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Details für Trockenstellmanagement
ObjektWert
NameTrockenstellmanagement
Beschreibung


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Trockenstellmanagement
Prof. Dr. V. Krömker, FH Hannover, FB Bioverfahrenstechnik
Trockenstellmanagement
Unter Trockenstellmanagement sind alle Aspekte und Maßnahmen zu verstehen, die berücksichtigt
und umgesetzt werden müssen, um den Übergang der Milchkuh aus der laktierenden
Phase in die nicht laktierende Phase zu unterstützen und dabei die Gesundheit des Tieres — und
insbesondere die Eutergesundheit — zu erhalten oder zu verbessern.
In der modernen Mastitisbekämpfung rückt die Trockenperiode immer mehr ins Licht des
Interesses. War diese Phase früher — und ist in vielen Betrieben immer noch - die Haupttherapiezeit
für Euterentzündungen über Langzeitantibiotika - die sog. Trockensteller, so ist zunehmend
festzustellen, dass mit der Zurückdrängung der klassischen kuhassoziierten Mastitiserreger (S.
aureus, Sc. agalactiae, Sc. dysgalactiae) die Trockenperiode als Neuinfektionsphase für die
umweltassoziierten Erreger besonders wichtig wird. Fehler im Trockenstehermanagement, der
Stallhygiene und in der Fütterung können Neuinfektionen begünstigen. Die Empfänglichkeit der
Kühe für eine Neuinfektion in dieser Phase steigt mit steigender Milchleistung und mit hohen
Tagesgemelken (> 20 kg) zum Trockenstellzeitpunkt. Bekannt ist, dass diese Infektionen nicht
allein in der Trockenperiode, sondern vor allem in der folgenden Frühlaktation zu klinischen Erkrankungen
führen.
Neuinfektionen in der Trockenperiode
Verschiedene Untersuchungen haben gezeigt, dass übliche Trockenstellpräparate nicht immer
gegenüber den Keimen, die in der Trockenperiode Neuinfektionen hervorrufen, wirksam sind. Neuinfektionen
in der Trockenperiode werden unter unseren Produktionsbedingungen überwiegend
durch Keime aus der Gruppe der Coliformen (v.a. E. coli und Klebsiella spp.) oder durch die sog.
Umweltstreptokokken (Sc. uberis, Enterokokken etc.) verursacht. Die Neuinfektionsrate der Milchdrüse
in der Trockenperiode ist von dem sicheren Verschluss des Zitzenkanals abhängig. Durch
die Ansammlung von Keratin — einer hornähnlichen, keimabtötenden Substanz — nach dem Ende
des Melkens entsteht ein Pfropf im Zitzenkanal, der den Kanal in der Trockenperiode keim dicht
verschließen soll. Bedauerlicherweise zeigen verschiedene Untersuchungen, dass die Bildung
dieses Pfropfens häufig zu langsam geschieht oder / und manchmal gar nicht gelingt, so dass die
Zitzenkanäle in der Trockenperiode unverschlossen bleiben. Die Mehrzahl der Infektionen erfolgt
in Vierteln mit offenem Zitzenkanal. So ist auch erklärlich, dass innerhalb der ersten und der
letzten Woche der Trockenperiode, die Neuinfektionsrate der Milchdrüse 5 mal höher ist als im
Mittel der gesamten Laktation.

