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NameBeurteilung der Zitzenkondition und Einflüsse der Melktechnik auf die Zitze
Beschreibung

1. Jahrestagung – Bad Sassendorf, 17./18.01.2000 1 Beurteilung der
Zitzenkondition und Einflüsse der Melktechnik auf die Zitze Prof. Dr. K. Wendt
Vorbemerkung Die Zitze der melkenden Kuh ist:  Mittlerin, die im Euter erzeugte
Milch gewinnen zu können.  Hauptsensor für die Auslösung des Reflexes zur
Ausschüttung von Oxytocin, für Gewährleistung der Melkbereitschaft des Euters. 
gleichzeitig wesentlichster Schutzfaktor vor Infektionen des Euterinneren. Die
Zitze der melkenden Kuh gehört zu den am stärksten belasteten Körperorganen,
wobei die Belastungen sehr unterschiedlicher Natur sind und zumeist komplex
einwirken. In Milchkuhbeständen mit Problemen der Zitzengesundheit lassen sich
gehäuft folgende Symptome beobachten:  Viele Tiere zeigen Störungen der
Milchejektion; damit gehen längere Melkzeiten, geringere Leistung und hohe
Nachgemelksmengen einher.  Die Hyperkeratose-Rate liegt über 10%.  Blutmelken
wird bei 5-8% der Viertel festgestellt.  Entzündungen der Zitzenspitze folgen
Abwehrbewegungen beim Melken, Euterinfektionen, eine Vielzahl medikamenteller
Euterbehandlungen und eine hohe Merzungsrate wegen Eutererkrankungen.
Gleichzeitig findet man viele erstlaktierende Kühe und solche mit
unausgeglichener Zitzenausbildung. Häufungen genannter Symptome zeigen sich im
Zeitraum des Wechselns der Zitzengummi. Managementfehler liegen vor allem in der
systematischen Kontrolle des richtigen Melkens, der Melktechnik, der -funktion,
der hygienischen Verhältnisse beim Melken und im Haltungsbereich. Anatomische
Spezifika Die Zitze kann funktionell als halboffenes System angesprochen werden.
Einerseits gewährleisten Milchgänge und Drüsenzisterne den Milchzufluss in die
Zitzenzisterne, andererseits wirkt der Zitzenkanal als biologisches Ventil mit
spezifischer epithelia1er Auslegung und ringmuskelartigem relativen Verschluss.
Die Zitzenwand - bestehend aus fester Haut, die ohne eine lockere Unterhaut mit
dem faserreichen Wandgewebe verwachsen ist sowie einer mehrschichtigen
gekammerter inneren "Schleimhaut" - enthält die spiraligen Muskelelemente, viele
Sensoren, die dem Auslösen der Stimulation und der Schmerzempfindung dienen. Die
Blutgefäße verlaufen längs der Zitzen1. Jahrestagung – Bad Sassendorf,
17./18.01.2000 2 achse in der Wand. Und ein enges Geflecht von kleinen
Lymphgefäßen entsorgt Stoffwechselprodukte aus dem Zitzengewebe. Der Zitzenkanal
ist zwischen 5 und 10 mm lang, hat im geschlossenen Zustand eine Weite von etwa
0,1 mm, kann sich aber bei Dehnung auf 2-3mm erweitern. Funktionell zählt der
Zitzenkanal zur sog. Zitzenbarriere. Er gewährt mit der durchtretenden Milch
einen Spüleffekt für evtl. vorhandene Keime. Sein verhornendes Plattenepithel
wächst mit hoher Erneuerungsrate schuppig nach außen gerichtet, und das
verhornende Epithel bildet eine antimikrobiell wirkende fettsäureartige
Substanz, das Laktosebum, mit wesentlicher Schutzwirkung für das Euterinnere.
