Start Download Verzeichnis Arbeitswirtschaftliche Aspekte der Milchgewinnung - Kritik des Weglassens
Details für Arbeitswirtschaftliche Aspekte der Milchgewinnung - Kritik des Weglassens
ObjektWert
NameArbeitswirtschaftliche Aspekte der Milchgewinnung - Kritik des Weglassens
Beschreibung


1
Arbeitswirtschaftliche Aspekte der Milchgewinnung - Kritik des
Weglassens
D. Ordolff, Braunschweig / Kiel;
A. Krumm, H. Grimm, Stuttgart-Hohenheim
1. Einleitung
Eine gut organisierte Durchführung der Melkarbeiten trägt nicht nur zur Vermeidung überflüssigen
Zeitaufwandes bei, sie hilft auch Milchqualität und Eutergesundheit zu sichern.
Die Routinearbeiten beim Melken lassen sich wie folgt unterteilen:
 Eigentliche Melkarbeiten (an der Einzelkuh):
tEv (Eutervorbereitung), tAN (Ansetzen des MZ), tMNG (Maschinennachgemelk), tAB (Abnehmen
des MZ), tEK (Euterkontrolle und Dippen), tSTÖR Störung (meist abgeschlagene
Melkzeuge)
 Arbeiten an der Kuh/Kuhgruppe:
twEG (Gehen), tEIN (Einlassen einer Kuh/Gruppe), tAUS (Auslassen einer Kuh/Gruppe), tKF
(Kraftfuttervorlage), tWRAUM (Arbeit im Warteraum), tsoN (Sonderarbeiten)
 Arbeiten am System:
tMzws (Melkzeug waschen), tMsws (Melkstand reinigen), tORG (sonstige Organisation)
 Rastzeit des Melkers:
tRAST (verfahrensbedingte Rastzeit)
Es fallen nicht alle Arbeiten zwangsweise an.
2. Ergebnisse von Arbeitsstudien
Im Rahmen einer Diplomarbeit im Institut für Agrartechnik der Universität Hohenheim wurden in
Deutschland und Großbritannien Arbeitsstudien zur Beurteilung der Effizienz von Swing Over-
Melkständen durchgeführt. In Großbritannien waren die Arbeitszeiten je Kuh (Tab. 1) unabhängig
von der Melkstandvariante sehr ähnlich. In den beobachteten deutschen Melkständen arbeiteten
die Melker dagegen erheblich länger je (Einzel-)Kuh. Vor allem daraus erklären sich die deutlichen
Unterschiede bei der Anzahl der pro Person und Stunde gemolkenen Kühe. Auch die Rastzeiten
waren in den deutschen Betrieben höher. Dies weist auf zu geringe Melkstandgröße oder auf ungünstige,
nicht an die Bedingungen im Swingover angepasste Arbeitsorganisation hin. Der Zeitaufwand
für die Gruppe „System“ war hingegen gleich, da diese Arbeiten nicht von der
Organisation der eigentlichen Melkarbeit abhängen.

2
Tab. 1: Arbeitszeitaufwand in den untersuchten Melkständen (cmin/Kuh und Melkzeit; geom.
Mittelwert)
Die Leistungen der Melker in den unterschiedlichen Verfahren sind in den Abbildungen 1 a und 1 b
wiedergegeben. Darin ist in der linken Abbildung die Abhängigkeit des Arbeitszeitaufwandes von
der Anzahl Melkzeuge, in der rechten von der Anzahl Melkplätze dargestellt.
„S GB“: Swingover GB „S D“: Swingover D „D GB“: FGM mit Einzelmelkzeugen GB
Abb. 1 a (links) + 1 b (rechts): Arbeitszeitaufwand je Kuh in Abhängigkeit von der Melkstandgröße
Für die gleiche Melkleistung wurden im FGM mit Einzelmelkzeugen mehr Melkzeuge (Abb. 1 a) als
im Swingover-Melkstand benötigt, diese befinden sich jedoch in Anlagen mit weniger Melkplätzen
(Abb. 1 b).
Die Platzbelegung in FGM mit Einzelmelkzeugen sank von 4,7 Kühen/Pl. und Stunde in kleineren
Anlagen (im Mittel 20 Plätze) auf 3,6 Kühe/Pl. und Stunde bei mehr als 30 Plätzen, während sie in
den Swing-Over-Melkständen in allen Größenklassen bei deutlich niedrigeren 3,1 Kühen/Platz und
Stunde lag. Außerdem zeigte sich ein nicht linearer Verlauf des Merkmals tGesamt über die Melkstandgröße.
Er wurde sehr stark von Unterschieden in den Arbeiten an der Kuh („Einzelkuh“, Tab.
1) bestimmt, insbesondere wurde in deutschen Melkständen ein deutlich höherer Zeitaufwand für
tMNG gefunden.

3
3. Schlussfolgerungen
Aus den beschriebenen Ergebnissen läßt sich einmal mehr ableiten, daß die Melker ihre Melkarbeit
hauptsächlich durch Weglassen oder Verkürzen von Routinen an die je Kuh zur Verfügung
stehende Zeit anpassen. Davon betroffen sind, wie schon in früheren Untersuchungen gezeigt
wurde (Abb. 2), vor allem die Arbeiten mit Bezug zur Eutervorbereitung, also Euterreinigung, Gewinnung
und visuelle Beurteilung der Vorgemelke und Stimulation, aber auch Euterkontrolle/
Nachmelken und Zitzendippen.
Während Stimulation, Nachmelken und Zitzendippen gegebenenfalls durch entsprechende
technische Einrichtungen mechanisierbar sind, wenn auch nicht immer mit zufriedenstellender
Wirksamkeit, ist es mit Bezug auf die Einhaltung der Milchverordnung, aber auch zur Sicherung
der Eutergesundheit und zur Vermeidung damit zusammenhängender Risiken, nach dem augenblicklichen
Stand der Technik nicht vertretbar, die Eutervorbereitung vollständig „einzusparen“.
Daraus resultiert die Notwendigkeit, die von einigen „Beratern“ und von der Industrie immer wieder
versprochenen Arbeitsleistungen von 100 Kühen/Melkperson und Stunde und mehr sehr kritisch
zu hinterfragen, denn selbst wenn z.B. im Melkkarussell oder im FGM-/Parallel Melkstand mit
Frontaustrieb der Arbeitszeitaufwand für Ein- und Austrieb der Kühe verringert werden kann, reicht
die bei derartigen Durchsätzen verfügbare Zeit eigentlich nur noch zum Ansetzen des Melkzeuges
aus.
Comparison of data of different origin on labour requirement in milking parlours
Abb. 2: Arbeitszeitaufwand in amerikanischen und deutschen Melkständen (Herringbone = Fischgrätenmelkstand;
R. E. = Schnellaustrieb)

Dateigröße158.95 kB
Dateityppdf (Dateityp: application/pdf)
Erstelleradmin
Erstellt am 26.08.2009 11:04
Zugriffe431 Zugriffe
Zuletzt geändert 26.08.2009 11:07
Homepage
AutorD. Ordolff
Download Anzeigen


Zurück