen ein abgesperrter
Wartebereich mit den entsprechenden Nachteilen sowie ein Nadelöhr in Form der
Vorselektionseinrichtung.
Eine weitere Umtriebsform ist der „Feed-First“ Umtrieb, bei dem die Tiere den Fressbereich
über Einwegtore jederzeit aufsuchen können, aber nur über eine Selektionseinrichtung
wieder verlassen können. In dieser (Vor-)Selektionseinrichtung werden melkberechtigte
Tiere in den Wartebereich geleitet, die übrigen in den Liegebereich. Vorteile
dieser Umtriebsform sind der weitgehend uneingeschränkte Zugang zum Futter und der
regelmäßige Besuch der Vorselektion und damit ein regelmäßiges Melken. Als Nachteile
sind die höheren Kosten sowie das Vorhandensein eines permanent „abgesperrten“ Wartebereichs
zu nennen. Auch bei dieser Umtriebsform gilt darüber hinaus die Einschränkung,
dass sie nur bei einer Trennung von Fress- und Liegebereich wie vorgesehen funktioniert.
Bei der Planung des Tierumtriebs sollte immer auch die Nachselektion mit eingeplant
werden, um Tiere für Behandlungen, Kontrollen, Umgruppierungen u. a. arbeitssparend
separieren zu können. Hierbei ist auch zu überlegen, ob ein größerer Sonderbereich mit Zugang
zur Melkbox (evtl. nur temporär) geschaffen werden soll, für Tiere die zwar eine besondere
Betreuung benötigen, aber ansonsten problemlos am AMS gemolken werden
können. Diese Lösung vereinfacht auch das gruppenweise Melken kranker Tiere, was den
Zeitbedarf und die Kosten für die Reinigungen i.d.R. erheblich reduziert. Je nach Gesamtlösung
der Anlagenplanung kann dieser Bereich auch über eine Anbindung an den Strohbereich
verfügen.
Gemeinsam mit der Konzeptionierung dieses Sonderbereichs in der Nähe der Melkbox ist
bei größeren Anlagen der zentrale Bereich für kranke Tiere zu planen. Hier sind Tiere
unterzubringen, die eine intensive Betreuung benötigen, was i.d.R. an den dezentralen
Standorten der Melkboxen bzw. Nachselektionen arbeitswirtschaftlich und baulich (Strohbereich)
nicht sinnvoll zu erledigen ist. Dabei ist zu überlegen, ob für diese Tiere eine
separate Melkbox vorgesehen wird (ausreichende Gruppengröße vorausgesetzt) oder ob sie
in einem Melkstand gemolken werden sollen. Letzteres dürfte jedoch zu Umstellungsproblemen
bei den Tieren führen. Generell sollten die Tiere nach bisherigem Kenntnisstand
so lange wie möglich in ihrer Gruppe bzw. in dem dazugehörigen Sonderbereich verbleiben
um ihnen unnötige Gruppenwechsel zu ersparen.
Der Abkalbebereich (zentraler Funktionsbereich) bietet sich in der Nähe des o.g. Bereichs
für kranke Tiere an, auch wenn die Gruppen aus Hygieneaspekten getrennt bleiben. Beide
Bereiche sind i.d.R. zumindest teilweise Strohbereiche, benötigen eine intensive Betreuung
und ein separates Melken der Tiere.
Im Folgenden sollen weitere Planungsgrundlagen und -tipps aufgeführt werden, die zwar
häufig nur Details darstellen, oft aber eine große arbeitswirtschaftliche Relevanz haben:
Generell sollte in der Nähe der Melkboxen viel Platz vorgesehen werden. So sollte z.B.
auch der erste Übergang zwischen den Liegeboxen nicht zu weit vom Wartebereich entfernt
sein (ca. 4 – 8 Liegeboxen je nach Rastermaß des Stalls), um den Tieren gute
Ausweichmöglichkeiten zu schaffen.
Speziell in größeren Anlagen sollten Treibgänge vorgesehen werden, um die Tiere von
einer Gruppe in eine andere zu treiben oder von einem Funktionsbereich in einen
anderen. Dies sollte möglichst auch von einer einzelnen Person bewerkstelligt werden
können.
Ein Erschließungsgang zur Verbindung aller zentralen und dezentralen Funktionsbereiche
miteinander ist vorzusehen. In größeren Beständen sollte dieser Gang befahrbar
sein, um auch Wartung, Reparatur oder den Austausch von Komponenten einfach zu
ermöglichen.
Für das Zutreiben der Tiere sind einfach zu handhabende Absperrungen an den Übergängen
zwischen den Liegeboxen sowie eine Möglichkeit zur temporären Abtrennung
des Wartebereichs vorzusehen.
Die Form des Wartebereichs sollte annähernd quadratisch sein und neu hinzukommende
Tiere sollten ihn im hinteren Bereich betreten um die wartenden Tiere nicht
stören. Der direkte Zugang zur Melkbox sollte nicht keilförmig sein, da sonst beim Öffnen
des Eingangstores mehrere Tiere versuchen die Melkbox zu betreten. Als sinnvoll hat
sich ein Abweisbügel am Eingang erwiesen, der einen Bereich von 1 Kuhbreite und ca. ½
Kuhlänge abtrennt, da so Verdrängungen wirkungsvoll reduziert werden können.
Der Gestaltung des Ausgangs der Melkbox(en) sollte besonderes Augenmerk geschenkt
werden. Er sollte nicht in einer Ecke liegen, da er sonst häufig von anderen
Tieren blockiert wird. Der Austrieb selbst sollte möglichst geradlinig sein und mindestens
eine Tierlänge betragen, da die Tiere die Melkbox sonst zögerlich verlassen. Weiterhin
sollten sich keine attraktiven Einrichtungen (Bürste, Tränkebecken, Heu, etc...) in der
Nähe des Ausgangs befinden, da dieser sonst blockiert wird.
Eine Besonderheit beim Einsatz von AMS stellt das Einstreuen der Liegeboxen (insb.
bei Tiefboxen) dar, da bei AMS immer Tiere in den Boxen liegen (sollen). Eine Lösungsmöglichkeit
stellt ein größer dimensionierter Kopfkasten dar (Maß für wand- und gegenständige
Boxen ca. 3m), so dass dort genügend Einstreu (Stroh) bevorratet werden kann.
