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NameEutergesundheitsmonitoring – Eutergesundheit „Datenerhebung“
Beschreibung


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Eutergesundheitsmonitoring
– Eutergesundheit „Datenerhebung“
Prof. Dr. Klaus Fehlings
Einleitung
Nachhaltigkeit ist ein die Zukunftssicherung der Gesundheit beherrschendes Prinzip, das an
sämtliche Lebensbereiche große Anforderungen stellt. Für die Produktion von Nahrungsmitteln
und die Sicherung der Gesundheit und des Wohlbefindens landwirtschaftlicher Nutztiere, des
Verbraucher- und Tierschutzes ergibt sich daraus eine besondere Herausforderung, da einerseits
eine höhere Produktivität erforderlich ist, um die Bevölkerung ausreichend zu ernähren, andererseits
dem Prinzip der Nachhaltigkeit entsprochen werden muss.
Die Erzeugung qualitativ hochwertiger und gesundheitlich unbedenklicher Lebensmittel ist ein
gesellschaftspolitisches Anliegen. Der Begriff Qualität ist allgemein definiert als die Summe aller
Eigenschaften eines Objektes in Bezug auf seine Eignung für bestimmte Zwecke. Qualität
bezogen auf bestimmte Bereiche, definiert sich immer zweckorientiert. Auf das Lebensmittel Milch
übertragen bedeutet dies, Rohmilch muss frei von pathogenen Mikroorganismen, mikrobiellen
Toxinen und Rückständen (z.B. Arzneimittel, chemische Wirkstoffe, Rückstände aus der Umwelt,
Schwermetalle oder radioaktive Zerfallsprodukte) sein. Rohmilch muss einen niedrigen Keimgehalt,
einen hohen Nährwert, eine gute Haltbarkeit, gute sensorische Eigenschaften, einen
niedrigen Gehalt an Verderbniserregern und eine niedrige Herdensammelmilchzellzahl haben.
Eutergesundheitsmonitoring
Eutergesundheit ist kein statischer oder stabiler Prozess, Mastitiserreger können jederzeit sowohl
aus der Umwelt in der Zwischenmelkzeit als auch während des Melkaktes von Kuh zu Kuh übertragen
werden. Eine keimfreie und damit Mastitiserreger freie Umwelt ist nicht realisierbar. „Euter-„
oder „umwelt-assoziierte“ Mastitiserreger können akute klinische oder aber auch verdeckte subklinische
Mastitiden ausbrechen lassen. Beide Mastitisformen bewirken massive wirtschaftliche
Schäden. Die subklinische Mastitis des Rindes, die für etwa 90% aller nachweisbaren Fälle steht,
ist eine Faktorenerkrankung, die ein schweres Herdenproblem verursacht. Faktoren, die zu Mastitiden
führen, können von Außen (z.B. Fehler oder Mängel im Melk- und Hygienemanagement) oder
Innen (z.B. Allgemeinerkrankungen) auf die Tiere einwirken. Stress durch den fehlerhaften
Umgang mit den Tieren, aber auch Mängel im täglichen Melkablauf oder der Melkroutine,
entwickeln, beeinflussen oder beschleunigen ein Krankheitsgeschehen.

