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NameDie Melkroutine
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Wissenschaftlichen Gesellschaft der Milcherzeugerberater e.V.
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Die Melkroutine
AG Melken und Melktechnik unter Mitarbeit v. Ingrid Model
Es gibt nicht „die“ richtige Melkroutine, in jedem Betrieb liegen andere Gegebenheiten vor. Es gibt
aber Grundsätze, die jede Routine berücksichtigen muss! Diese Grundsätze sind entweder in der
Physiologie der Kuh begründet oder aber in der Natur von eingesetzten Mitteln, die nur unter
bestimmten Voraussetzungen ihre volle Wirkung entfalten können. Werden diese Regeln missachtet, so
wird viel Zeit und Geld verschwendet – auch wenn man auf den ersten Blick davon überzeugt sein
mag, dass eine sehr schnelle Routine gefunden wurde!
Die tägliche Melkroutine ist so zu gestalten, dass
• die Milch in bester Qualität gewonnen wird,
• die Eutergesundheit zumindest erhalten bleibt,
• das Leistungsvermögen der Kuh voll ausgeschöpft wird,
• der Arbeits- und Materialaufwand effektiv gestaltet wird.
Voraussetzung für schonendes, schnelles und gründliches Melken ist vor allem eine melkbereite Kuh.
Um in Melkbereitschaft zu kommen (das heißt, dass die Milch ins Euter „einschießt“ und abgemolken
werden kann), braucht die Kuh im Wesentlichen eine stressfreie Umgebung, taktile Reize
(Berührungsreize) am Euter, speziell an den Zitzen und etwas Zeit.
Bei der Festlegung der Melkroutine für einen Betrieb müssen zwar betriebsindividuelle Faktoren
berücksichtigt werden:
• Welcher Melkstandtyp wird benutzt?
• Wie viele Kühe sind gleichzeitig zu versorgen?
• Wie viele Personen melken?
• Welche technische Ausstattung ist vorhanden?
• Sind besondere gesundheitliche Gegebenheiten zu berücksichtigen?
Diese Faktoren dürfen aber nicht dazu führen, dass nun falsche Kompromisse gemacht werden.
Tierphysiologische Erfordernisse müssen in jedem Fall beachtet und die Milchhygiene darf nicht
negativ beeinflusst werden! Diese Aspekte sind die tragenden Säulen einer Melkroutine. Nach diesen
müssen sich alle anderen Faktoren richten! (siehe Fließbild unten)
Wichtig ist zudem: Die festgelegte Betriebsroutine muss von allen Personen, die dort melken,
eingehalten werden! Jeder Wechsel der gewohnten Routine bedeutet Stress für die Kühe.
Was sind nun die tragenden Säulen der Melkroutine?
Die folgenden Abschnitte basieren auf den Grundlagen für den Bundeswettbewerb Melken, der die
melkphysiologischen, melkhygienischen und tiergesundheitlichen Bedingungen und das notwendige
Verständnis für eine nachhaltige Milchproduktion beinhaltet und fördert. Neue Richtlinien der EU
lassen zukünftig auch weniger anspruchsvolle Abläufe zu, die oft vordergründig ökonomischen
Zwängen und weniger den melkphysiologischen Erfordernissen geschuldet sind. Deshalb sollte für
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Ausbildungs- und Beratungsaufgaben auch zukünftig die sich bewährten, wissenschaftlich begründeten
höheren Anforderungen an die Melkarbeit vertreten werden.
A. Vorroutine
Melkzeiten und Reihenfolge festlegen und einhalten
Aus der kontinuierlichen Milchbildung über 24 Stunden während der Laktation resultiert eine
kontinuierliche Füllung des Hohlraumsystems im Euter und ein Anstieg des intramammaren Drucks
auf 2 bis 6 kPa. Die Milchsekretion stagniert, wenn die Füllung der Alveolen erreicht ist. Dadurch wird
das Leistungsvermögen der Kuh nicht voll ausgeschöpft. Diese Tatsache erfordert, dass insbesondere
bei Frischmelkenden und Hochleistungskühen eine gleichbleibende Zwischenmelkzeit, beim
Zweimalmelken von 12 Stunden und bei Dreimalmelken von 8 Stunden, eingehalten wird. In großen
Herden ist auf gleiche Melkreihenfolge der Gruppen zu achten. Generell gilt aber: Frischmelker und
eutergesunde Kühe zu erst, subklinische und klinische Mastitiskühe sowie anders erkrankte Kühe
zuletzt zu melken, um die Infektionsgefahr so gering wie möglich zu halten.
