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NameKlauen – Nutzen und Risiko von Klauenbädern
Beschreibung


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Klauen – Nutzen und Risiko von Klauenbädern
Dr. Andrea Fiedler
Vier von fünf Lahmheitsursachen sind im Klauenbereich zu finden. Neben den Rusterholzschen
Sohlengeschwüren sowie den zahlreichen Folgen der sog. Klauenrehe sind dies insbesondere die
infektiösen Erkrankungen wie Ballenhornfäule und Klauenfäule (Dermatitis interdigitalis) und die
Mortellarosche Krankheit (Erdbeerkrankheit, Dermatitis digitalis). Diese drei Erkrankungen gehören
zu einem Krankheitskomplex und stellen Indikatoren für die Haltungsumwelt dar. Die Folgen dieser
schmerzhaften Erkrankungen liegen auf der Hand. Die Tiere zeigen eine verminderte Milchleistung,
sie magern ab, u.a. durch verminderte Futteraufnahme. Bei einer Verwertung führt dies zu
einem deutlichen wirtschaftlichen Verlust. Es kommt zu Fruchtbarkeitsproblemen. Zum einen
zeigen die Tiere durch die eingeschränkte Beweglichkeit die Brunst undeutlich, zum anderen bleibt
die Brunst ganz aus. Es kommt zu verlängerten Zwischenkalbezeiten, die Tiere werden entweder
gar nicht oder mehrmals vergeblich besamt, z.T. müssen hormonelle Behandlungen durchgeführt
werden, um den Brunstzeitpunkt bestimmen zu können.
Mortellarosche Krankheit (Erdbeerkrankheit, Dermatitis digitalis)
Diese höchst schmerzhafte Hauterkrankung tritt meist als runde bis ovale, stark gerötete und von
einem Wulst umgebene Läsion auf. Doch auch wuchernde, sog. proliferative, warzenartige
Veränderungen werden in manchen Beständen beobachtet. Die überwiegend an den Hintergliedmaßen
anzutreffende Lokalisation befindet sich meist am Übergang zwischen Kronsaum und Ballen
und in der Fesselbeuge. Die Ausmaße schwanken zwischen Erbsen- und Handflächengröße.
Abbildung 15: Mortellarosche Krankheit

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Es handelt sich um eine Mischinfektion mit verschiedenen, charakteristischen Keimen. Zum
Ausbruch kommt diese ansteckende Krankheit jedoch nur im Zusammenhang mit Stressfaktoren,
die die körpereigene Abwehr senken. Eine zu hohe Feuchtigkeit, sowohl auf der Lauf-/Standfläche
als auch die Luftfeuchtigkeit, führen zu erhöhtem Keimdruck. Weitere Stressfaktoren, die das Tier
„schwächen“, können krankheitsbedingt sein oder vom Herdenmanagement abhängen (z.B. IBR /
BVD-Infektionen; Rangkämpfe; mangelnder „Cow-Comfort“). Betroffen sind dann meist mehrere
Tiere einer Herde, die Läsionen sind groß und äußerst schmerzhaft.
Ballenhornfäule und Klauenfäule (Dermatitis interdigitalis)
Die Ballenhornfäule beeinträchtigt im Gegensatz zur Erdbeerkrankheit das Hornwachstum, führt zu
zerklüfteten, z.T. stark geschwollenen Ballen und riecht charakteristisch faulig. Die Hintergliedmaßen
sind meist stärker betroffen. Diese
durch Bakterien hervorgerufene überschiessende
Hornproduktion am Ballen wird durch
feuchtes, warmes Stallklima begünstigt.
Das harte Sohlenhorn schiebt sich über den
durch die zersetzenden Enzyme der Bakterien
stark veränderten Ballen. Es kommt
zur Taschenbildung, die Keime finden darin
hervorragende Lebensbedingungen.
Die Klauenfäule ist im Zwischenklauenspalt
zu finden. Auch hier spielen die genannten
Bakterien eine zentrale Rolle. Dazu müssen
jedoch auch hier Feuchtigkeit, unsaubere
Bodenverhältnisse und mangelnder „Cow-
Comfort“ die Vorarbeit leisten. Die Haut im
Zwischenklauenbereich weicht auf, Keime
dringen ein, Gewebe beginnt abzusterben.
Tylome sind auf der Oberfläche häufig
betroffen.
Abbildung 16: Klauenfaeule im Zwischenklauenspalt

