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ObjektWert
NameQualitätssicherung in der Milcherzeugung durch Zertifizierung
Beschreibung


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Qualitätssicherung in der Milcherzeugung durch Zertifizierung
Dr. L. Döring & J. Schuster
LKV Sachsen-Anhalt e.V. (Halle/S.)
Die Qualitätseigenschaften von Lebensmitteln und ihren landwirtschaftlichen Rohstoffen ist in den
zurückliegenden Jahren mehr und mehr in das Zentrum des öffentlichen Interesses getreten.
Waren es über die zurückliegenden Jahrzehnte fast ausschließlich technologisch beeinflussbare
Qualitätsfaktoren, wie zum Beispiel Farbe, Aroma, Konsistenz oder Kaugeräusch, die im Mittelpunkt
der Qualitätspolitik in der Lebensmittelindustrie standen, gilt heute die eindeutig nachweisbare
Produktsicherheit als Basis-Qualitätskriterium über die gesamte Herstellungskette als das
entscheidende Qualitätsmerkmal für die Lebensmittelwirtschaft. Die Lebensmittelproduktion vollzieht
damit einen Entwicklungsschritt nach, der in anderen Bereichen, insbesondere in der
Produktion von Konsumgütern, bereits seit langem professioneller Standard ist.
Auch das Interesse der Politik gilt verstärkt der Gewährleistung eines umfassenden Verbraucherschutzes.
Die personelle Besetzung des Bundesministeriums für Verbraucherschutz, seiner
namentlichen Umbenennung sowie die grundlegenden massiven Veränderungen in diesem
Politikbereich, mit Neustrukturierung der bestehenden und Aufbau zusätzlicher behördlicher
Organisationen auf bundesdeutscher und europäischer Ebene verdeutlichen die zukünftige Entwicklung
auf dem Gebiet der Lebensmittelsicherheit. Die hier eingeleiteten Maßnahmen zeigen
aber auch, dass die bislang angewandten Sicherungskonzepte, zumindest hinsichtlich ihrer
politischen Bewertung, nicht zum Erreichen des angestrebten Zieles beigetragen haben.
Die Maßgaben für die landwirtschaftliche Prämienzahlungen in der EU verlagern ihren Schwerpunkt
ebenfalls zunehmend auf die Produktion qualitätsgesicherter Lebensmittel. Die Inanspruchnahme
anerkannter Qualitätsberatungen und Teilnahme an qualifizierten Maßnahmen für eine
nachhaltige Qualitätssicherung in der landwirtschaftlichen Produktion wird bereits heute durch
finanzielle Beihilfen gefördert. In wenigen Jahren werden die Auszahlungen der Prämien und Beihilfen
in allen landwirtschaftlichen Bereichen von der Teilnahme an diesen Maßnahmen abhängig
sein.
Die Ursachen für diese Entwicklung sind sehr vielschichtig. Die BSE-Krise mit ihren für uns immer
noch unbekannten Auslöser(n) machte in der Mitte der 90er Jahre am meisten deutlich, wie ohnmächtig
die gesamte Herstellungskette im Bereich der Nutztierhaltung, hier der Fleischproduktion,
auf das Eintreten eines sicherheitskritischen Ereignisses reagierte und mit wie wenig effizient
Qualitätssicherung in der gesamten Kette dieser Lebensmittelproduktion, insbesondere im landwirtschaftlichen
Bereich, betrieben wurde.