Vorbereitung des Melkpersonals und der Melkplätze
Das Melkpersonal sollte saubere und zweckmäßige Kleidung tragen. Vorzugsweise sind Stiefel zu
tragen. Auf saubere Hände und kurze Fingernägel ist zu achten. Handschuhe aus synthetischem
Material schützen nicht nur die Melkerhand, sondern bieten Keimen weniger Haftmöglichkeiten.
In Anbindeställen ist der Standplatz der Kuh vor Beginn des Melkens zu säubern.
Um während des Melkens unnötige Wege zu vermeiden, sind alle benötigten Hilfsmittel
anwendungfertig bereitzustellen.
Entscheidend für einen störungsfreien Melkablauf und eine sicher Milchabgabe ist der ruhige Umgang
mit den Tieren. Dazu gehört, dass der Zutrieb möglichst ohne Treibehilfe erfolgt, die Besatzdichte im
Vorwartehof nicht zu groß (mind. 1,8 m²/Kuh) und die Wartezeit auf ein Minimum begrenzt ist (max.
½ Stunde)
Melktechnik und Milchwege prüfen
Um Schäden am hochempfindlichen Euter und dem Produkt Milch zu vermeiden ist es erforderlich
folgende Baugruppen vor dem Melken zu kontrollieren:
• Öl- bzw. Wasserstand am Maschinensatz
• Betriebsvakuum (auch während des Melkens)
• Melkeinheiten (Zustand / Sitz der Zitzengummis, Belüftungsloch. Schläuche)
• Reinigungserfolg und Restwasserentleerung
Danach ist die Milchleitung zum Lagerbehälter herzustellen und entsprechend des Kühlsystems die
Kühlung einzuschalten.
Vormelken, Reinigen, Predipping (Ablauf siehe Diagramm)
Aufgabe des Vormelkens ist es, die Milch zu prüfen und Keime, die sich in der Zwischenmelkzeit in
der Zitzenzisterne gesammelt haben, abzumelken. Milch mit abnormen Merkmalen (flockig, sämig,
wässrig, eitrig, blutig) darf nicht für den menschlichen Verzehr verwendet werden. Aus diesen
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Gründen ist das Vorgemelk in jedem Fall auf einer Prüfplatte visuell zu prüfen und in einem Gefäß
aufzufangen. Das Vormelken auf die Standfläche erhöht die Infektionsgefahr. Durch einen
euterverträglichen Faust- bzw. Knebelgriff wird verhindert, dass das Eutergewebe strapaziert und die
Milch aus der Zitzenzisterne in die Euterzisterne zurückgedrückt wird.
Zitzen, Euter und angrenzende Körperteile müssen, im Abgleich mit der neuen EUHygieneverordnung,
vor dem Melken sauber sein.
Der Einsatz von Predipping ist nur bei sauberen Zitzen wirkungsvoll.
Insbesondere sollte der an den Zitzenkuppen anhaftende Schmutz entfernt werden. Im Regelfall ist
einer Reinigung mit feuchten (schleudertrocken), möglichst keimfreien Tüchern der Vorzug zu geben.
In jedem Fall ist für jede Kuh ein sauberes noch nicht benutztes Tuch zu verwenden.
Papier oder feine Holzwolle sind bei geringer Verschmutzung eine Alternative. Erfahrungen zeigen,
Feuchtpapier schmiert den Schmutz ab und verursacht höhere Kosten als der Einsatz von Textiltüchern
und einer Waschmaschine. Eine Desinfektionswirkung kann aufgrund der geringen Einwirkungszeit
nicht erwartet werden. Das Ergebnis der Zitzenreinigung muss eine saubere, trockene Zitze sein.
Sehr schmutzige Euter erfordern, dass vor dem Vormelken das Euter mit fließendem Wasser gereinigt
wird (Euterdusche). Ein anschließendes Trocknen darf nicht vernachlässigt werden, da sonst das am
Euter abfließende Restwasser spätestens am Melkende die Milch verunreinigt. Außerdem klettert ein
an nasse Zitzen angesetztes Melkzeug schneller. Dies führt zu einer falschen Zitzengummiposition an
der Zitze, welche die Melkgeschwindigkeit und den Ausmelkgrad negativ beeinflusst. Daher muss auch
die Zitze vor Ansetzen der Melkbecher trocken sein. Trocken heißt dabei, keine Feuchtigkeit auf der
Zitze, einschließlich Euterboden.
