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NameEinflussfaktoren auf die Zitzenbeschaffenheit – Melktechnik, Hygiene und Umwelt
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Einflussfaktoren auf die Zitzenbeschaffenheit – Melktechnik, Hygiene und Umwelt –
Herr Dr. M. Spohr
Eutergesundheitsdienst Baden-Württemberg
Die Beschaffenheit der Zitzen von Milchkühen ist zahlreichen Einflüssen unterworfen. Neben
infektiösen Ursachen (Viren, Bakterien, Parasiten) spielen für die Zitzenkondition vor allem
Haltungs- und Melkbedingungen eine wesentliche Rolle und beeinflussen die Eutergesundheit
und das Melkverhalten der Kühe.
Unter den physikalisch-chemischen Faktoren spielen Verätzungen der Zitzenhaut eine bedeutende
Rolle. Insbesondere alkalische Substanzen, wie Branntkalk oder alkalische
Reinigungsmittel, die irrtümlich als Dipmittel verwendet werden, reduzieren den Säureschutzmantel
der Zitzenhaut und lassen sie trocken und spröde erscheinen. In schweren
Fällen löst sich die obere Hornhaut ab und die Zitzenwandung kann gerötet und verdickt
sein. Neben der alkalisierenden und entfettenden Wirkung von Kalken ist darüber hinaus der
austrocknende Effekt zu nennen, der die Wirkung der anderen Effekte überlagert und
potenziert. Ähnliche Reaktionen sind bei stark sauren Flüssigkeiten wie sauren Reinigungsmitteln
und Jod-haltigen Dipmitteln ohne ausreichenden Pflegemittelanteil zu beobachten.
Alljährlich in den Wintermonaten sind Verschlechterungen der Zitzenkondition zu beobachten,
die auf Unterkühlung, bzw. Erfrierung der Zitzenhaut zurückzuführen sind. Die
kontinuierliche Regeneration der Haut (d.h. die Bildung neuer Hautzellen bis zur Abschilferung
der äußeren, verhornten, abgestorbenen Hornzellen) setzt eine ausreichende
Durchblutung der Zitzenhaut voraus. Niedrige Umgebungstemperaturen reduzieren die
Durchblutung der Zitzen deutlich. Entsteht zusätzlich Verdunstungskälte durch das Abtrocknen
von Dipmitteln oder Milchresten auf der Zitzenhaut oder wirken höhere Windgeschwindigkeiten
(wind-chill-effect) wird die Zitzendurchblutung tief greifend und lang dauernd
eingeschränkt. Können diese klimatischen Effekte nicht durch Einhausung oder windbrechende
Einrichtungen gemildert werden, wird der Einsatz pulverförmiger Zitzendesinfektionsmittel
empfohlen. Bei erstmaligem Weideaustrieb kann die dünne, häufig unpigmentierte
Zitzenhaut an Sonnenbrand erkranken. Zusätzlich sind bei Weidegang
stechende Insekten als Ursachen von Zitzenhautveränderungen zu nennen.
Die Folgen all dieser Zitzenhautveränderungen äußern sich in einer erhöhten Schmerzempfindlichkeit
der Kühe, die den Melkablauf und den Melkstanddurchsatz erheblich beeinträchtigen
können. Darüber hinaus können sich auf der vorgeschädigten Haut Mastitis10.

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erreger (spez. Staphylokokken) besser ansiedeln, so dass eine erhöhte Mastitishäufigkeit
folgt. Ziel aller therapeutischen Maßnahmen ist die Wiederherstellung der optimalen Zitzenhautintegrität
durch Beseitigung der schädigenden Faktoren und verstärkte Pflegemaßnahmen.
Der während des Melkens auf die Zitzenkuppe und zeitweise auf die Zitzenbasis einwirkende
Unterdruck beeinträchtigt die Blutzirkulation und verursacht den Austritt von Blutserum ins
Gewebe (Ödem). Daneben wirkt die Kompression des Zitzengummischaftes, die der Bildung
von Ödemen entgegenwirken soll, auf die Zitzenkuppe und führt zur verstärkten Verhornung
der Haut des Strichkanals (Hyperkeratose).