Die Liegeboxenpflege erfolgt dann immer nur in den gerade freien Boxen.
Skizze für einen Stall mit 550 melkenden Tieren und 8+1 Melkboxen
EIGENE NOTITZEN
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Workshop 1: Herdengesundheitspläne in der praktischen Milchviehhaltung -
Akzeptanz, Umsetzbarkeit und Effektivität
Herr J. Brinkmann
Frau S. March
Georg-August-Universität Göttingen, Fakultät für Agrarwissenschaften, Driverstr. 22,
D-49377 Vechta
Christoph Winckler
Universität für Bodenkultur, Department für Nachhaltige Agrarsysteme,
Gregor-Mendel-Straße 33, A-1180 Wien
Thema dieses Workshops soll es sein, die (Einsatz-) Möglichkeiten des Managementinstruments
„Herdengesundheitsplan“ in der praktischen Milchviehhaltung auf Grundlage der Erfahrungen
und Ergebnisse einer bundesweit auf 42 Milchviehbetrieben durchgeführten Pilotstudie
zu diskutieren. Das Vorgehen bei der betriebsindividuellen Herdengesundheitsplanung
soll an Hand folgender Punkte modellhaft veranschaulicht und an Hand von Beispielbetrieben
verdeutlicht werden:
1 Einschätzung der Tiergesundheitssituation im Milchviehbetrieb: Indikatorgestützte und
somit objektive sowie nachvollziehbare Beurteilung des Status-Quo im Einzelbetrieb und
daraus resultierende
2 Identifikation der Problembereiche und Schwachstellen über ein systematisches Vorgehen
sowie abschließend
3 Ableitung und Erstellung betriebsindividueller Maßnahmenkataloge mit dem Schwerpunkt
Prävention an Hand von Beispielbetrieben.
Ein Herdengesundheitsplan beschreibt betriebsindividuell alle die Tiergesundheit betreffenden
Maßnahmen und hilft bei der Identifikation von Schwachstellen durch den
systematischen Abgleich definierter Zielgrößen für einzelne Tiergesundheitsbereiche. D. h.
es werden aussagekräftige Indikatoren / Kenngrößen für die Euter-, Stoffwechsel-, Klauenund
Kälbergesundheit sowie Fruchtbarkeit betrachtet und dafür z. B. Zellgehaltsklassen,
Stoffwechselprofile, Behandlungsraten, aber auch tierbezogene Parameter wie Körperkondition
oder der Anteil lahmer Tiere in der Herde hinzugezogen. Auf dieser Grundlage
werden schlussendlich betriebsindividuelle Maßnahmenkataloge zur Verbesserung der Tiergesundheit
abgeleitet.
Den an der Pilotstudie teilnehmenden MilchviehhalterInnen gefielen an „ihren“ Herdengesundheitsplänen,
die im Rahmen der Pilotstudie betriebsindividuell erstellt wurden, vor
allem die Möglichkeit der Nutzung für einen horizontalen Betriebsvergleich auf Grundlage
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objektiv erfasster Daten, Stichwort „Benchmarking“. Sie sahen hier den Schlüssel, um
Schwachstellen und Optimierungspotenziale im eigenen Betrieb zu erkennen. „Bei der BZA
(Betriebszweigsauswertung) im Facharbeitskreis Milch wird ja für den Bereich Betriebswirtschaft
ganz ähnlich vorgegangen und so können wir Landwirte betriebsspezifische Reserven
ausloten. Wichtig sind jedoch die objektiv und möglichst von Externen erfassten Kenngrößen,
um eine Vergleichbarkeit zu gewährleisten und um nicht nur auf das eigene `Bauchgefühl
´ zu hören“, so einer der Projektteilnehmer. Des Weiteren gefiel den teilnehmenden
BetriebsleiterInnen die Übersicht über alle relevanten Bereiche der Milchviehgesundheit im
eigenen Betrieb sehr gut; auch die Möglichkeit, den eigenen Betrieb anhand der regelmäßig
erfassten und dokumentierten Indikatoren über einen längeren Zeitraum (im Projekt über
2,5 Jahre) zu verfolgen, fand großen Zuspruch. In diesem Aufzeigen der betrieblichen Entwicklung
der Tiergesundheitssituation sowie der nachvollziehbaren Identifikation der Risikobereiche
und der auf den Betrieb abgestimmten Lösungssuche liegt sicherlich der Hauptnutzen
des Konzepts „Herdengesundheitsplan“ und insofern auch das Hauptpotenzial für die
Übertragung des Konzeptes in die tierärtliche Bestandsbetreuung.
Fragestellungen, die im Rahmen des Worshops diskutiert werden könnten, sind z. B.:
Welche Indikatoren sind für die einzelnen Bereiche (Euter-, Stoffwechsel-, Klauen- und
Gliedmaßengesundheit, Reproduktionsgeschehen und Kälbergesundheit) aussagekräftig?
- Wie können auf dem Betrieb bereits vorhandene Informationen wie z. B. Ergebnisse der
monatlichen Michleistungsprüfung mit Angaben zum Zellzahlgeschehen, den Milchinhaltsstoffen
und den Harnstoffwerten sowie ggf. Fruchtbarkeitskennwerten, Futtermittelanalysen
oder Rationsberechnungen genutzt werden?
- In wiefern können tierärztliche Aufzeichnungen, Abgabebelege oder Stallbucheinträge
hinzugezogen werden?
- Welche Kenngrößen werden zusätzlich benötigt bzw. warum sind einige tierbezogene
Parameter, die zusätzlich in der Herde erhoben werden müssen, unverzichtbar zur Einschätzung
der Gesundheitssituation?
- Welche Risikobereiche (Haltung, Fütterung, (sonstiges) Management) müssen besonders
beachtet werden?
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Ergebnisse der Pilotstudie1
’Einführung von Herdengesundheitsplänen in der ökologischen Milchviehhaltung’
Einleitung
Über vorbeugende Maßnahmen die Tiergesundheit zu erhalten und den Einsatz von Tierarzneimitteln
auf ein Mindestmaß zu reduzieren, muss zentrales Anliegen jeder Nutztierhaltung
sein. Insbesondere gilt dies für die ökologische Tierhaltung, da der Einsatz allopathischer
Tierarzneimittel auf Grund der Richtlinien des ökologischen Landbaus (u. a. EGÖko-
Basisverordnung Nr. 834/2007 und Durchführungsverordnung Nr. 889/2008) in besonderer
Weise einer Rechtfertigung bedarf.
