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ObjektWert
NameWege zur Senkung der Reproduktionsrate
Beschreibung


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Wege zur Senkung der Reproduktionsrate
Praktische Erfahrungen des Herdenmanagements und Versuchsergebnisse aus der
Milchviehherde in Iden
Thomas Engelhard, Hilmar Zarwel
Landesanstalt für Landwirtschaft und Gartenbau Sachsen-Anhalt, Iden
Aktuelle Situation
Die Milchviehherde der LLG Sachsen-Anhalt in Iden wird genutzt, um Aufgaben der Ausbildungsund
Versuchsdurchführungen sowie als Produktionsherde mit wirtschaftlichen Zielstellungen zu
erfüllen. Die 400 Milchkühe werden dreimal täglich gemolken. Die Herdenleistung lag in den
letzten Jahren über 11.000 kg je Kuh und Jahr (MLP, A+B-Kühe), die Reproduktionsrate konnte in
dieser Zeit auf weniger als 30 % reduziert werden. Weniger Tiere wurden gemerzt, mehr Zuchtund
Nutzvieh verkauft sowie nach Quotenzukauf der Kuhbestand aufgestockt. Die Lebensleistung
der Herde (28.500 kg) und der abgegangenen Kühe (33.500 kg) liegt über dem regionalen
Durchschnitts. Die Fruchtbarkeit der Herde ist nicht zufriedenstellend (ZKZ: 392 Tage, BI: 2,4;
30 % der Merzungen). Reserven zur weiteren Verbesserung insbesondere von Tiergesundheit und
Fruchtbarkeit sind vorhanden. Ausgewählte Ansätze des Herdenmanagements zur Sicherung und
Verbesserung bisher erreichter Ergebnisse sollen nachfolgend dargestellt werden.
Fütterung, Stoffwechselgesundheit
Die Ursachen von Stoffwechselstörungen liegen insbesondere in der ausgeprägt negativen
Energiebilanz der betroffenen Kühe aufgrund schnell ansteigender Milchleistung und nicht ausreichender
Anpassung des Futteraufnahmevermögens. Daraus können ketogene Stoffwechsellagen
und nachfolgend weitere Gesundheits- und Fruchtbarkeitsstörungen resultieren. Um die
höchst mögliche Deckung des Energiebedarfs zu erreichen, müssen die Tiere in der Hochleistungsphase
im Grenzbereich der wiederkäuergerechten Fütterung versorgt werden, was zum
Risiko des Auftretens von Azidosen führt.
Besondere Bedeutung für die Vermeidung von Stoffwechselstörungen wird dem Fütterungsmanagement
im geburtsnahen Zeitraum zugemessen (Trockenstellen bis 60. Laktationstag).
Neben der Berücksichtigung bekannter Normen (DLG) wird die Fütterung unter Nutzung der
Ergebnisse eines intensiven Controllings durchgeführt (Tabelle). Anhand der ermittelten Kontrollergebnisse
werden Maßnahmen für die Versorgung der Herde, von Fütterungsgruppen und von
Einzeltieren abgeleitet oder grundsätzliche Entscheidungen für das Management getroffen. Für die
Entscheidungsfindung erfolgt die Bewertung der Kontrollergebnisse im Komplex. Der Körperkondition
der Kühe (BCS, body condition scoring) kommt dabei eine hohe Bedeutung zu.

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In allen Haltungs- und Fütterungsabschnitten werden die Kuhgruppen mit TMR versorgt. Zur
Sicherung hoher bzw. angepasster Futteraufnahmen werden verschiedene Maßnahmen für die
Bewirtschaftung von Futterlagern, -silos und Futtertischen vorgegeben und umgesetzt.