Verdickungen der Zitzenkuppe, die als bindegewebiger Umbau chronischer Ödeme anzusehen
sind, treten in Verbindung mit langdauernder, nicht ausreichender Beseitigung der
Zitzenkuppenödeme auf. Ursachen können sowohl mangelhaft Massageleistung als auch zu
starke Ödembildung (z.B. zitzenendiges Vakuum zu lange zu hoch) sein. Da für diese Veränderung
keine objektivierbaren Messmethoden zur Verfügung stehen, sind die Beschreibungen
dieser Zitzenreaktion stark vom Untersucher beeinflusst. Die modifizierte
Cutimeter-Messung nach Zecconi und Hamann konnte unter Praxisbedingungen bislang
nicht validiert werden.
In den letzten Jahren scheint die übermäßige Verhornung der Strichkanalauskleidung
(Hyperkeratose) häufiger aufzutreten. Diese Hautzubildung steht in direkter Beziehung zur
Druckapplikation des Zitzengummischaftes auf die Zitzenkuppe. Neben Tier-individuellen
Faktoren (lange, dünne, spitz zulaufende Zitzen) scheinen insbesondere die Milchleistung,
die Laktationslänge und das Alter der Kuh für die Ausprägung der Hyperkeratosen mitverantwortlich
zu sein. Zur Bestimmung der Kompressionswirkung auf der Zitze existieren
einige Berechnungsmodelle (compressive load; „Drucksumme“), die m. o. w. gut in der
Praxis anzuwenden sind und unterschiedliche Faktoren berücksichtigen. Als wesentliche
Faktoren für die Kompressionswirkung sind der Differenzdruck, die Materialeigenschaften
(Einfaltdruck, Shore-Härte) und die Konstruktion des Zitzengummischaftes aber auch die
Länge der Massagephase und Blindmelkzeiten zu nennen. Die quantitative und qualitative
Beschreibung von Hyperkeratosen ist mittels mehrerer Scoring-Systeme möglich. Wissenschaftliche
Studien belegen einen Zusammenhang zwischen der Häufigkeit verhornter
Hyperkeratosen („cracked teats“) und Eutergesundheitsstörungen.

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In Verbindung mit Hyperkeratosen sind häufig auch sog. „Bügelfalten“ auf der Zitzenkuppe
zu beobachten. Diese blutleeren, schmalen Streifen, die sich über die Zitzenspitze erstrecken,
entstehen durch die Quetschung der Zitzenkuppenhaut im Bereich der
Kollabierungszone des Zitzengummischaftes. Sie treten besonders häufig bei weiten,
weichen Zitzengummischäften auf und münden seitlich in einer Zone verstärkter
Ödematisierung. In diesem Bereich können als Folge der Durchblutungsstörung bei unzureichender
Zitzendesinfektion Hautentzündungen entstehen.
Die Druckverhältnisse im Zitzengummikopf sind sehr variabel und von zahlreichen Faktoren
abhängig. Zu Beginn des Melkens herrscht atmosphärischer Druck, der mit nachlassendem
Euterinnendruck und kletternden Zitzengummis ansteigt. Jeweils während der Zitzengummiöffnungsphase
steigt der Unterdruck an, um in der anschließenden Schließphase durch Lufteinbrüche
über die Zitzengummilippen wieder abzufallen. Der Zeitpunkt des Unterdruckanstieges
und die Höhe des Unterdrucks im Zitzengummikopfraum werden durch die Weite
des Zitzengummischaftes, die Melkbereitschaft (Stimulation) und die Abdichtung der Zitzengummilippen
beeinflusst. Eine Beeinflussung durch die Öffnungs- und Schließgeschwindigkeit
des Zitzengummis wird zurzeit diskutiert. Der Unterdruck im Zitzengummikopfbereich
verursacht, wie auch bei der Zitzenkuppe, eine lokale Zirkulationsstörung (Ringödem), das je
nach Vakuumhöhe und Dauer der Unterdruckwirkung zu fühl- und sichtbaren ringförmigen
Schwellungen an der Zitzenbasis und der gesamten Zitzenwandung führt. Insbesondere
jüngere Kühe reagieren mit Unruhe und Abwehrbewegungen, bei geschwollenen Zitzen
muss auch davon ausgegangen werden, dass der Strichkanalverschluss verzögert ist.
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Erstelleradmin
Erstellt am 26.08.2009 09:38
Zugriffe733 Zugriffe
Zuletzt geändert 26.08.2009 09:39
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AutorDr. M. Spohr
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