Verschiedene Untersuchungen und Status-quo-Analysen der letzten Jahre haben jedoch
gezeigt, dass die wichtigsten Produktionserkrankungen des Milchviehs auch in der ökologischen
Milchviehhaltung eine große Rolle spielen. Die Tiergesundheitssituation ist vergleichbar
mit der Situation in der konventionellen Milchviehhaltung und es besteht somit entsprechender
Handlungsbedarf.
Herdengesundheitspläne stellen eine Managementhilfe für Landwirt- und TierärztInnen dar,
mit dem Ziel der Verbesserung der Tiergesundheitssituation. Zentrale Schritte bei der Erarbeitung
eines Herdengesundheitsplans sind die Erfassung von Problembereichen und
Schwachstellen sowie die Formulierung eines betriebsindividuellen Maßnahmenkatalogs und
Durchführung einer entsprechenden Erfolgskontrolle.
Ziel einer Pilotstudie zur Einführung von Herdengesundheitsplänen in ökologischen Milchviehbetrieben
war es
(1) zentrale Indikatoren für die Milchviehgesundheit zu identifizieren und Zielgrößen
zu definieren,
(2) Leitlinien für die Entwicklung von Herdengesundheitsplänen zu erstellen und
(3) die Umsetzbarkeit und Effektivität auf Praxisbetrieben unter Einbindung von Betriebsleiter-,
Hoftierärzt- und BeraterInnen zu untersuchen.
Vorgehensweise
Auf Basis einer Literaturstudie wurden in Zusammenarbeit mit Tierärzten und Milchviehspezialberatern
zentrale Indikatoren sowie zugehörige Zielgrößen für die Tiergesundheit in
der Milchviehhaltung für die Erkrankungskomplexe Mastitis, Lahmheiten, Stoffwechsel- und
Fruchtbarkeitsstörungen sowie Kälberkrankheiten definiert (s. u., Übersichten 1 & 2).
1 Eine Literaturliste zum Thema kann bei den AutorInnen angefordert werden.
Der Schlussbericht des Projektes 03OE406 ist im Internet abrufbar unter -> http://orgprints.org/14695/
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Die Pilotstudie zur Einführung der Herdengesundheitspläne wurde in eine bereits seit dem
Winterhalbjahr 2004/05 laufende Interventionsstudie zur Klauen- und Gliedmaßengesundheit
integriert. Diese verfolgte ein vergleichbares Konzept hinsichtlich der betriebsindividuellen
Herangehensweise, allerdings auf diesen einzelnen Tiergesundheitsbereich beschränkt. In
den Jahren 2006 und 2007 wurden im Folgenden bundesweit 42 Bio-Milchviehbetriebe insgesamt
vier Mal besucht.
Bei den Erhebungen wurden neben Angaben zu Betrieb und Haltungsumwelt auch Aspekte
des Managements erfasst sowie eine Vielzahl an tierbezogenen Parameter zu den o. g. Tiergesundheitsbereichen.
Die Implementierung der Herdengesundheitspläne fand auf 28 der 42 Projektbetriebe in Zusammenarbeit
mit BeraterInnen und/oder (Hof-) Tierärzten statt (je nach Wunsch der
BetriebsleiterInnen). Die anderen 14 Betriebe dienten als Kontrollbetriebe; bezüglich Herdengröße
und Leistungsniveau waren Interventions- und Kontrollgruppe vergleichbar.
Im 2. Halbjahr 2006 erfolgte die Beschreibung der Ausgangssituation und Identifikation der
wesentlichen Tiergesundheitsprobleme sowie die Diskussion und Festlegung von Maßnahmen(-
katalogen) unter Berücksichtigung der einzelbetrieblichen Schwachstellenanalyse
sowie betriebsindividueller Ziele. Die Herdengesundheitspläne wurden anschließend schriftlich
ausgearbeitet. Dazu wurden die Ausgangssituation sowie die zu optimierenden Tiergesundheitsbereiche
mit den dazugehörigen Maßnahmenpaketen und Zielgrößen zusammengefasst,
tabellarisch dargestellt und an die LandwirtInnen versandt.
Bei weiteren Betriebsbesuchen im Abstand von 6 bzw. 12 Monaten wurden die Tiergesundheitssituation
erneut erhoben und auf dieser Basis die Herdengesundheitspläne/ Maßnahmenkataloge
im Gespräch mit den Betriebsleitern gegebenenfalls ergänzt und/oder angepasst.
Ergebnisse
Die Tiergesundheitssituation auf den Projektbetrieben zu Beginn der Studie sowie die unterschiedliche
Entwicklung der einzelnen Parameter der Tiergesundheit auf Interventions- und
Kontrollbetrieben veranschaulicht Übersicht 1: In die Auswertung gingen als Interventionsbetriebe
jene Betriebe ein, die im Beobachtungszeitraum tatsächlich Maßnahmen umgesetzt
hatten.
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Übersicht 1: Entwicklung ausgewählter Parameter der Tiergesundheit in Interventionsund
Kontrollbetrieben im Verlauf des ersten Jahres nach Implementierung (Quelle:
Stallbuchauswertung, MLP)
Parameter
2006
MW
(alle Betriebe)
2006
MW
2007
(= nach Impl)
MW
2006 vs.
