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NameDie wichtigsten Erreger der subklinischen Mastitis des Rindes
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Die wichtigsten Erreger der subklinischen Mastitis des Rindes
- Übersicht über Krankheitsbilder, Vorbeugung und Bekämpfung
Dr. Michael Zschöck, Dr. Bärbel Kloppert und Dr. Wilfried Wolter
Mastitis ohne äußerlich erkennbare Krankheitszeichen
Bei der Mastitis unterscheiden wir eine klinische, d.h. eine durch Symptome erkennbare Form und
eine subklinische, äußerlich symptomlos verlaufende Form. Die Merkmale der jeweiligen Mastitisformen
gehen aus Tab. 1 hervor.
Tab. 1: Merkmale klinischer und subklinischer Mastitis
Die subklinische Mastitis des Rindes ist definiert als Erhöhung des Milchzellgehaltes (mehr als 100
000 Zellen/mI) in Verbindung mit einem Erregernachweis (mikrobielle, meist bakterielle Infektion).
Ansteckende und umweltassoziierte Mastitiserreger
In dem vorliegenden Beitrag soll auf die Bakterien eingegangen werden, die bei der subklinischen
Mastitis des Rindes nachgewiesen werden können. Man unterteilt sie nach ihren krankmachenden
Eigenschaften in kontagiöse, d.h. ansteckende und in umweltassoziierte Euterentzündungserreger
(Tab. 2). In der internationalen Literatur wird darüber hinaus zwischen sogenannten Major und
Minor pathogens unterschieden. Diese Unterscheidung erfolgt nach der Stärke der Reaktion des
Organismus auf den Erreger. Infektionen mit Major pathogens führen im allgemeinen zu stärker
erhöhten Zellzahlen, während Infektionen mit Minor pathogens im Normalfall nur zu milden Reaktionen
des Drüsengewebes führen.
Infiziertes Euterviertel Reservoir für ansteckende Mastitiserreger
Das infizierte Euterviertel ist das hauptsächliche Reservoir der kontagiösen Mastitiserreger. Nur
innerhalb der Euterviertel können sich diese Mastitiserreger vermehren und über längere Zeit überleben.
Die Erreger werden beim Melken durch das Melkzeug (Zitzengummis), die Melkerhände

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und beispielsweise mit einen für mehrere Kühe verwendeten „Euterlappen“ von Viertel zu Viertel
und von Kuh zu Kuh übertragen. Die Erreger können auch mit der Milch in die Umwelt (Einstreu,
Boden des Melkstandes etc.) gelangen; hier sind sie jedoch nur kurze Zeit überlebensfähig.
Tab. 2: Einteilung der häufigsten Erreger der subklinischen
1) Strepto kokken der Lancefield gruppen B (Streptococcus agalactiae), G (Streptococcus canis) L
und C (Streptococcus dysgalactiae)
Gelber Galt — Prototyp des ansteckenden Mastitiserregers
Der Prototyp des ansteckenden, kontagiösen Mastitiserregers ist Streptococcus (S.) agalactiae,
der Erreger des Gelben Galtes (Tab.2). Man findet ihn vorwiegend in erkrankten Eutervierteln,
wobei äußerlich nicht erkennbare (subklinische) Euterentzündungen die Regel sind. Auch sogenannte
latente Infektionen (Zellzahl im Euterviertel normal, dennoch wird der Erreger mit der
Milch ausgeschieden) sind möglich. Der Erreger besitzt das gruppenspezifische Zellwandantigen
B, daher wird der Begriff „B-Streptokokken“ häufig synonym verwendet. S. agalactiae wird weltweit
nachgewiesen und war vor Einführung der Antibiotikatherapie in die Mastitisbehandlung der am
häufigsten nachweisbare Mastitiserreger. In Verbindung mit hygienisch-vorbeugenden Maßnahmen
führte die Therapie mit Antibiotika zu einer verringerten Häufigkeit von S. agalactiae
Infektionen. In einigen Ländern ist der Erreger jedoch auch heute noch stark verbreitet und
Ursache für massive Verluste in der Milchviehhaltung. Auch die Milchdrüse von Jungrindern aus
Galtbeständen kann bereits infiziert sein, so dass generell die Möglichkeit der Einschleppung des
Erregers aus infizierten Beständen nicht zu unterschätzen ist.