Nach dem Waschen und Trocknen kann dann das Predipp-Mittel aufgebracht werden. Dazu dürfen nur
von der zuständigen Behörde zugelassene Mittel verwendet werden. Um eine Desinfektionswirkung
auf der Zitze zu erreichen, muss die Einwirkungszeit gemäß den Herstellerangaben eingehalten werden
(mindestens 1 Minute). Danach ist das Mittel mit geeigneten Tüchern wieder zu entfernen. In diesem
Fall wird anschließend vorgemolken und gleich das Melkzeug angesetzt.
Stimulation allgemein:
Die Berührungen von Zitzen und Euter während des Vorgangs Vormelken und Reinigung sind taktile
Reize, die bewirken, dass aus der Hirnanhangdrüse der Kuh Oxytocin ausgeschüttet wird. Dieses
Hormon wird mit dem Blut zum Euter transportiert und bewirkt dort die Kontraktion der
Alveolarmuskulatur die aktiv das Einschiessen der Milch bewirkt. Dieser Ablauf dauert im Mittel 1
Minute und wird als Latenzzeit bezeichnet.
Dieser Zeitbedarf muss generell zu berücksichtigen!
Zeiteinsparungen durch eine Verkürzung der Reizsetzung zahlen sich nicht aus und beeinflusst das
Melkende und das Nachgemelk ungünstig!
Das Melken einer nicht melkbereiten Kuh dauert länger, belastet das Gewebe deutlich stärker, der
Ausmelkgrad ist folglich geringer als beim Melken einer melkbereiten Kuh. Damit sinkt die
Durchsatzleistung, das Mastitisrisiko steigt und die Kühe werden unvollständig ausgemolken, was
negativ auf Milchleistung und Eutergesundheit wirkt.
Wenn die festgelegte Routine diese Zeit, inklusive entstehender Wartezeiten, für die einzelnen Kühe
beachtet, sind die Kühe in der Regel jetzt melkbereit. Ist die Melkvorbereitung (Vormelken,
Euterreinigung) deutlich kürzer, ist weitere Stimulationsbedarf notwendig. Er kann, abhängig von den
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Gegebenheiten, manuell durch Handmassage oder durch eine zeitlich anpassbare maschinelle
Stimulation erfolgen.
Ob die Stimulation ausreichend lang gewesen ist, kann an der Milchabgabe oder besser an der
Milchflusskurve in den ersten beiden Melkminuten überprüft werden. Dabei sollte der Milchfluss ohne
Unterbrechung, der sogenannten Bimodalität, gradlinig bis zum Maximum ansteigen und nun
möglichst bis zum Melkende stabil auf dem erreichten Niveau (Plateauphase) bleiben. Bimodalitäten
treten auf, wenn die Zisternenmilch unvollständig angerüsteter Kühe schneller abgemolken wird als die
Alveolarmilch aus dem Drüsengewebe durch die Wirkung des Hormons Oxytocin freigesetzt werden
konnte.
Das durch zu frühes Zusammenfallen der Zitzen eintretende Klettern der Zitzengummis führt zu
falschen Melkbecherpositionen und zur Verengung des Fürstenberg´schen Venenringes, damit einem
schlechteren Milchfluss und längerem Melken.
Die Stimulationszeit setzt sich aus der Summe aller taktilen Reize auf die Zitze, von der Vormelkprobe
über Euterreinigung bis zur manuellen oder technischen Reizsetzung zusammen. Ungenügende
Stimulation führt zu niedrigerem Milchfluss, höherem Nachgemelk, längerer Melkzeughaftzeit und
einer erhöhten Gewebebelastung.