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Der Einblick in relevante Bereiche eines Bestandes und der im Bestand durchgeführten Maßnahmen
zum Erreichen des Ziels, der sicheren Nahrungsmittelproduktion und dem Erhalt als auch der
Stabilisierung der Tiergesundheit, setzt genaues Beobachten, strikte Analysen und eine entsprechend
fundierte Dokumentation voraus. Eine Tier- und Melkanlagenanalyse mit Untersuchungen
und Erhebungen zu Melkverfahren, zur Melkhygiene und Melktechnik trägt dazu bei, das Wohlbefinden
der Milchkühe zu sichern und zeigt innerbetriebliche Verbesserungsmöglichkeiten in den
Produktionsbedingungen und im Produktionsablauf auf.
Um eine Kenntnis über den aktuellen zytologisch-mikrobiologischen Status auf der Viertelebene im
Milcherzeugerbestand zu erhalten, ist die korrekte Entnahme einer Milchprobe sowie die sichere
Beurteilung des Milchsekretes und des Schalm-Mastitis-Tests (SMT) unerlässlich. Der SMT wurde
vor fast 50 Jahren als Stalltest für den Nachweis subklinischer Euterentzündungen entwickelt. Der
diagnostische Wert des Tests zur indirekten Zellzählung ist nach wie vor unbestritten. Unter guten
Bedingungen können vom geübten Untersucher abhängig von der Höhe des Zellgehaltes
(> 100.000 Zellen/ml Milch) Ø 95% der subklinisch entzündeten Euterviertel erkannt werden. Dies
unterstreicht, dass der SMT ein geeignetes Verfahren für die Mastitisfrüherkennung auf der Ebene
eines Euterviertels ist (Redetzky et al., 2004).
Milchproben können auf der Euterviertelebene als Fraktionsproben (Viertelanfangsgemelke,
Viertelendgemelke) oder als Viertelgesamtgemelke verwendet werden. Für mikrobiologische
Untersuchungen im Rahmen der Mastitisdiagnostik sind grundsätzlich Proben als Viertelanfangsgemelke
zu entnehmen, die Einhaltung antiseptischer Bedingungen ist unerlässlich. Darüber
hinaus ist eine standardisierte Handhabung und Lagerung der Proben sicherzustellen. Die
Probenahmegefäße müssen steril und mit dicht schließenden Verschlüssen versehen sein. Die
Reinigungstupfer sollten mit 70 %-igem Alkohol (vorzugsweise Ethylalkohol) getränkt werden. Ein
Konservierungsmittel kann bei Bedarf oder der Witterung entsprechend zugesetzt werden. Die
klinische Untersuchung des Euters sollte unmittelbar nach dem Ausmelken erfolgen. Klinische
Befunde sowie die Gewebebeschaffenheit von Zitze und Zitzenkuppe sollten auf dem Untersuchungsantrag
protokolliert werden (DVG, 2000).
Die Untersuchungen tragen wesentlich dazu bei, Kenntnis über Bestandssituationen, das Erregervorkommen
aber auch die Resistenzlage in Milcherzeugerbeständen zu erhalten. Eine Auswertung
in Bayern über sieben Jahre hinweg aus annähernd 871.300 zytologisch-mikrobiologisch untersuchten
Milchproben zeigte auf, dass etwa 33% der beprobten Euterviertel aufgrund eines erhöhten
Zellgehaltes im SMT positiv reagierten, während nur rund 25% dieser Viertel mikrobiologisch
besiedelt waren. Mögliche Gründe für einen negativen mikrobiologischen Befund können darin

