| Beschreibung | 1 Herdenmanagementberatung zur Leistungssteigerung und Qualitätsverbesserung S. Baumgart, Abteilungsleiterin Qualitätsprüfung und –beratung im LKV Sachsen-Anhalt Herdenmanagementberatung zur Leistungssteigerung und Qualitätsverbesserung Die Abteilung Qualitätsprüfung und –beratung wurde vor 11 Jahren innerhalb des LKV Sachsen- Anhalt gebildet und befasste sich vorrangig mit Qualitätsberatungen zur Verbesserung der Milchgüteparameter, wie Zellzahl, Keimzahl, Gefrierpunkt, Hemmstoffe und Melkanlagenüberprüfungen lt. DIN ISO. Sie dienten zur Unterstützung der milchproduzierenden Betriebe in Sachsen-Anhalt, um die Anforderungen der rechtsgültigen Milchverordnung und Milchgüteverordnung der BRD an eine qualitätsgerechte Rohmilchproduktion zu erfüllen. Entwicklung der Milchgüteparameter und Kuhleistung 1996-2001 in Sachsen-Anhalt (LKV-Durchschnitt) Jahr Keimzahl Zellzahl Anteil Proben (in %) Leistung Reprorate 1 Tsd. Tsd. Hemmstoff Gefrierp Je Kuh MGP MLP positiv > -0,520 °C kg/Jahr % 1992 443 559 431 0,90 n.a 5.246 38,3 1994 34 324 322 0,63 12,4 5.705 38,2 1996 19 293 328 0,23 24,4 6.174 36,7 1998 17 251 315 0,17 14,6 6.808 38,7 1999 18 237 297 0,19 15,7 7.128 38,6 2000 18 236 300 0,14 12,8 7.554 43,8 2001 18 239 326 0,20 11,2 7.745 42,1 Wie aus der Tabelle 1 ersichtlich ist, verbesserten sich die Kuhleistungen und die Qualitätsparameter, nicht zuletzt durch den Einsatz modernster Methoden und Technik beim Füttern, Melken und Kühlen, sprunghaft. Die seit 1997 beginnende Stagnation der Zellzahlwerte, bei steigenden Reproduktionsraten, Tierverlusten (bes. Euter- Klauen-Gliedmaßenerkrankungen) und bei höherer Differenziertheit im Durchschnitt der Herden veranlassten uns, die Beratungsinhalte zum Abchecken der vielfältigsten Ursachen im Herdenmanagement zu erweitern. Es wurden LactoCorder-Beratungen zur Einschätzung der Melkbarkeit – Melkarbeit - Melktechnik und die Herdenmanagementberatungen zur Leistungssteigerung und Qualitätsverbesserung als zusätzliche Dienstleistung des LKV angeboten. Die dazu benötigten Fortbildungen und die Schulungen zu neuen Arbeitsmaterialien (Hard- und Software, Messtechnik) der Qualitätsberater, gingen selbstverständlich regelmäßig
2 einher. Wir entschieden uns für den Einsatz der Zuchtmanagersoftware (ZMS) vom DSP Paretz, die inhaltlich u.a. zur Einschätzung der Einzeltiere und Herden im Bereich Milchleistung, Milchqualität, Ernährung und Reproduktion umfangreiches sowie aussagefähiges Datenmaterial für den Berater und Betrieb bietet. Um weitestgehend eine Einheitlichkeit des Leistungsumfanges dieser Beratungsart im Land Sachsen-Anhalt zu haben, wurden Arbeitsanweisungen für alle Qualitätsberater zur Durchführung dieser Beratungsart erstellt. Die Beratungsgebühren sind gestaffelt nach Kuhbestand und Melktechnikumfang. Betriebe, die eine Vereinbarung mit dem LKV über regelmäßige (1-2 mal jährlich) Melkanlagenüberprüfungen abgeschlossen haben, erhalten 25 % Gebührenrabatt. Ablauf der Beratung zum Herdenmanagement 1. Anmeldung durch den Betrieb. 2. Anforderung der Daten für die ZMS-Software von Paretz von dem Berater. 3. Analysen aus der Software für die Beurteilung des derzeitigen Niveaus des Betriebes und Erstellung von Auswertungslisten. 4. Überprüfung der Melktechnik nach DIN ISO. 5. Abchecken der vorhandenen betrieblichen Bedingungen in den Bereichen: Haltung, Fütterung und Tränken, Melken und Melkstand, Milch- und Melkhygiene, Reproduktion, Stallhygiene, Bakteriologische Überwachung gemeinsam mit dem zuständigen Leiter. 6. Überwachung der Melkarbeit, Messen von 8-10 Milchflusskurven mittels LactoCorder und Messungen im kurzen Milchschlauch. 7. Auswertungsgespräch der Beratung mit praktischen Beratungshinweisen zur Änderung des Herdenmanagements auf Grund der ZMS - Analysen, der vorgefundenen Gegebenheiten und der Messdaten. Es wird dem Betrieb vorgeschlagen, das dabei der Betriebsleiter und Betreuungstierarzt zugegen ist. 8. Je nach gewonnenen Erkenntnissen in den einzelnen Produktionsbereichen schließen sich in Abstimmung mit dem Betrieb, eine Melkerschulung, eine LactoCorder-Beratung oder eine Fütterungsberatung an. 9. Neben der Übergabe des ZMS-Datenmaterials, erhält der Betrieb ein zusammenfassendes Protokoll und die Checkliste. 10. Eine Nachberatung nach ca. 4-6 Monaten zur Kontrolle der Umsetzung der gegebenen Beratungshinweise sowie deren Erfolge bei der Leistungssteigerung und Qualitätsverbesserung wird jedem Betrieb angeboten .