B. Das Melken
Überwachung Melkablauf
Aus Gründen des Arbeitsschutzes ist die Kuh beim Herangehen ruhig anzusprechen. Beim Ansetzen ist
die Melkzeugzentrale in der vom Hinterbein der Kuh abgewandet Hand zu halten und die Melkbecher
zuerst an der vom Melker abgewanden Seite anzusetzen
Nach dem Ansetzen und Ausrichten der Melkzeuge (Schlauchführung) sollte das Maschinenmelken
möglichst angenehm und ungestört für die Kuh erfolgen. Lärm, Unruhe, Schlagen, luftziehende
Melkzeuge wirken sich direkt als unangenehme Störungen auf das Milchabgabeverhalten aus! Zudem
muss das Melkzeug möglichst frei von ungleichen Zugkräften, verursacht durch den langen
Milchschlauch am Euter, melken können. Daher ist eine sichere Schlauchpositionierung, die die
Position auch während des Melkens bei Bewegungen der Kuh hält, sehr wichtig! Servicearme sind
hilfreiche Baugruppen. Solange Milch fließt, besteht auch keine Notwendigkeit, dass Euter zu
berühren. Erst wenn der Milchfluss deutlich nachlässt oder über die Milchflussüberwachung der
Melksteuergeräte das Signal Milchmangel erfolgt, darf in den Melkablauf eingegriffen werden. Aber
auch hier gilt, erst nur durch gleichmäßiges, gefühlvolles Beschweren des Milchsammelstückes durch
Handauflegen kontrollieren, ob noch Milch fließt, dann mit einem Kontrollgriff den Ausmelkgrad der
einzelnen Euterviertel ertasten und wenn der gewünschte Ausmelkgrad erreicht ist, das Melkzeug
zügig, mit der Öffnung nach oben vom Euter entfernen.
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Grundsätzliches zum Nachmelken
Auf keinen Fall das Euter beim Nach- oder Ausmelken stark und ausgiebig massieren. Das führt sonst
innerhalb weniger Tage zu einem veränderten, gestörtem Milchabgabeverhalten! Diese Massage am
Melkende wirkt als erneute Stimulation. Besonders bei ungenügender Vorstimulation wird damit eine
erneute Oxytozinausschüttung ausgelöst. Die bisher in den Alveolen noch verbliebene Milch wird
erneut ausgestoßen und führt zum erneuten Einschießen der Milch - zu Nachejektionen, bezeichnet
auch als physiologischen Nachgemelk. Im Gegensatz dazu wird die am Melkende in den Zisternen
sich noch befindende , frei abfließbare Milch als physikalisches Nachgemelk bezeichnet. Kühe stellen
sich auf solche zusätzliche Stimulationen ein. Nachgemelke über 1 Liter sind in der Regel
Nachejektionen. Als Ergebnis lassen sich die Kühe nicht mehr in einem Zug ausmelken. Bei einer
solchen Melkroutine mit ungenügender, anfänglicher Stimulation wird der erfolgreiche Einsatz von
milchflussgesteuerten Abnahmeautomaten nicht mehr möglich sein.
Das Nachmelken, ob manuell oder maschinell sollte kurz und kräftig ausgeführt werden.
Nicht ermolkene Alveolarmilch führt in erster Linie zu Milchertragsverlusten, physiologische und
physikalische Nachgemelke stören den Betriebsablauf empfindlich und gefährden die Eutergesundheit.
Manuelles Nachmelken
Bei gegen Melkende nun nachlassendem Milchfluss kann die Melkperson mit einem kurzen
Zisternengriff den Euterentleerungsgrad prüfen, ob alle Euterviertel gleichmäßig ausgemolken sind
(Kontrollgriff). Ist das nicht der Fall, darf jetzt nur durch Druck auf das Milchsammelstück das
Nachmelken unterstützt werden. Hierdurch werden gerade bei größeren Euterformen die
Zisternenbereiche gestreckt, die Passage zur Zitzenzisterne erweitert. Die Milch kann somit einfacher
aus dem Euterzisternenbereich in den Zitzenzisternenbereich gelangen.
Automatische Nachmelktechnik mit automatischer Abnahme
Lässt zum Melkende der Milchfluss nach, wird bei Unterschreiten eines einstellbaren Schwellenwertes
die Nachmelkautomatik aktiviert. Dieser Wert muss vor dem Klettern der Zitzengummis an den
erschlaffenden Zitzen liegen, damit ein Verschluss zwischen Euter- und Zitzenzisterne vermieden wird.