2007
p1
Eutergesundheit
Intervention (n = 13) Mastitisinzidenz 35,0 22,6 -12,4 2
28,5 % Kontrolle (n = 29) 22,2 20,0 -2,2
0,049
Somatische Zellen Intervention (n= 13) 344 308 -36
(Mittel der monatl. MLP)
260 Kontrolle (n = 29) 250 258 +8
0,109
Stoffwechselgesundheit
Gebärparese Intervention (n = 10) 13,3 11,4 -1,9 2
9,8 % Kontrolle (n = 32) 8,2 5,7 -2,5
0,919
Fruchtbarkeit
Gebärmutterentzündung Intervention (n = 8) 12,4 7,2 -5,3 2
10,4 %
Kontrolle (n = 34) 8,9 12,5 +3,7
0,114
Kälbergesundheit
Durchfallerkrankungen Intervention (n = 10) 14,3 3,2 -11,0 2
7,2 % Kontrolle (n = 32) 6,9 7,4 +0,5
0,138
Lahmheit
Intervention (n = 21) 33,4 15,1 -18,3
Lahmheitsprävalenz (%)
26,2 % Kontrolle (n = 21) 19,1 14,6 -4,5
0,001
1 Irrtumswahrscheinlichkeit für Unterschied in der Differenz zwischen 2006 und 2007 zwischen der Kontroll- und Interventionsgruppe
(Mann-Whitney-U) bzw. bei der Lahmheitsprävalenz für Unterschied in der Differenz zwischen Winter 2004/05 und
Winter 2006/07)
2 Behandlungsinzidenzen (Erstbehandlungen je 100/Kühe bzw. Kälber) laut Stallbuchaufzeichnungen
3 Angaben für die Entwicklung der Lahmheitsprävalenz beziehen sich auf die Entwicklung innerhalb von 24 Monaten: Winterhalbjahr
2004/05 bis 2006/07.
In den Interventionsbetrieben lagen signifikante Verbesserungen hinsichtlich der Behandlungsinzidenz
von klinischen Mastitiden vor. So ging in den 13 Interventionsbetrieben,
für die mit den BetriebsleiterInnen betriebsindividuelle Maßnahmenkataloge zur Verbesserung
der Eutergesundheit erarbeitet worden waren, diese signifikant stärker zurück als
in den Kontrollbetrieben.
Auch die Lahmheitsprävalenz ging in den 21 Interventionsbetrieben, für die mit den BetriebsleiterInnen
im Rahmen der Interventionsstudie zur Klauen- und Gliedmaßengesundheit
betriebsindividuelle Maßnahmenkataloge erarbeitet worden waren, konsistent und signifikant
stärker zurück als in den Kontrollbetrieben. Für andere Indikatoren ließen sich ein Jahr nach
Einführung der Herdengesundheitspläne keine Verbesserung der Tiergesundheit feststellen,
für einzelne Bereiche jedoch positive Tendenzen erkennen. So ging in den 10 Interventionsbetrieben,
für die mit den BetriebsleiterInnen betriebsindividuelle Maßnahmenkataloge zur
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Verbesserung der Kälbergesundheit erarbeitet worden waren, die Behandlungsinzidenz von
Durchfallerkrankungen der Kälber stärker zurück als in den Kontrollbetrieben.
Übersicht 2: Weitere Kenngrößen für die Milchviehgesundheit, die bei der Beurteilung
der betrieblichen Tiergesundheitssituation zusätzlich zu den in Übersicht 1 genannten
Indikatoren berücksichtigt wurden
Eutergesundheit
-> Zellzahlklassen: weniger als 25% der Kühe mit einem Zellgehalt > 100 Tsd.
weniger als 8% > 400.000
weniger als 2% > 1.000.000
bei Färsen weniger als 5% > 100.000
Klauen- und Gliedmaßengesundheit
-> Anteil Kühe mit geschwollenen Gelenken annähernd 0 %
-> Anteil liegender K. an allen Kühen, die sich mit mind. 2 Beinen in den Boxen befinden >= 85%
-> Anteil liegender Kühe an allen nicht Fressenden >= 75%
-> Guter Klauenpflegezustand, d.h. keine ungepflegten Klauen
Stoffwechselgesundheit
-> Fett-/Eiweiß-Verhältnis der Milch: gesamte Herde/ 100d-Gruppe: 1,0 bis 1,5
-> möglichst geringer Anteil Kühe in den ersten 100 Laktationstagen > 1,5 (subklinische Ketosen,
Energieunterversorgung)
-> möglichst geringer Anteil Kühe (gesamt) <= 1,0 (subklinische Azidosen, Strukturmangel)
-> ‚9 Felder Grafik’ bzgl. Harnstoff und Fett-/Eiweiß-Verhältnis (Eiweiß- und Energieversorgung);
max. 30 % der Tiere außerhalb des optimalen Bereiches
-> Harnstoffwerte 150 – 300 ppm
-> Ketosebehandlungsrate < 3%
-> Azidose-Behanldungsrate < 3%
-> Körperkondition (BCS): Toleranzbereich 2,5 - 3,5 für Holstein
Fruchtbarkeitsgeschehen
-> Zwischenkalbezeit < 400d
-> Behandlungsraten Gebärmutterentzündungen/, Nachgeburtsverhaltung insgesamt >10%
-> Zysten und hormonelle Brunstbehandlungen insgesamt < 5%
Kälbergesundheit
-> -’’- Atemwegserkrankungen 0 %
-> -’’- Nabelentzündungen < 10 %
-> Kälberverluste < 10%
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Schlussfolgerungen
Im Fall der Interventionsstudie zu Klauen- und Gliedmaßenerkrankungen liegt ein Beobachtungszeitraum
von mehr als zwei Jahren vor, und die Werte zeigen eine nach-haltige
Stabilisierung der positiven Effekte. Der Beobachtungszeitraum für die Pilotstudie zur Einführung
von Herdengesundheitsplänen in die Praxis der ökologischen Milchvieh-haltung betrug
lediglich ein Jahr (nach Erstellung und Implementierung der Pläne). Dennoch lag in
Interventionsbetrieben, die bereits vorgeschlagene Maßnahmen umgesetzt hatten, zum Beispiel
für den Bereich der Eutergesundheit ein signifikanter Rückgang in der Behandlungsinzidenz
klinischer Mastitiden vor. Für andere Indikatoren ließen sich ein Jahr nach Einführung
der Herdengesundheitspläne keine Verbesserung der Tiergesundheit feststellen, für
einzelne Bereiche jedoch positive Tendenzen erkennen. Dabei muss jedoch der kurze Beobachtungszeitraum
berücksichtigt werden.
Unser herzlicher Dank geht an alle teilnehmenden MilchviehhalterInnen für ihre interessierte
Mitarbeit sowie ihre Gastfreundschaft. Das Projekt wurde im Rahmen des Bundesprogramms
Ökologischer Landbau gefördert.