Gleicher Funktion dient die Fürstenberg‘sche Rosette durch ihre stark
gegliederte Struktur und epitheliale Ausstattung. Bezüglich der Zitzen- und
Euterbeschaffenheit werden technologisch und hygienisch die in der Abbildung 1
genannten Maße angestrebt. Auf die Euter- und Zitzenausbildung hat eine Vielzahl
von Gegebenheiten Einfluss. So werden Zitzenumfang und -abstände stark von
Zwischenmelkzeit und Milchmenge tangiert. Ödeme engen das Zitzenlumen ein und
hinterlassen Verhärtungen an Zitzen- und Eutergewebe. Der Bodenabstand – etwa
1/3 aller Milchrinder weisen weniger als 35 cm auf - steht in Beziehung zu
Rasse, Laktationsalter und -stadium aber auch zur Milchleistung. So soll ein
Leistungszuwachs von 1000 kg pro Jahr den Bodenabstand bis zu 5 cm verringern.
Züchterisch ist von Belang, dass in etwa 3 Generationen bereits merklich
Zitzenanlagen veränderbar werden. Einfluss des Melkens In vielen Betrieben
besteht bei der Milchgewinnung eine beunruhigende Problematik. - Die moderne
Melktechnik hat eine weite Verbreitung. Leistungssteigerungen sind unübersehbar.
Aber die biologischen Grundforderungen des Melkens werden zunehmend mehr
missachtet. Dazu seinen einige Beispiele genannt. Die mechanische Stimulation
der Zitze zur Erreichung guter Melkbedingungen soll jeweils wenigstens 40 sec
erfolgen. Ökonomisch und hygienisch sich positiv auswirkend werden dann: 
physiologische Anforderungen erfüllt  zu Melkbeginn kein Blindmelken eintreten
 ein vollständiges Ausmelken gewährleistet  die Milchmengenleistung weitgehend
erhalten  die Eutergesundheit gefördert. Stresssituationen vor und während des
Melkens behindern das Einschießen der Milch. Gleiches bewirkt ein
elektrostatisches Potenzial im Melkstand. Zwischen dem Anrüsten der Kuh und dem
Melkzeugansatz soll auch dann, wenn die Arbeitsabläufe oder
Reinigungsvorkehrungen aufwendig sind, nicht mehr als 1 min vergehen. 1.
Jahrestagung – Bad Sassendorf, 17./18.01.2000 3 Melktechnik Kontrollen der
Melktechnik lassen offensichtlich werden, daß in einer Vielzahl, auch in Fällen
vorhandener moderner Technik, von Betrieben gesundheits- und ökonomisch
belastende Bedingungen vorliegen. Dazu sind zu zählen:  unpassende Zitzengummi.
 verspätetes Wechseln abgenutzter, rauher oder schlaffer Zitzengummi 
irreguläre Vakuum- und/oder Pulsgestaltung  ein fehlerhafter Sitz des
Melkzeuges - Stauchung des kurzen Milchschlauches, falsche Zugrichtung,
verdrehter Sitz,Zugrichtung, verdrehter Sitz, Klettern, Leckluft.  fehlende
Melkzeugzwischendesinfektion  kein systematisches Zitzendipping. Besonders
belastet sind kurze Zitzen - keine Massagewirkung - überlange Zitzen -
Dauervakuum an der Spitze - und Hyperkeratose des Zitzenkanals. Typische
Symptome an den Zitzen findet man in Form von Verhärtungen und Einschnürungen
oder in blutleerer weißer- oder blutangestauter bläulicher Haut. Auch kleine
Blutungen in der Haut der Zitzenspitze treten als sichtbare Erscheinungen auf.