Je nach Kuhrasse liegt dieser Punkt bei einem Milchfluss von 0,6 bis 1,5 kg/min. Durch diese Technik
wird das Milchsammelstück, ähnlich wie von Hand, leicht nach unten gedrückt und so die
Zisternenbereiche des Euters gestreckt. Die Milch kann einfacher, der Schwerkraft folgend, in die
Zitzenzisterne fließen und ermolken werden. Insgesamt wird diese Milch während des
Ausmelkvorganges schneller und vollständiger abgemolken. Sinkt der Milchfluss nach dem Einsetzen
der Nachmelktechnik unter einem Schwellenwert ab, bei dem auszugehen ist, dass der gewünschte
Ausmelkgrad erreicht ist, ist das Melkzeug abzunehmen. Die Gefahr des Blindmelkens mit seinen
negativen Folgen auf die Eutergesundheit würde sonst steigen. Wird dieser Schwellenwert zu niedrig
(<200 g/min) gewählt, verschlechtert sich die Zitzenkondition und die Eutergesundheit.
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C. Melkende
Generelles zur Abnahme:
Melken ohne Milchfluss muss vermieden werden denn:
- es stört das Wohlbefinden der Kuh beim Melken,
- es reizt das Eutergewebe,
- es verursacht schlechte Zitzenkonditionen (harte, verfärbte, verformte, keratotische
Zitzenkuppen),
- es erhöht das Risiko von Eutererkrankungen und verursacht einen höheren Zellgehalt.
Bei Einsatz von Nachmelktechnik und Abnahmeautomatik ist der Abnahmeschwellenwert gegenüber
einer alleinigen Abnahmeautomatik deutlich höher und die Verzögerungszeit deutlich kürzer
einzustellen!
Zu intensives und langes Ausmelken hat ebenfalls einen negativen Effekt auf die Eutergesundheit
durch die Reizung von Zitze und Drüsengewebe.
Nach Main sollten bei 2 mal täglichem Melken nach Abnahme der Melkzeuge bei durchschnittlichen
Kühen der Herde nicht mehr als 250 ml/Kuh aus dem Gesamteuter zu Kontrolle abgemolken werden
können.
Zur Beurteilung vom Ausmelkgrad nicht die Problemtiere heraussuchen! Diese sollten besser farblich
gekennzeichnet und manuell gemolken werden. Zum Finden des richtigen Abnahmegrenzwertes sind
nur die unproblematischen Tiere als Maßstab nehmen!
Erst bei einer deutlichen Abweichung dieser Tiere sind Einstellungen zu verändern!
Bei Nichtbeachtung besteht die Gefahr, dass in kürzester Zeit alle Kühe einer Herde vermolken
werden!
Manuelle Abnahme
Ist nach Kontrolle der einzelnen Euterviertel der gewünschte Ausmelkgrad festgestellt, ist das
Melkzeug zügig abzunehmen. Dazu ist als erstes das Melkvakuum zu unterbrechen und danach das
Melkzeug langsam vom Euter zu entfernen. Der Vakuumabbau im Melkzeug durch den Lufteinlass
am Milchsammelstück ermöglicht hierbei ein für das Tier schonendes Abnehmen. Keinesfalls das
Melkzeug ruckartig vom Euter abreißen! Es empfiehlt sich das Melkzeug bei Abnahme mit einem Arm
zu umgreifen, so dass die Melkbecher in einer aufrechten Position verbleiben. Nach erfolgter Abnahme
kann so durch Öffnen der Vakuumabsperrung die Restmilch aus dem Bereich des Milchsammelstücks
gezogen werden.
Automatische Abnahme
Der Milchfluss wird während des gesamten Melkablaufes von der Abnahmeautomatik überwacht. Fällt
der Milchfluss gegen Melkende unter den eingestellten Grenzwert, reagiert die Abnahmeautomatik bei
den meisten Fabrikaten als erstes durch Blinksignale am jeweiligen Melkplatz. Dies zeigt an, dass sich
die Kuh im letzten Stadium des Melkablaufes befindet. Wenn nötig, kann jetzt noch eine Kontrolle und
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ein Eingriff des Melkpersonals erfolgen. Diese Blinkzeit beinhaltet auch noch eine Phase der Sicherheit
(Sperr- oder Verzögerungszeit) zum richtigen Abnehmen in sich, weil nicht bei jeder kurzfristigen
Unterschreitung des Milchflussgrenzwertes das Melkzeug sofort abgenommen werden darf.