Trockensteherfütterung, 1. Phase:
Die Kühe werden zum 220. Trächtigkeitstag trocken gestellt. Bei Kühen mit geringer Milchleistung
und zu starkem Fettansatz erfolgt dies früher (3 - 5 % der Tiere). Die Energie- und Nährstoffversorgung
deckt den Erhaltungsbedarf und das Wachstum der Frucht und wird gegebenenfalls
zur Steuerung der Körperkondition variiert. Der Energiegehalt der Ration ist so einzustellen, dass
das Verfetten der Kühe vermieden, aber notwendige Körperfettreserven gesichert werden (5,5 und
5,8 MJ NEL/kg TM). Ein deutlicher Verlust an Körpersubstanz (Unterversorgung) darf nicht auftreten.
Insbesondere die Korrektur zu fetter Kühe durch „abhungern“ würde das Risiko von Stoffwechselstörungen
erhöhen. Magere Einzeltiere werden dagegen vorzeitig in die Vorbereitungsgruppe
gestellt und intensiver versorgt, um gewünschte Zunahmen zu fördern. Zielstellung sind
möglichst hohe Futteraufnahmen als Ausdruck für eine optimale Körperkondition und für die
Stabilität der Kühe . Der Verdauungstrakt soll gut gefüllt sein (Trainingseffekt für Frühlaktation). Bei
zu hohen Zunahmen der Trockensteher erfolgt keine Restriktion der Futtermenge, sondern die
Reduzierung des Energiegehalts der Ration. Die Ration besteht zum größten Teil aus Grassilage
aus Folgeschnitten. Durch einen begrenzten Anteil Maissilage (2 bis 2,5 kg TM) soll eine positive
Wirkung auf die Mikroorganismen im Pansen erreicht werden. Mit der Höhe des Strohanteils wird
der Energiegehalt des Futters in Abhängigkeit von der Körperkondition reguliert. Energie- und
stärkereichere Rationen ( 6,0 MJ NEL) können zwar die Futteraufnahme weiter steigern, führen
aber zur Verfettung und zu vermehrten Schwergeburten. Die Protein- und Mineralversorgung ist
nach den DLG-Bedarfsnormen für trockenstehende Kühe ausgerichtet.
Vorbereitungsfütterung (Trockensteherfütterung, 2. Phase):
Dieser Haltungs- und Versorgungsabschnitt beginnt drei bis zwei Wochen vor der voraussichtlichen
Kalbung (magere Tiere früher, s. o.). Wesentliche Zielstellung bleibt das Vermeiden
oder Minimieren des Rückgangs der Futteraufnahme und der Mobilisation von Körperfett. Dazu
wird der Energiegehalt des Futters gegenüber der 1. Trockenstehphase angehoben (6,4 - 6,8 MJ
NEL bei 130 bis 150 g nXP/kg TM). Die Ration enthält mehr Stärke und die Mehrzahl der Futtermittel
die in der Frühlaktation gefüttert werden (einschließlich Sonderfuttermittel zur Stoffwechselprophylaxe),
um den Pansen (Zotten, Schleimhäute, Mikroorganismen) auf die Umsetzungsprozesse
nach der Kalbung vorzubereiten.
Die Maßnahmen zur Gebärpareseprophylaxe sind konsequent umzusetzen. Voraussetzung dafür
ist eine bedarfsgerechte Energie- und Proteinversorgung in der Spätlaktation und Trocken6.
