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NameWas sagt die Milchleistungsprüfung über die Fütterung und Gesundheit der Tiere?
Beschreibung

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Workshop 2: Was sagt die Milchleistungsprüfung über die Fütterung und Gesundheit
der Tiere?
Frau Dr. K. Mahlkow-Nerge
Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein
Mit steigenden Milchleistungen werden höhere Anforderungen an die Genauigkeit der
Rationsberechnung und an die Exaktheit der Arbeitsdurchführung gestellt. Darüber hinaus
nimmt auch die produktionsbegleitende Überwachung an Bedeutung zu.
Die Daten der monatlichen Milchleistungsprüfung liefern dafür sehr wertvolle Informationen.
Anhand eines konkreten Beispiels aus Schleswig-Holstein soll nachfolgend aufgezeigt werden,
wie diese Milchkontrolldaten zu lesen und zu interpretieren sind und welche Schlüsse
sich daraus für das Management ergeben.
Jeder an der Milchkontrolle teilnehmende Landwirt erhält alle vier Wochen einen Überblick
über die durchschnittlichen Milchmengen und Milchinhaltstoffe am jeweiligen Prüftag von
allen Tieren und im Vergleich dazu die Herdendurchschnittsergebnisse des Vormonats und
auch des Vorjahresmonats (Abbildung 4). Diese Daten liefern erste Hinweise für das
Leistungsniveau und die Leistungsentwicklung der Herde.
Abbildung 4: Ausdruck aus dem Prüfbericht: Herdenübersicht
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Darüber hinaus ist anhand der dargestellten mittleren Zellzahl der Tiere und anhand der
Tierzahl, die eine möglicherweise krankheitsbedingte hohe Zellzahl (> 200) aufweisen, ein
schneller allgemeiner Überblick über die Eutergesundheit möglich.
Der Vergleich der gleitenden Herdendurchschnittsleistung der Milchkühe mit dem Vorjahr
verdeutlicht noch einmal die Leistungsentwicklung.
Eine differenzierte Auflistung der Leistungen der Tiere in den verschiedenen Laktationsabschnitten
ermöglicht einen ersten Überblick über die Einstiegsleistung der Kühe und Färsen
zu Laktationsbeginn, die Persistenz, aber auch über mögliche gesundheitliche Probleme wie
z.B. Ketosen oder Azidosen.
Abbildung 5: Ausdruck aus dem Prüfbericht: Übersicht der einzelnen Laktationsstadien
Wie diese einzelnen Milchmengen und –inhaltstoffe zu interpretieren sind, wird nachfolgend
aufgezeigt.
Dafür geht man von einer Standardlaktationskurve (Zielwerte) für diese Herdendurchschnittsleistung
(in diesem Fall 9.000-10.000 kg Milch) aus (Tabelle 3).
Für die insgesamt recht hohe Herdendurchschnittleistung in diesem Beispielbetrieb erscheinen
die 33 kg Milch im ersten Laktationsdrittel niedrig. Dabei muss jedoch der hohe
Färsenanteil (45 %) berücksichtigt werden. Daraus erklärt sich auch die insgesamt niedrige
Differenz in der Milchleistung zwischen dem 1. und 2.Laktationsdrittel.
Unter Berücksichtigung des jeweiligen Färsenanteils im Betrieb ergeben sich folgende
Zielwerte für die Milchleistung (Tabelle 4).
Die tatsächlich erbrachten Milchmengen lagen um 2 kg (1.Laktationsdrittel), 0,4 kg (2. Laktationsdrittel)
und 2,6 kg (3.Laktationsdrittel) unter den Zielwerten. Daraus werden zwei
Schwachpunkte im Betrieb deutlich: mangelhafte Einstiegsleistung und schlechte Persistenz.
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Tabelle 3: Standardlaktationskurve
Zielwerte bei einer Herdendurchschnittsleistung von ~ 9.500 kg
Milchleistung: Laktationstage kg/Tag
Färsen Kühe
10-100 33 37
101-200 32 33
>200 28 25
Ø 31 32,5
Tabelle 4: Zielwerte für den Betrieb unter Berücksichtigung des Färsenanteils
Laktationstage Färsenanteil Zielwert Betrieb Abweichung
10-100 45 % 35,2 kg -2 kg
101-200 25 % 32,8 kg -0,4 kg
>200 41 % 26,2 kg -2,6 kg
Ø 37 % 31,9 -1,0
Die Milchinhaltsstoffe Fett, Eiweiß und Milchharnstoff geben ebenfalls Aufschluss über die
Versorgungslage der Tiere. Während der Milchfettgehalt vorrangig die Strukturversorgung
widerspiegelt, wird der Milcheiweißgehalt hauptsächlich von der Energie-, erst dann von der
Eiweißversorgung der Kuh beeinflusst. Besonders das Verhältnis von Fett zu Eiweiß (F:E -
Quotient) in der Milch lässt einmal Rückschlüsse auf die Gesundheitslage, besonders auf
den Kohlenhydrat-Fett-Stoffwechsel und zum anderen auf die Strukturversorgung zu. Ist das
Verhältnis z.B. bei Holstein Frisian größer als 1,5, kann eine ketotische Stoffwechsellage
Ursache dafür sein. Niedrigere Werte als 1,0 deuten eher auf azidotische Stoffwechsellagen
aufgrund einer mangelnden Strukturversorgung und/oder einer Überversorgung mit leicht
löslichen Kohlenhydraten (Zucker + Stärke) hin.