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Die Anzahl auftretender Neuinfektionen ist von der Anzahl von Keimen an den Zitzenspitzen abhängig.
Aus diesem Grund müssen die Boxen- und Stallbereiche der trockenstehenden Kühe besonders
sauber und trocken gehalten werden. Weideflächen mit feuchten und sumpfigen Arealen
sind zu vermeiden.
Trockenstellmethode
Bei hochleistenden Kühen sollte zwei Wochen vor dem geplanten Trockenstelltermin die Kraftfuttergabe
eingestellt werden. Ein räumlicher Wechsel unterstützt den Milchrückgang. Der eigentliche
Trockenstellprozess sollte abrupt stattfinden. Die Kühe sollten zwei Wochen nach dem
Trockenstellen täglich kontrolliert/beobachtet werden, um sicher zu stellen, dass sich die Milchdrüsen
entsprechend zurückbilden. Euter mit geschwollenen Vierteln sollten auf Mastitis kontrolliert
werden.
Ziele der Trockenstelltherapie
Zwei Ziele werden mit der antibiotischen Behandlung zum Trockenstellzeitpunkt verfolgt. Neben
der Reduzierung von bereits bestehenden Infektionen (Behandlung) soll auch die Neuinfektionsrate
der Milchdrüse innerhalb der Trockenperiode verringert werden (Vorbeugung). Die Heilungsraten
nach der Anwendung eines üblichen „Trockenstellers“ werden maßgeblich von der Art der
Erreger im Drüsenviertel, dem Alter der Kuh, von der Anzahl vorangegangener Behandlungen, von
den Haltungs- und Fütterungsbedingungen in der Trockenperiode und natürlich vom eingesetzten
Präparat beeinflusst. Die Qualität des vorbeugenden Schutzes vor Neuinfektionen hängt von der
Wirksamkeit des Präparates gegenüber den in der Trockenperiode eindringenden Erregern und
der Fähigkeit des Präparates eine dauerhafte antibiotische Barriere zu errichten ab. Gelingt dies
über die gesamte Trockenperiode, ist von einem guten Neuinfektionsschutz auszugehen. Die
Stärke der herkömmlichen antibiotischen Präparate zur Trockenstellung liegt aber eindeutig in der
Therapie bestehender Infektionen. Seit kurzer Zeit ist in Deutschland ein Präparat (OrbeSeal®)
zugelassen, dass die zur Wahl stehenden Präparate zur Trockenstellbehandlung ergänzt. Dieses
Präparat ist vollständig auf die Verhinderung von Neuinfektionen ausgerichtet. Bestehende
Infektionen können hiermit nicht geheilt werden.
Seine Wirkung besteht in einem Verschluss des Zitzenkanals mit einer stabilen in die Zitze und
den Zitzenkanal eingebrachten nichtantibiotischen Substanz (Wismutsubnitrat). Damit soll das
Eindringen von Mastitiserregern in die Milchdrüse verhindert werden. Es wird wie ein antibiotisches
Trockenstellpräparat nach dem letzten Melken nach Säuberung und Desinfektion der Zitze in den
Zitzenkanal eingebracht. Natürlich darf die Substanz nicht aus der Zitze in die Milchdrüse massiert
werden. Erste Untersuchungen aus den Ländern in denen dieses Produkt bereits länger angewandt
wird und aus Deutschland zeigen, dass mit Hilfe von OrbeSeal® zumindest eine Senkung

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der Neuinfektionen in der Trockenperiode auf das Niveau, das mit handelsüblichen Trockenstellern
erreicht werden kann, gelingt. Zusätzlich zeigt sich, dass eine signifikante Senkung der Anzahl von
klinischen Euterentzündungen innerhalb der ersten fünf Monate der nachfolgenden Laktation möglich
ist. Weitere Aspekte, die für die Anwendung von OrbeSeal® sprechen, sind: keine Wartezeit,
Haltbarkeit des Verschlusses bis zu 100 Tagen, einfache Entfernung durch Ausmelken.
Klassischer „antibiotischer Trockensteller“ oder interner „Teat Sealer“?
Zur Entscheidung welche Präparate zur Anwendung kommen sollen, müssen Informationen über
die Eutergesundheit der einzelnen trockenzustellenden Tiere und über die Herdeneutergesundheit
vorliegen. Die Anwendung von OrbeSeal® wird insbesondere für das Trockenstellen eutergesunder
Tiere und das selektive Trockenstellen diskutiert, so dass nicht infizierte Drüsenkomplexe
mit „Teat sealer“ und infizierte mit herkömmlichen Präparaten versorgt werden könnten.
Weiterhin ist die Kombination aus der Gabe eines Antibiotikums und des Verschlusses des Zitzenkanales
mit dem Teat Sealer möglich. Eine zusätzliche Senkung der Neuinfektionsrate, über das
durch den Teat Sealer erreichbare Maß hinaus, konnte bislang nicht festgestellt werden. Generell
gilt, dass euterkranke Kühe besser mit einem antibiotischen Trockenstellpräparat versorgt werden.
Ideal für die Anwendung von OrbeSeal® sind Kühe, die auf allen vier Eutervierteln gesund sind.
Milchviehbetriebe, in denen Probleme mit sog. kuhassoziierten Keimen vorliegen, sollten statt des
Teat sealers besser eine antibiotische Trockenstellbehandlung mit einem üblichen Präparat durchführen.
Vorteile der Anwendung von „Trockenstellern“
 Höhere Heilungsrate als bei Behandlung in der Laktation
 Anwendung höherer Dosen ist möglich
 Längere Wirkdauer des Präparates
 Weniger Neuinfektionen während der Trockenstehzeit
 Gewebsschäden können sich zurückbilden
 Weniger klinische Mastitisfälle in der Frühlaktation
 Geringere Hemmstoffgefahr
Alle oder einzelne Viertel
Sollen alle Viertel aller Tiere oder nur einzelne Tiere oder Viertel behandelt werden? Ohne Voruntersuchung
und mit Einzelgemelkszellzahlen > 100.000 Zellen/mi sollten alle Tiere therapiert
werden. Wird die geforderte Voruntersuchung durchgeführt, kann aufgrund der Ergebnisse eine
selektive Behandlung erfolgen. Haben alle Kühe der Herde Zellgehalte im Einzelgemelk von <
100.000 Zellen/mI können über die Einzelvierteluntersuchung erkrankte Viertel identifiziert