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Infektion erfolgt über den Strichkanal
Galtstreptokokken gelangen über den Strichkanal in die Milchdrüse. Im weiteren Verlauf breitet
sich die Infektion bis in höher gelegene Milchgänge und Alveolen aus, wobei der Erreger auf das
Milchgangsystem beschränkt bleibt und nur selten in tiefere Gewebsschichten vordringt. Das Ausmaß
und der Charakter der Veränderungen, die durch den Infektionsprozess entstehen, entscheidet
darüber, ob die Infektion latent, subklinisch oder klinisch verläuft. Am häufigsten ist - wie
oben bereits ausgeführt - der subklinische Verlauf. Die klinische Form zeigt meistens keine
Störungen des Allgemeinbefindens, allenfalls nur lokale Symptome, wie Rötung und Schwellung
des betroffenen Viertels in Verbindung mit Veränderungen des Sekrets (Flocken, Fibrin, wässriges
Sekret). Der Laboruntersuchung kommt im Zusammenhang mit der Galtsanierung eine Schlüsselposition
zu. Durch die hohe Kontagiosität (Ansteckungsfähigkeit, Ausbreitungstendenz) des Erregers
ist es notwendig, alle infizierten Euterviertel sicher zu erkennen und einer tierärztlichen Behandlung
zuzuführen.
Wenn nur ein Galt-infiziertes Viertel unerkannt bleibt, ist der gesamte Sanierungserfolg in
Frage gestellt!
Aus diesen Gründen müssen im Rahmen einer Sanierung zusätzlich laufende Nachuntersuchungen
sowohl den Erfolg von Therapie als auch von Hygienemaßnahmen kontrollieren. Die
Prognose einer Galtsanierung ist unter der Voraussetzung eines optimalen therapiebegleitenden
Hygieneprogramms besonders während der Melkzeit als sehr günstig zu bezeichnen.
C-Streptokokken, Streptococcus dysgalactiae
Unter den Streptokokken mit dem gruppenspezifischen Zellwandantigen C steht S. dysgalactiae
(Tab. 2) im Vordergrund. Bei der Einteilung der Erreger in euter- und umweltassoziierte Erreger
nimmt S. dysgalactiae eine Zwischenstellung ein. Im Unterschied zu den weitaus kontagiöseren
obengenannten Streptokokken (Streptococcus agalactiae, G- und L-Streptokokken) ist der Erreger
häufig auch außerhalb der Milchdrüse des Rindes anzutreffen. Besonders Mandeln, Gebärmutter
und Scheidenschleimhaut stellen ein natürliches Erregerreservoir dar. Durch die gute Haftungsfähigkeit
am Epithel der Milchdrüse ist der Erreger euterpathogen und ruft subklinische, bisweilen
auch klinische Mastitiden hervor. Die durch S. dysgalactiae hervorgerufene Mastitis tritt jedoch
häufig nur sporadisch auf und hat selten einen stark kontagiösen Charakter. Die Bekämpfungsmaßnahmen
basieren auf allgemein hygienischen Maßnahmen in Verbindung mit der Therapie
infizierter Tiere bzw. Euterviertel.

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Staphylococcus aureus - Problemkeim Nr. 1
Die größten Probleme werden gegenwärtig durch Staphylococcus aureus (5. aureus) (Tab. 2) verursacht.