Jahrestagung – Berlin, 14./15.09.2005
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stehphase unter Einbeziehung der Körperkondition. Bei fetten Kühen tritt häufiger Gebärparese
auf. Die Mineralversorgung ist so zu wählen, dass insbesondere ältere Kühe in die Lage versetzt
werden, ausreichend Ca aus dem Skelettsystem zu mobilisieren. Das kann mit einer möglichst
geringen Ca-Versorgung erfolgen (< 50 g/Tier/Tag, Ca : P-Verhältnis 1:1, wenig/kein Ca im
Mineralfutter). Ist dies nicht möglich oder stören hohe Kationengehalte im Futter (insbesondere K)
die Ca-Mobilisation, sollte die Veränderung des Kationen-Anionen-Verhältnises (DCAB) der Ration
erfolgen. Es ist zu prüfen ob ein Verzicht auf K-reiche Futtermittel oder ein reduzierter Einsatz
möglich ist. Angestrebte Veränderungen der DCAB werden auch durch die Gabe von Futtermittel
mit hohem Anionengehalt erreicht (insbesondere hoher S-Gehalt, z.B. Rapsextraktionsschrot). Die
nachhaltigste Veränderung der DCAB bewirkt der Einsatz spezieller Mineralfutter („Saure Salze“ =
Sulfide, Chloride + 100 g Ca/Tier/Tag). Diese provozieren eine verstärkte Ca-Ausschwemmung
und somit ein Training der Mobilisation der körpereigenen Ca-Reserven. Die Auswahl des Verfahrens
der Mineralversorgung richtet sich an den Gehaltswerten der zur Verfügung stehenden Futtermittel
und der Ration (K, Ca, S) aus. Messungen des pH-Wertes im Harn der Kühe vor der
Kalbung können weitere Informationen zur DCAB des Futters geben. Als besonders wirksame und
gezielt einzusetzende Gebärpareseprophylaxe bewähren sich Vitamin D3-Injektionen für Kühe ab
der 3. Laktation (i. m., 10 Mio. IE, 5 Tage vor erwarteter Kalbung, ggf. Wiederholung bei späterer
Kalbung). „Risikotiere“ (Gebärparese zur letzten Kalbung, fette Kühe) erhalten zusätzlich eine
subkutane Ca-Injektion zur Kalbung.
Frühlaktation:
Die Trennung von Kuh und neugeborenem Kalb erfolgt unmittelbar nach der Kalbung. Danach wird
den Kühen 20 bis 40 l warmes Wasser mit einem Zusatz von Mineralen und glukoplastischen
Substanzen zur freiwilligen Aufnahme angeboten. Fast alle Tiere nehmen die Menge auf (> 95 %).
Danach kommen die Tiere in die „Repro-Gruppe“ (min. bis 6. Laktationstag) mit hohem Haltungskomfort
(Tiefstreu). Die geringe Gruppengröße (5 - 10 Tiere) ermöglicht eine verbesserte Tierbeobachtung
und -kontrolle. Aus den täglichen Kontrollen (Tabelle) wird abgeleitet, ob die Behandlung
eines Tieres notwendig ist und/oder ob es länger in dieser Gruppe verbleibt.
In der nachfolgenden Frischmelker-Gruppe im Liegeboxenlaufstall stehen die Kühe mindestens bis
zum 60. Laktationstag . Dieser Zeitraum wurde gewählt, weil sich die Futteraufnahme so lange
nicht oder nur in ungenügendem Maße an die Milchleistung und an den daraus resultierenden
Bedarf anpasst. Es wirkt kein „physiologischer Nährstoffsog, was insbesondere die Versorgung
von Hochleistungskühen erschwert. Wird dem mit sehr kraftfutterreichen Rationen entgegengewirkt,
kann es zur Übersäuerung des Pansens kommen. Zielstellung für die Fütterung in der
Frühlaktation ist zuerst die Ketose- und Azidoseprophylaxe, als Voraussetzung für hohe Milchleistungen.
Diese Frischmelkerration (identisch für „Repro“-Gruppe) unterscheidet sich von der

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nachfolgenden Hochleistungsrationsphase durch geringere Stärke- und Zuckergehalte (20 – 24 %
i. d. TM). Die Energieversorgung wird mit dem Einsatz von Sonderfutter oder Futterzusätzen (z. B.
Propylenglykol) verbessert, ohne dadurch die Strukturwirksamkeit der TMR zu beeinträchtigen. Mit
der Begrenzung des Einsatzes solcher Sonderfuttermittel auf die Frischmelkergruppe kann Luxuskonsum
durch Kühe ohne entsprechenden Bedarf weitestgehend vermieden werden. Zum
60. Laktationstag wird der Zustand der Kuh anhand verschiedener Kontrollkriterien bewertet
(Tabelle 1) und entschieden, ob eine Umstellung in die Hochleistungsgruppe erfolgt oder ob
Problemtiere noch in der Frischmelkergruppe bleiben. Erfolgt die Umstellung endet die freiwillige
Wartezeit für besamungstaugliche Tiere.