Die Milchfett- und –eiweißgehalte waren im vorgestellten Betrieb im gleitenden Herdendurchschnitt
bei 3,91 % bzw. 3,36 % unauffällig. Jedoch fiel in der aktuellen Milchkontrolle
der niedrige Milcheiweißgehalt (3,11 %) der Tiere im ersten Laktationsdrittel auf.
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Abbildung 6: Milcheiweißgehalte als Ausdruck der Energieversorgung
Zudem zeigten vor allem Tiere mit einer Tagesleistung von mehr als 30 kg Milch einen sehr
niedrigen und unterhalb des optimalen Wertes abgerutschten Milcheiweißgehalt.
Bei Betrachtung der Einzeltierdaten fiel weiterhin auf, dass zahlreiche Tiere in der (den)
ersten Milchkontrolle(n) nach der Kalbung einen Fett/Eiweißquotienten über 1,5 aufwiesen
(Abbildung 7).
Viele dieser Tiere hatten dabei einen Milcheiweißgehalt unter 3,0, im Vergleich dazu einen
deutlich erhöhten Milchfettgehalt. Ersterer zeugt von einer sehr mangelhaften Futter- und
damit Energieaufnahme, letzterer von einer starken Körperfettmobilisation.
Beides ist Ausdruck einer ketotischen Stoffwechsellage/ Leberverfettung/ stark negativen
Energiebilanz und deutet auf mögliche Probleme im Trockenstehermanagement hin.
Der Höhepunkt solcher Ketosen ist meistens in der 3. bis 5.Woche nach der Kalbung.
Weiterhin fiel der mit über 300 mg/kg Milch insgesamt sehr hohe Harnstoffgehalt auf. Dieses
kann als Zeichen einer übermäßigen Eiweißversorgung, aber auch als Zeichen einer ungenügenden
Energieversorgung und damit als Missverhältnis zwischen im Tier angefluteter
Energie- und Eiweißmenge interpretiert werden. Der Milchharnstoffgehalt spiegelt das
Verhältnis von Stickstoff zur verfügbaren Energie im Pansen wider.
Ein nachteilig hoher Harnstoffgehalt über 300 mg/l Milch tritt besonders dann auf, wenn das
Eiweißangebot im Futter den Eiweißbedarf deutlich übersteigt oder ein Energiemangel bei
ausreichender Eiweißbedarfsdeckung besteht.
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Abbildung 7: Einzeltierdaten
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Milchkontrollergebnisse (MLP-Daten) und deren Aussage
Information/Merkmal Bemerkungen
Ergaben sich Veränderungen der
Herdendurchschnittsleistung im
Jahresverlauf bzw. zum Vorjahr?
- bei Reduzierung mögliche Ursachen:
Fütterungs-, Haltungs-,
Gesundheitsveränderungen in der Herde
Haben die Kühe in der 5. bis 7.
Laktationswoche ihre Höchstleistung
(Peak) erreicht?
- Tritt die erwartete Peakleistung nicht ein,
sind besonders die Eiweißversorgung, das
Trockensteher- und Abkalbemanagement
sowie die Haltung und Fütterung beim
Laktationsstart zu überprüfen
Liegt die Höchstleistung der Färsen max.
25 % unter der der Kühe?
- Ist die Differenz größer, sind besonders die
Haltung und Fütterung in der Jungrinderaufzucht,
die Färseneingliederung in den Kuhbereich
und die Anfütterung der Färsen zu
überprüfen.
Ist die Persistenz der Lakationskurve
erwartungsgemäß, d.h. die Milchmenge bei
Färsen sinkt nach dem Laktationspeak um
nicht mehr als 6%, bei älteren Kühen um
nicht mehr 9% pro Monat?
- Wenn die Leistung stärker abfällt, sind die
Fütterung (v.a. die Energieversorgung durch
die Ration) und der Gesundheitszustand der
Tiere (v.a. ketotische Stoffwechsellagen; F/E
>1,5) zu überprüfen.