Stets muss in solchen Fällen aber auch mit Dauerschäden im Inneren der Zitzen
und mit Bindegewebsbildungen gerechnet werden. Melkfrequenz Grundsätzlich kann
davon ausgegangen werden, dass ein 3- bis 4- maliges Melken pro Tag bei
regulärer Melktechnik, Handhabung und biologischer Bedingung keine Schadwirkung
zeitigt, wenn auch die Zwischenmelkzeiten etwa gleichmäßig verteilt sind. Diese
Fragen spielen eine besondere Rolle beim Einsatz von automatischen Melksystemen
(AMS). Es kann aber nicht davon ausgegangen werden, dass mit dem größer gleich
3-maligen Melken im AMS ein "Gesundmelken" möglich wird. Es ist bei größer
gleich 3-maligem Melken besonders darauf zu achten, dass nach jedem
Melkabschluss ein wirkungsvolles Zitzentauchen erfolgt. Denn, wenn nach jedem
Melken etwa 2 h aufgrund des aufgeweichten Zitzenkanalepithels eine erhöhte
Infektionsgefahr besteht, so stehen etwa 4 Stunden bei zweimaligem Melken 10
Stunden bei fünfmaligem Milchentzug gegenüber. Saubere Liegeflächen und das
Herausnehmen von Gangliegern aus dem AMS stehen auch in diesem Zusammenhang. Bei
Schwermelkern spielt die Melkfrequenz eine besondere Rolle, wenn sich die
verlängerten Melkzeiten dann beim Mehrfachmelken summieren. Hyperkeratosen und
Schäden an äußerer Haut, Zitzenkanal- und Zitzenzisternenepithel sind zu
erwarten. Das häufigere Melken wird im AMS dann für die Eutergesundheit
gefährdend, wenn die Zitzen unsauber sind, die 1. Jahrestagung – Bad Sassendorf,
17./18.01.2000 4 Melkzeugzwischendesinfektion fehlt sowie euterkranke und
gesunde Kühe mit gleichem Melkzeug gemolken werden. Melkbarkeit Leichtmelker
werden dadurch charakterisiert, dass ein Milchfluss von > 3kg/min vorliegt oder
die Milch nach dem Anrüsten im Strahl abläuft, weil der Zitzenkanal von Natur
aus sehr weit/schlaff ist. Damit lässt sich in kurzen Melkzeiten eine große
Milchmenge erzielen. Diese zumeist angeborene Eigenschaft birgt aber für die
Eutergesundheit erhebliche Nachteile. Der Zitzenkanal lässt vor allem nach dem
Melken Infektionserreger leicht ins Euter gelangen, begünstigt das Eindringen
von Milchspray beim Rückschlag in die Zitzenzisterne, und das Abdrücken von
Milch auf Liegeflächen verschmutzt und verkeimt den Fußboden, bieten hohen
Infektionsdruck für Euter anderer Kühe. Schwermelkigkeit kann angeboren sein,
betrifft dann alle Viertel, oder erworben sein (> 80%) und sich nur auf einzelne
Zitzen beziehen. In jedem Falle wird Milch nur mit erhöhtem Aufwand und in
geringer Menge/Zeit (< 1 kg/mm) ermelkbar. Daraus folgt ein hoher Zeitaufwand
für die Euterentleerung, eine Beantwortung der hohen mechanischen
Epithelbelastung mit einer Hyperkeratose des Zitzenkanals, ein Blindmelken der
nicht schwermelkigen Viertel über lange Zeit. Die Zitzen sehen nach dem Absetzen
des Melkzeuges blau-violett oder kalkig-weiß aus, sind hart und oft mit
Eindruckfalten vom Zitzengummi gezeichnet. Zumeist findet man die Zellzahl
erhöht und eine Euterinfektion (Tab. 1). Tabelle 1: Beziehungen zwischen
Melkbarkeit und Eutergesundheit (BAUSCH, 1982) Dreiminutengemelk (kg) < 5,0 5,1
– 7,0 7,1 – 9,0 Summe n % n % n % n % untersuchte Kühe 27 1,3 1178 58,4 811 40,2
2016 100 davon euterkrank 19 70,4 543 46,1 419 51,7 981 48,7 Blindmelken Wenn
melkgerecht Vakuum und Pulsation auf die Zitze einwirken und kein Milchfluss
besteht, spricht man vom Blindmelken. Es ist damit zu rechnen, dass annähernd
bei 50% der Milchrinder Viertel pro Melkzeit wenigstens 1 Minute blindgemolken
werden. Die Ursache dafür kann darin liegen, dass angeboren
Milchmengendifferenzen zwischen Vorder- und Hintervierteln von bis zu 10%
bestehen. Wenn nicht viertelbezogen das Melkzeug abgenommen wird, werden die
Vorderstriche ohne Milchfluss gemolken. Wesentlicher sind jedoch erworbene
Differenzen in der Milch1. Jahrestagung – Bad Sassendorf, 17./18.01.2000 5
leistung von Eutervierteln. Zitzenkanaleinengungen, Gangeinschnürungen in den