Nach Ablauf der auf die Melkroutine des Betriebes einstellbaren Blinkzeit wird das Melken
automatisch beendet. Dabei wird als erstes das Vakuum zum Melkzeug unterbrochen und anschließend
über einen Hubzylinder das Abnahmeseil eingezogen. Auch hier wird durch gedrosselte Zugkraft kein
ruckartiges Abziehen sondern ein schonendes Abnehmen realisiert. Unterschiede im technischen
Abnahmeprogramm der einzelnen Hersteller sind zu beachten.
Automatische Abnahme in Verbindung mit automatischer Nachmelktechnik
Lässt nach dem Einsetzen der maschinellen Nachmelktechnik der Milchfluss nach, ist davon
auszugehen, dass nun auch der gewünschte Ausmelkgrad aller Viertel erreicht ist. Weil nun kein
weiterer Milchfluss erwartet wird, das Melken ohne Milchfluss für Euter und Zitzen sehr schädlich ist,
ist jetzt möglichst schnell das Melken zu beenden. So sind die Schwellenwerte für das Erkennen des
Abnahmezeitpunktes für die Abnahmeautomatik deutlich höher und auch die Verzögerungs- und
Blinkzeiten deutlich kürzer als bei reinen Abnahmevorrichtungen. Erfolgt diese Anpassung nicht, wird
sich dieser Stress für die Kuh bei Melkende deutlich in einer schlechteren Zitzenkondition und
schlechteren Eutergesundheit auswirken. Auch hier sind firmenspezifische Besonderheiten vorhanden.
D. nach dem Melken
Postdippen
Bekannt ist, dass das Zitzengewebe beim maschinellen Melken durch das Melkvakuum im Umfang und
Länge gedehnt wird, die Zitzenhaut wird strapaziert. Der Strichkanal benötigt, entsprechend des
Melkverfahrens und der Individualität der Tiere, bis zu 2 Stunden um seinen natürlichen Verschluss
wieder zu erlangen. Zwischenzeitlich ist die Gefahr des Eindringens von euterpathogenen Keimen über
die Strichkanalöffnung in das Euter groß, besonders wenn sich die Tiere nach dem Melken rasch
wieder hinlegen. Die desinfizierende und hautpflegende Wirkung entsprechender Dippmittel schützt
die Zitze besonders in der problematischen Zeit vor Umwelteinflüssen. Deshalb sollte die
Zitzennachbehandlung generell sofort nach der Melkzeugabnahme durchgeführt werden. .
Je nach der Herdensituation muss das dafür geeignete, von der zuständigen Behörde zugelassene
Dipmittel speziell ausgewählt werden.
Zitzentauchen ist sicherer als Sprühen, weil die Zielgenauigkeit höher ist und weniger flüchtig erfolgt.
Das verwendete Mittel soll die Zitze mindestens 2/3 der Zitzenoberfläche einhüllen und an der
Zitzenkuppe, den Strichkanalausgang, einen zusammenfließenden Tropfen bilden (Barrierefunktion).
Auf Sauberkeit ist bei der Verwendung von Dippbechern besonders zu achten. Um
Keimverschleppungen zu vermeiden sind sie nach jeder Melkzeit zu entleeren, zu reinigen und vor dem
nächsten Melken neu aufzufüllen.
In Verbindung mit dem Zitzendippen sollte, besonders bei Abnahme- und Nachmelkautomaten,
generell der Ausmelkgrad und Abweichungen der Eutergewebekonsistenz durch einen Kontrollgriff
geprüft werden. Der Grund dafür ist, dass Automaten den Melkvorgang nicht nach dem Ausmelkgrad
beenden, sonder nur indirekt über den vorhandenen Milchfluss. Damit sind einzelne, schwermelkende
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Anteil Peressigsäure in der
Desinfekt ionslösung
200 ppm 700 ppm 800 – 1.000 ppm
Einwirkzeit 10 sec. 20 sec. 30 sec.
Anzahl untersuchter
Melkzeuge
67 120 627
f rei von Keimen 3,0 % 23,7 %
91,1 %
(97,2 – 85,6)
keine Keimreduzierung 40,3 % 8,2 % 4,7 %
Viertel besonders gefährdet bei noch hohem Füllungsgrad nicht ausgemolken zu werden. Die
Milchproduktion und Eutergesundheit dieser Viertel sinken. Auch sind am abgemolkenen, leeren Euter
Veränderungen wesentlich eher feststellbar als am vollen, straffen Euter während des Vormelkens.