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Prophylaxe und Therapie
Die Prophylaxe besteht v.a. bei der digitalen Dermatitis in Behebung von Stressfaktoren. Hier ist
insbesondere die Liegeboxenqualität hervorzuheben, da lange Liegezeiten (tägl. insg. 12 oder
mehr Stunden sind optimal) die Klaue entlasten und die Feuchtigkeit – und damit die Keimzahl –
reduzieren. Eine regelmäßige Funktionelle Klauenpflege dient der Überprüfung der Klauengesundheit
und hebt den Ballen aus der Gülle. Hygiene in Form von sauberen, trockenen Lauf-/
Standflächen und ggf. regelmäßiger Desinfektion (halbjährlich Reinigung und Desinfektion des
Stalles) führen zu einer Keimverdünnung. Zur Therapie werden die Einzeltiere - im Rahmen der
regelmäßigen Funktionellen Klauenpflege - nach trockener Reinigung der Läsionen mit
geeignetem Antibiotika-Spray behandelt.
Bei Ballenhornfäule ist Vorbeugung natürlich auch bedeutsam. Sie besteht aus Stallklimaverbesserung
und Hygiene (s.o.). Das überschüssige, stark drückende Horn muß bei der regelmäßigen
FUNKTIONELLEN KLAUENPFLEGE entfernt werden, die Taschen werden abgetragen.
Kann der entzündete Ballen (meist an der Außenklaue) nicht ausreichend entlastet werden, ist ein
Klotz auf der Innenklaue (darf den Ballen nicht reizen) für 2 Wochen sinnvoll. Durch das Austrocknen
wird die Krankheit beherrschbar, halbjährliche Klauenpflege verhindert so eine Beeinträchtigung
der Klauengesundheit.
Auch die Klauenfäule ist stark von mangelhafter Hygiene (Feuchtigkeit und Gülle kombiniert)
abhängig. Liegezeiten müssen beachtet werden, Lauf-/Standflächen-Hygiene ist wichtig. Zur
Behandlung muß bei leichten, oberflächlichen Formen trocken gereinigt werden, ein geeignetes
Antibiotika-Spray kommt zum Einsatz. In schwerwiegenden, tiefgreifenden Prozessen muß vom
Tierarzt zusätzlich chirurgisch abgestorbenes und infiziertes Gewebe entfernt werden, Antibiotika
kommen zum Einsatz.
Klauenbäder
Klauenbäder mit den „traditionellen“ Substanzen Formalin, Kupfer-/ Zinksulfat oder Peressigsäure
sind nach dem Arzneimittelgesetz grundsätzlich nicht möglich. Ausnahmen bestehen bei Therapienotstand.
Dann muss die entsprechende Substanz mit tierärztlichem Rezept in einer öffentlichen
Apotheke bezogen werden und es gelten Wartezeiten von 7 Tagen auf Milch und 28 Tagen auf
Fleisch. Dabei muss beachtet werden, dass es sich um Gefahrenstoffe handelt. Bei der Verwendung
von Formalin-Lösungen kann es zu Vergiftungen kommen. Es wird zur Leichenfixation
verwendet und steht im Verdacht, krebserregend zu sein. Formalin kann Klauenhorn sehr stark
austrocknen. Probleme mit Kupfersulfat ergeben bei Kontakt mit feinpudrigen Metallen und Stahl:
es kann zu gefährlichen Reaktionen mit starker Hitzeentwicklung bis zur Entzündung oder zur
Freisetzung von entzündlichen Gasen und Dämpfen kommen. Die korrodierende Wirkung von
Kupfersulfat wird beim Einsatz in der Nähe von Absperrungen etc. im Stall bald sichtbar. Für die

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Entsorgung von Kupfersulfat und Zinksulfat ist besonders ihre starke Giftigkeit für Wasserorganismen
und schädigende Wirkung in Gewässern von Bedeutung, sie dürfen nicht über die Gülle
entsorgt werden. Der Umgang mit Peressigsäure birgt einige Probleme: Handelsübliche Konzentrate
sind stark ätzend und brandfördernd. Wärme, Schwermetalle, aber auch organische
Substanzen können die Zersetzung fördern. Bereits kleinste Mengen Zigarettenasche, Rost,
Metallspäne, Münzen, ebenso Schmutzlappen, können eine spontane Erhitzung mit anschließender
Selbstzersetzung herbeiführen. Der Industrieverband Hygiene und Oberflächenschutz hat
deshalb eine Broschüre herausgegeben: "Sicherer Umgang mit Peressigsäure".
Die meisten „Fertig-Badlösungen“ enthalten ebenfalls die genannten Substanzen oder bereiten
Probleme bei der Entsorgung. Eine Lösung dieser Probleme wird seit Jahren angestrebt, ist aber
bislang nicht erfolgt (Tierärztekammer, Desinfektionsmittel-Hersteller, Arbeitskreis Klauenpflege
und –hygiene der DLG, etc.).
Anschrift des Autors:
Dr. Andrea Fiedler
Heerstraße 3
81247 München

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Erstelleradmin
Erstellt am 03.08.2009 10:15
Zugriffe916 Zugriffe
Zuletzt geändert 03.08.2009 10:16
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AutorDr. Andrea Fiedler
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