Zisternen, atrophische Viertel und andere entzündlich bedingte
Milchflussbehinderungen erschweren ein zeitgleiches Ausmelken der Viertel und
lassen auf einige eine durch die Wiederholung zu jeder Melkzeit erhebliche
Schädigungen einwirken. Aber auch stressbelastet entstandene Ejektionshemmungen
bei Erstlingen oder technisch bedingte Einflüsse lassen ein Blindmelken
auftreten. Zu letzteren gehören abgeknickte Zitzen oder Milchschläuche, zu spät
eingestellte Nachmelk-Abnahmevorrichtung, ein Klettern des Melkzeuges und
Verschließen der Zisterne. Auch die fehlende Milchflusskontrolle (Schauglas)
durch den Melker fördert ein längeres Melken ohne Milchfluss. Beim Blindmelken
kann das Vakuum in das Zitzenlumen vordringen. In Verbindung mit der Pulsation
treten mechanische Epithelschäden auf. Euterinfektionen werden dadurch
gefördert, dass bei der Melkzeugabnahme der Vakuumausgleich mit dem Einsaugen
von kontaminierten Milchresten einhergeht. Diese Dauerbelastung läßt nicht nur
reversible Störungen der Blutversorgung an den Zitzen entstehen. Häufig
entwickeln sich schmerzhafte und melkbehindernde Entzündungen an der
Zitzenspitze, umfangreiche Hyperkeratosen mit Einrissen an den vorstehenden
Hornschichten mit festen Schmutzkrusten. Diese Schäden bieten Mastitiserregern
Haft- und Infektionsbedingungen und behindern den Milchentzug. Ständige
Zellzahlerhöhungen, chronische Entzündungen mit Gewebszu- und -umbildungen sind
gehäuft vorhanden. Und nicht selten wachsen Milchgänge zu. Zur
Erfassung/Abwendung des Blindmelkens soll neben der Milchflusskontrolle auf eine
längere Melkdauer einzelner Viertel, auf die Ausbildung von Hyperkeratosen, auf
die Zitzenbeschaffenhejt nach Melkende, auf die Funktion der Abnahmevorrichtung
besonders geachtet werden. Eine milchflussabhängige automatische viertelbezogene
Melkzeugabnahme verhindert weitgehend Blindmelken. Und neben der Selektion von
Kühen mit chronisch kranken Eutervierteln soll auch züchterisch mehr auf eine
ausgeglichene Euter- und Zitzenausbildung, auf eine Melkmaschineneignung der
Euter geachtet werden. Schlussbemerkung Eine Leistungssteigerung unserer
Milchrinder ist ökonomisch notwendig, genetisch möglich und in vielen Betrieben
bereits feststellbar. Das verlangt jedoch eine erhöhte funktionelle Abforderung
an Tierkörper und Milchdrüse, eine entsprechende Gestaltung der Fütterung und
Haltung der Tiere und die Sicherung vor allem der Stoffwechsel- und
Eutergesundheit. Höchstleistungen werden zu einer eingeengten
Kompensationsmöglichkeit für Belastungen führen. Bei der weitergehenden
Technisierung und Automatisierung der Milchgewinnung ist vor allem darauf Wert
zu legen, zwischen Biologie und Technik und umgekehrt eine bessere Angleichung
zu erreichen. Dabei bleibt Maßstab, den physiologischen und hygienischen
Anforderungen zu ent1. Jahrestagung – Bad Sassendorf, 17./18.01.2000 6 sprechen
und durch eine sachkundige Serviceleistung dem Betreiber der Melktechnik eine
Funktionstüchtigkeit und Anwenderfreundlichkeit zu gewährleisten.
Spitzeneinzeltier und Hochleistungsherde erfahren eine Wertsteigerung, der durch
komplexe Sicherungsmaßnahmen zu entsprechen ist. Dazu gehört, die genetischen
Voraussetzungen zu stabilisieren, die gesundheitlichen Zuträger zu
gewährleisten. Dazu gehört aber auch Kompetenz., Sachkundigkeit und tägliche
Realisierung der Melkertätigkeit, das vorausschauende Management des Landwirtes
und die spezialisierte Tätigkeit von Tierärzten sowie Beratern. Anschrift des
Verfassers: Prof. Dr. K. Wendt Mollstr. 12 D - 10178 Berlin

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Erstelleradmin
Erstellt am 27.07.2009 09:05
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Zuletzt geändert 27.07.2009 09:13
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AutorProf. Dr. K. Wendt
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