Dieser ebenfalls überwiegend in erkrankten Eutervierteln nachweisbare Krankheitserreger
hat wegen der schlechten Behandlungserfolge besondere Bedeutung. Der Erreger zählt zu den
häufigsten Erregern subklinischer Mastitiden. Während noch in den sechziger Jahren die
Staphylokokkenmastitis eine untergeordnete Bedeutung hatte, wird S. aureus nunmehr in ca. 20 %
aller bakteriologisch-positiven Viertelgemelksproben nachgewiesen. S. aureus ist bei weitem nicht
so streng an das Eutergewebe adaptiert wie z. B. S. agalactiae. Der Erreger ist aufgrund seiner
höheren Widerstandskraft auch außerhalb der bovinen Milchdrüse lange Zeit überlebensfähig. S.
aureus verfügt über verschiedene sog. Pathogenitätsfaktoren (Clumpingfaktor, Koagulase, DNase,
Hämolysinbildung etc.), die in ihrer Summe die krankmachende Wirkung eines Stammes bedingen.
Trotz der hohen Überlebensfähigkeit in der Umwelt spielt das infizierte Euterviertel für die
Übertragung von S. aureus in Milchviehbetrieben die entscheidende Rolle. Melkzeug, Eutertuch
und/oder Hände des Melkers übertragen den Erreger von infizierten auf gesunde Euterviertel. Von
der Zitzenkuppe gelangen die Erreger durch den Strichkanal in das Euter. Durch einige der spezifischen
Pathogenitätsfaktoren wird die Immunabwehr des Euters zumindest teilweise außer Kraft
gesetzt, so dass lange Erregerpersistenz und -ausscheidung die Folgen sind.
Erregeranhäufungen in den Alveolarzellen werden von spezifischen Abwehrzellen umgeben, eine
wirksame Vernichtung kommt jedoch nicht zu Stande. Durch den Gewebszerfall, insbesondere den
Untergang des Alveolarepithels, setzt eine mehr oder weniger starke Gewebswucherung ein, so
dass Knötchen und Knoten entstehen, die in ihrem inneren lebensfähige S. aureus-Keime enthalten.
Diese können zu einem späteren Zeitpunkt aufbrechen. Das betroffene Euterviertel beginnt
erneut Staphylokokken auszuscheiden und stellt somit eine Gefährdung für andere, gesunde
Euterviertel dar.
Eines der mit der S. aureus Mastitis verbundenen Hauptprobleme stellt die schlechte Heilungsaussicht
nach Antibiotika-Therapie dar. Während ein Teil der S. aureus Isolate Resistenzen gegenüber
den bei der Mastitistherapie üblichen Antibiotika aufweisen, die jedoch durch entsprechenden
Einsatz synthetischer Antiinfektiva beherrscht werden können, können die intrazellulär (in der
Zelle) liegenden Erreger generell schlecht durch Antibiotika beeinflusst werden. Je länger die Erkrankung
bereits besteht, desto geringer sind die Aussichten, den Erreger aus der infizierten
Milchdrüse zu verdrängen. Dabei ist zu bedenken, dass klinische Heilung (Normalisierung des
Zellgehaltes) nicht mit bakteriologischer Heilung (vollständige Eliminierung des Erregers) gleichzusetzen
ist.
Aufgrund des ansteckenden Charakters vorgenannter Krankheitserreger stellen infizierte Tiere
eine permanente Gefahr für die übrige Herde dar. Grundlage der Bekämpfung derartiger
Mastitiden sind daher Hygienemaßnahmen während der Melkzeit, wie Verwendung eines Euter5.
Jahrestagung – Bad Sassendorf, 15./16.09.2004
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tuches für nur eine Kuh, Zwischendesinfektion oder Zwischenspülung der Melkzeuge und
konsequente Anwendung des Zitzendippings. Diese Hygienemaßnahmen müssen durch eine gezielte
Behandlung infizierter Euterviertel bzw. Kühe durch den Hoftierarzt unterstützt werden.
Wichtig ist auch, Kühe vor dem Zukauf zumindest auf das Freisein von infektiösen Mastitiserregern
untersuchen zu lassen, eine Maßnahme, die sich in jedem Falle auszahlt.
