Start Download Verzeichnis Überwachung der Eutergesundheit - Datenverarbeitung
Details für Überwachung der Eutergesundheit - Datenverarbeitung
ObjektWert
NameÜberwachung der Eutergesundheit - Datenverarbeitung
Beschreibung

8. Jahrestagung – Poing (Grub) 17./18.10.2007
22
Überwachung der Eutergesundheit - Datenverarbeitung
Prof. Dr. R. Mansfeld
Trotz der überragenden Bedeutung der Eutergesundheit finden sich auch heute noch viele Micherzeugerbetriebe,
in denen die Dokumentation hinsichtlich des Auftretens von Mastitiden sehr
lückenhaft ist. Außer der regelmäßigen Feststellung der Zellgehalte in den Gesamtgemelken der
Kühe im Rahmen des Probemelkens der Milchleistungsprüfung ist aber auch die Dokumentation
der klinischen Mastitiden von Bedeutung. Diese kann nur im Rahmen der täglichen Arbeit im
Zusammenwirken von Landwirt und bestandsbetreuendem Tierarzt erfolgen. Die festgestellten
Diagnosen, gegebenenfalls auch Befunde, werden in den jeweils zur Verfügung stehenden EDVSystemen
verarbeitet. Für Betriebe ohne EDV hat sich die in Abbildung 6 dargestellte einfache
Dokumentation von Hand bewährt.
 
   


  
  !
"#$
%&'(' %&'('%&')*!!



     

"+
$
,$
,$
,
-!)**


 