3 Mit der Auswertung des Zuchtmanagers stehen dem Berater und dem Betrieb folgende Informationen für die Analysen während der Beratung zur Verfügung, die während des Workshops am 18.09.2002 auch am PC- Arbeitsplatz vorgestellt werden: Milchleistung und Milchinhaltsstoffe (Fett, Eiweiß, Laktose, Harnstoff): Monatliche, jährliche, laktationsseitige Entwicklung für Einzeltiere, Haltungsgruppen und Gesamtherde als Tabellen und Grafiken. Nach eigenem Bedarf auch selbst zusammenzustellen und in Exceldateien zur Weiterverarbeitung zu übernehmen. Zellzahl: Für jeden beliebigen Zeitraum wie im Punkt 1 auszuwerten. Übersichten nach beliebigen Zellzahlklassifizierungen und Bewertung von Milchverlusten. Festlegung von s.g. Zellzahlgrenzwerten nach Laktationszahl und Laktationsstadium und danach tabellarische Analysen (Erstmalige Überschreiter, wiederholte Überschreiter, Mastitiden, vor dem Trockenstellen, nach dem Kalben) wo die Schwerpunkte der Erhöhung liegen. Auswertung der Zellzahl nach MLP sowie in den Laktationen bei selbst zu wählenden Zeiträumen. Ernährungszustand: Für jeden beliebigen Zeitraum wie Punkt 1 Grafisch und tabellarisch auszuwerten. Grundlagen für Problem- und Tiefenanalysen: Fett/Eiweiß/Laktose, Eiweiß/Harnstoff, individueller Harnstoffbericht. Reproduktion: Ausgewählte Kennziffern für den Betrieb, die Abrechnungseinheit und dem Einzeltier, wie: nichtbesamte Kühe, Rastzeit, Anzahl Besamungen, Zwischenbesamungszeit, Zwischentragzeit, Zwischenkalbezeit, Trächtigkeitsrate (Gesamt, aus EB). Milchqualität: Bei passender Software des Milchgüteprogramms besteht die Möglichkeit alle Ergebnisse aus der Milchgüteuntersuchung mit in das Programm zu integrieren und z.B. bei der Zellzahlauswertung auch gegenüberzustellen. Mittels der Zuchtmanagersoftware macht sich der Berater im Vorfeld der Herdenmanagementberatung ein klares Bild über den Entwicklungsstand der Herde und arbeitet Schwerpunkte im Produktionsablauf der Milchviehherde heraus. Bei dem Herdencheck in allen Produktionsbereichen vor Ort ist dies eine erhebliche Hilfe. Mit folgender Checkliste arbeiten die Berater in Sachsen-Anhalt: 1. Haltung/Kuhkomfort: Stallklima, Liegeflächen, Laufgänge, Haltungsgruppen, Klauen- und Gliedmaßen, Umgang mit den Kühen, Tränkwasserversorgung 2. Fütterung: Futtertisch, Fressplatzangebot, Fütterungsfrequenz- und -sequenz, Laktationsgruppen, Kotkonsistenz, Milchinhaltsstoffe, Stoffwechseluntersuchungen, Futterrest, Futtermitteluntersuchungen, Futterzusatzstoffe, Rationsberechnungen, Körperkondition 3. Melken/Melkarbeit: Melkstand, Klima, Melktechnik, Melkzeiten, Vorwartehof, Standzeiten, Melkarbeit, Melkhygiene, Melkeigenschaften, Euter, Zitzen, Milchflusskurven
4 4. Eutergesunde Reproduktion: Zukauf, Seuchenstatus, Deckbulleneinsatz, Trockenstellen, Abkalbeplatz, Kalbehygiene, Erregerüberwachung, Kälberversorgung, Tränkmilch, Sauger, Erstkalber, Frischkalber-Hygiene, Melktechnik, Desinfektion 5. Verhinderung der Übertragung: von Mastitiserregern Melkpersonal, Sauberkeit, Melkhygiene, Melkzeugzwischendesinfektion, Haltung kranker Kühe, Zitzendesinfektion, Liegeflächen, Stallklima 6. Bakteriologische Untersuchungen (gemeinsam mit EGD, Tierarzt): Probenart, Probenahme, Kontrolle Erstkalber, Frischkalber, Trockensteller, Überwachung Herde, Resistogramm 7. Führung einer Eutergesundheitskartei Das Wichtigste bei der Auswertung des Herdenchecks, als Zusammenspiel der aufgezeigten vielfältigsten Faktoren, sind die Untermauerungen aus den Daten des ZMS zu den gegebenen Hinweisen für notwendigen