EIGENE NOTITZEN
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Hinweise zur ergonomischen Gestaltung von Melkarbeitsplätzen
Dr. Martina Jakob1, Dr. Falk Liebers2, Dr. Sandra Rose-Meierhöfer1
1 Leibniz-Institut für Agrartechnik Potsdam-Bornim e.V. Max-Eyth-Allee 100, 14469
Potsdam,
2 Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin Berlin, Nöldnerstraße 40-42,
10317 Berlin
Einleitung
Eine gute ergonomische Gestaltung von Arbeitsplätzen erhöht die Effizienz und das Wohlbefinden
der Beschäftigten. Anlass einer kritischen Betrachtung des modernen Melkarbeitsplatzes
war die Tatsache, dass trotz einer deutlichen Reduzierung der physischen Belastung
durch die Umstellung von Eimer- und Rohrmelkanlagen auf zentrale Melkstände die Signifikanz
von Erkrankungen weiterhin über dem Durchschnitt anderer Berufsgruppen liegt
(Liebers & Caffier 2006). Eine schwedische Langzeitstudie (Pinzke 2003) sowie Untersuchungen
aus Finnland (Tuure & Alasuutari 2009) bestätigen diesen Trend auch für andere
Teile Europas. So haben die Schweden in ihrer Studie aus dem Jahr 2003 festgestellt, dass
der Anteil an von Muskel-Skelett-Erkrankungen betroffenen Melkern und Melkerinnen seit
1988 gestiegen ist. Besonders betroffen sind dabei die oberen Extremitäten, wie beispielsweise
die Schulter, der Nacken oder einzelne Nerven wie beim Karpaltunnelsyndrom an der
Hand. Auch in Finnland ist fast jeder dritte Milchproduzent von dieser Art von Beschwerden
betroffen.
Kennzeichnend für die modernen Melkstände ist eine hohe Arbeitseffizienz. Bereits ab etwa
acht Melkplätzen pro Seite kann ein Melker während der Melkzeit zu 90% ausgelastet
werden. Die höchste Auslastung ist im Melkkarussell zu erzielen. Dem steht gegenüber,
dass die Aufgabenvielfalt im gleichen Maße sinkt. Dadurch werden die ausgeführten Bewegungen
einseitig und in hohem Maße wiederholt. Als besonders kritisch ist das Halten des
Melkzeuges unter dem Euter zu betrachten. Je nach Entfernung des Euters vom Melker und
dem Melkzeuggewicht treten dabei am Handgelenk Hebelkräfte von bis zu 9 Nm auf (Jakob
et al. 2007).
Die ergonomische Gestaltung des Melkarbeitsplatzes wird durch mehrere Faktoren beeinflusst.
Die Art des Melkstands aber auch die Abmaße der Tiere bestimmen den horizontalen
Abstand zwischen Melker und Kuh. Auch der Abstand des Euterbodens zur Standfläche
variiert stark und ist abhängig vom Alter und der Rasse der Tiere. Der Abstand zwischen
Zitzenkuppe und Boden kann zwischen 22 und 69 cm betragen. Im Mittel beträgt er nach
einer Untersuchung von Graff (2005) 46 cm. Der zunehmend jüngere Kuhbestand lässt
diesen Mittelwert ansteigen. Ein weiterer wesentlicher Einflussfaktor auf die Arbeitshöhe ist
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die Körpergröße des Melkers. Alles in allem ergeben sich aus der Gesamtheit der Faktoren
große Schwankungsbreiten von bis zu 50 cm aus der Summe der Grubentiefe, der Euterhöhe
und der Körpergröße der Arbeitskraft. Bei jeder zu melkenden Kuh findet der Melker
somit eine veränderte Situation vor.
In einer umfangreichen Studie am Leibniz-Institut für Agrartechnik Potsdam-Bornim wurden
der Einfluss der Arbeitshöhe und des Melkzeuggewichtes auf die Arbeitsbelastung an einem
Labormelkstand untersucht.
Ziel der Untersuchungen war es, sowohl den Einfluss der in der Praxis auftretenden
Schwankungen auf die Belastung der Einzelperson einzuschätzen als auch Empfehlungen
für Neukonstruktionen oder die Einstellung von Hubböden zu erarbeiten.
Methodik
Im Rahmen der Studie wurden die Einflüsse der Euterhöhe im Verhältnis zum Melker sowie
das Melkzeuggewicht untersucht. Bei sechs weiblichen Melkerinnen (157 – 176 cm groß)
wurde die Arbeitshöhe bzw. die Euterhöhe, gemessen am Ende der Zitze, jeweils auf 15 cm
über, auf und unter Schulterniveau eingestellt. Weiterhin wurden zwei unterschiedlich
schwere Melkzeuge (1,4 und 2,4 kg ohne Schläuche) miteinander verglichen.
Die Versuche wurden am Labormelkstand (Fischgräte 33°) des Instituts durchgeführt. In
einem einminütigen Rhythmus wurde das Melkzeug mit der linken Hand unter dem Euter
positioniert und die Melkbecher mit der rechten Hand bei bestehendem Vakuum an ein
Kunsteuter gesetzt und nach einer halben Minute wieder abgenommen.
Um auf die Belastung der Arbeitskräfte zu schließen wurden Körperhaltungsanalysen (Jakob
et al. 2009) mit Hilfe eines 3-D-Bewegungsanalysesystems durchgeführt (Bild 1). Weiterhin
wurde die muskuläre Aktivität 14 verschiedener Muskelgruppen elektromyografisch aufgezeichnet
und die Herzfrequenz erfasst (Liebers et al. 2009).
Für alle Varianten wurden 15 Wiederholungen veranlasst. Nach jeweils 5, 10 und 15 Arbeitszyklen
sollten die Probandinnen anhand der Borg-Skala (Borg 1970) die empfundene Anstrengung
benennen (Bild 2).
Seite 13
Bild 1: Probandin am Versuchsmelkstand bei der Arbeitshöhe über Schulterniveau
Bild 2: Borg-Skala zur Bestimmung des Anstrengungsempfindens bei körperlicher Arbeit
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Ergebnisse
Die subjektive Einschätzung der Arbeitsschwere lag im Mittel über alle Varianten bei locker
bis ein wenig anstrengend, was einem Wert von 12 auf der Borg-Skala (Bild 2) entspricht.