Umweltassoziierte Mastitiserreger
Erreger von Umweltmastitiden findet man, wie der Name bereits aussagt, im Gegensatz zu den
kontagiösen Mastitiserregern überwiegend in der Umgebung der Kühe. Die Keime gehören zur
normalen Umweltflora und sind fast in jedem Stall bzw. auf der Haut der Tiere anzutreffen. Als
wichtige Vertreter dieser Gruppe sind besonders die Askulin-positiven Streptokokken (oft Streptococcus
uberis, gelegentlich Enterokokken), Koagulase-negative Staphylokokken (verschiedene
Staphylokokkenarten, jedoch nicht S. aureus) und sog. coliforme Keime zu erwähnen. Diese Erreger
besitzen im allgemeinen ein geringes krankmachendes Potenzial. Dennoch können sie über
den Strichkanal in Euter eindringen und gelegentlich hartnäckige, schwer therapierbare Infektionen
hervorrufen. Corynebakterien (Coryneb. bovis) befinden sich physiologischerweise im Strichkanal.
Sie rufen bei einer Infektion des Euters normalerweise nur milde Reaktionen des Drüsengewebes
hervor.
Über häufiges Vorkommen der Euterinfektionen durch S. uberis wird vor allem während der
Trockenperiode berichtet. Die Infektion zeigt ebenfalls überwiegend einen subklinischen Verlauf.
Nur selten treten klinische Fälle der S. uberis Mastitis auf. Verglichen mit den in den vorangegangenen
Folgen dargestellten kontagiösen Mastitiserregern ist S. uberis weit weniger pathogen
für die Milchdrüse. Dennoch ist der Erreger in der Lage, besonders bei schlechter Infektabwehrlage
des Gesamtorganismus
Infektionen durch umweltassoziierte Mastitiserreger sind nur dann möglich, wenn die Abwehrmechanismen
der Kuh bzw. des Euters versagen. Ursachen sind Managementfehler, die besonders
Haltungshygiene, Fütterung und Melkregime betreffen. Durch schlechtes Stallklima und
mangelhafte Hygiene der Liegeflächen (Bakterien vermehren sich am besten in feuchtwarmer Umgebung)
entsteht ein hoher Keimdruck, das heißt, es kommt zur einer starken Ansammlung von
Bakterien, die das Abwehrsystem der Kuh bzw. des Euters überfordern. Auch wirkt sich jede Art
von Fütterungsfehler bzw. -mangel negativ auf die Infektionsabwehr und damit indirekt auf die
Eutergesundheit aus. Zu nennen sind hier Verfettung altmelkender und trockenstehender Kühe,
starker Energiemangel in der Hochlaktation und unzureichende Versorgung mit Vitaminen,
Mineralstoffen und Spurenelementen.
Die Verbesserung der oben genannten Umweltfaktoren (Fütterung, Haltung, Melkarbeit) führt zu
einer Steigerung der Abwehrbereitschaft der Kuh. Sie wird dadurch in die Lage versetzt, mög5.
Jahrestagung – Bad Sassendorf, 15./16.09.2004
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licherweise auch ohne Antibiotikabehandlung Umweltmastitiserreger aus dem Euter zu eliminieren.
Nur bei ausgeprägten Entzündungssymptomen oder bei lang anhaltenden Infektionen ist auch bei
Umweltmastitiden eine gezielte, unterstützende antibiotische Behandlung durch den Tierarzt notwendig
(vorher Proben untersuchen lassen).
Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass nur durch das Zusammenwirken verschiedener
nachteiliger Einflüsse (Fütterungsmängel, Haltungsmängel, Mängel in Melkhygiene und Melktechnik)
Mastitiserreger ins Euter eindringen und eine subklinische Mastitis auslösen können.
Abhängig davon, ob kontagiöse oder stärker umweltassoziierte Erreger vorliegen, sind besonders
während der Sanierungsphase Maßnahmen durch den Tierhalter notwendig, die im Falle des Vorliegens
ansteckender Erreger die Therapie durch den Hoftierarzt unterstützen bzw. beim Vorliegen
von Umweltmastitiserregern eine Therapie - zumindest teilweise - ersetzen.

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Erstelleradmin
Erstellt am 26.08.2009 11:10
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Zuletzt geändert 26.08.2009 11:11
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AutorDr. Wilfried Wolter & Dr. Bärbel Kloppert & Dr. Michael Zschöck
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