| Beschreibung | 9. 76 Workshop 8: Kälberhaltung und Fütterung - Checkliste, wenn Probleme auftreten Herr Dr. H.J. Kunz Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein Haltungscheck: 1. Infektionsmöglichkeit im Abkalbebereich: Während und nach der Geburt finden die häufigsten Infektionen statt. Dabei gelangen Kotpartikel über das Maul in den Darmtrakt. Bis zur ersten Biestmilchaufnahme findet eine ungehinderte Erregervermehrung im Darm statt, die Auslöser für Frühdurchfälle sein kann. Eine frühe Biestmilchgabe sorgt für die humorale Abwehrbereitschaft bei den Kälbern. Gegen Kryptosporidien gibt es keinen Schutz über die Biestmilch. Die meisten Infektionen finden direkt nach der Abkalbung statt. Auf Grund unterschiedlicher Inkubationszeiten der Erreger treten Symptome mit unterschiedlicher zeitlicher Verzögerung auf. Weitere Voraussetzungen für die Minimierung des Infektions-druckes während oder nach der Abkalbung sind saubere Kühe (Euterspiegel, Schenkel, Euter) sowie sauberes Stroh. 2. Die Unterbringung in den ersten Lebenstagen/Lebenswochen muss den höchsten hygienischen Anforderungen entsprechen: Die beste Haltungsform für neu geborene Kälber ist das Einzeliglu. Das Kalb sollte nach dem Ablecken durch die Kuh separat, möglichst in einem Außeniglu mit überdachtem und eingestreutem Auslauf untergebracht werden (je länger, desto besser). Die Infektionsmöglichkeiten sind hier am geringsten, die Luftqualität ist am besten und es ist immer ein Rein-Raus-Verfahren. 3. Anschließende Haltung in einer Gruppenbucht: Besteht die Möglichkeit, die Kälber nach Altersgruppen einzuteilen? (je geringer die Altersunterschiede der Gruppe, desto besser) 4. Reinigung und Desinfektion: Werden die Buchten nach jedem Gruppenwechsel nach dem Entmisten mit dem Hochdruckreiniger gereinigt und nach dem Austrocknen desinfiziert? 5. Welche Desinfektionsmittel werden verwendet? Die meisten wirken bakterizid+viruzid, nur Kresol-Präparate wirken auch gegen Endoparasiten! 6. Stimmen Tränketemperatur, Konzentration und Menge? 7. Wie wird verfahren, wenn es zum Durchfall gekommen ist? Werden die betroffenen Kälber separiert? Bekommen sie ausreichend Flüssigkeit? (Der Flüssigkeitsbedarf kann bei sehr starkem Durchfall bis zu 10 Liter pro Tag betragen.) Bekommen die Kälber Elektrolyttränke? Bekommen sie zur Energieversorgung trotzdem Milch (sehr wichtig)? 9. 77 Der Tierarzt möchte wissen: 1. Alter bei Beginn des Auftretens des Durchfalls. 2. Anteil der erkrankten Tiere. 3. Haben die erkrankten Tiere Fieber (> 39,5 °C) oder Untertemperatur (< 38,5 °C)? 4. Konsistenz und Aussehen des Durchfalls. 5. Wird noch Milch aufgenommen? 6. Wie wird getränkt (Trog, Eimer, Nuckeleimer, Ad-lib, programmgesteuerter Automat) 7. Tränketemperatur, Tränkekonzentration, Liter pro Tag und pro Mahlzeit 8. Haben die Tiere freien Zugang zu Wasser 9. Wird Heu oder Rauhfutter angeboten 10. Welche Muttertierimpfungen werden durchgeführt? (falls nicht der eigene Tierarzt gefragt wird) Fütterungscheck: 1. Hat eine kontrollierte erste Biestmilchaufnahme stattgefunden? Kälber sollen möglichst 4 Liter Biestmilch während der ersten 7 Lebensstunden aufnehmen. Eine Stickprobenartige Kontrolle ist über die Gesamteiweißbestimmung mit Hilfe von Refraktometermessungen im Blutserum der Kälber möglich. Saugen die Kälber selbst, wird in vielen Fällen nicht ausreichend Biestmilch aufgenommen. 2. Wird Wasser von Beginn an angeboten? Kälber saufen auch bereits während der ersten Lebenstage zusätzlich zur Milch mehrere Liter Wasser. 3. Werden die Kälber ausreichend mit Energie und Eiweiß versorgt? Kälber haben einen Energiebedarf, der einer Menge von 6 l Vollmilch oder 6 l Milchaustauscher mit 160 g MAT pro Liter entspricht. Besonders unter Außenklimahaltungsbedingungen in der kaltnassen Jahreszeit darf der Bedarf der Kälber nicht unterschätzt werden. 4. Werden die Kälber rechtzeitig abgetränkt? Ab der 6. Lebenswoche können die Kälber abgetränkt werden. Für die Abtränkphase sollte die Tränkekonzentration bei MAT-Tränke auf 120 g pro Liter herunter genommen und die Kälber bis zur 10. Lebenswoche auf 2 Liter abgetränkt werden. Mit 2 Litern kann die Milch abgesetzt werden. 5. Auf die Tränkequalität achten! Werden Milchaustauscher vertränkt, sollte darauf geachtet werden, dass der Anteil an pflanzlichen Proteinträngern nicht über 10 Prozent und der Rohfasergehalt nicht über 0,1 Prozent liegt. Zu bevorzugen sind Milchaustauscher ohne pflanzliche Proteine. Der Rohaschegehalt sollte bei diesen Produkten unter 10 Prozent liegen. |