Der Unterschied zwischen dem leichten und schweren Melkzeug betrug jeweils zwei
Skalenwerte für jede Arbeitshöhe. Die ungünstigste Bewertung erfolgte für das Arbeiten
unter Schulterniveau mit einem schweren Melkzeug. Es wurden maximale Werte bis zu 16
genannt. Der Mittelwert für die Verwendung des schweren Melkzeugs lag bei 13 und für das
leichte Melkzeug bei 11. Die empfundene Anstrengung von Beschäftigten sollte bei der
BORG-Skala kurzzeitig den Bereich "anstrengend" (15) und auf Dauer "etwas anstrengend"
(13) nicht überschreiten (AWMF Leitlinie 029).
Die Messung der muskulären Aktivität ergab eine 5-25%ige Aktivierung gemessen an der
maximal möglichen Muskelkraft jeder Einzelperson. Das Arbeiten mit dem schweren Melkzeug
hatte einen starken Effekt auf die muskuläre Aktivität (5-20% höher). Die geringste
muskuläre Aktivität wurde beim Arbeiten auf Schulterniveau mit einem leichten Melkzeug
verzeichnet.
Ein ähnliches Bild ergaben die Körperhaltungsanalysen. Die unterschiedlichen Arbeitshöhen
verursachen charakteristische Bewegungsabläufe. Ein niedriges Euter bedingt ein Vorbeugen
des Oberkörpers bis in den ungünstigen Bereich von über 20° während ein hohes
Euter das Anheben des Armes verlangt. Die gemessenen Winkel lagen hier im Mittel
zwischen 17° und 49°. Gemessen wurde der Winkel um die drei Marker am Ellenbogen, der
Schulter und der Hüfte (siehe Bild 1). Bei den Körperhaltungsanalysen treten deutliche
individuelle Unterschiede bei den absoluten Werten auf. Das generelle Bewegungsverhalten
zeigt bei allen Probandinnen den gleichen Trend.
Weiterhin wurden die Torsion des Oberkörpers und die Seitneigung berechnet. Es wurden
gemäß DIN EN 1005-4 nur die Werte berücksichtigt, die 10° in beide Richtungen überstiegen.
Eine signifikante Seitneigung wurde beim Arbeiten mit dem schweren Melkzeug
unter Schulterniveau gemessen. Eine Torsion über 10° war generell während etwa einem
Drittel der Gesamtdauer zu verzeichnen und äußerte sich unabhängig von Arbeitshöhe und
Melkzeuggewicht.
Fazit
Aus den erfassten Messwerten ergaben sich zwei wesentliche Hinweise für die zukünftige
Gestaltung des Arbeitsplatzes Melkstand. Als wesentlicher Einflussfaktor auf die Arbeitsbelastung
konnte das Melkzeuggewicht identifiziert werden. Gemessen an den
Empfehlungen für die Höhe der empfohlenen muskulären Aktivität, die zwischen 5 und 10%
der Maximalkraft liegen sollte, werden diese Werte bei schweren Melkzeugen deutlich über10.
Jahrestagung – Dresden-Pillnitz 16./17.09.2009
Seite 15
schritten, so dass es zu einer Überlastung kommen kann. Das gleiche Bild ergab sich auch
bei der subjektiven Selbsteinschätzung anhand der Borg-Skala. In bestimmten Situationen
wurde bei der Arbeit mit dem schweren Melkzeug die empfohlene Belastungshöhe deutlich
überschritten. Die Reduzierung des Melkzeuggewichtes kann somit eine deutliche Arbeitserleichterung
bewirken.
Die Handhabung und das Halten der Last des Melkzeugs in Verbindung mit ungünstigen
Körperhaltungen erlaubt es, Beschwerden im Bereich der Lendenwirbelsäule und den
oberen Extremitäten auf die Tätigkeit zurückführen. In Abhängigkeit von der Körpergröße der
Arbeitskräfte werden Überlastungen bei großen Personen eher im Bereich der Lendenwirbelsäule
auftreten, bei kleinen Beschäftigten hingegen im Bereich der oberen Extremitäten.
Bei kleinen Beschäftigten kommt weiterhin die kürzere Reichweite der Arme als erschwerender
Faktor hinzu.
Als generelle Empfehlung gilt, die Körperhaltung bei der Arbeit sollte nicht dauerhaft einseitig
von der Neutralposition im Gehen, Stehen oder Sitzen abweichen und dadurch statische
Muskelbelastungen verursachen. Ein Wechsel der Körperhaltung und gelegentliche Wechsel
der Arbeitsposition z. B. zwischen Sitzen und Stehen sind anzustreben. In Abhängigkeit von
der Belastung können lokale Ermüdung und Schmerzen (unspezifische Rückenschmerzen),
Funktionsstörungen besonders bei langer Einwirkungsdauer oder Zusatzbelastungen und in
seltenen Fällen auch Schädigungen der betroffenen Knochen- und Gelenkstrukturen entstehen:
Zwangshaltungen mit Haltearbeit von Gegenständen (z.B. dem Melkzeug) und
Haltungsarbeit des Körpers (z.B. beim Vorbeugen durch Arbeiten unter Schulterniveau)
können unterschiedliche gesundheitliche Folgen haben: Anaerobe Muskelarbeit begrenzt
zeitlich die Ausführbarkeit der Arbeit. Gleichförmige und einseitige Belastung kann zu dauerhafter
Beanspruchung einzelner Muskelgruppen führen. Muskuläre Dysbalancen und hohe
Bandscheibenbelastungen sowie Gelenkbelastungen an Knorpel und Bändern können die
Folge sein.
Anhaltspunkte für die Beurteilung von Körperhaltungen geben Ergonomienormen: Die in
Europa zur Gestaltung von Arbeit an Maschinen empfohlene DIN EN 1005-4 und die weltweite
Empfehlung zur Gestaltung von Arbeit und Produkten der ISO 11226 bewerten Rumpfvorneigungen
sowie Lateral- und Rotationsbewegungen.
Bedingt oder nicht akzeptable Haltungen des Rumpfes sind Arbeiten im Beugen mit einer
Vorneigung von mehr als 20° sowie Lateral- und Rotationsbewegungen von mehr als 10°.
Die günstigste Arbeitsplatzgestaltung ergab sich aus der Summe aller Bewertungsparameter
bei einer Arbeitshöhe des unteren Endes der Zitze auf Schulterniveau. Diese Erkenntnis
sollte bei der Einstellung von Hubböden berücksichtigt werden. Weiterhin können Betriebe
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bei der Neukonstruktion eines Melkstandes über die Grubentiefe in gewissem Umfang der
Körpergröße der Arbeitskräfte und den Merkmalen der Herde Rechnung tragen.