Hochleistungsphase, Spätlaktation:
In der Hochleistungsgruppe soll das hohe Milchleistungspotenzial der Kühe mit einer preiswerteren
Ration soweit wie möglich ausgeschöpft werden. Der Anteil an Getreide und Maissilage als
Energieträger nimmt zu. Dabei ist die Strukturwirksamkeit der Ration zu sichern. Der Stärke- und
Zuckergehalt im Futter wird auf 22 – 26 % i. d. TM begrenzt. Dem wird für die Azidoseprophylaxe
eine größere Bedeutung beigemessen als der Länge der Futterpartikel. Die Kontrolle der
Strukturwirkung erfolgt in einem Komplex aus Kontrollmaßnahmen (Tabelle 1).
Problematisch ist es, eine neue Trächtigkeit der Tiere zu erreichen. Bei Verbesserungen der
Versorgungslage der Kühe sind zuerst steigende Milchleistungen ohne deutliche Verbesserung der
Fruchtbarkeitsergebnisse festzustellen. Konsequenzen für das betriebliche Zuchtziel sollten abgeleitet
werden. Kontinuierlich wird ein „Fruchtbarkeits“ - Programm definierter Maßnahmen für die
Herde und für Problemtiere durchgeführt (Pueperalkontrollen, Spülungen, Hormonbehandlungen).
Bei nachlassender Milchleistung und abnehmendem Energie- und Nährstoffbedarf werden die
Kühe in eine Altmelkergruppe umgestellt. Dort erhalten sie mehr Grob- und weniger Kraftfutter. Die
Einordnung in die Fütterungsgruppen erfolgt zuerst nach den Kriterien Milchleistung und -inhalte
sowie nach der Körperkondition (BCS-Note). Magere Tiere bleiben auch bei fallender Laktationskurve
im intensiveren Ernährungsniveau, zu überhöhtem Fettansatz neigende Kühe werden
schneller umgestellt.

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Tabelle 1: Fütterungscontrolling in der Milchviehherde
Kontrollobjekt Kontrollzeitpunkt Kontrollkriterium Maßnahme
Herde täglich Tankmilchmenge, Milchinhalte
(Stichproben)
Rationszusammensetzung,
Futtermenge
Gruppen Futteraufnahme (Futtervorlage,
Futterrest,
Fressverhalten)
Einzeltiere,
(Gruppenmittel)
Wiederkauverhalten,
Kotkonsistenz
monatlich MLP-Daten (Harnstoffbericht),
Körperkondition
(BCS)
Gruppenzuordnung,
Rationszusammensetzung
Futterwechsel,
Stichproben
Harn-pH-Wert (z. T.