Veränderungen. So z.B. bei unzureichenden Desinfektionsmaßnahmen, kein abruptes Trockenstellen von erregernegativen und eutergesunden Kühen, schlechte Haltungshygiene und fehlendes Dippen der Kühe beim Aufeutern, stressiges Anmelken mit defekter Melktechnik – zeigen die Analysen Zellzahlen vorm Trockenstellen und nach dem Kalben sowie die Entwicklung in der Laktation unterschieden nach Laktationszahl dazu ein klares Bild. Die danach ermittelten Leistungsdifferenzen der vergleichbaren Überschreiter gegenüber den Nichtüberschreitern von minus 2 –6 kg je Tag helfen dem Berater, dem Betrieb von notwendigen Veränderungen zu überzeugen. Beim Erstellen des Beratungsprotokolls ist es notwendig neben der Checkliste, den Messdaten der Melktechnik und LactoCorder-Kurven eine zusammenfassende Einschätzung zu geben, in welcher Rangfolge sowie welchem Zusammenhang und Zeiträumen die Beratungshinweise umzusetzen sind. Besonders auch solche, die Investitionen erfordern. Der Termin der Nachberatung nach 4-6 Monaten ist ebenfalls festzulegen. Die Nachberatung beinhaltet in erster Linie, die Analyse des Leistungsstandes und der Milchqualität sowie der empfohlenen Veränderungen in der Herdenführung. Ob ein Beratungserfolg eintritt, liegt an jedem Betrieb selbst, wie streng er das auf seine Herde zugeschnittene Herdenmanagementkonzept umsetzt, um langfristig eine bessere Milchqualität verbunden mit höheren Leistungen sowie wirtschaftlichen Produktionskosten zu erreichen. Im vergangenen Jahr haben wir begonnen, die Zusammenarbeit auf diesem Gebiet mit betriebswirtschaftlichen Beraterunternehmen gezielt zu intensivieren. Mit zwei Unternehmen gibt es bereits dazu eine schriftliche Vereinbarung. Nach Anmeldung der Beratung durch die Betriebswirtschaftlichen Beraterunternehmen und der gemeinsamen Durchführung sowie Auswertung, werden die Änderungen in der Produktionstechnik mit dem Stand der finanziellen Kennziffern untermauert. Der Schwerpunkt in der Beratung verlagerte sich mehr und mehr auf das Fütterungsmanagement,
5 da bei hohen Einzelleistungen, die Stoffwechsel- und Eutergesundheit sowie die Klauen- und Gliedmaßenerkrankungen eine größere Aufmerksamkeit erfordern. Die Resonanz dieser durchgeführten Herdenmanagementberatungen war bisher meist positiv. In den Betrieben, die die Hinweise umsetzten, gab es Leistungssteigerungen, eine verbesserte Reproduktion und eine stabile Milchgüte, besonders gemessen an der Zellzahl. Betriebe, die es zögerlich taten und von der Umsetzung einiger Empfehlungen nicht zu überzeugen waren, werden nun mittels einzelnen Kostenpositionen gemeinsam davon überzeugt. Der Erfolg der Beratung wird so für den Betrieb und dem Berater noch abrechenbarer. Ausblick Die Zertifizierung der milchproduzierenden Betriebe nach dem „Basisqualitätsmanagment“- Programm (BQM) beinhaltet zum größten Teil analog, die Bestandteile des Herdenchecks unserer Beratung. Über 120 Betriebe in Sachsen-Anhalt stehen zur Zeit im Zertifizierungsverfahren und 34 sind bereits erfolgreich in der Milchproduktion zertifiziert. Die Molkereien unterstützen das Programm sehr intensiv und 3 beteiligen sich schrittmachend mit 400 EUR je Lieferant an den Erstzertifizierungskosten. Wir empfehlen den Betrieben, bei den vorbereitenden Beratungen zum BQM, die Auswertung der Zuchtmanagersoftware mit abzufordern. Diese zusätzlichen Gebühren für die ZMS-Daten machen sich innerhalb dieser umfangreichen Herdenanalyse zum Aufdecken von Schwachpunkten unserer Meinung nach bezahlt.
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