Literatur
Borg, G. (1970). Perceived exertion as an indicator of somatic stress. Scandinavian journal
of rehabilitation medicine, 2(2), 92-98
DIN EN 1005-4: Sicherheit von Maschinen – Menschliche körperliche Leistung – Teil 4: Bewertung
von Körperhaltung und Bewegungen bei der Arbeit an Maschinen. Deutsche
Fassung EN 1005-4: 2005
Graff, K. (2005): Untersuchungen von Zusammenhängen zwischen morphologischen
Merkmalen des Euters, der Eutergesundheit und melktechnischen Parametern bei
Tieren der Rasse Deutsches Holstein, Dissertation, Martin-Luther-Universität Halle
Wittenberg
ISO 11226 (1995): Ergonomics - Evaluation of static working postures. International Organization
for Standardization
Jakob, M., Rose, S., Brunsch, R. (2007). Einfluss der Melkstandausstattung auf die Arbeitsbelastung
des Melkers. Zeitschrift für Arbeitswissenschaft (61) 3, 173-181
Jakob, M., Liebers, F., Behrendt, S. (2009). Body posture variation during machine milking
regarding weight of milking unit and working height – experimental study. Bornimer
Agrartechnische Berichte, Heft 66, 38-47
Liebers, F., Jakob, M., Behrendt, S. (2009). Physical load during machine milking regarding
weight of the milking unit and working level – experimental study. Bornimer Agrartechnische
Berichte, Heft 66,
Liebers, F.; Caffier, G. (2006): Muskel-Skelett-Erkrankungen in Land- und Forstwirtschaft
sowie Gartenbau – Diagnose- und berufsspezifische Auswertung von Arbeitsunfähigkeitsdaten.
Arbeitsmed. Sozialmed. Umweltmed. 41, 3: 129.
Pinzke, S. (2003): Changes in working conditions and health among dairy farmer in southern
Sweden. A 14-year follow-up. Ann Agric. Environ Med, 10, 185-195.
Schick, M.; Hartmann, W. (2005): Arbeitszeitbedarfswerte in der Milchviehhaltung. Landtechnik
4, 226-227.
Tuure, V-M.; Alasuutari, S. (2009): Reducing work load in neck-shoulder region in parlor
milking. Bornimer Agrartechnische Berichte, Heft 66, 48-54.
Leitlinie für Arbeits- und Umweltmedizin 002/029. Bewertung körperlicher Belastungen des
Rückens durch Lastenhandhabung und Zwangshaltungen im Arbeitsprozess, Juni
2008
EIGENE NOTITZEN
Seite 51
Workshop 4b: Melkbeobachtung als Ergänzung zur Technikprüfung nach DIN ISO
5707 und 6690
Frau I. Model
Beratern für Milchqualität und Eutergesundheit ist die Überprüfung der Melktechnik nach
entsprechenden DIN ISO-Normen in den letzten 20 Jahren zu einem wichtigen Instrument
der Analyse geworden.
Die Begründung dafür ist in den folgenden Tatsachen des maschinellen Melkens zu finden:
- Die Melkmaschine arbeitet 365 Tage im Jahr an einem lebenden Organismus.
- Mit ihren physikalischen Kräften Unterdruck, Zug, Scherkräfte, Pumpeffekte und andere
wirkt sie auf das Euter als eines der empfindlichsten Organe des Muttertieres ein.
- Physikalische Kräfte gefährden die Eutergesundheit in der Weise, dass unkontrollierte
mechanische Einwirkungen die natürliche Abwehrfunktion der Zitze und des Euters
schwächen können.
- Vergleicht man die Einsatzstunden von 1000 bis 7000 Stunden jährlich mit den von
anderen landwirtschaftlichen Maschinen oder Kraftfahrzeugen, so steht für die Melkanlagen
eine vergleichsweise minimale Zeit für Wartung und Pflege zur Verfügung.
- Leider geht das Melken auch dann noch, wenn es der technische Zustand der Maschine
verbietet, weil die Kühe sich kaum gegen technische Mängel wehren.
Aus diesem Grund ist die Prüfung der Melkanlage nach DIN ISO 6690 und 5707 je nach Einsatzzeit
ein- bis zweimal im Jahr durch nichts zu ersetzten.
Das maschinelle Melken
Ursache Folge Auswirkung
Druckdifferenz
Atmosphäre -Vakuum
Druckdifferenz
Atmosphäre-Vakuum
Rückspray
Pumpeffekt
Rückfluss
Mechanische
Belastung der
Zitze
Verschluss der
Euter- u. Zitzenpassage
Transport von
Mastitiserregern
Minderung der
Abwehrfunktion
der Zitze
Hohe und ungleich
verteilt
Nachgemelke
Seite 52
Eine Tatsache sollte man aber bei dieser wichtigen Messung der Melktechnik nicht außer
Acht lassen: Die technisch gut eingestellte Melkmaschine richtet nur dann keinen Schaden
am Euter an, wenn der Mensch als Mittler zwischen Technik und Tier bewusst die anatomisch
- physiologischen Regulationen des Tieres beachtet und während des Melkens
kontrolliert.
Um bei Melkproblemen klare Aussage treffen zu können sollte der Berater folgende Bereiche
bewusst kontrollieren und für sich dokumentieren:
- Liegeflächen, Laufflächen, Zutrieb zum Melkstand, Vorwartehof,
- Treibehilfe, Personalstress, Gruppenreihenfolge, Eintrieb in den Melkstand,
- Melkroutine, Melkhygiene,
- Melktechnik am Euter, Bedienung der Melktechnik,
- Zustand der Euter
- Abkalbebereich, Einmelken der Färsen.
Aus diesen Beobachtungen, die sinnvollerweise schriftlich festzuhalten sind, ergibt sich oft
weiterer Bedarf für detaillierte Beratungsaufgeben wie Lactocorderberatung und Zitzenbonitur.
Im Workshop werden detaillierte Kontrollpunkte erläutert und in einer Checkliste zusammengefasst.