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bestehen, dass der Erreger zum Zeitpunkt der Untersuchung nicht oder in einer routinemäßig nicht
erfassbaren Menge ausgeschieden wird, der Erreger vorhanden, aber durch spezifische Abwehrvorgänge
im Euter nicht nachweisbar ist, der Erreger aufgrund einer Vorbehandlung nicht nachweisbar
ist, bei einer Routinebehandlung nicht erfasst wird oder dass die Ursache des abnormen
Zellgehaltes nicht durch Mikroorganismen bedingt ist.
Bei positiven Erregernachweisen dominieren in Bayern nach wie vor euterspezifische Mastitiserreger
(„kuh-assoziiert“ mit 35,5% Gesamtanteil) wie Staphylococcus aureus (21,9%), Streptococcus
agalactiae (der Erreger des „Gelben Galts“) mit 3,3% oder äskulin-negative Streptokokken
(10,2%) das Geschehen, während Umwelterreger („umwelt-assoziiert“ mit 27,0% Gesamtanteil)
wie z.B. äskulin-positive Streptokokken (24,6%) oder Escherichia coli (1,9%) aufgrund der vorherrschenden
Betriebsstruktur und Betriebsgröße noch nicht so stark Fuß fassen konnten wie in
den Laufställen der Großbeständen im Norden und Osten Deutschlands (Abbildung 5). Koagulasenegative
Staphylokokken (KNS) nehmen mit 33,3% der Erregernachweise eine Zwischenstellung
ein. Sie werden aufgrund der Nachweishäufigkeit bei subklinischen Mastitiden mittlerweile fallweise
vom EGD in Bayern aber auch anderen Untersuchern (gehäufter Nachweis bei Färsenmastitiden)
den „kuh-assoziierten“ Mastitiserregern zugeordnet. Fast 99.780 Untersuchungen zur
Penicillinempfindlichkeit von Staphylokokken als Gradmesser für einen gezielten verantwortungsvollen
Umgang mit Arzneimitteln zur Mastitisbehandlung zeigten mit einer durchschnittlichen
Empfindlichkeit von ca. 71% über die Jahre hinweg eine deutliche Konstanz und unterstreichen die
Bedeutung der Erstanwendung so genannter „Altmedikamente“ bei Kenntnis der Resistenzlage
(Fehlings, 2007).
Die subklinische Mastitis des Rindes, die massive Herdenprobleme verursacht, ist nicht isoliert als
zytologisch-mikrobiologisches Problem zu verstehen. Die Analyse dieser Faktorenerkrankung und
die innerbetriebliche Umsetzung von Beratungsempfehlungen zur Verbesserung des Hygienemanagements
hat zum Beispiel bei einer Auswertung von wiederholten Betriebsbesuchen
aufgezeigt, dass aufgrund einer gezielten Beratung beim Erstbesuch bei einer Nachkontrolle der
Beanstandungsgrund „Hygienemängel“ (u.a. im Vormelken, der Melkreihenfolge, der Zitzenreinigung
und Zitzendesinfektion) um über 23% (von 70,7% auf 47,4%) reduziert werden konnte.
Die Eutergesundheit dieser betreuten Problembestände hat sich gemessen an der Herdensammelmilchzellzahl
als Leitparameter für die Entwicklung der Eutergesundheit im gleichen Zeitraum
(i.d.R. in einem Zeitraum von ca. acht bis 12 Wochen) verbessert (Rückgang von 308.000 auf
235.000 Zellen/ml Milch). Die Analyse hat auch unterstrichen, dass häufigere Besuche die
Nachhaltigkeit dieses Effektes noch verstärken. Neben Hygienemängeln und Fehlern oder
Mängeln an der Melkanlage (27,7%) hatten Managementfehler (1,3%) eine untergeordnete
Bedeutung. Fehler und Mängel bestanden einzeln oder in Kombination untereinander.

21
35,5
21,9
3,3
10,2
27,0
24,6
1,9
0,6
33,3
4,2
0
20
40
Prozent
Auswertung mikrobiologischer Untersuchungen in Bayern, 2000 - 2006 (n = 871.319)
"Kuh-assoziierte" Erreger
S.aureus
S. agalactiae
äsk. Strept. neg.
"Umwelt-assoziierte" Erreger
äsk. Strept. pos.
E. coli
sonst. Enterobacteriaceae
KNS
Sonstige
Abbildung 5: Auswertung mikrobiologischer Untersuchungen in Bayern
Schlussfolgerungen
Bestandsanalysen haben den Bedarf der umfassenden langfristigen Auslegung für ein Eutergesundheitsmonitoring
unterstrichen. Die fachliche Beurteilung bewertet die Kenntnis des
zytologisch-mikrobiologischen Status sowie die korrekte Durchführung eines Euterhygienemanagements
als wesentlichen Bestandteil eines Qualitätsmanagements. Sie hat auch aufgezeigt, dass
beliebige Einzelmaßnahmen keine Gewähr zur Stabilisierung oder Verbesserung der Eutergesundheit
und Milchqualität bieten.
Die zitierte Literatur kann beim Autor angefordert werden.
Anschrift des Autors:
Prof. Dr. Klaus Fehlings
Fachgebiet Eutergesundheitsdienst und Milchhygiene
Tiergesundheitsdienst Bayern e.V., Grub
Senator-Gerauer-Str. 23, D 85586 Poing

Dateigröße162.81 kB
Dateityppdf (Dateityp: application/pdf)
Erstelleradmin
Erstellt am 03.08.2009 10:13
Zugriffe587 Zugriffe
Zuletzt geändert 03.08.2009 10:14
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AutorProf. Dr. Klaus Fehlings
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