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Diese offensichtliche Ohnmacht aller Beteiligten und fehlende Argumente, die die Bemühungen für
eine qualitätsgesicherte Produktion insbesondere in der Landwirtschaft herausstellen, machte eine
beispiellose Zerstörungsleistung der Medien in einem ganzen Produktionszweig möglich - ob
politisch gewollt oder nicht. Es hat sehr lange Zeit gebraucht, bis sich die Märkte beruhigt und Verbraucher
wieder vertrauen zum Rindfleisch gefunden haben. Dies ist kein Einzelfall! Zahlreiche
Lebensmittelskandale haben seitdem auch in der jüngsten Vergangenheit für die Aufmerksamkeit
in den Medien gesorgt und zumindest zeitweilig die Absatzzahlen der einbezogenen Produkte
sinken lassen. Einige der von den Skandalen betroffenen Artikel sind heute ganz aus den Regalen
verschwunden. Es grenzt an ein Wunder, das die Milchwirtschaft bislang von derartigen Skandalen
verschont geblieben ist.
Ebenso wie die Medien schauen auch die nationalen und internationalen Märkte deshalb verstärkt
auf die deutsche Lebensmittelproduktion, deren vermeintlich guter Ruf mit traditionell sehr hoher
Standardqualität im Bereich Sauberkeit und Hygiene sowie technologisch wertschöpfender Rohstoffveredlung
schon lange nicht mehr zur Marktsicherung ausreichen. Diesen Produktionsstandard
haben viele Länder mittlerweile, auch Dank deutscher Technologie, erreicht. Auch die
EU-Beitrittsgebiete werden im lebensmitteltechnologischen Bereich schnell den Anschluß an das
Weltniveau finden und damit zunehmend um die internationalen Märkte konkurrieren.
Wirksame Qualitätssicherungssysteme, auch in der landwirtschaftlichen Produktion, sind weltweit
angewandte Praxis. Dies trifft vor allem auf die Exportgebiete der deutschen Milchwirtschaft zu.
Jedoch scheint gerade bei sinkender Interventionsrate durch die modifizierte EU-Agrarpolitik und
abfallender Binnennachfrage bei Trinkmilch und Milchprodukten in der Sicherung und dem Ausbau
dieser Exportmärkte die Zukunft der deutschen Milchwirtschaft und damit auch die Zukunft der
deutschen Milcherzeuger zu liegen.

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Abbildung 1: Übersicht von Qualitätssicherungsmaßnahmen, wie sie in der Rohmilcherzeugung
sowie der milchwirtschaftlichen Verarbeitung und Vermarktung angewandt werden
Daraus abgeleitet ist es eine der gegenwärtigen Hauptaufgaben der deutschen Milchwirtschaft, die
eigene Standardqualität zu sichern und kurzfristig Qualitätssicherungsmaßnahmen zur Gewährleistung
einer höchstmöglichen Rohstoffqualität und -Sicherheit in die eigenen Qualitätssicherungsmaßnahmen
einzubinden. Und dies mit einer Konsequenz, die nicht nur die Rohmilcherzeuger
betrifft, sondern vielmehr auch die vorgelagerte Futtermittelindustrie und weitere
Produktionsebenen.
Die Bemühungen der Milchwirtschaft, ein deutschlandweit einheitliches und auf die milchwirtschaftlichen
Interessen abgestimmtes Qualitätssicherungssystem für die Rohmilcherzeugung aufzubauen,
treffen auf einen Bereich, der gerade in den zurückliegenden Monaten sehr stark in Bewegung
gekommen ist. Die Landwirtschaftsbetriebe selbst sind durch erfolgreich umgesetzte
regionale Programme zur Qualitätssicherung in der Rohmilcherzeugung bereits für dieses Thema
sensibilisiert und stehen dem Vorhaben der Milchwirtschaft sehr aufgeschlossen gegenüber (siehe
auch Tabelle 1). Viele Betriebe, vor allem in den neuen Bundesländern, haben sich bereits erfolgreich
einem Zertifizierungsaudit nach einem der angewandten Qualitätsmanagementsysteme ge4.
Jahrestagung – Bad Sassendorf, 10./11.09. 2003
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stellt. In den alten Bundesländern werden vergleichbare Projekte durchgeführt, jedoch muss hier
auf die besondere Produktionsstruktur geachtet werden.
Tabelle 1: Beispiele für Qualitätssicherungsmaßnahmen mit Prüfung bzw. Zertifizierungsaudit in
der Rohmilcherzeugung
Programm Anwendung
ISO 9001 Gruppenzertifizierung von Erzeugergemeinschaften für die
Rohmilchproduktion vor allem in den Bundesländern
Sachsen und Brandenburg mit Einbeziehung der Teilnehmerbetriebe
in den benachbarten Bundesländern
BQM-Programm Aufbau von bet r iebsspezif ischen Qualitätsmanagementsystemen
in den Landwirtschaftsbetrieben mit
anschließender neutraler Auditierung und ggf. Zertifizierung,
das BQM-Programm kommt hauptsächlich im Bundesland
Sachsen-Anhalt sowie in Betrieben der benachbarten Bundesländer
zum Einsatz
BQP-Prüfung neutraler Auditierung und ggf. Zertifizierung von einzelbetrieblichen
Qualitätssicherungssystemen vor allem im Bundesland
Mecklenburg-Vorpommern
„proagro" Prüfzeichen für
die Milchproduktion
Einbeziehung der Rohmilchproduktion in das brandenburgische
„proagro"-Prüfzeichen, dieses System orientiert
sich inhaltlich am BQM-Programm bzw. an der BQP-Prüfung
„Offene Stalltür" stark verbreitetes Qualitätssicherungsprogramm für die Rohmilcherzeugung
im Bundesland Bayern
Die mit diesen Systemen gesammelten Erfahrungen machen deutlich, daß eine ausschließliche
Prüfung der Rohmilchproduktion anhand mehr oder weniger strenger Kriterienkataloge und anschließende
Zertifizierung keinen zusätzlichen und nachhaltigeren Qualitätsgewinn mehr bringt, da
die in der BRD produzierte Rohmilch ohnehin zu den am stärksten überwachten und sichersten
Lebensmitteln zählt. Reine Kontroll- und Zertifizierungssysteme, wie zum Beispiel das QSPrüfzeichen
oder QM-Milch, erhöhen im Gegensatz zu den in Tabelle 1 genannten Qualitätssicherungsmaßnahmen
die finanziellen Kosten auf der Erzeugerseite, ohne jedoch den erwünschten
Effekt von mehr Sicherheit und Qualität im Interesse des Verbraucherschutzes zu erfüllen.