Melkzeugzwischendesinfektion
Ist das Melkzeug vom Euter abgenommen, kann eine Zwischendesinfektion erfolgen, um das
Verschleppen von Krankheitserregern von einer Kuh zur anderen über das Melkzeug zu minimieren.
Tauchen (Eimer, Wanne), Durchspülen (Bachflash, Airwash) oder Sprühen sind mögliche Methoden.
Achtung!
Bei einer Zwischendesinfektion werden
spezielle Mittel benötigt, die eine
Kurzzeitdesinfektion gewährleisten
und für die Milchgewinnung
zugelassen sind! Daher sind hier
spezielle Mittel und die strikte
Einhaltung der vorgeschriebenen
Konzentrationen und Wirkzeit
erforderlich!
Wird nicht nach Vorgabe des
Herstellers gearbeitet, kann die
Desinfektionswirkung verringert oder unwirksam sein! Aus der Tabelle (Model, 1998) wird deutlich,
dass zu kurze Einwirkzeiten, wie auch zu schwache Konzentrationen, keine ausreichende Abtötung der
Keime im Melkzeug bewirken.
Nach Ablauf der benötigten Einwirkzeit muss nun das Melkzeug ausreichend mit Wasser von
Trinkwasserqualität ausgespült werden, um die sich noch im Melkzeug befindlichen
Desinfektionsmittelreste wieder zu entfernen. Technische Lösungen (Airwash, Backflash,
Durchschleifwannen) sind ständig auf ihre volle Funktion hin zu überprüfen. Die Milch muss in jedem
Fall vor Verwässerungen und Kontaminationen mit Desinfektionsmitteln geschützt werden.
E. Empfehlungen zu individuellen Melkroutinen
Unterschiedliche Melkstandsysteme, die Anzahl von Bedienungspersonen im Melksystem, zusätzliche
Arbeitselemente wie Predip in der Melkroutine erfordern jeweils eine Anpassung der anzuwendenden
Melkroutine. Unterstützung erfährt die Melkperson durch eine gezielte Kombination mit technischen
Gerätschaften. So wird die Routine abgesichert und die Arbeitskraft nicht überfordert
1. Individualmelkstände
Bei Individualmelkständen wie Autotandem- und Autorotorsystemen empfiehlt es sich, die
Arbeitsschritte Stimulieren, Nachmelken und Abnahme zu automatisieren. Damit wird eine
effektivere, weil gleitende und nicht in einzelne Elemente unterbrochene Routine gewährleistet.
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Folgende Komponenten können eingesetzt werden:
- Anrüstautomatik
- Nachmelkautomatik
- Abnahmeautomatik
So werden tierphysiologische Ansprüche mit arbeitsökonomischen Ansprüchen optimal
kombiniert. In Abhängigkeit von der Melkhäufigkeit am Tag kann aber auch auf die
Nachmelktechnik verzichtet werden.
2. Gruppenmelkstände
Bei Gruppenmelkständen entscheidet weniger die Technik darüber die optimale Melkroutine zu
finden als vielmehr die Anzahl der Personen, die im Melkstand arbeiten. Von ihnen ist es abhängig
welche Gruppenroutine am günstigsten erscheint und welche Person welche Arbeiten ausführt. In
jedem Fall müssen die tierphysiologischen Grundsätze beachtet werden. Zur Sicherung der
Grundstimulation der Tiere, die hierbei den größten Zeitfaktor beansprucht, bietet sich jedoch der
Einsatz der zeitlich anpassbaren automatischen Stimulation an. Auch die Ausmelk- und
Abnahmeautomatik sollte hier zum Standard gehören.
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Predippen
(nur zugelassene
Mittel)
Vormelken
manuelle Stimulation
+ Ansetzen
+ MZ-Ausrichten
Ansetzen
+ MZ-Ausrichten
+ maschinelle
Maschinenmelken
manuelles
Nachmelken
Optische
Nachmelkkontr
olle
maschinelles
Nachmelken
manuelle / automatische
Abnahme
Kontrollgriff,
Postdippen
Melkzeugzwischendesinfekti
Säubern,
Trocknen
Zitzenreinigung / Zitzentrocknung
MELKROUTINE
Visuelle Beurteilung
Sehr
verschmutzte
Euter
Saubere
Euter

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Erstelleradmin
Erstellt am 26.10.2009 08:43
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Zuletzt geändert 13.05.2011 10:45
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