EIGENE NOTITZEN
10. Jahrestagung – Dresden-Pillnitz 16./17.09.2009
Seite 41
Workshop 3b: Messungen unter Melkbedingungen (Dynamische Messungen)
Herr Dr. M. Spohr
Eutergesundheitsdienst Baden-Württemberg
Herr E. Schütte
Melk- und Herdenmanagement
Zusammenfassung
Mit Einführung des maschinellen Milchentzuges sind Techniken, Geräte und Verfahren entwickelt
worden, um die Melktechnik und den maschinellen Milchentzug zu messen und zu
beurteilen. Zu Beginn dieser Entwicklung beschränkten sich die Messungen auf Einzelkomponenten
der Melkanlage wie Vakuumpumpe und Pulsation. Im Laufe der Zeit wurden
Messtechnik und die Messverfahren auf die gesamte Melkanlage ausgedehnt. Zunächst
handelte es sich um so genannte statische Messungen, also Messungen in Abwesenheit von
Flüssigkeiten und ohne den Zeitfaktor zu berücksichtigen, auch Trockenmessungen
(Prüfung, die an einer Melkanlage ohne Flüssigkeit durchgeführt wird2) genannt.
In den 80iger und 90iger Jahren begann man damit, die Messung der Melktechnik auf den
Bereich während des Melkens auszudehnen. Als eines der Standartwerke kann sicherlich
die in den Niederlanden entstandene und veröffentlichte Zusammenstellung über nasse
Messungen und den darin enthaltenen „Trajekt“ Messungen angesehen werden.
Zwangsläufig fand mit dieser Entwicklung auch eine Veränderung der Messtechnik und der
Messmethodik statt.
Die Messgeräte entwickelten sich von einfachen Pulsprüfgeräten mit einem Sensor und
geringer Auflösung hin zu Messgeräten mit mehreren Messstellen und höheren Auflösungen.
Die dynamischen Messungen, auch Messungen unter Melkbedingungen genannt, zur
Prüfung und Bewertung der Melktechnik und Melkvorgänge (technische Abläufe beim Milchentzug)
haben in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen.
Die statischen Messungen (DIN - ISO Messungen) bilden die Grundlage zur Bewertung der
Melkanlagen und der Einzelkomponenten. Die Messungen unter Melkbedingungen sind eine
zusätzliche Methode für die Diagnostik in Melkanlagen. Aufgrund der Entwicklung der Milchproduktion
mit der Leistungssteigerung der Tiere und der daraus resultierenden Auswirkung
auf den maschinellen Milchentzug, gewinnen die dynamischen Messungen weitere Bedeutung.
Diese Auswirkung lassen sich nicht mit statischen Messmethoden darstellen.
2 ISO 3918 2007: Punkt - 2.12.1
10. Jahrestagung – Dresden-Pillnitz 16./17.09.2009
Seite 42
Im Wesentlichen erstrecken sich die dynamischen Messungen (während des Melkens) auf
die Darstellung der Druckverläufe an verschiedenen Stellen der Melkanlage, wobei der
Schwerpunkt im Bereich des Melkzeugs liegt.
Mögliche Messpunkte
Weitere Messungen und Datenerfassung im Bereich der relevanten Rahmenbedingungen
und einwirkenden Parameter sind beispielsweise die Erfassung des Milchflussverlaufs.
Zur besseren Verständigung werden an dieser Stelle einige Begriffsdefinitionen zitiert:
(DIN ISO 3918:2007-06)
Trockenmessung
Prüfung, die an einer Melkanlage ohne Flüssigkeit durchgeführt wird
Nassmessung
Prüfung, die an einer Melkanlage unter simulierter Melkung durchgeführt wird
Messung beim Melken
Prüfung, die an einer Melkanlage während der Melkung von lebenden Tieren durchgeführt
wird
Messung beim Reinigen
Prüfung, die an einer Melkanlage während der Reinigung durchgeführt wird
10. Jahrestagung – Dresden-Pillnitz 16./17.09.2009
Seite 43
Weitere Definitionen und Beschreibungen des Verfahrens:
Messen und Prüfen unter Melkbedingungen (Nassmessung- Dynamische Messungen)
Erfassen von Druckverhältnissen in verschiedenen Bereichen der Melkanlage und deren
Wechselwirkung mit erforderlicher (hoher) Messrate
Erfassen weiterer Parameter und Ereignisse je nach Fragestellung
Messverfahren und Messmethoden stellen Ansprüche an die Messtechnik, die im folgenden
erwähnt werden:
Weitere Vorgaben aus der DIN ISO 5707 die in dem Bereich der dynamischen Messungen in
Melkanlagen zugeordnet werden können.
Leistungsanforderungen: DIN ISO 5707:2007-06
Vakuum in der Melkeinheit
Im Benutzerhandbuch für die Melkeinheit muss folgendes für festgelegte Milchflüsse (von
denen mindestens einer aus Tabelle 1 auszuwählen ist) angegeben sein:
a) das gewünschte mittlere Vakuum an der Zitzenspitze und/oder das gewünschte
mittlere Vakuum an der Zitzenspitze während Phase b und Phase d der Aufzeichnung
des Vakuums im Pulsraum;
b) das entsprechende Nennvakuum in der Melkleitung; dieses Nennvakuum muss auf
dem mittleren, nach 8.6 von ISO 6690:2007 gemessenen, Vakuumabfall beruhen.
10. Jahrestagung – Dresden-Pillnitz 16./17.09.2009
Seite 44
Prüfbedingungen
Anforderungen Messgeräte und Zubehör DIN-ISO 6690: 2007
8.6 Messung des Vakuums im Melkzeug
8.6.1 Die Melkeinheit ist nach Anhang A zu installieren und der Anschluss an die Anlage ist
nach A.3 zu beschreiben.
8.6.2 Das Vakuum in der Melkleitung an der Zitzenspitze und im Pulsraum bei einem festgelegten
Flüssigkeitsdurchfluss nach 8.7 von ISO 5707:2007, der gleichmäßig auf alle
Zitzenbecher eines Melkzeugs aufgeteilt ist, ist aufzuzeichnen
8.6.3 Das Betriebsvakuum in der Melkleitung, das mittlere Vakuum an der Zitzenspitze und
während der Phasen b und d (siehe Bild 6 von ISO 3918:2007) das mittlere Vakuum an
der Zitzenspitze nach A.8 sind zu berechnen.
Der Umgang mit dieser Messtechnik sollte geübt werden, die Ergebnisse zu interpretieren
erfordert einige Erfahrung.
EIGENE NOTITZEN