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ObjektWert
NameKlauengesundheit: Profilaxe durch Pflege
Beschreibung

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Workshop 10: Klauengesundheit: Profilaxe durch Pflege
Herr Dr. P. Heimberg
Rindergesundheitsdienst der Landwirtschaftskammer Nordrhein Westfalen
Rusterholz’sches Sohlengeschwür:
Bei diesem erstmals von RUSTERHOLZ (1920) beschriebenen Leiden handelt es sich um
eine krankhafte Veränderung an der durch seine Ätiologie und Pathogenese bestimmten
typischen Stelle am Übergang vom mittleren zum hinteren Sohlendrittel. Dies ist die senkrechte
und damit in Belastungsrichtung gelegene Verlängerung der Ansatzstelle der tiefen
Beugesehne am Klauenbein (Abbildung 18). Hauptursache dieser Erkrankung wird in der
mechanischen Überlastung dieses Sohlenbereiches gesehen. Ungleiche Belastung beim
Gehen mit Belastungsspitzen im Bereich der hinteren Außenklauen (Abbildung 19) führen zu
schnellerem Wachstum dieser Klauen, die dadurch wiederum deutlich mehr Köperlast aufnehmen.
Die Innenklauen der Vordergliedmaßen werden unter heutigen Produktionsbedingungen
durch gespreizte Stellung bei der Futteraufnahme am Fressgitter oder in der
Anbindung vermehrt belastet, so dass entsprechende Veränderungen auch an den inneren
Vorderklauen entstehen können. Die Lederhautquetschungen führen zunächst zu Blutergüssen
in der Hornsohle an der beschriebenen Stelle. Durch Ernährungsstörungen der
Lederhaut wird dann minderwertiges, gelbliches und gummiartiges Horn gebildet. Es kann
letztendlich zu Perforation der Hornsohle kommen. Nach Freilegen der Lederhaut ist diese
mechanischen, chemischen und mikrobiellen Einflüssen der Umwelt ausgesetzt, so dass
sich dann ein eitriges Geschwür entwickeln kann.
Abbildung 18: Entstehung des Rusterholz’schen Sohlengeschwüres
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Die klinischen Erscheinungen variieren dementsprechend abhängig von Dauer und Ausmaß
der Erkrankung. Die Symptome reichen von vorsichtig-zögerndem (klammem) Gang über
geringgradige Stützbeinlahmheit bis hin zu hochgradigen Bewegungsstörungen, Muskelatrophie
bei länger andauender Lahmheit und entzündliche Umfangsvermehrungen im Bereich
des erkrankten Unterfußes. Durch Zug der tiefen Beugesehne am entzündeten Tuberculum
flexorium kann ein Knochenfragment ausbrechen oder die Sehne selbst reißen und so
durch ungenügenden Halt zu einer Kippklaue führen.
Zur Vermeidung dieser Überbelastung der hinteren Außenklaue ist es notwendig, im Rahmen
der funktionellen Klauenpflege nach TOUSSAINT RAVEN einen Höhenausgleich
zwischen Innen- und Außenklaue zu schaffen. Dazu wird der Ballenbereich der Innenklaue
so hoch wie möglich gelassen, während man versucht, den Ballen der Außenklaue auf
dieses Niveau herunter zu schneiden.
Abbildung 19: Belastungsspitzen an den Außenklauen beim Laufen der Kuh
Klauenrehe:
Die Klauenrehe des Rindes ist eine sehr häufige und fast immer schleichend verlaufende Erkrankung.
Erst die durch die Rehe verursachten Folgeschäden führen zu deutlich bemerkbaren
Lahmheiten, deren Behandlung aber ohne das Wissen, dass sie aus einer Rehe heraus
resultieren, meist unbefriedigend bleibt.
Die Rehe ist definiert als eine nicht-eitrige Entzündung der Lederhaut des Klauenbeines.
Durch die entzündlichen Veränderungen kann die Lederhaut nur noch minderwertiges
Klauenhorn produzieren. Daraus folgen Fäuleveränderungen im Ballenbereich, Doppelsohlenbildungen
und Zusammenhangstrennungen entlang der weißen Linie. Das minder9.

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wertige Horn ist oft durch Farbveränderungen (gelb bis rötlich) zu erkennen, da es im
Rahmen der Entzündung auch zu Blutergüssen in der Lederhaut kommt.
Zusätzlich lockert sich auch die von der Lederhaut vermittelte Verbindung zwischen Hornschuh
und Klauenbein selbst, wodurch dessen Spitze absinkt und sich der Sohlenfläche
nähert (Abbildung 20). Das stetige, schubweise Absinken der Klauenbeinspitze führt zur
Bildung von jahresringähnlichen Einziehungen auf dem Klauenrücken bis hin zu einer
„durchgebogenen“ anstatt gerade verlaufenden Klauenrückenwand.