Beträgt die Differenz zwischen der
Durchschnittsleistung aller Tiere des
1.Laktationsdrittels und dem Mittelwert der
beiden höchsten Milchleistungen innerhalb
der ersten 3 Milchkontrollen (Peak) nicht
mehr als 2,3 Kilogramm?
- Größere Differenzen deuten auf Probleme in
der Frühlaktation (gesundheitliche Störungen,
unzureichende Energieversorgung)
hin.
Milchleistung beim Trockenstellen: lässt
Rückschlüsse über die Homogenität einer
Herde zu
- Liegt die Tagesmilchmenge zum Trockenstellen
bei ca. 80% der Tiere < 5 kg auseinander,
ist die Herde sehr homogen.
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Milchfett:
Parameter für die Energie-/ Struktur-
Versorgung
Zielwerte:
Laktationsbeginn: nicht mehr als 0,3-0,4 %
unter dem Herdendurchschnitt
Laktationsende: < 0,3-0,4 % über dem
Herdendurchschnitt
- hoher Fettgehalt (> 5 %) und kombiniert mit
niedrigem Eiweißgehalt (< 3,2): zu wenig
Energie aufgenommen, stattdessen massiv
Körperreserven abgebaut (Ketoseverdacht)
- hoher Fettgehalt in Kombination mit hohem
Eiweißgehalt ab Laktationsmitte:
energetische Überversorgung
- niedriger Fettgehalt (< 3,6):
Strukturprobleme (Azidose)
Fettgehalt optimieren:
- hohe Grundfutteraufnahme, bedarfsgerechte
Strukturversorgung, Überversorgung an
schnell fermentierbaren Kohlenhydraten
vermeiden
Milcheiweiß:
Parameter für Energie-Versorgung
Zielwerte (für Schwarzbunte):
Laktationsbeginn: > 3,2 %
Laktationsende: < 3,6 %
Eiweißgehalt maximieren:
- Bedarfsgerechte Versorgung mit XP, nXP
- RNB der Ration nicht < 1,5 g/kg TM
- UDP von 30 % bei Milchleistungen > 30
kg/Tier und Tag
- ausreichend fermentierbare Kohlenhydrate
(Zucker und Stärke)
Fett/Eiweiß-Quotient der Milch: Zielwerte:
1,2 bis 1,4
- Fett:Eiweiß: > 1,5 = Ketose-
/Energiemangelgefahr
- Fett:Eiweiß: < 1,0 = Azidosegefahr
Fett/Eiweiß-Quotient optimieren:
- Stärkegehalt der Ration < 28 % i.d.TM
- NFC: < 40 % i.d.TM
- Fettgehalt < 5 % i.d.TM
- Rohfasergehalt > 16 % i.d.TM
- strukturwirksame Rohfaser: > 9,5 % i.d.TM
- Strukturwert nach DeBrabander: > 1,2
- physikalisch effektive NDF (aus
Grundfutter): > 17 % i.d.TM
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Harnstoffgehalt der Milch: im Zusammenhang mit Milch-Eiweiß (Energie-Versorgung)
interpretieren
Milchharnstoffgehalt Eiweiß- mg/kg
gehalt % < 150 150 - 300 > 300
< 3,20 Eiweiß- und
Energiemangel
Energiemangel
Eiweißüberschuss
und Energiemangel
3,20 –
3,60
Eiweißmangel + leichter
Energieüberschuss
Eiweiß und Energie
ausgeglichen
Eiweißüberschuss und
leichter Energiemangel
> 3,60 Eiweißmangel und
Energieüberschuss
Energieüberschuss Eiweiß- und
Energieüberschuss
Eutergesundheit
Ø Herdenzellzahl nicht über 150.000/ml
Nicht mehr als 5 % Färsen mit über 100.000
Zellen/ml
Nicht mehr als 8 % Tiere mit über 400.000
Zellen/ml
Zellzahl einzelner Tiere
Nicht mehr als 2 % Millionäre
Ausheilungsgrad nach dem Trockenstellen über 75%
Abgänge wegen mangelnder Eutergesundheit
max. 4 % /Jahr in der Herde
Die monatlich von allen Kühen und Färsen verfügbaren Milchkontrolldaten lassen
gute Rückschlüsse auf die Haltung, Fütterung und Gesundheit der Tiere zu. Deshalb
sollten sie als ein zentrales Hilfsmittel im Rahmen der Managementkontrolle intensiv
genutzt werden.

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Erstelleradmin
Erstellt am 26.08.2009 09:04
Zugriffe569 Zugriffe
Zuletzt geändert 26.08.2009 09:06
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AutorDr. K. Mahlkow-Nerge
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