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Abbildung 2: Zunahme der Kriterienschärfe und Beteiligung von Managementtool in den unterschiedlichen
Ebenen der Qualitätsmanagementsysteme
Vielmehr ist es wichtig, die Landwirtschaftsbetriebe in ein dauerhaftes Qualitäts-Management-
Beratungskonzept einzubinden. Nur durch diese „begleitende Qualitätsberatung" ist es möglich,
einen steten Qualitäts- und Sicherheitsgewinn in der Rohmilchproduktion zu erzielen. Und zwar
auch in den Bereichen, die durch die bereits bestehenden Kontrollmaßnahmen noch nicht oder in
nicht ausreichendem Maße berücksichtigt werden.
Ganzheitliche Beratungskonzepte im Bereich des landwirtschaftlichen Qualitätsmanagements
müssen folgende Kriterien zwingend erfüllen:
 sie müssen auf die unterschiedlichen Rahmenbedingungen in der landwirtschaftlichen
Produktion eingehen,
 die wirtschaftlichen Abhängigkeitsbereiche sollen, soweit kein Einfluss auf die Produktsicherheit
besteht, unangetastet bleiben,
 für die Landwirtschaft haben die eigenen Interessen Vorrang - d.h. Zufriedenstellen der
Rohstoffabnehmer (Kunden) - geforderte Qualitäten müssen diktiert werden,

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 die Markenpolitik der Marktbeteiligten muss unangetastet bleiben,
 Konzentration auf ein gesamtdeutsches Basis-Qualitätszeichen - QS und QM müssen in
einem System zusammengefasst werden,
 Produktströme sind zwingend zu entzerren,
 die Kontrollmechanismen müssen dem Ziel und der Ebene des Systems entsprechen,
 vorhandene Kontrollnetzwerke, sollten das Fundament des System- Monitorings bilden,
 für eine breite Akzeptanz des Systems müssen die Preise niedrig gehalten werden und
sonstige Diskriminierungen entfallen,
 Kostentreiber, wie unnötige Zusatzdatenbanken müssen entfallen – eine funktionierende
Zentraldatenbank reicht für das ganze System,
 die EU-Anerkennung für das System muss gewährleistet sein.
Neutrale Kontrollen mit möglicher Zertifizierung müssen auch in den ganzheitlichen Beratungskonzepten
erfolgen, soll eine breite Akzeptanz für diese Systeme gewährleistet sein. Jedoch ist es
viel wichtiger, den Landwirtschaftsbetrieben geeignete Managementtools in die Hand zu geben,
mit deren Hilfe sie selbstständig und dauerhaft ein eigenes Qualitätsmanagement betreiben bzw.
zwischen den einzelnen Betreuungsabschnitten aufrechterhalten können.

Dateigröße305.29 kB
Dateityppdf (Dateityp: application/pdf)
Erstelleradmin
Erstellt am 03.08.2009 09:45
Zugriffe412 Zugriffe
Zuletzt geändert 03.08.2009 09:46
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AutorDr. L. Döring & J. Schuster
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