erweiterte Analyse)
Stichproben,
Problemabklärung
Stoffwechselanalytik
bis 6. Lakt.tag
(„Repro“)
täglich Körpertemperatur
bis 60. Lakt.tag
(Frischmelker)
zum 60. Lakt.tag,
wöchentlich
Allgemeinzustand (Haarkleid,
Augen, Bewegung),
Futteraufnahme
(Fressverhalten, Hungergrube),
Körperkondition
(BCS)
Rationszusammensetzung,
Umstellung oder Verbleib in
der Gruppe, Maßnahmen und
Behandlungen am Einzeltier
Trockenstehund
Vorbereitungsphase
14-tägig Probleme zur letzten
Kalbung
Futtermittel täglich Trockenmassegehalt
(Grobfutter)
Rationszusammensetzung
Stichproben, Futtermittelwechsel
(insbesondere
Grobfutter)
Futtermittelanalyse
Problemabklärung erweiterte
Futtermittelanalyse
Restriktionen oder Ausschluss
von Fütterung
täglich sensorische Qualität
Kalbeverlauf
Ein zu hoher Anteil Schwer- und Totgeburten mit nachteiligen Folgen auf Tiergesundheit und
Nutzungsdauer von Jungkühen stellte sich als Problem dar. Bei Färsenkalbungen waren 2003 18
% Totgeburten zu verzeichnen ( Kälber: 25 %,  Kälber: 11 %). Eine gezielte Beeinflussung des
Anteils / Kälber durch den Einsatz von gesextem Sperma stellte sich nicht als erfolgversprechender
Ansatz dar (unzureichender Besamungserfolg). Ab 2004 wurde die Totgeburtenrate
bei Färsen auf 5 bis 10 % gesenkt werden (1. Halbjahr 2005: 1 %). Die Basis für ein
problemloses Abkalben soll mit einer bedarfsgerechten Fütterung und Energieversorgung in der
Aufzuchtphase gelegt werden, bei Kühen in der Spätlaktation und Trockenstehphase. Maisbetonte
Rationen sind nicht einzusetzen. Bei dem geringen EKA von 25 Monaten müssen die Jungrinder

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eine ausreichende Körpermasse zur Erstbesamung aufweisen (400 kg). Um negative Vater-Effekte
auf den Geburtsverlauf auszuschließen (Vater Kalb, Vater Färse) ist eine gezielte Bullenauswahl
und Anpaarung notwendig. (Beim Deckbulleneinsatz nicht oder nur mit geringer Sicherheit
möglich.) Zur Kalbung soll eine möglichst intensive Tierbeobachtung und bei Bedarf eine korrekte
Geburtshilfe gewährleistet werden. Wesentlich gesenkt wurde die Totgeburtenrate, als auf das
kurzfristige Separieren der Färsen aus der Gruppenbox (Wartegruppe) in die Einzelkalbebox
unmittelbar zur Kalbung verzichtet wurde. Das Separieren der Mehrkalbskühe in Einzelkalbeboxen
erfolgt weiterhin auch im Rahmen der Maßnahmen zur Para-Tb-Prophylaxe.
Eutergesundheit
Probleme der Eutergesundheit zeigen sich in geringerem Umfang im Mastitisgeschehen (Abgänge
Mastitis 2004: 5 % der Merzungen) und mehrfach im deutlichen Anstieg des Gehaltes an somatischen
Zellen in der Milch. Im untersuchten Keimspektrum dominieren Umweltkeime.
Unterschiedliche Prophylaxemaßnahmen werden durchgeführt und die Ursachen für auftretende
Problemsituationen sind zu beseitigen oder in ihrer Wirkung zu reduzieren.
In der Spätlaktation wird eine bakteriologische Untersuchung und ein Schalmtest sowie
gegebenenfalls eine Behandlung nach ermitteltem Erregerbefund durchgeführt, damit die Tiere mit
gesunden Eutern in die Trockenstehphase kommen. Das Trockenstellen erfolgt unter Verwendung
eines antibiotischen Präparates. Die Trockensteher werden wöchentlich mit einem Mittel gedippt,
das einen länger wirkenden Zitzenverschluss herstellt. Dabei erfolgt die Kontrolle des Euters. Nach
der Kalbung wird erneut eine bakteriologische Untersuchung der Milch durchgeführt, um
gegebenenfalls Hinweise auf erforderliche Maßnahmen zu erhalten. Die Kühe werden sachgerecht
gemolken. Dabei erfolgt eine Kombination maschineller und manueller Stimulation. Es kommen
Mehrwegtücher zur Euterreinigung zum Einsatz, die nach einmaliger Benutzung zwischen den
Melkzeiten mit desinfizierendem Waschmittel gereinigt werden.
Das schnelle Abliegen der Kühe in die Liegeboxen nach dem Melken wird durch die TMRVorratsfütterung
gefördert und stellt sich als Problem dar. Die Gefahr des Keimeintritts erhöht sich.
