Start Download Verzeichnis Paratuberkulose des Rindes und mögliche Bekämpfungsmaßnahmen aus der Erfahrung des Thüringer Tierges
Details für Paratuberkulose des Rindes und mögliche Bekämpfungsmaßnahmen aus der Erfahrung des Thüringer Tierges
ObjektWert
NameParatuberkulose des Rindes und mögliche Bekämpfungsmaßnahmen aus der Erfahrung des Thüringer Tierges
Beschreibung


25

48
Workshop: Paratuberkulose des Rindes und mögliche Bekämpfungsmaßnahmen aus der
Erfahrung des Thüringer Tiergesundheitsdienstes
Dr. Steffen Horner
Thüringer Tierseuchenkasse - Tiergesundheitsdienst
In Deutschland besitzt die Paratuberkulose vor allem beim Rind eine zunehmende wirtschaftliche
Bedeutung. Sie kommt regional unterschiedlich vor und ist besonders in der konzentrierten
Rinderhaltung für nicht unerhebliche direkte und indirekte Verluste verantwortlich.
Direkte Tierverluste, verkürzte Nutzungsdauer, Milchminderleistung und verringertes Schlachtgewicht
führten zu erheblichen wirtschaftlichen Schäden in den betroffenen Betrieben.
Im Jahr 2000 begann in den ersten Betrieben in Thüringen die systematische Untersuchung auf
Map Antikörper und die Entwicklung von Sanierungsmaßnahmen gegen Paratuberkulose durch
den TGD Thüringen. Anfang 2003 wurde das Landesprogramm zur Bekämpfung der Paratuberkulose
in den Rinderbeständen Thüringens vorgestellt.
Derzeit befinden sich 122 Thüringer Betriebe mit einem Tierbestand von ca. 96.000 Tieren (davon
ca. 46.000 Milchkühe) im freiwilligen Bekämpfungsverfahren. Für die ersten vier Betriebe werden
wir Ende diesen Jahres bei den entsprechenden Veterinärämtern die Anerkennung als
Paratuberkulose unverdächtig empfehlen.
Die Strategie der Bekämpfung besteht in der Verhinderung der Infektion von Jungtieren
(Hygienemanagement) und der Identifizierung (AG und AK Tests) und Entfernung von infizierten
Tieren aus dem Bestand.
Betriebsindividuelle Hygienemaßnahmen stehen in Verbindung mit einem entsprechenden
Herdenmanagement zur Unterbrechung der Infektionskette in den am Landesprogramm
teilnehmenden Beständen im Mittelpunkt der betrieblichen Bekämpfungsmaßnahmen.
Dazu gehören insbesondere :
• Kälber sind sofort nach der Geburt von den Muttertieren zu trennen und in eine hygienisch
unbedenkliche, gereinigte und desinfizierte Umgebung zu bringen.
• Kolostrum von nachweislich mit MAP infizierten und serologisch positiven (verdächtigen)
Kühen darf nicht an Kälber verabreicht werden.
• Kälber und Jungtiere sind räumlich getrennt von der übrigen Herde zu halten und dürfen
keinen Kontakt mit dem Kot älterer Tiere haben.