 
./*!0
!/

1        21    

2    
    1 
 

111


1 1    
      1
 
3* 
8. Jahrestagung – Poing (Grub) 17./18.10.2007
23
./*!0
!/
 3* 
    11
1
1



     
 1
   
44
44
1
454
Abbildung 6: Einfaches Dokumentationssystem für das Auftreten von Mastitiden
Datenauswertungen können sich auf die gesamte Herde, auf bestimmte Tiergruppen (z.B. aufgegliedert
nach Laktationsnummern oder Laktationsstadien) oder auf Einzeltiere beziehen. Verlaufskontrollen
geben dabei einen guten Überblick über Entwicklungen der Eutergesundheit (z.B. Erfolg
von Sanierungsmaßnahmen, retrospektive Analysen, z.B. um ein bestimmtes Problem zeitlich
einordnen zu können, frühzeitiges Erkennen von Problemen). Die Analysen können retrospektiv
sein oder sich auf die aktuelle Situation beziehen.
Abbildung 2 zeigt beispielhaft eine Auswertung mittels Herden-Computerprogramm. Aus einer
Herdenübersicht erhält man zunächst Informationen über klinische Mastitiden, Mastitishäufigkeiten
bei Einzeltieren und sonstige Veränderungen, z.B. Zitzenverletzungen, Stenosen, in einem vorher
festgesetzten Analysenzeitraum. Die Auswertungen beziehen sich dabei auf eine vorab definierte
Risikogruppe (im Beispiel: laktierende und trockenstehende Kühe). Weiterhin sind der Prozentsatz
der Tiere mit einem Zellgehalt oberhalb eines Schwellenwerts (hier: 250.000/ml) im Gesamtgemelk
und das Ergebnis der letzten Milchkontrolle angegeben. Bei der Herdenzellzahl handelt es sich um
die sog. „theoretische Tankmilchzellzahl“. Diese errechnet sich nach folgender Formel:
SZZ im GGM pro ml x kg Milch
Theor. TZ pro ml = –––––––––––––––––––––––––––––––
Anzahl gemolkener Tiere
dabei bedeuten: TZ = Tankmilchzellzahl,
SZZ = Somatische Zellzahl,
GGM = Gesamtgemelk.
8. Jahrestagung – Poing (Grub) 17./18.10.2007
24
Die theoretische Tankmilchzellzahl ist meist etwas höher als die aktuell gemessene Zellzahl in der
Herdensammelmilch, da alle laktierenden Tiere mit berücksichtigt werden (auch Tiere, die sich in
der Wartezeit befinden, oder Tiere, deren Milch wegen erhöhter Zellzahlen nicht in den Tank
gemolken wird). Aus Abbildung 7 wird deutlich, daß der Prozentsatz von klinischen Mastitiden mit
40% im Beispiel sehr hoch liegt.
Abbildung 7: Retrospektive Analyse der Eutergesundheit im Zeitraum von einem Jahr
Aus der Verlaufskurve der theoretischen Tankmilchzellzahl und dem Prozentsatz der Tiere mit
einem Zellgehalt von über 250.000/ml (Abbildung 8) sowie einer Verteilung der Mastitisfälle nach
der Jahreszeit (Abbildung 9) ist zu ersehen, dass in den Monaten März bis Juni offensichtlich
große Probleme mit der Eutergesundheit aufgetreten sind. Als Ursache wurde eine vorübergehende
Verschlechterung der hygienischen Verhältnisse im Stall (voller Güllekanal mit zeitweisem
Überlaufen der Gülle sowie Überbelegung) festgestellt. Dies führte zu einem massiven Problem
mit klinischen Mastitiden, verursacht durch koliforme Keime und Streptococcus uberis. Die
Situation hat sich in den darauffolgenden Monaten aufgrund der durchgeführten Maßnahmen zwar
gebessert, aber der „Idealzustand“ ist noch nicht erreicht.
8. Jahrestagung – Poing (Grub) 17./18.10.2007
25
Abbildung 8: Zeitlicher Verlauf der theoretische Tankmilchzellzahl und des Prozentsatzes
der Tiere mit einem Zellgehalt im Gesamtgemelk von > 250.000 / ml
Abbildung 9: Verteilung der Mastitisfälle nach Jahreszeiten
Weitere sinnvolle Auswertungen sind z.B. eine Häufigkeitsverteilung der Mastitiden nach Laktationsstadium
oder Laktationsnummer, eine Aufgliederung der Eutererkrankungen sowie eine
Verteilung festgestellter Mastitiserreger. Manche Computerprogramme bieten auch hier einen
direkten Zugriff auf das Einzeltier in Form von Histogrammen mit Einzeltieridentifikation. So können
sofort Informationen über bestimmte Tiere erhalten und weitere Maßnahmen (z.B. Entscheidung
darüber, ob das Tier im Bestand bleiben oder gemerzt werden soll) beschlossen werden.
Andere Auswertungen ermöglichen es, Entwicklungen von Monat zu Monat oder die Situation in
einem bestimmten Monat zu erfassen, was dann bei den regelmäßigen Bestandsbesuchen erörtert