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(Schalmtest, zytobakteriologische Milchprobenuntersuchung) und diese dann selektiv behandelt
werden. Trotz dieser Methode können unter Umständen 20-40 % der infizierten Viertel nicht erkannt
werden.
Anwendungshygiene
Zur Verhinderung von Neuinfektionen, die unmittelbar bei der Einbringung von Arzneimitteln in das
Euter entstehen können, sind umfangreiche hygienische Maßnahmen erforderlich. Ihre Beachtung
ist gerade in Milchviehbetrieben mit einem niedrigen hygienischen Standard von besonderer Bedeutung.
Die nachfolgenden Schritte sollten berücksichtigt werden:
 Euter und Zitzen sorgfältig reinigen (möglichst trocken)
 Euter gut ausmelken
 Zitze abtrocknen lassen
 Handschuhe
 Zitzenspitze sehr sorgfältig desinfizieren (Einwegpapier mit viel 70 %igen Brennspiritus
oder Alkoholtücher) - zum Melker hinarbeiten
 Die Zitzenkuppe muss vor der Anwendung trocken sein.
 Die Injektoren oder ihre Schutzkappen nicht in den Mund nehmen.
 1 Injektor pro Viertel langsam einbringen, nicht massieren; vom Melker weg arbeiten
 Zitzentauchen aller Zitzen (Tierarzneimittel)
 Kontrollieren, ob das Tier in den nächsten Tagen die Milch laufen lässt
 Falls dies der Fall ist nachbehandeln
 Mastitiskontrolle in der ersten Trockenstehwoche
Anzahl der Therapien
Die doppelte Applikation von Trockenstellpräparaten in einer Trockenperiode oder die vor der
Trockenphasenbehandlung durchgeführte Kurzzeittherapie ist in den meisten Fällen nicht effizient.
Der geringgradigen Verbesserung der Heilungsrate steht ein deutlich höherer Aufwand, mit dem
Risiko von selbst verursachten Neuinfektionen und verlängerter Ausscheidung von Hemmstoffen
nach der Abkalbung, gegenüber. Weiterhin wird die Effektivität des Trockenstellens unter antibiotischem
Schutz dann fraglich, wenn die Trockenperiode länger als 6 Wochen andauert, die
Kühe sehr alt sind, drei oder vier Viertel der Kuh infiziert sind oder die Zellzahl im Einzelgemelk
bereits einige Monate über 1 Million Zellen! ml liegt.

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Fütterung
Besser als die Therapie von Eutererkrankungen, die nicht nur teuer, sondern manchmal auch unerfolgreich
ist, ist in jedem Fall die Vorbeugung. Sie beginnt damit, dass bereits in der Spätlaktation
dafür gesorgt wird, dass die Milchkühe nicht übermäßig verfetten (Soll BCS 3,25-3,75).
Eine ausgewogene Fütterung in der Trockenperiode, die weder Hungerketosen nach sich zieht
noch zur Verfettung der Tiere in der Trockenperiode führt, kann die Abwehrkraft des Tieres maßgeblich
positiv beeinflussen.
Ökonomie
Wird das Trockenstellen unter antibiotischem Schutz im Sinne der Ermittlung des
Nutzen/Kostenverhältnisses mit anderen Mastitisbekämpfungsverfahren (wie der Managementoptimierung,
der Melkmaschinenkorrektur, der Zitzendesinfektion etc.) verglichen, so ist die Bilanz
für diese Therapie — auch unter Berücksichtigung der bislang angeführten Einwände durchaus
positiv. Diese Maßnahme ist neben der Managementoptimierung die ökonomisch sinnvollste
Einzelmaßnahme in der Mastitisbekämpfung.
Die wichtigsten Punkte:
1. Zwei Wochen vor dem Trockenstelltermin sollte die Energieaufnahme reduziert werden.
Eine ausgewogene Fütterung und ein gutes Herdenmanagement sorgen für abwehrstarke
Kühe in der Trockenperiode.
2. In den meisten Herden ist die Anwendung von Arzneimitteln zum Trockenstellen für alle
Kühe und alle Viertel weiterhin sinnvoll.
3. Die Auswahl der richtigen Präparate muss anhand der Eutergesundheitssituation im Bestand
vorgenommen werden.
4. Idealerweise werden trockenzustellende Kühe zytobakteriologisch untersucht.
5. Bei der Anwendung von Arzneimitteln zum Trockenstellen muss besonders viel Wert auf
die Anwendungshygiene gelegt werden.
6. Trockenstehende Kühe müssen unter besonders sauberen und trockenen Bedingungen
gehalten werden, um Neuinfektionen zu verhindern.
7. Trockenstehende Kühe müssen regelmäßig — insbesondere in den ersten zwei Wochen
nach dem Trockenstellen und in den letzten zwei Wochen vor der Geburt auf Hinweise von
Eutererkrankungen kontrolliert werden.

Dateigröße126.58 kB
Dateityppdf (Dateityp: application/pdf)
Erstelleradmin
Erstellt am 26.08.2009 11:02
Zugriffe560 Zugriffe
Zuletzt geändert 26.08.2009 11:03
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AutorProf. Dr. V. Krömker
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