Verlängerte Strichöffnungszeiten bei dreimaligem Melken tragen zusätzlich dazu bei. Die höhere
Melkfrequenz führt zu einer intensiveren Beanspruchung der Zitzen. Als Reaktion darauf wurden
die Melkzeuge mit Silikon-Zitzengummis ausgestattet, was zur Beseitigung des Auftretens von
Hyperkeratosen im Bestand führte. Zur Reduzierung des Keimeintritts erfolgt die Auswahl und der
Einsatz des Dippmittels gezielt nach dem ermittelten Erregerspektrums (Umweltkeime 
organische Säuren) und nach der Qualität des Zitzenverschlusses. Wichtig ist eine ausreichende
Stallhygiene (Einstreu, Boxenpflege). Zum Teil wurde die Überbelegung des Stalls akzeptiert, um
die Milchablieferung zu erhöhen. Der daraus resultierende Stress führte zum Anstieg der Zellzahl
der Milch.

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Klauengesundheit
Die Probleme der Klauengesundheit werden im Auftreten von Klauenrehe als Folge von
Stoffwechselstress und intensiver Fütterung offensichtlich (30 – 40 % der Kühe bis 200. LT mit
Bluteinschlüssen im Klauenhorn). Zeitversetzt nach Hitzeperioden ist dies verstärkt festzustellen.
Das Stehen und Laufen der Tiere auf harten Böden bei ganzjähriger Stallhaltung führt zum
Auftreten von Stallrehe. Die Ursache dafür und für zu dünne Sohlen liegt insbesondere im hohen
Abrieb der Klaue (Tragerand) auf den sehr rauen Gussasphaltböden. Als Sekundärerkrankungen
sind eitrig hohle Wände, doppelte Sohlen und Sohlengeschwüre zu verzeichnen.
Dem hohen Klauenabrieb muss mit einer sehr intensiven Klauenpflege (insbesondere Ausschneiden
der Hohlkehle) begegnet werden (Trockenstellen, 30., 100., 180., 250. Laktationstag).
Damit wird eine hohe Kontrollfrequenz gesichert und bei Bedarf rechtzeitige Behandlungen durchgeführt.
Die Voraussetzungen für die Verbesserung und Sicherung der Klauengesundheit sind mit
bedarfs- und wiederkäuergerechter Fütterung zu schaffen. Guter Kuhkomfort führt zu ausreichender
Liegezeit und somit zur Entlastung der Gliedmaßen. Die Phasen der Überbelegung des Stalles
(s.o.) führten vermehrt zu Schädigungen von Klauen und Gelenken und sind zu vermeiden.
Besondere Bedeutung ist der Sicherung der Stallhygiene, insbesondere der Sauberkeit der
Laufgänge beizumessen (Beräumung mit Klappschieber aller 1,5 h). Ein erhöhter Fressstand
sichert, dass es durch die Klappschieberentmistung nicht zur verstärkten Verschmutzung der
Klauen während der Fresszeit kommt. Positive Effekte auf die Klauengesundheit wurden durch die
Teilausstattung mit Gummimatten im Laufbereich erreicht (Minderung Abrieb und Druck).
Fazit
Um die Reproduktionsrate zu senken sowie die Tiergesundheit und die Fruchtbarkeit zu
verbessern werden in der Hochleistungsherde der LLG Sachsen-Anhalt vielfältige Maßnahmen
durchgeführt. Der dafür notwendige Aufwand im Herdenmanagement rechtfertigt sich mit einer
Stabilisierung der Milchleistung auf hohem Niveau, verringerten Merzungsraten sowie
zunehmendem Zucht- und Nutztierverkauf. Bei erhöhtem Arbeitszeitaufwand für Kontrollen und
Prophylaxe wurde die Produktivität der Milchproduktion gesteigert. Noch vorhandene Reserven
sind zu erschließen.

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Erstelleradmin
Erstellt am 27.07.2009 10:36
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Zuletzt geändert 27.07.2009 10:37
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AutorThomas Engelhard, Hilmar Zarwel
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