werden und ggf. Maßnahmen nach sich ziehen kann.
8. Jahrestagung – Poing (Grub) 17./18.10.2007
26
Aus einer Darstellung der Zellzahlen von zwei Kontrollmonaten in Form einer Vierfelder-Tafel
(Abbildung 10) lassen sich z.B. ohne lange Sucharbeit die Tiere herausfinden, die zweimal einen
erhöhten Zellgehalt aufgewiesen haben. Weiterhin sind Tiere aufgeführt, bei denen sich die
Zellzahl verschlechtert hat. So ist aus Abbildung 5 zu ersehen, daß 52% der geprüften Tiere in
beiden Kontrollmonaten einen Zellgehalt < 250.000/ml und 16% einen Zellgehalt > 250.000/ml
hatten. Bei 19% der Tiere hat eine Verbesserung und bei 13% eine Verschlechterung der Zellzahlsituation
stattgefunden. Setzt man auf Einzeltierniveau den Übergang der Zellzahl von z.B. unter
250.000 Zellen/ml Gesamtgemelk auf über 250.000/ml als Indikator für eine Neuinfektion fest, so
beträgt die Neuinfektionsrate im Monat November für den Beispielbetrieb 13%. Die für diese
Auswertung verwendete Zellzahlgrenze kann betriebsspezifisch und in Abhängigkeit von der
aktuellen Situation bzgl. der Eutergesundheit festgelegt werden.
Abbildung 10: Vierfeldertafel zur Darstellung der zellzahlentwicklung in zwei Monaten
(Computerausdruck; gerahmte Säulen reichen über die Monitordarstellung hinaus)
Anhand folgender Formel läßt sich der Beitrag eines Tieres am Herdendurchschnitt der Zellzahl
ermitteln:
individuelle Zellzahl x kg Milch x 100
% Beitrag = ––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––
Tierzahl x mittlere Zellzahl x mittlere kg Milch
Diese Auswertung kann von Bedeutung sein, wenn es aus irgend einem Grund zu einem starken
Anstieg der Tankmilchzellzahl gekommen ist und vielleicht sogar die Gefahr von Milchgeldabzügen
wegen Zellzahlüberschreitung besteht. Wird die Milch von Tieren mit einem hohen Beitrag zur
8. Jahrestagung – Poing (Grub) 17./18.10.2007
27
durchschnittlichen Zellzahl nicht mitgemolken, dann kann meist wieder Milch, die den gesetzlich
vorgeschriebenen oder mit der Molkerei vereinbarten Gütemerkmalen entspricht, abgeliefert
werden. Aus Abbildung 11 ist z.B. zu ersehen, daß 23,9% der theoretischen Tankmilchzellzahl von
310.000/ml durch die Kuh „Liguste“ verursacht werden.
Abbildung 11: Ergebnisse einer Milchleistungskontrolle mit Angabe des Beitrags der
Einzelkühe zur theoretischen Tankzellzahl (%TZ) – verkürzte Darstellung.
Es sei allerdings darauf hingewiesen, daß es sich hierbei nur um eine Notfallmaßnahme handelt.
Auf Dauer ist es natürlich nicht wirtschaftlich, die Milch von Tieren mit erhöhten Zellzahlen nicht mit
abzuliefern. Vielmehr sollte mit einem effektiven Mastitissanierungsprogramm versucht werden, die
Eutergesundheit der Herde zu verbessern. Ein Nachteil dieses Verfahrens ist es außerdem, dass
die erforderlichen Informationen bzgl. der Zellgehalte auf Einzeltierbasis nur einmal pro Monat
verfügbar sind.
Bisher kommen die meisten für die Eutergesundheitsüberwachung relevanten Informationen direkt
von den Kühen und aus den Ergebnissen des Probemelkens sowie gegebenenfalls aus der Datenverarbeitung
des bestandsbetreuenden Tierarztes. In jüngerer Zeit und auch zukünftig werden
mehr und mehr Informationen auf Einzeltier- und auf Herdenbasis direkt während des Melkbetriebs
„online“ erfaßt. Hierzu werden, vor allem in automatischen Melksystemen, zunehmend moderne
Meßtechniken eingesetzt. Zudem werden hoch sensitive diagnostische Verfahren für das Herden-
Screening (z.B. Multiplex-PCR) auch für die Eutergesundheitsdiagnostik interessant.
Die zitierte Literatur kann beim Autor angefordert werden.
8. Jahrestagung – Poing (Grub) 17./18.10.2007
28
Anschrift des Autors:
Prof. Dr. R. Mansfeld
Klinik für Wiederkäuer mit Ambulanz und Bestandsbetreuung
Ludwig-Maximilians-Universität München
Sonnenstraße 16
85764 Oberschleißheim

EIGENE NOTITZEN

Dateigröße2 MB
Dateityppdf (Dateityp: application/pdf)
Erstelleradmin
Erstellt am 03.08.2009 14:45
Zugriffe572 Zugriffe
Zuletzt geändert 03.08.2009 14:46
Homepage
AutorProf. Dr. R. Mansfeld
Download Anzeigen


Zurück