Abbildung 20:
Klauenspitze infolge Rehe
abgesunken, Spitze dicht
über der Sohlenfläche,
Einkrümmung der Klauenrückenwand
(jeweils rot)
Für Klauenrehe kommen mehrere Ursachen in Frage. Bei der Belastungsrehe wird die Entzündung
der Lederhaut ausgelöst durch ungewohnte mechanische Belastungen (plötzlicher
weiter Austrieb über Asphalt oder steinigen Boden, wackelnde Betonspalten usw.) Belastungsrehe
findet man meistens nur an den stärker belasteten Hintergliedmaßen. Bei der
toxischen Rehe sind schwerwiegende Infektionen mit den durch sie freigesetzten Endotoxinen
und Entzündungsbotenstoffen des Körpers die Ursache.
Häufigste Ursache ist jedoch die Fütterung. Durch zu geringe Rohfaseranteile oder hohe Anteile
leicht vergärbarer Kohlenhydrate in der Ration oder in einzelnen Komponenten, welche
kurzfristig in größeren Mengen aufgenommen werden, kommt es zu einem starken Abfall
des pH-Wertes im Pansen. Dies führt zur Entzündung der Pansenschleimhaut, wobei von
dieser riesigen entzündeten Oberfläche große Mengen von Entzündungsbotenstoffen
freigesetzt werden, welche zu den entzündlichen Veränderungen an der Klauenlederhaut
führen. Auch andere Funktionsstörungen des Pansen wie Pansenfäule werden als Ursache
diskutiert.
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Die rehebedingten Veränderungen im Hornwachstum erfordern eine wesentlich häufigere
Klauenpflege als sonst üblich. Die im Bereich der Weißen Linie entstehenden Wanddefekte
sind unbedingt so freizuschneiden, dass sich kein Schmutz mehr in sie hineinschieben und
die Fäulnisprozesse unterhalten kann. Dazu muß immer der Anschluß an die benachbarte
Klauenwand gesucht werden.
Es erscheint oft verlockend, dass weiche, furchige Ballenhorn mit dem Klauenmesser oder
der Flex so abzutragen, dass der Ballen wieder glatt, hell und sauber aussieht. Dies ist aber
unbedingt zu vermeiden, da durch die mindere Hornqualität der Ballen meistens schon zu
tief abgerieben ist (gemäß der funktionellen Klauenpflege nach Toussaint-Raven muß der
Ballen der Innenklauen an den Hintergliedmaßen grundsätzlich hoch belassen werden!).
Das größte Problem stellt aber die abgesunkene Klauenbeinspitze dar, da man sie von
außen ja nicht direkt sehen, sondern über die Hornveränderungen nur erahnen kann. Beim
Vorliegen rehetypischer Veränderungen des Hornschuhes dürfen die von der funktionellen
Klauenpflege bekannten Maße (Rückenwandlänge 7,5 cm, Sohlendicke 0,5 cm für DSB,
Abbildung 21) nicht mehr verwendet werden. Um die Klauenbeinspitze nicht freizulegen oder
zumindest das Horn über ihr zu stark auszudünnen, sollte je nach Schwere der Veränderungen
eine Sohlendicke von 1 bis 1,5 cm angestrebt werden (Abbildung 22). Nur so lassen
die sich meist kurz nach der Klauenpflege auftretenden, schlecht heilenden Spitzendefekte
vermeiden.
Abbildung 21:
Klauenpflege bei einer
gesunden Klaue
(Sohlendicke 0,5 cm an
der Klauenspitze),
Schnittlinie 2a für die
hinteren Außen- und 2b
für die hinteren Innenklauen
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Abbildung 22:
Klauenpflege bei einer
Reheklaue mit erhöhter
Sohlendicke (mind. 1
cm an der Klauenspitze)
zum Schutz der abgesunkenen
Klauenbeinspitze,
Schnittlinie 2a für
die hinteren Außen- und
2b für die hinteren
Innenklauen
Aus den genannten Folgen ergibt sich, dass alles getan werden muß, um Klauenrehe zu
vermeiden oder zumindest zu minimieren.
Wichtigstes Mittel zur Vorbeuge ist eine wiederkäuergerechte Ration, die starke
Schwankungen des pH-Wertes im Pansen vermeidet. Dazu kommen tiergerechte Laufflächen
und bei Vorliegen von Klauenreheveränderungen eine angepasste Klauenpflege, die
insbesondere die abgesunkene Klauenbeinspitze berücksichtigt. Ist bei der Klauenpflege das
Sohlenhorn im Bereich der Klauenbeinspitze trotzdem zu dünn geworden, so kann durch
einen erhöhenden Klotz auf der (ausreichend dicken) Gegenklaue oft noch die Entstehung
eines Sohlengeschwüres vermieden werden. Ist jedoch das Klauenbein selbst beschädigt
worden, muß unbedingt der Haustierarzt zur Behandlung hinzugezogen werden.