49
• Mischmilch ist nur nach ausreichender Erhitzung (z.B. 75°C über 30 Minuten im
Batchverfahren) zu vertränken, vorzugsweise sollten Milchaustauscher eingesetzt werden.
• Im Kälber- und Jungrinderbereich dürfen nur separate Geräte, Arbeitsmaterial, Arbeitsbekleidung
und Schuhwerk benutzt werden (kuhsaubere Arbeitsmittel und Kleidung).
• Weide und Futtermittelmanagement (Gülle- und Mistverwendung)
Die praktischen Erfahrungen des TGD aus nunmehr fast fünf Jahren Paratuberkulosesanierung in
Thüringen haben aus der beschriebenen Theorie heraus einige interessante Erkenntnisse zum
Gelingen bzw. Scheitern solcher Sanierungsbemühungen hervorgebracht.
In Thüringen konnten wir drei Kategorien von Sanierungsbetrieben erkennen, Betriebe mit
klinischen Problemen durch Paratuberkulose, Betriebe ohne Probleme mit Paratuberkulose und
Mitläuferbetriebe. Kennzeichnend für die Mitläuferbetriebe ist die unregelmäßige Beprobung und /
oder die unvollständige Durchführung der festgelegten betrieblichen Maßnahmen. Beides führt zu
unbefriedigenden Sanierungsergebnissen bei hohen Kosten.
Es ist deshalb vor und während der Teilnahme des jeweiligen Landwirtes / Betriebes am
Sanierungsprogramm notwendig, eine ausführliche Beratung zur Durchführung der Sanierungsmaßnahmen
durchzuführen. Dazu gehört auch eine regelmäßige Überprüfung und Anpassung der
betrieblichen Hygienemaßnahmen vor Ort.
Hauptgrund für den entsprechenden Misserfolg bei regelmäßigen Untersuchungen ist unter
Thüringer Haltungsbedingungen die fehlende oder ungenügende Unterbrechung der Erregerübertragung
von ausscheidenden Kühen auf Saugkälber. Hauptübertragungsmedium sind Kolostrum
und Tränkmilch als primär erregerhaltiges Medium bzw. sekundär über Kotpartikel kontaminiert
sowie verunreinigte Abkalbeboxen.
Unsere Empfehlung ist hier, möglichst ab 2. Lebenstag hochwertigen Milchaustauscher zu
verwenden und (wahrscheinlich MAP negatives) Kolostrum nur von mehrmals Antikörper
negativen Kühen sauber zu gewinnen und zu nutzen. Abkalbeboxen sollten nur als Einzelboxen
genutzt und vor jeder Belegung gereinigt werden.
Als besonders problematisch erweist sich nach unseren Erfahrungen die Aussagefähigkeit
verfügbarer Diagnostika und damit das Kolostrummanagement. Denn bei den derzeit verfügbaren
Diagnostika ist eine hundertprozentig sichere Identifizierung von nicht Erreger ausscheidenden
Tieren und damit die Gewinnung von sicher erregerfreiem Kolostrum nicht möglich.
Es wurden daher verschiedene Möglichkeiten der Dekontamination von Kolostrum unter Erhaltung
funktionsfähiger Immunglobuline geprüft. Technisch durchführbar ist nach unserer Meinung nur die
Behandlung mit Gammastrahlen.
Die praktische Umsetzbarkeit für betriebseigenes Kolostrum ist derzeit in Deutschland fraglich.

50
Nach unserer Ansicht bietet derzeit nur die betriebsindividuelle Kombination von Antikörper- und
Antigendiagnostik die Möglichkeit, die Bekämpfung der Paratuberkulose diagnostisch zu begleiten.
Dabei ist der Anteil der Diagnostik am Erfolg der Gesamtmaßnahme Paratuberkulosebekämpfung
aber nur mit maximal 33 % anzusetzen. Den weitaus größeren Anteil am Sanierungserfolg haben
die begleitenden Hygiene- und Managementmaßnahmen im Sanierungsbetrieb. Es ist allerdings
auch festzustellen, dass auch in Zukunft bei besseren Diagnostika nur ein Zusammenspiel von
Diagnostik und betrieblichen Hygienemaßnahmen zum Sanierungserfolg führen, Hygiene oder
Diagnostik allein reichen nicht aus.
Auf Grund der gesammelten Erfahrungen wird ab diesem Jahr für jeden am Sanierungsverfahren
teilnehmenden Betrieb ein individuelles, den betrieblichen Gegebenheiten und den Ergebnissen
bereits vorliegender Untersuchungen angepasstes Untersuchungs- und Hygienekonzept durch den
Tiergesundheitsdienst erstellt und in der Folgezeit jährlich angepasst.
Zusammenfassend können wir sagen, dass es mit dem von uns durchgeführten Programm
möglich ist, zumindest eine starke Erregerverdünnung zu erzielen und die Neuinfektionsrate stark
zu verringern. Für weitergehende Aussagen muss der Fortgang der Sanierungsbemühungen in
den Betrieben mindestens für 7 (bisher 4) Jahre weiterverfolgt werden. Denn frühestens 7 Jahre
nach Sanierungsbeginn besteht der durchschnittliche Thüringer Bestand nur noch aus nach
Sanierungsbeginn geborenen Tieren im Alter von 3 - 5 Jahren (bester Zeitraum für Antigen- /
Antikörpernachweis) und es ist eine sicherere Aussage über den Paratuberkulosestatus dieser
Tiere möglich.

Dateigröße119.02 kB
Dateityppdf (Dateityp: application/pdf)
Erstelleradmin
Erstellt am 27.07.2009 10:39
Zugriffe316 Zugriffe
Zuletzt geändert 27.07.2009 10:40
Homepage
AutorDr. Steffen Horner
Download Anzeigen


Zurück