Im Zusammenhang mit Lahmheitsproblemen werden, gerade im Zusammenhang mit Fäule
und Mortellaro, zunehmend hygienische Maßnahmen im Milchviehstall diskutiert. Dadurch
sollen der Erregerdruck im Bereich der Tiere vermindert und die Hornqualität der Kühe verbessert
werden. Zwei Punkten wird dabei eine besonderes große Bedeutung beigemesen:
- dem regelmäßigen Reinigen der Laufflächen durch Schieber oder ähnliches
- Klauenbädern zur Desinfektion am Unterfuß und zur Verbesserung der Hornqualität
Doch trotz dieser weit verbreiteten Maßnahmen sind Fäule und Mortellaro in vielen Betrieben
weiter auf dem Vormarsch. Um zu verstehen, warum das so ist, muß man die Entstehung
der beiden Erkrankungen näher unter die Lupe nehmen:
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(Ballenhorn-)Fäule
Fäuleveränderungen sind nichts weiter als die chemische und bakterielle Zersetzung des
Klauenhornes, bevorzugt im Ballenbereich, da hier das Horn die geringste Festigkeit aufweist.
Fäule finden wir aber auch in anderen Bereichen der Klaue, besonders an Reheklauen,
da bei Rehe eine Qualitätsminderung des gesamten gerade produzierten Hornes zu
verzeichnen ist. Dieses Horn bricht leichter aus (vor allem auch zum Zwischenklauenspalt
hin) und wird leichter zersetzt. Aber gerade das ausbrechende Wandhorn am Zwischenklauenspalt
kann viele Bemühungen, die Laufflächenhygiene zu verbessern, zunichte
machen. In den Zwischenklauenspalt hineinragende Hornfetzen wirken auf Schmutz und
Kot, die auch im saubersten Stall immer wieder in den Zwischenklauenspalt hineingetreten
werden können, wie kleine Widerhaken und halten Verschmutzungen fest. Dadurch kann es
im Zwischenklauenbereich trotz augenscheinlich gut gepflegter Laufflächen zu ununterbrochenen
Fäulnisprozessen kommen, die auch durch Klauenbäder nicht gestoppt werden
können, wenn das Bad ob des festsitzenden Drecks überhaupt keine Chance hat, in den
Zwischenklauenspalt hineinzuspülen.
Neben der Hornzersetzung kommt es aber auch noch zu einer verminderten Belüftung der
Haut im Zwischenklauenspalt, und diese beginnt sich ebenfalls zu zersetzen. Es ensteht die
Zwischenklauenfäule (holländ. „Stinkpoot“). Damit wird nun aber auch der Mortellaro’schen
Krankheit (Dermatitis Digitalis) der Weg geebnet:
Mortellaro
Mortellaro ist zwar ein infektiöses Geschehen, bei dem immer wieder bestimmte Keime isoliert
werden können (z.B. Spirochaeten, Fusobacterien u.a.), doch haben Untersuchungen
gezeigt, dass diese Erreger einer gesunden Haut am Unterfuß nichts anhaben können. Um
zu den typischen rötlichen, erdbeerartig höckerigen und schmerzhaften Veränderungen zu
gelangen, bedarf es neben den Erregern auch einer Hautschädigung an Anfang oder Ende
des Zwischenklauenspaltes, durch die die Bakterien in die Haut eindringen und dort eine
entzündliche Reaktion hervorrufen können.
Hat man früher überwiegend zu flach geschnittene Ballen oder schlechte Böden als Ursache
für diese Schäden angesehen, so finden sich immer mehr Rindefüße, an denen diese Hautschäden
als Folge von zu engen, mit Dreck verstopften Zwischenklauenbereichen, über
denen sich die Zwischenklauenspalthaut auflöst, zu sehen sind. Da diese Veränderungen,
wie bei der Fäule bereits beschreiben, auch mit Rehe in Verbindung stehen, wird ersichtlich,
warum immer mehr Betriebe hier Probleme haben: Rehe steht einfach mit der leistungsorientierten
Fütterung, d.h. weniger Grund- und mehr Kraftfutter, direkt im Zusammenhang.
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Maßnahmen
Ziel einer Klauenpflege muß sein, neben dem Wiederherstellen einer gleichmäßigen Lastaufnahme,
wie sie die funktionelle Klauenpflege nach Toussaint Raven fordert, auch einen
„selbstreinigenden“ Zwischenklauenspalt herzustellen. Dabei sollte die Hohlkehlung wie
ein Kegel steil (gemäß der Krümmung der Klauenmesserklinge) in den Zwischenklauenspalt
hineingeschnitten werden, außerdem tief, d.h. bis kurz vor den innenwandigen Kronsaum
und glatt, damit sich Dreck bei jedem Schritt wieder aus dem Zwischenklauenbereich lösen
kann statt sich dort zu verdichten. Erst ein solcher „offener“ Zwischenklauenspalt ermöglicht
es auch reinigenden und pflegenden Klauenbädern, bis an die gefährdete Haut vorzudringen
und dort zu wirken. Zu enge oder verstopfte Zwischenklauenspalten dagegen lassen nahezu
alle Pflegemaßnahmen unwirksam bleiben.

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Erstelleradmin
Erstellt am 26.08.2009 08:59
Zugriffe379 Zugriffe
Zuletzt geändert 26.08.2009 09:00
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AutorDr. P. Heimberg
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